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Anschreiben: Fehler und Formulierungsfallen

Anschreiben: Fehler und Formulierungsfallen

 

Das Anschreiben empfinden Bewerber oft als größte Hürde. In Teil eins des Ratgebers Anschreiben geht es um Formulierungsfallen, in die Bewerber oft tappen, und die größten Fehler, die sie machen.
 

Von Helga Krausser-Raether

Das Anschreiben auf eine Stellenanzeige nimmt Zeit in Anspruch. Ich höre immer wieder von Bewerbern, dass man sich ja so gut wie möglich präsentieren ("verkaufen"), sich "von der breiten Masse abheben" und das perfekte Anschreiben abliefern soll, möglichst mit ausgefeilten und originellen Sätzen. Für einige Berufe mag Originalität oder schriftstellerische Kompetenz im Anschreiben gefragt sein. Für die meisten Bewerbungen ist dies nicht notwendig.

In diesem Ratgeber geht es darum zu zeigen, wie Sie ein Anschreiben verständlich und inhaltlich wertvoll formulieren, damit am Ende eine erfolgreiche Bewerbung herauskommt. Zunächst ein paar Beispiele, was leider sehr oft falsch gemacht wird.

Hiermit bewerbe ich mich ...

Das Übel beginnt oft schon mit der Einleitung. Sätze wie ...

  • Hiermit bewerbe ich mich
  • mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen und möchte mich hiermit auf die ausgeschriebene Stelle als XYZ bewerben
  • Ihre Stellenanzeige hat sofort mein Interesse geweckt
  • mein Interesse wurde sofort durch die Betonung auf die Qualität der Produkte und das beeindruckende internationale Netzwerk des Unternehmens geweckt

sind verschenkter Zeilenplatz. Dass Sie sich auf eine konkrete Stelle bewerben sollte schon aus dem Betreff hervorgehen. Das müssen Sie nicht im Einstiegssatz noch einmal betonen.

Verkaufsargumente in eigener Sache sollen häuftig Sätze sein wie: Ich bin sicher, dass ich der Richtige für Sie bin. Ob das wirklich der Fall ist, entscheiden aber nicht Sie, sondern das Unternehmen. Auch anbiedernde Formulierungen wie Firma A – das traditionsreiche Unternehmen für Tiernahrung in Deutschland – stellt sich mir als ein äußerst attraktiver Arbeitgeber dar und Statements wie Darüber hinaus ist das Arbeitsfeld Altersgerechte Ernährung für Senioren aus meiner Sicht eine der wesentlichen gesellschaftlichen Aufgaben der nächsten Jahre reißen einen Arbeitgeber garantiert nicht vom Hocker.

Fähigkeiten und Qualifikationen werden oft so beschrieben:

  • Darüber hinaus konnte ich meine hervorragende Ausdrucksweise in zahlreichen Projektarbeiten und meiner Bachelor Thesis zeigen, was sich in den sehr guten Ergebnissen wiederspiegelt
  • Die gesammelten Erfahrungen aus Praktika, Nebenjobs und außeruniversitärem Engagement prägen mein sicheres und authentisches Auftreten.

Auch die in fast jeder Stellenanzeige geforderten sozialen und persönlichen Kompetenzen werden gern im Anschreiben benannt: Zu meinen weiteren Stärken zählen Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Organisationsvermögen.

Das kann allerdings jeder behaupten. Entscheidend ist, ob Sie diese Eigenschaft nachweisen können.

Oft genug sind Anschreiben reine Wiederholungen des Lebenslaufs, in denen von der Ausbildung sauber chronologisch der eigene Werdegang aufgezählt wird. Der personalverantwortliche Leser soll sich dann das für ihn Passende heraussuchen. Genau das sollten Sie vermeiden.

Erwartungen der Unternehmen

Personalverantwortliche haben andere Erwartungen an ein Anschreiben: Es soll verständlich zu lesen sein und schnell auf das Wesentliche kommen. Für Unternehmen sind Aspekte wie übersichtliche Ausführung, flüssiger und verständlicher Stil, schlüssige und zielorientierte Aussagen sowie Angaben zu Motivation und Qualifikation gleichzeitig auch Hinweise auf die Person und Glaubwürdigkeit des Bewerbers.

Der Bewerber soll einen kurzen Überblick darüber geben, welche für die zu besetzende Stelle relevanten Qualifikationen er erworben hat. Und warum er glaubt, für die Aufgabe geeignet zu sein.

Auf der Karriereseite des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé klingt das so: "Ihr Anschreiben sollte aussagekräftig, informativ und übersichtlich sein. Darüber hinaus sollten Sie erläutern, welche besonderen Qualifikationen Sie für die jeweilige Position/ Tätigkeit mitbringen. Stellen Sie bitte einen klaren Bezug zum Unternehmen und zur Position her." An diese Aufforderung kann man sich halten.

Kurz, knapp, präzise, anforderungsbezogen

Je einfacher Sie es Ihren Lesern (sprich: der Personalabteilung) machen, das richtige Bild von Ihnen zu bekommen, desto erfolgreicher werden Sie mit Ihrem Anschreiben sein.

Nochmals zur Erinnerung: Unternehmen erwarten, dass Sie sachbezogen begründen, warum Sie für diesen Job der oder die Richtige sind. Personaler erwarten nicht bemühte Originalität, plumpes Anbiedern oder den perfekten Marketingflyer. Mit der Vorgehensweise, nur die für die jeweilige Position relevanten Erfahrungen und Erfolge beschreiben, werden Sie sich von der "breiten Masse abheben".

Ratgeber Anschreiben im Überblick

Formulierungsfallen und Fehler vermeiden

Anschreiben an Stellenanzeige anpassen

Formale Anforderungen und Standardformulierungen

Formulierungshilfen für den Einstieg

Formulierungshilfen für Qualifikationen

Formulierungshilfen für Leistungsbeispiele und Erfahrungen

Formulierungshilfen für Motivation und Ziele


Helga Krausser-Raether

berät Fach- und Führungskräfte in Fragen der beruflichen und persönlichen Orientierung. Die Diplom-Wirtschaftingenieurin blickt auf eine Laufbahn als Beraterin unter anderem bei Korn/Ferry und Boyden International zurück und hat zahlreiche Fachratgeber im Haufe-Verlag veröffentlicht.
www.krausser-raether.de