Elektrizität durch Bewegung: Reifen BH-03 als kleine Kraftwerke für Elektroautos

Elektrizität durch Bewegung: Reifen BH-03 als kleine Kraftwerke für Elektroautos

© Goodyear

Die Kapazität der Akkus von Elektroautos und die damit verbundene Reichweite sind bislang ein Problem für Hersteller und Käufer. Reifenhersteller Goodyear hat sich der Sache angenommen und das Reifensystem BH-03 entwickelt, das die Batterien im Stehen und während der Fahrt aufladen soll.

Ermöglicht wird das Laden durch piezo- und thermoelektrische Effekte. Der piezoelektrische Effekt beschreibt eine Kombination aus mechanischem Druck und elektrischer Spannung in Festkörpern. Werden bestimmte Materialien auf einer Oberfläche verformt, so treten elektrische Ladungen auf. Thermoelektrische Effekte wiederum basieren auf dem Seebeck-Effekt, bei dem ein Wärmefluss durch thermoelektrisch-aktives Material einen Stromfluss bewirkt. 

Im Falle des BH-03 wird die Wärme, die beim Parken sowie beim Fahren auftritt, in Energie umgewandelt. Goodyear hat den Reifen mit "ultra-schwarzen" Texturen versehen, um möglichst viel Hitze bei Sonneneinstrahlung während des Parkens absorbieren zu können. Durch die Rollreibung zwischen Fahrbahn und Reifen und die Strukturverformung des Materials wird durch das piezo-elektrische Material des Reifens Strom erzeugt, der direkt an die Batterie geleitet wird. 

Konzept ohne Serie

Bislang handelt es sich beim BH03 um ein Konzept, eine Serienfertigung ist nicht geplant, teilte Goodyear auf dem Genfer Auto Salon 2015 mit. Allerdings wolle das Unternehmen die Erkenntnisse, die aus dem Projekt gewonnen werden, in zukünftige Entwicklungen einfließen lassen. 

Eine weitere Möglichkeit, die Reichweite von Elektrofahrzeugen zu verlängern beziehungsweise sie zwischendurch mit Strom zu versorgen, ist die Nutzung von Induktionsspulen im Fahrbahnbelag. Sie sorgen beispielsweise im südenglischen Milton Keynes dafür, dass der Akku von Elektrobussen während der Fahrtpause geladen wird.

Akkus mit Luft nach oben

Heutige Elektroautos fahren je nach Akkugröße und Modell 150 bis maximal 250 Kilometer, was für den Pendler oft ausreicht, für längere Fahrten jedoch zu wenig ist. Hier herrscht klar Luft nach oben, weshalb Zulieferer wie Samsung oder Bosch vollmundige Versprechen abliefern. So würden nach Angaben des deutschen Herstellers bis 2020 die Akkus um den Faktor 2 verbessert und dadurch eine doppelte Reichweite bei halbem Preis und leichterem Gewicht geboten werden. Erreicht wird dieser Fortschritt bei der Energiedichte unter anderem durch eine verbesserte Zellchemie, berichtete die "Zeit", sowie einer Optimierung des Ladefensters von derzeit 20 bis 90 auf 10 bis 95 Prozent.

Angesichts der hehren Pläne der Bundesregierung, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen zu haben, eine willkommene und nötige Entwicklung; selbst wenn dadurch die aktuellen E-Autos der Early Adopter klar benachteiligt werden, außer natürlich, die Hersteller tauschen auf kulante oder zumindest entgegenkommende Weise die Akkus der ersten Generationen gegen leistungsstärkere um.

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