Gezeitenkraftwerke: Saubere Energie durch künstliche Lagunen

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Gezeitenkraftwerke: Saubere Energie durch künstliche Lagunen

Das britische Unternehmen Tidal Lagoon Power (TLP) will mit Gezeitenkraftwerken Strom gewinnen. Dafür soll pro Kraftwerk eine künstliche Lagune angelegt werden. Die Kosten für den Prototypen im walisischen Swansea, der mit Ebbe und Flut Energie erzeugt, liegen bei 1,4 Milliarden Euro.

Die Gezeitenkraftwerke sollen an der Westküste Großbritanniens errichtet werden. Die erste Gezeitenlagune wird nach Plan von TLP  im walisischen Swansea gebaut und dient gleichzeitig als Machbarkeitsstudie.  

So soll das ganze funktionieren: Die künstlichen Lagunen sind in einem Ring angelegt und 11,5 Quadratkilometer groß. In einem Turbinenhaus am Eingang der Lagune sitzen 26 Turbinen. Jede Turbine hat einen Durchmesser von sechs Metern und ist 18 Meter lang. Pro Turbine werden 16 Megawatt pro Stunde generiert. Wenn die Flut kommt, isolieren die Turbinen mittels Flutschranken die Lagune vom Meer. Dadurch steigt auf der Meeresseite der Pegel; ist der benötigte kritische Punkt erreicht, erlauben die Turbinen wieder einen Durchfluss und generieren durch das hereinfließende Wasser Strom. Zieht sich das Meer wieder zurück, wird der Prozess umgedreht. 

Neben Stromgewinnung soll die Anlage von Künstlern, Fußgängern, Sportlern, Wirtschaft und Wissenschaft genutzt werden, etwa durch eine Austernzucht oder ein künstliches Riff.

Großbritannien hat nach Aussage von Mark Shorrock, TLPs Geschäftsführer, die besten Gezeitenressourcen in Europa und liegt weltweit an zweiter Stelle. Für alle Regionen ist diese Art von Kraftwerk nicht geeignet, ein gewisser Tidenhub ist von Nöten.

Realisierung noch nicht sicher

Ob das Kraftwerk tatsächlich so realisiert wird, wollen die Verantwortlichen im Juni 2015 entscheiden. Falls es klappt, soll das Kraftwerk 2018 in Betrieb genommen werden und etwa 155.000 Haushalte versorgen. Gleichzeitig soll ein weiteres in Cardiff (Wales) gebaut werden, das 2022 in Betrieb für die Stromgewinnung genutzt werden soll; es soll sieben Mal größer werden als das Swansea-Werk und von 1,8 bis 2,8 Gigawatt Strom erzeugen, womit 1,5 Millionen Haushalte versorgt werden könnten. Durch die Größe soll der Strom zu konkurrenzfähigen Preisen erhältlich sein, die Betreiber rechnen mit 90 bis 95 Pfund pro Megawattstunde.

Der Preis des erzeugten Stroms ist der größte Kritikpunkt der Konstruktion,  Gezeitenstrom ist etwa doppelt so teuer wie Windstrom. Das Kraftwerk in Swansea erzeugt nach einem Bericht des "Guardian" Strom, der 168 Pfund pro Megawattstunde kostet, umgerechnet 231 Euro. Bis 2018 soll Windenergie mehr als die Hälfte günstiger sein.

Grüner geht fast nicht

Der Vorteil des Gezeitenstroms sei die garantierte Stromgewinnung, circa 14 Stunden am Tag kann Elektrizität erzeugt werden, so TLP. Sie sollen 120 Jahre lang laufen und zum Erreichen der Emissionsziele zum Klimaschutz beitragen. Außerdem sorge ein Kraftwerk für das Generieren von Arbeitsplätzen, und im Gegensatz zur Windkraft würde nicht das Panorama der Region verschandelt werden.

Insgesamt plant TLP sechs solcher Kraftwerke, die acht Prozent des britischen Strombedarfs generieren sollen. 

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