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Pimp your Lebenslauf: Fünf Tipps für Ihren CV

Pimp your Lebenslauf: Fünf Tipps für Ihren CV

Pimp your Lebenslauf

Ein ehernes Bewerbungsgesetz lautet: Im Zweifel für den Aufschneider. Seien Sie also nicht bescheiden. Unser Autor Christoph Stehr hat fünf Tipps, wie Sie sich in Ihrem CV richtig gut verkaufen.




Von Christoph Stehr

Das Wichtigste zuerst. Klar, Sie sind zur Schule gegangen, haben dann studiert und irgendwann winkte die erste Stelle. Wenn Sie den Lebenslauf so aufzäumen, beginnen Sie mit dem, was am wenigsten interessiert. Gute alte Grundschulzeit – Friede ihrer Asche!

 

 

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Das Wichtigste, Ihre Berufserfahrung, gehört ganz nach oben im Lebenslauf. Dann kommt das Studium. Die Schule streifen Sie bloß mit einer zeitlichen Klammer von der Einschulung bis zum Abitur und schreiben dazu: „Staatl. Mustermann Gymnasium, Musterstadt – Allgemeine Hochschulreife“. Auch als Absolvent haben Sie (hoffentlich) Berufserfahrung aus Praktika oder Jobs, die Sie prominent platzieren können. In jedem Gliederungspunkt wenden Sie die amerikanische Chronologie an, das heißt, Sie sortieren die Stationen von der jüngsten bis zur ältesten.

Mit den Pfunden wuchern

Wie das Anschreiben ist der Lebenslauf ein Verkaufsprospekt. Sie dürfen Ihre besten Verkaufsargumente unter einem Extra-Gliederungspunkt zusammenfassen, zum Beispiel „Besondere Stärken“. Kann sein, dass sich einige Informationen wiederholen, aber das sind Einkäufer – dazu gehören Personalchefs – gewöhnt. Manches, was inhaltlich nicht zusammenpasst, macht in der Aufzählung mehr her, etwa „Stipendiat der XY-Stiftung – Drei Fremdsprachen in Wort und Schrift – Ehrenamtliches Engagament als ...“.

Ein ehernes Bewerbungsgesetz lautet: Im Zweifel für den Aufschneider. Seien Sie also nicht bescheiden. Wenn Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse einschätzen, sind „gute Kenntnisse“ die unterste Schublade – entsprechend zwei Semester Volkshochschule. Gehen Sie bei Englisch mindestens mit „sehr guten Kenntnissen“ ran.

Kreativ Lücken füllen

Lieber feige sein. Vor Hawaii sind Sie ein halbes Jahr lang die perfekte Welle geritten. Der Personalchef sähe es natürlich lieber, Sie hätten brav gerackert. Schreiben Sie, was er lesen will, aber lügen Sie nicht. Das würde spätestens auffallen, wenn die Frage nach einem Arbeits- oder Praktikumszeugnis kommt. Sie dürfen kreativ die Lücke füllen.

Eine längere Arbeitslosigkeit nach dem Studium geht als „Berufsorientierung“ durch. Und wie lautete nochmal das Thema Ihrer Abschlussarbeit? Streuen Sie es ruhig ein, etwa so: „Fortführung meiner wissenschaftlichen Arbeit über ...“. Klafft die Lücke zwischen zwei beruflichen Stationen, können Sie die erste soweit „verlängern“, wie es das Arbeitszeugnis hergibt – Resturlaub oder eine Phase der Freistellung brauchen Sie nicht zu erwähnen.

Detailverliebte sollen sich zügeln

Welchen Beruf Ihre Eltern ausüben, will niemand wissen – das war einmal. Die Religionszugehörigkeit tut nichts zur Sache, es sei denn, Sie bewerben sich bei einem kirchlichen Arbeitgeber. Grundschulzeit in epischer Länge und klassische Chronologie „von der Wiege bis zur Bahre“ hatten wir schon.

Detailverliebte sollten sich zügeln: Den Pkw-Führerschein zu erwähnen, wirkt bei einem Mittdreißiger seltsam, und die Abiturnote ist Schnee von gestern, auch wenn die Eins vor dem Komma viel Schweiß gekostet hat. Das Foto rechts oben kann im Hinblick auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz heikel sein; bei internationalen Bewerbungen werfen Sie sich damit womöglich selbst aus dem Rennen. Zum Thema Bewerbungsfoto lesen Sie mehr hier.

Neue Zöpfe flechten

Bewerber ziehen heute viele Register: Homepage, Video, Podcast, Facebook, Twitter. Das Einfügen von Links in den Lebenslauf hat sich noch nicht durchgesetzt, kommt aber. Wichtig ist, dass die hinterlegten Medien Top-Qualität haben – sonst lassen Sie lieber die Finger davon.

Überfrachten Sie den Lebenslauf nicht, indem Sie jede technische Spielerei nutzen. Ein erstklassiges Video reicht, um den Personalchef zu überzeugen, dass Sie ein Digital Native sind. Solange es den Lebenslauf auf Papier noch gibt, gehört er zum Pflichtprogramm, das Sie über der Multimedia-Kür nicht vergessen dürfen.

 

 

 

 

 


 

 

 

Christoph Stehr ist Wirtschaftsjournalist in Hilden. Der Slawist und Historiker war nach dem Volontariat Redakteur beim Handelsblatt, dann stellvertretender Chefredakteur des Magazins Junge Karriere. Heute arbeitet er unter anderem für den WDR und den Spiegel-Verlag. (Foto: Kerstin Krüger)


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