Flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Work-Life-Balance

Flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Work-Life-Balance

Auf der Suche nach der perfekten Work-Life-Balance lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle. Vollzeit, Teilzeit, Gleitzeit oder Jobsharing – wie unterscheiden sich die Konzepte und welches Modell passt zu wem und in welcher Lebenslage? Nicht erst seit Corona sind besonders flexible Arbeitszeiten zunehmend gefragt. Prognosen sagen, Teilzeit, Homeoffice und Gleitzeitregelungen werden gerade jetzt nach diesem unfreiwilligen Probelauf deutlich zunehmen. Grund genug, sich einen Überblick zu verschaffen:

 

So verbessern flexible Arbeitszeitmodelle die Work-Life-Balance

 

9 to 5 und 40-Stundenwoche war gestern: Studien zufolge kann sich fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer vorstellen, weniger zu arbeiten. Kinderbetreuung, die Pflege von Senioren, der Wunsch nach einem berufsbegleitenden Studium oder einer nebenberuflichen Tätigkeit sowie die Optimierung von Pendelzeiten für ein besseres Familienleben sind die häufigsten Gründe, warum Arbeitnehmer Alternativen zur Vollzeitbeschäftigung mit festen Arbeitszeiten suchen. Zu den beliebtesten Modellen gehören Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, die klassische Teilzeit und – im Vergleich noch weniger verbreitet – das Jobsharing:

 

  • Gleitzeit:

Arbeiten in Gleitzeit ist die einfachste Art, mehr Flexibilität in die Tagesgestaltung zu bekommen. Gleitzeit bedeutet lediglich, dass Arbeitnehmer nicht an strikte Arbeitszeiten gebunden sind, sondern einen gewissen Spielraum haben, wann sie morgens starten und abends Feierabend machen. Das ist vor allem dann attraktiv, wenn Mitarbeiter ein morgendliches oder abendliches Sport- oder anderweitiges Freizeitprogramm in ihren Alltag integrieren oder kleine Kinder versorgt und chauffiert werden wollen. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Gleitzeit anbieten, legen meist Kernarbeitszeiten fest, zu denen alle arbeiten und erreichbar sein müssen – das gilt für Mitarbeiter vor Ort am Arbeitsplatz ebenso wie für Mitarbeiter im Homeoffice und für Vollzeitmitarbeiter genauso wie für Teilzeitkräfte.​

Wann passt’s?

Möglich und verbreitet ist das Gleitzeitmodell vor allem bei Menschen im Dienstleistungssektor, die mit wenig zeitkritischem Kundenkontakt geistig oder kreativ und vor allem am Schreibtisch arbeiten. Schichtarbeiter, medizinisches Personal, Lehrer und Erzieher oder Arbeitnehmer im Einzelhandel, der Gastronomie oder auf Behörden mit Öffnungs- oder Servicezeiten sind hingegen an feste Arbeitszeiten gebunden. Wer hier Flexibilität braucht, dem hilft nur ein guter Draht zur Schichtplanung.

 

  • Vertrauensarbeitszeit: 

Wie der Name schon sagt, ist Vertrauensarbeitszeit vor allem eines: Vertrauenssache. Im Gegensatz zur Gleitzeit findet hier keine Festlegung, Erfassung und Kontrolle der Arbeitszeiten durch den Arbeitgeber statt. Was zählt ist, ob der Job gemacht ist und die Zusammenarbeit im Team bei aller Flexibilität funktioniert. Wer maximal flexible Arbeitszeiten benötigt, ist mit diesem Modell am besten beraten. Hier wird der Tag nicht nur in den Randzeiten individuell nutzbar, sondern auch im Tagesverlauf kann frei über die Zeit verfügt werden. Ein Friseurtermin um elf, das Kind von der Schule abholen und zur Oma fahren oder nachmittags rasch die Einkäufe erledigen oder eine Runde Laufen gehen – solange der Job nicht drunter leidet alles kein Problem.

Wann passt’s?

Auch die Vertrauensarbeitszeit unterliegt wie die Gleitzeit Einschränkungen, denn sie ist nicht für alle Berufe geeignet. Wer an feste Service- oder Öffnungszeiten oder an Schichteinteilung gebunden ist, für den wird dieses Modell nicht funktionieren. Grundsätzlich attraktiv ist sie aber wie die Gleitzeit in jeder Lebensphase und für alle, die sich durch starre Arbeitszeiten in ihrer Alltagsorganisation oder in ihrer Freizeitplanung zu eingeschränkt fühlen. Vertrauensarbeitszeit erfordert aber auch größtmögliche Eigenverantwortung, ein hohes Verantwortungsbewusstsein seitens der Arbeitnehmer und genaue Absprachen hinsichtlich Zuständigkeiten und Erwartungen im Team.

 

  • Teilzeit:

Teilzeit lässt sich in Form verkürzter Arbeitstage oder von weniger Arbeitstagen pro Woche gestalten werden. Hier steht weniger die Flexibilität im Vordergrund als eine tatsächliche Reduktion der Arbeitszeit zugunsten des Privatlebens oder anderer Aufgaben. Welche Variante der Teilzeit dabei den Zuschlag erhält, ist in der Regel Verhandlungssache mit dem Chef und abhängig von den persönlichen Rahmenbedingungen und den Arbeitsanforderungen im Team. Wichtig zu wissen: Je nachdem, ob die Teilzeit durch kurze Tage bei einer 5-Tage-Woche oder eine verkürzte Arbeitswoche umgesetzt wird, ändert sich der Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern. Wer in einer 50%-Stelle an fünf Tagen pro Woche einfach nur weniger Stunden arbeitet, hat den gleichen Urlaubsanspruch wie ein Vollzeitmitarbeiter. Wer hingegen die Arbeitsleistung an 2,5 Tagen am Stück erbringt und die restlichen Wochentage nicht arbeitet, für den reduziert sich anteilig auch der Urlaubsanspruch.

Wann passt`s?

Teilzeit kann grundsätzlich in allen Berufsgruppen genutzt werden. Berufseinsteiger, die sich ihre Sporen noch verdienen und rasch voran kommen wollen, sollten ihre Arbeitszeit lieber voll ausschöpfen, für alle anderen ist Teilzeit aber durchaus eine Option. Häufig entscheiden sich vor allem  Mütter nach der Rückkehr aus der Elternzeit für dieses Arbeitszeitmodell. Aber auch für Arbeitnehmer, die die temporäre Betreuung von Senioren oder nebenberufliche Aktivitäten wie Weiterbildungen in ihrem Alltag integrieren möchten, bietet Teilzeit die beste Möglichkeit, verlässliche Strukturen zu schaffen. Nicht unüblich ist Teilzeit auch bei Menschen, die für mehr Abwechslung oder aus wirtschaftlicher Notwendigkeit noch einen Nebenjob ausüben. Für Senioren hingegen bietet die Altersteilzeit die Gelegenheit, etwas kürzer zu treten ohne den Beruf schon ganz aufzugeben.

 

  • Jobsharing:

Ein durchaus altbekanntes, aber noch immer weniger verbreitetes Modell ist das Jobsharing. Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehr Arbeitnehmer eine Stelle und arbeiten jeweils in Teilzeit an unterschiedlichen Wochentagen, im wöchentlichen Wechsel oder der eine vormittags und der andere am Nachmittag. Hier sind Vertrauen und lückenlose Abstimmung der Schlüssel zu erfolgreichem Arbeiten im Tandem oder im Team.

Wann passt’s?

Jobsharing eignet sich für alle Karrierelevel, bietet aber vor allem auf Führungsebene eine ausgezeichnete Möglichkeit, eine Win-Win-Situation für alle zu schaffen: Für Arbeitnehmer, die auch in einer verantwortungsvollen Position in Teilzeit arbeiten möchten, und für Arbeitgeber, die wichtige Posten gerne in Vollzeit besetzt sehen wollen. Vor allem für junge Eltern bietet Jobsharing die Chance, mehr Zeit für die Familie zu haben, ohne auf Führungspositionen verzichten zu müssen. Aber auch für Senioren, die weniger arbeiten aber noch nicht völlig aufhören wollen, ist Jobsharing ein attraktives Modell- warum nicht zum Beispiel im Tandem mit einem jungen Kollegen, der gerade kleine Kinder zu Hause hat?

 

Wer Angst hat, sich durch Teilzeit oder Jobsharing selbst Steine in den Karriereweg zu legen, weil er den Sprung zurück in die Vollzeit nicht mehr schafft, kann seit Anfang 2019 zumindest auf rechtlicher Ebene entspannter sein: Das Recht auf Brückenteilzeit bietet seither Arbeitnehmern mehr Planungssicherheit und macht den Moment, Teilzeit einfach einmal auszuprobieren, so günstig wie nie.

 

Flexible Arbeitszeiten sind keine Option? Wie wäre es dann mit Homeoffice, Remote Working oder Hotdesking?

 

Natürlich ist es nicht immer möglich, die Arbeitszeit zu reduzieren oder flexibler zu gestalten. Arbeitsaufkommen, Kundenanforderungen oder Teamzuschnitt können dem im Wege stehen. Außerdem gibt es durchaus auch Arbeitnehmer, die eine gewisse Regelmäßigkeit im Job bevorzugen oder die aus Einkommensgründen nur Vollzeit arbeiten wollen oder können.

Wer dennoch mehr Zeit aus seinem Tag rausholen will oder muss, kann zum Beispiel durch Reduktion der Pendelzeiten mehr Freiheit und Flexibilität gewinnen. Fast 20 Millionen Berufstätige pendeln zur Arbeit – mit einem durchschnittlichen Arbeitsweg von 17 Kilometern. Auf ein Jahr gerechnet, verbringen sie rund eine Woche im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, um zu ihrem Arbeitsplatz oder nach Hause zu kommen. Zeit, die sich sinnvoller nutzen ließe. Homeoffice, Remote Office und Hotdesking heißen hier die Zauberwörter, die Spielraum in die Zeitgestaltung bringen.

 

  • Homeoffice: Das Konzept Homeoffice ist den meisten bekannt. Mitarbeiter arbeiten ganz oder teilweise zu festgelegten oder flexibel mit dem Team abgestimmten Zeiten vom heimischen Schreibtisch, Esstisch – oder Sofa. Ob das funktioniert, ist vor allem eine Frage der Persönlichkeit, der Selbstdisziplin und der häuslichen Situation. Nicht jeder ist zum Arbeitseremiten geschaffen. Manchen fehlt der direkte Austausch mit Kollegen oder die Konsequenz, sich zu Hause auch wirklich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ganz besonders, wenn es nebenbei Kinder zu betreuen gilt, erfordert Homeoffice zudem ein paar ganz spezielle Regeln, um zu gelingen. Andere hingegen schätzen die Ruhe, um sich voll und ganz Arbeiten zu widmen, die keine Störungen durch Kollegen oder ständig klingelnde Telefone dulden.

 

  • Remote Working: Remote Working – oder auch Remote Office ­– gestaltet sich ähnlich, mit dem Unterschied, dass Arbeitnehmer sich hierbei nicht auf die eigenen vier Wände beschränken, um ihrem Job nachzukommen. Remote Working ist die Arbeitsform der modernen Laptopnomaden, die sich mit Smartphone und Notebook ausgestattet überall niederlassen und ihre Leistung erbringen können. Hauptsache Internetanschluss. Außendienstmitarbeiter, Kreative, Freigeister schlagen – sofern vom Chef erlaubt – ihr Arbeitslager dort auf, wo es sich gerade anbietet. Zu Hause, beim Kunden, im Café, im Co-Working-Space.

 

  • Hotdesking: Wem das zu viel Freiheit und zu wenig Erdung durch klassische Bürotage ist, der findet eher im Hotdesking den richtigen Mittelweg: Beim Hotdesking kombinieren Arbeitnehmer die flexiblen Tage mit Präsenztagen im Büro, haben dort allerdings keinen festen Schreibtisch mehr, sondern nehmen Platz, wo eben frei ist.

Allerdings kommen Homeoffice und ähnliche Konzepte schätzungsweise nur für rund 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer in Frage – und das noch nicht einmal regelmäßig. Wer nicht in einem Dienstleistungsberuf vorwiegend am Schreibtisch arbeitet oder per se in einem Heimarbeitsjob beschäftigt ist, kommt um die regelmäßige Anwesenheit am Arbeitsplatz kaum herum.

 

Gibt es ein Recht auf flexible Arbeitszeitmodelle oder Teilzeit?

 

Wann Arbeitnehmer in Deutschland ein Recht auf Teilzeit haben und wie dies ausgestaltet ist, ist seit 2001 im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt. Hier spielen vor allem die Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen, also die Unternehmensgröße, und die Betriebszughörigkeit der betreffenden Mitarbeiter mit Teilzeitwunsch eine Rolle.

Arbeitszeiten und Gleitzeitregelung sind in der Regel vertraglich festgelegt und gelten für alle Mitarbeiter eines Unternehmens gleich. In Unternehmen ohne Betriebsrat kann die Geschäftsführung frei über die Gewährung entscheiden und auch einmal gewährte Gleitzeit einfach wieder abschaffen.

Einen Anspruch auf Homeoffice gibt es nach deutschem Recht derzeit nicht. Allerdings ist die Diskussion, ob ein solches Recht eingeführt werden sollte, durch Corona neu angeheizt und nicht abschließend geklärt. Nach jetzigem Stand liegt es im Ermessen des Arbeitgebers, welche Freiräume er unter welchen Bedingungen gewähren möchte. Wer also von Homeoffice, Remote Office oder Hotdesking Gebrauch machen möchte, sollte das Gespräch mit der Geschäftsführung suchen und einfach gute Argumente auf den Tisch legen.

 

Ein gutes Team trotz flexibler Arbeitszeitmodelle und Homeoffice

 

Wenn Menschen mit verschiedenen Arbeitsmodellen in Voll- und Teilzeit remote und vor Ort im Büro zusammenarbeiten, birgt das natürlich auch Konfliktpotenzial. Teams, die schon lange zusammenarbeiten und wissen, was sie aneinander haben, werden mit der Integration alternativer Arbeitsmodelle leichter zurechtkommen als Kollegien, in denen sich das Vertrauen auf die Verlässlichkeit und Leistung der Anderen erst noch etablieren muss. Eine erhöhte Arbeitsbelastung, Stress oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter können leicht Situationen auslösen, in den sich Misstrauen oder gar Argwohn einschleicht. Was macht der Kollege oder die Kollegin eigentlich den ganzen Tag? Warum geht die Person nie ans Telefon, wenn ich anrufe? Warum muss immer ich die Dienstreisen übernehmen, bloß weil ich Single und alleinstehend bin und die Kollegin in Teilzeit arbeitet und zwei kleine Kinder hat? Warum bleibt dieses To-do schon wieder bei mir hängen? Transparenz und gegenseitige Rücksichtnahme sind hier der Schlüssel zu einer harmonischen Zusammenarbeit. Mit diesen fünf Tipps klappt’s auch im „Flexi-Team“.

 

5 Tipps für das flexible Arbeiten im Team:

 

  1. Egal für welches Arbeitsmodell du dich entscheidest, besprich und kommuniziere stets klar, wann du im Einsatz bist und wann du frei hast. Ein Ausblick auf deine Wochenplanung macht es deinem Chef und deinem Team leichter zu wissen, wann sie mit dir rechnen können.
  2. Trefft klare Absprachen im Team, wer wofür zuständig ist und welche To-dos bei wem liegen. Task Management Tools wie Trello helfen, Verantwortlichkeiten klar zu regeln und den Stand der Dinge für alle jederzeit transparent zu dokumentieren.
  3. Wenn du im Homeoffice oder Remote Office arbeitest, achte auf regelmäßigen Austausch mit deinem Team – sei es per Chat, Videokonferenz oder per Telefon. Das signalisiert allen, dass du bei der Sache und immer gut erreichbar bist.
  4. Wenn du dich für Teilzeit entscheidest, definiere mit deinen Vorgesetzten klar, inwieweit sich nicht nur deine Arbeitszeit und dein Gehalt reduzieren, sondern auch dein Verantwortungsbereich. Du kannst und solltest in Teilzeit keinen Vollzeitjob machen.
  5. Respektiert und achtet im Team eure jeweiligen Lebensentwürfe: Wenn der Single-Kollege einen halben Tag frei haben möchte, um mit seinem Sportverein auf ein Turnier zu fahren, ist das genauso wichtig, wie wenn die Teilzeit-Kollegin früher raus muss, um an einem Elternabend teilzunehmen. Wenn Flexibilität im Team allen zugutekommt, schützt das vor Missgunst und gefühlter Ungerechtigkeit. 

 

Das richtige Modell für dich

 

Es gibt viele Möglichkeiten, um deinen Job so zu gestalten, dass er zu dir und zu deinem Leben passt. Und wenn du weißt, welches Arbeitsmodell das richtige für dich ist, steht deiner Jobsuche nach dem passenden Job nichts mehr im Wege. Du willst dabei unterstützt werden? Melde dich kostenlos bei Monster an. Als Mitglied bekommst du nicht nur wertvollen Tipps zu Themen rund um deine Karriere und Bewerbung via E-Mail, sondern du hast natürlich auch die Möglichkeit einen Jobagenten einzurichten, der auf die Arbeitgeber abgestimmt ist, die dir die Möglichkeit bieten, deinen Arbeitszeit flexibel zu gestalten.