50 plus - Die Stärken älterer Bewerber

50 plus - Die Stärken älterer Bewerber

50 plus - Die Stärken älterer Bewerber (Getty Images)

Ältere Bewerber sollten sich ihrer Stärken bewusst werden. Dann klappt es auch mit der Bewerbung. Karriereberaterin Doris Brenner gibt dir hier viele praktische Tipps.

 

Man hat im Leben schon viel geleistet, berufliche Hochs und Tiefs kennen gelernt und verfügt über eine breite Erfahrung. Warum sollte man sich dann als Bewerber über 50 – teilweise wird ja bereits von älteren Bewerbern gesprochen, wenn man über 40 ist – als Kandidat zweiter Wahl fühlen? Es gibt viele Gründe, selbstbewusst in ein Vorstellungsgespräch zu gehen. Zudem spielt einem der demografische Wandel in die Hand. Junge Fachkräfte sind zunehmend Mangelware, so dass ältere Arbeitnehmer wieder bessere Chancen bekommen.

 

Die Einstellung zählt

 

Entscheidend ist zunächst die persönliche Einstellung. Ist man der Meinung, dass man für einen Arbeitgeber ein wertvoller Mitarbeiter sein könnte? Wer diese Frage für sich bejaht, wird auch mit Überzeugung Argumente liefern, mit denen er einen Arbeitgeber für sich gewinnen kann.

Eine Bewerberin mit Ende 40 erklärte mir vor kurzem, dass sie sich beruflich verändern wolle. Sie habe dabei absolut keine Probleme mit ihrem Alter. Bisher habe sie auf jede Bewerbung eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Es komme einfach nur auf die eigene Darstellung an.

 

Mit diesen Stärken können ältere Bewerber punkten

 

Durch ihre Berufserfahrung bieten ältere Arbeitnehmer viele Vorteile. Reife Bewerber sollten bewusst herausarbeiten, wo ihre Stärken liegen und welchen Nutzen sie einem Arbeitgeber bieten können:

 

1. Erfahrung

 

In der Regel verfügen Ältere über einen reichhaltigen Lebenslauf, langjährige Erfahrung und haben dabei vor allem auch gelernt, Sachverhalte wesentlich besser in Zusammenhängen zu beurteilen und einzuschätzen. Während junge Mitarbeiter oft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, können erfahrene Kollegen leichter einen roten Faden erkennen und damit auch das Gesamtbild verstehen.

"Meine jungen Kollegen sind zwar fit, wenn es darum geht, Daten zu recherchieren und daraus Excel-Tabellen zu erstellen. Die wesentlichen Informationen aus den Zahlenbergen zu ziehen, fällt ihnen aber recht schwer. Da ist meine Meinung sehr gefragt", so die Aussage einer Frau Anfang Fünfzig. Berufserfahrung bietet auch die Möglichkeit, aus einem reichen Fundus zu schöpfen, wenn es um mögliche Handlungsalternativen geht.

Wer außerdem im Job das Rad nicht neu erfinden muss, spart dem Unternehmen bares Geld und schafft durch Zeitgewinn einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

 

2. Netzwerk

 

Schließlich trägt einschlägige Berufserfahrung auch den Vorteil in sich, dass durch die lange Karriere bereits eine Vielzahl von Kontakten und Netzwerken besteht, die von einem zukünftigen Arbeitgeber genutzt werden kann. Wer weiß, wie wichtig beispielsweise im Vertrieb ein vorhandener Kundenstamm ist, kann diesen Wettbewerbsvorteil nur mit Gold aufwiegen.

 

3. Verantwortungsbewusstsein und Disziplin

 

Die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen sowie eine hohe Arbeitsmoral und -disziplin sind bei Mitarbeitern in fortgeschrittenem Alter meist deutlich ausgeprägter. Dies bedeutet, dass ein Arbeitgeber sich auf diese Mitarbeiter in hohem Maße verlassen kann. Das erhöht die Kundenzufriedenheit und wirkt sich positiv auf die Zielerreichung aus. Schließlich hat dieses Verhalten auch Vorbildcharakter und einen positiven Einfluss auf die Arbeitsmoral im gesamten Team.

 

4. Loyalität

 

Arbeitgeber wünschen sich loyale Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren und zugunsten des Jobs auch mal persönliche Interessen hintenanstellen, wenn die Auslastung dies erfordert. Auch hier können reifere Jahrgänge punkten, indem sie entsprechende Beispiele aus ihrer Berufstätigkeit aufzeigen.

Gerade bei reiferen Bewerberinnen und Bewerbern stellt die Tatsache, dass die Familienphase in der Regel bereits abgeschlossen und eine stärkere Fokussierung auf den Beruf möglich ist, einen Vorteil dar. Wenn du neben den genannten Argumenten durch eine positive Ausstrahlung, Leistungswillen und Lernbereitschaft überzeugst, kannst du dich auch in fortgeschrittenem Alter leichten Herzens für einen neuen Job bewerben.

 

Wer stellt ältere Arbeitnehmer ein?

 

Spezielle Jobs über 50? Sind nicht nötig! Denn das Alter sollte bei der Tätigkeit eine untergeordnete Rolle spielen. Unternehmen, die Jobs an über 50-Jährige vergeben, zeichnen sich meist durch eine besondere Firmenkultur aus. Sie beweisen, dass sie vorurteilsfrei auf die Bewerber zugehen und nach den individuellen Stärken, nicht nach dem Alter bewerten. Solche Arbeitgeber wissen um das Potential älterer Mitarbeiter und begegnen ihrer Erfahrung und Reife mit Wertschätzung. Völlig zu Recht.

Zum Beispiel konnte das alte Vorurteil, dass mit zunehmendem Alter die krankheitsbedingten Fehltage steigen, längst widerlegt werden. Im Durchschnitt sind Arbeitnehmer aller Altersgruppen rund 14 Arbeitstage im Jahr krank. Wer als 40 oder 50plus Bewerber für sich eine bessere Statistik in den letzten Jahren belegen kann, sollte dies als weiteres Ass im Ärmel haben.

Ob die Bewerbungsaktivitäten tatsächlich zum Erfolg führen, hängt in starkem Maße von den richtigen Strategien und Suchwegen ab, die gewählt werden. Hier sollten gerade reife Bewerber selbstbewusst auftreten und ihre spezifischen Vorteile in die Waagschale werfen. Sie haben allen Grund, der Personalabteilung eines Unternehmens mit Stolz auf das Geleistete und mit Selbstbewusstsein gegenüber zu treten.

 


 

Doris Brenner ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.

www.karriereabc.de