Mobile World Congress 2015: Das sind die Smartphone- und Tablet-Neuvorstellungen

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Mobile World Congress 2015: Das sind die Smartphone- und Tablet-Neuvorstellungen

In Barcelona wurden auf dem Mobile World Congress 2015 traditionell die neuesten mobilen Produkte enthüllt und die Trends der kommenden Monate vorgestellt. Monster.de nennt die spannendsten Neuvorstellungen. Teil 1: Smartphones - und ein Tablet.

Die Überraschung der Messe? HTC, gefolgt von Huawei. Die Enttäuschung der Messe? Wieder HTC. Und den größten Eindruck? Ganz klar Samsung.

Doch der Reihe nach.

Viel Kritik hat Samsung in den letzten Monaten einstecken müssen. Das Galaxy S5 war nicht der erhoffte Bringer, das viele Plastik und die überfrachtete eigene Software-Lösung sorgten für Negativpresse und schlechte Verkaufszahlen. Da konnten auch nicht die Aluminium-Modellreihe Alpha, das riesige Note 4 und die fast schon verzweifelt-bemüht wirkenden S5-Varianten Active, Zoom, Mini und Plus für Besserung sorgen, die Geschäftszahlen waren nicht so gut wie die Verantwortlichen hofften.

Mit dem S6 und dem S6 Edge wollen die Südkoreaner Boden gutmachen. Dafür verbauten die Ingenieure modernste Technik und edles Material in den beiden Smartphone-Boliden: So steckt der hauseigene 64-Bit-Achtkernprozessor Exynos 7, der mit bis zu 2,10 GHz taktet und im 14 Nanometer-Verfahren gefertigt ist, zusammen mit flinkem drei Gigabyte LPDDR4-Arbeitsspeicher und pfeilschnellem UFS-2.0-Flashspeicher in einem Glas-Metal-Korpus.

Nach Angaben von Samsung liest und schreibt der 32, 64 oder 128 Gigabyte große Flashspeicher sequenziell aufgrund der Unterstützung der "Command Queue"-Technik "auf SSD-Level", bei wahlfreien Lesezugriffen gibt Samsung bis zu 19.000 IOPS, bei wahlfreien Schreibzugriffen bis zu 14.000 IOPS an. Zudem soll der Embedded-Flash-Speicher 2,7 mal schneller sein als Speicherchips im eMMC 5.0-Format, die aktuell in vielen Smartphones zum Einsatz kommt. Gleichzeitig ist die Leistungsaufnahme um 50 Prozent niedriger, was der Akkulaufzeit zu Gute kommt.

Die Kehrseite des neuen Luxus beziehungsweise des Glas-Metal-Gehäuses: Der Akku ist nicht mehr wechselbar, der Speicher nicht mehr erweiterbar, und wasserdicht sind die neuen S6-Boliden auch nicht mehr. Argumente, die bislang für viele ein großes Plus-Kriterium beim Kauf eines Samsung-Smartphones gewesen sind, hier dürfte vor allem bei der Samsung-Fangemeinde großer Unmut folgen.

Dafür bieten das S6 und das Edge ein farbenfrohes und hochaufgelöstes 5,1-Zoll-QHD Super AMOLED-Display, das mit 1.440 mal 2.560 Pixeln auflöst und dementsprechend über eine Pixeldichte von 576 ppi verfügt. Wie die Rückseite ist es mit Gorilla Glas 4 vor Erschütterungen geschützt.

Lichtfreundliche Kamera

Ein Kernstück der Galaxy-Smartphones war bislang stets die Kamera, die auch beim S6 glänzen will. Samsung verspricht vollmundig die schnellste Kamera in der Geschichte der Reihe, nach 0,7 Sekunden ist die 16 Megapixel-Knipse einsatzbereit. Unterstützt werden die Aufnahmen von einem optischen Bildstabilisator, zudem ist die Blende mit f/1,9 theoretisch auch im Lowlight für gute Aufnahmen zu haben. Die Linse steht ein wenig aus dem Gehäuserücken hervor. Neben FullHD wird auch UltraHD-Aufnahmen unterstützt.

Jede Menge Sensoren sind wieder in das Gerät gepackt, darunter ein Fingerabdrucksensor im Home-Button, ein Infrarot-Pulsmesser, der gleichzeitig der Kamera beim Weißabgleich hilft, kabelloses Aufladen nach Qi- und PMA-Standard, schnelles USB-Laden und bargeldloses Bezahlen mittels NFC oder MFT. WLAN 802.11ac, LTE Cat 6 und Bluetooth 4.1 stehen ebenfalls zur Verfügung.

Das S6 Edge hebt sich von seinem Bruder durch das beidseitig geschwungene Display ab, dort können Informationen wie Uhrzeit, Akkustand oder die Temperatur angezeigt werden, auch ist der Akku mit 2600 mAh minimal größer als der 2550 mAh-Akku des S6; ansonsten erinnern die S6-Smartphone teils frappierend an die Konkurrenz aus Cupertino. Es dürfte spannend werden, ob es wieder Klagen seitens Apple gibt.

Ausflug in die virtuelle Realität

Für Virtual Reality-Fans dürfte das S6 ebenfalls interessant sein, wie schon das Note 4 kann das Smartphone in die Halterung der sogenannten GearVR eingeschoben werden, um Ausflüge in die virtuelle Realität zu unternehmen. Das befindet sich nach wie vor in einem Beta-Status für Entwickler, Endkunden sollten also vielleicht noch die finale Version abwarten. Entwickelt wurde das GearVR in Zusammenarbeit mit den Experten von Oculus Rift, und konnte bislang mit beeindruckenden Erfahrungen überzeugen. Die neue Version verfügt über einen aktiven Kühler, der eine Überhitzung des Smartphones vermeiden soll, sowie über eine aktive Stromversorgung mittels USB.

Insgesamt dürfte es spannend werden, ob Samsung mit dem Doppelpack an alte Erfolgszeiten anknüpfen und Apples iPhone 6 Marktanteile abluchsen kann.

Ein Vorhaben, das die Taiwaner von HTC mit ihrem One M9 ebenfalls im Sinn gehabt haben, damit allerdings erhebliche Probleme bekommen dürften.

Denn im Vergleich zum gelungenen One (M8) vom Vorjahr sind die Änderungen beim M9 marginal, und der größte Kritikpunkt - die Kamera - ist nach wie vor der Pferdefuß des ansonsten immer noch äußerst anmutig designten und edel wirkenden Geräts.

Ultrapixel in der Front

Zwar hat HTC die Ultrapixel genannte Technologie, bei der die Pixel größer und damit lichtempfänglicher ausfallen, nun in die Selfie-Kamera gesteckt, bei dem 20 Megapixel-Sensor von Toshiba auf der Rückseite jedoch auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet. Die zweite Rückkamera, die beim M8 für Tiefeninformationen verantwortlich war, ist ebenfalls gestrichen worden. Auch sorgt besagter Sensor nach ersten Berichten zwar für UltraHD-Videos, jedoch nur für durchschnittliche Bilder mit hohem Bildrauschen, was zuwenig sein dürfte, um Samsung und Apple den Schneid abzukaufen.

Daran ändert auch nicht der um Dolby Audio erweiterte Klang der an der Front befindlichen BoomSound-Lautsprecher etwas, in Zeiten von leistungsstarken und vor allem bezahlbaren mobilen Bluetooth-Boxen dürften Frontlautsprecher für die wenigsten ein Killerfeature sein. Zumal es zweifelhaft ist, wie bei einem Smartphone Surround-Sound wirken soll.

Ansonsten hat HTC mit dem Qualcomm Snapdragon 810 den aktuellsten SoC des Chip-Giganten verbaut, der 64-Bit-Achtkerner taktet mit bis zu 2,0 Gigahertz. Ihm zur Seite stehen drei Gigabyte Arbeitsspeicher, der 32 Gigabyte große Flashspeicher kann mittels MicroSD-Karte erweitert werden.

Vieles beim alten

Nichts getan hat sich beim Display, das fünf Zoll große S-LCD-Display löst mit FullHD auf und ist mit Gorilla Glas 3 geschützt. Bluetooth 4.1, NFC, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac und LTE Advanced mit 450 Mbit/S finden sich ebenfalls im wertigen Gehäuse wie ein 2840 mAh großer Akku.

Insgesamt ist das M9 eine Evolution statt einer Revolution. Es ist verzeihlich, dass HTC wenig an seinem schicken Unibody-Design verändert hat, selbst wenn der Power-Knopf an die Seite gewandert, die Seiten etwas betonter und der Rücken etwas griffiger geworden ist; doch nach wie vor auf eine Kamera zu setzen, die zwar schnell auslöst, aber nach wie vor mittelmäßige Bilder produziert, ist 2015 nicht mehr konkurrenzfähig, weshalb HTC mit einem der vielleicht schönsten Smartphones trotzdem negativ überraschte. Bleibt nur zu hoffen, dass HTCs Ingenieure bis zur Veröffentlichung des M9 die Kamera mittels Softwareupdate konkurrenzfähig bekommen.

Paukenschlag mit Re Vive und der virtuellen Realität

Das galt nicht für das HTC Re Hive, der zweiten großen Neuankündigung des taiwanesischen Unternehmens. Dahinter verbirgt sich ein Virtual Reality-Headset, das HTC in Zusammenarbeit mit dem Spielegiganten Valve entwickelt. Valve ist der Betreiber der PC-Online-Plattform Steam, die monatlich 125 Millionen aktive Nutzer hat und damit plattform-übergreifend zu den größten Gaming-Angeboten gehört.

Dementsprechend gibt es 125 Millionen mögliche Kunden für das Hive-Headset, zu dessen Hardware es bislang wenig bis keine Informationen gibt. Es ist ein bulliges Headset, das von Valves SteamVR-Lösung angetrieben wird. Auf der Front sind jede Menge Lichtrezeptoren untergebracht, die laut HTC als Teil eines laserbasierten Motiontrackers arbeiten. Zwei Displays lösen mit 1200 mal 1080 Pixel auf und haben eine Refreshrate von 90 Bildern pro Sekunde, was ein klares, schlierenfreies Bild verspricht - und wohl einen äußerst potenten PC verlangt. Valve verspricht, dass "Null Prozent der Leute übel wird beim Benutzen des Headsets" - ein hehres Vorhaben.

Durch einen Gyrosensor, Beschleunigungsmesser und Laser-Positionsmesser soll ein 360-Grad-Erlebnis ermöglicht werden, HTC gibt die Genauigkeit der X- und Y-Achse mit einem Zehntel Grad an. Zwei sogenannte Steam-VR-Basisstationen namens "Lighthouse" sollen die physische Position des Nutzers in einem Raum von circa fünf mal fünf Metern ermitteln können, sie werden kostenlos sein, damit sich das VR-Produkt "wie USB" auf breiter Fläche etablieren kann. Spezielle VR-Game-Controller, die an Sonys Move-Eingabegeräte erinnern und ebenfalls mit Lichtrezeptoren arbeiten, sollen die Interaktion mit virtuellen Objekten ermöglichen. Im Frühling gibt es die Entwicklerversion, das Endkundenkit soll noch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit nachfolgen.

Es dürfte ein spannender Kampf um die Gunst der VR-Interessierten werden. Neben Samsung und HTC mischen noch Oculus Rift, AMD, Razer und Sony mit. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Virtual Reality finden Sie demnächst hier auf Monster.de.

Ikea lässt laden

Auch Ikea ist auf dem Mobile World Congress vertreten. Der schwedische Möbelgigant hat Tische und Lampen im Messegepäck, die Smartphones mittels Induktion kabellos per Qi-Ladefunktion aufladen. Was Tische und Lampen beim Verkaufsstart im April 2015 kosten werden, ist nicht bekannt.

Kein neues Flaggschiff aus Japan

Mit Abwesenheit hat Sony geglänzt, besser gesagt die erwartete Ankündigung des Z4-Smartphone. Doch ließ Sony verlauten, dass ein neues Flaggschiffmodell derzeit aufgrund der Nachfrage nach dem Z3 und Z3 Compact derzeit nicht von Nöten sei. Dafür hatten die Japaner mit dem Z4-Tablet ein äußerst dünnes, potentes Android-5.0-Tablet mitgebracht.

Neben dem aktuellsten Qualcomm 810-Prozessor und drei Gigabyte Arbeitsspeicher bietet das Tablet 32 Gigabyte erweiterbaren Flashspeicher und überzeugt mit extrem dünnen und leichten Maßen. Es wiegt gerade mal 389 Gramm und ist 6,1 Millimeter flach.

Das 10,1 Zoll-Display löst mit 1600 mal 2560 Pixeln auf. Ersten Eindrucken zufolge ist es leuchtstark, nach Angaben von Sony  der hellste in der 10,1 Zoll-Kategorie. Befeuert wird das Tablet von einem 6000 mAh starken Akku, die Kameras lösen mit 8,1 beziehungsweise 5,1 Megapixeln auf. Neben einer WLAN-Version gibt es noch eine LTE-Variante. Zudem zeigten die Japaner mit dem Sony Xperia M4 Aqua noch ein wasserdichtes Mittelklasse-Smartphone auf Android-Basis und mit Kunststoff-Korpus.

Microsoft hält sich zurück

Wenig aufregendes gab es in Punkto Windows Phone auf dem MWC zu sehen. Microsoft präsentierte mit dem Lumia 640 und 640 xL zwei Mittelklassegeräte mit fünf beziehungsweise 5,7 Zoll großem Display und Windows Phone 8.1, die über eine kostenlose Jahreslizenz für die Online-Officesoftware-Lösung Office 365 sowei ein Terabyte OneDrive-Speicher und 60 Skype-World-Minuten verfügen. Kostenpunkt: 159 beziehungsweise 179 Euro für das 640 in der 3G-Dualsim- beziehungsweise für die LTE-Variante, und 219 Euro für das XL in der 3G-Dualsim-Version.

Ferner wird es jedes Modell noch als Single-SIM-, LTE- und LTE Dual-SIM-Variante geben, beide Geräte können auf Windows 10 aktualisiert werden. Acer hat mit dem Liquid M220 Plus ein 89 Euro teures Einsteigertelefon mit Dual-SIM und Windows 8.1 und der Möglichkeit, auf Windows 10 zu updaten, im Angebot.

Blackberry greift an

Einen weiteren Versuch, um die Gunst der Käufer zu buhlen, unternahm der strauchelnde Smartphone-Hersteller Blackberry. Zwei Geräte wurden vom kanadischen Anbieter gezeigt: Das Leap und ein noch namenloses Telefon mit Hardware-Tastatur. Das Leap ist ein 5-Zoll-Smartphone mit einer 720p-Auflösung, das einer Mischung aus den Vorgängermodellen Z10 und Z30 ähnelt und auf Mittelklasse-Hardware und einen Kampfpreis setzt. Angetrieben wird das Telefon von einem Qualcomm S4 Plus MSM 8960 mit zwei 1,5 Gigahertz-Kernen, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und erweiterbare 16 Gigabyte Flashspeicher. Fotos nimmt das Gerät mit einer Acht-Megapixel-Kamera auf der Rückseite auf, die Frontseite schießt mit zwei Megapixel.

Videos werden in 1080p beziehungsweise 720p-Videos auf. Das b/g/n-Wlan funkt nur im 2,4 Gigahertz-Bereich, ferner sind Bluetooth 4.0, LTE und GPS vorhanden. Saft spendet ein 2800 mAh-Akku, der selbst bei starker Nutzung mindestens 25 Stunden halten soll. Als Betriebssystem kommt Blackberrys eigene Software Blackberry OS 10.3.5 zum Einsatz, die nach wie vor als sicher gepriesen wird. Kostenpunkt: 275 US-Dollar.

Noch namenlos ist die zweite Neuvorstellung der Kanadier, ein Slider-Smartphone mit doppelt gebogenem Display und einer Hardwaretastatur. Hardware-Ausstattung, Preis und Verfügbarkeit sind nicht bekannt, genausowenig der Name des Geräts.

Was es bei Wearables und sonstigen Hardware-Neuheiten zu sehen gab, erfahren Sie im zweiten Teil des Artikels hier auf Monster.de.

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