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Das Zwischenzeugnis

 

Bevor Arbeitnehmer in die Offensive gehen und Ihre Firma um ein Zwischenzeugnis bitten, sollten sie wissen, dass es nicht üblich ist, ohne guten Grund ein solches Schreiben zu verlangen. Ein Rechtsanspruch darauf besteht nicht.



"Anders als beim Endzeugnis haben Sie keinen juristischen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis", betont Thomas Rübel, Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Denn der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis ist nicht eindeutig juristisch geregelt." In der Regel werde vorausgesetzt, dass ein Arbeitnehmer nicht aus Lust und Laune ein Zwischenzeugnis anstrebt, sondern nur dann, wenn ein berechtigter Anlass vorliegt.

Zwischenzeugnis wegen berechtigtem Anlass

"So ein Anlass kann zum Beispiel der Wechsel eines direkten Vorgesetzten sein. Auch ein Wechsel in der Führungsebene eines Betriebes oder die Umstrukturierung eines Unternehmens kann ein berechtigter Grund sein, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen. Wenn Ihr Arbeitgeber die Rechtsform ändert oder das Unternehmen verkauft wird, macht es ebenfalls Sinn, sich ein Zeugnis ausstellen zu lassen", erklärt Rübel.

Anne Backer, Rechtsanwältin und Buchautorin zum Thema "Arbeitszeugnisse" aus Kissing, kennt weitere gute Gründe, ein Zwischenzeugnis zu verlangen: "Fragen Sie nach einem Zwischenzeugnis, wenn sich Ihre Position im Unternehmen verändert, weil Sie zum Beispiel einen Karrieresprung machen oder sich Ihre Tätigkeit und Ihr Aufgabenbereich verändern wird. Denn dann ändert sich ja auch die künftige Beurteilungsgrundlage." Und das sei Grund genug, die aktuelle Tätigkeit beurteilen zu lassen.

Auszeit des Arbeitnehmers

"Ein weiterer Anlass für ein Zwischenzeugnis ist eine längere Auszeit des Arbeitnehmers, zum Beispiel eine anstehende dreijährige Elternzeit", betont Rübel. Theoretisch könnte auch eine längere Krankheit ein Grund sein. Allerdings komme dieser Fall in der Praxis nur äußerst selten vor.

Problematisch findet die Juristin Anne Backer dagegen, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen, ohne Gründe zu benennen: "Wenn Sie die Firma wechseln wollen, sind Sie nicht gut beraten, einfach um ein Zwischenzeugnis zu bitten. Auch wenn Sie Ihrem Chef nichts von Ihren Plänen erzählen, wird er denken, dass Sie sich verändern wollen." Mit einem solchen Vorgehen werde Misstrauen geweckt.

Verlagerung des Firmenstandorts

"Wenn Ihr Arbeitsplatz wegfällt, weil der Firmenstandort zum Beispiel nach China verlagert wird oder ein Teilwerk des Unternehmens schließt, haben Sie einen berechtigten Grund, ein Arbeitszeugnis zu erbitten", erklärt Rübel. Sie müssten nicht erst warten, bis Ihnen der Arbeitgeber Ihr Endzeugnis aushändigt. "Auch wer über einen sehr langen Zeitraum immer dieselbe Position ausübt, kann sich ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen, um so seinen aktuellen Leistungsstand dokumentiert zu bekommen."

Thomas Rübel sieht gerade in der Dokumentation des aktuellen Leistungstandes einen wichtigen Aspekt: "Wenn Sie in Ihren Zwischenzeugnissen immer gute Noten erhalten haben, ist eine ähnlich gute Note auf Ihrem Endzeugnis wahrscheinlich." Ist das nicht der Fall, rät Rübel, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Denn der Arbeitgeber müsse dann begründen, warum er die Leistung des Arbeitgebers im Endzeugnis schlechter bewerte. Könne er das nicht, habe der Arbeitnehmer das Recht, das Endzeugnis zu seinen Gunsten verändern lassen.

Was tun bei einem schlechten Zwischenzeugnis?

"Bedenken Sie: Auch ein schlechtes Zwischenzeugnis, mit dem Sie sich bewerben, kann Ihre Chancen auf eine Stelle verschlechtern", betont Rübel. So kenne er den Fall eines Angestellten, der nach 28-jähriger Betriebszugehörigkeit wegen bevorstehender Entlassung ein Zwischenzeugnis bekam. "Mit diesem Zeugnis hat er sich beworben. Eine Stelle bekam er nicht. Der Grund lag beim Zwischenzeugnis, denn das beschrieb seine langjährige Arbeit völlig unzureichend." Grundsätzlich gelte, dass gerade bei langjähriger Betriebszugehörigkeit ein Zeugnis besonders gut ausfallen sollte.

Anne Backer weist noch auf einen weiteren Aspekt beim Zwischenzeugnis hin: "Während bei größeren Betrieben die Personalabteilung ein Zwischenzeugnis erstellt, kommt es gerade bei kleineren Betrieben häufig vor, dass der Mitarbeiter das Zeugnis selbst erstellt oder zumindest eine Vorlage erarbeitet." Bei einer Selbsterstellung des Zeugnisses rät sie: "Grundsätzlich gelten bei einem Zwischenzeugnis die gleichen Regeln wie bei einem Endzeugnis. Deshalb sollten Sie Ihre Aufgaben anhand der Stellenbeschreibung für Ihren Arbeitsplatz skizzieren und zwar so, dass die wichtigsten Aufgaben zuerst genannt werden. Versuchen Sie dabei Ihre Arbeit so objektiv wie möglich zu beschreiben. Anders als beim Endzeugnis liegt nicht ganz so viel Gewicht auf der Abschlussformel, die einen Dank für bisher geleistete Arbeit und den Wunsch nach weiterer guter Zusammenarbeit enthalten sollte." In jedem Fall gehöre aber ans Ende des Textes der Grund für die Ausstellung des Zwischenzeugnisses.

Selbstverfasste Zeugnisse

Rübel empfiehlt bei selbstverfassten Zeugnissen nicht allzu dick aufzutragen: "Loben Sie sich nicht über den grünen Klee, zum Beispiel nicht für eine perfekte Arbeitsplanung, wenn das nicht der Fall ist." Es sei wichtig, dass Ihr Zeugnis glaubwürdig sei. Deshalb sollten Sie nicht nur Floskeln verwenden, sondern konkrete Beispiel-Projekte nennen.

Doch egal, ob eine Zeugnis aus der eigenen Feder stammt oder von der Personalabteilung verfasst wurde, Rübel rät in jedem Fall, das Zeugnis sorgfältig zu überprüfen: "Zeigen Sie Ihr Arbeitszeugnis immer einem Profi und zwar zeitnah. Denn nach sechs Monaten haben Sie in der Regel das Recht verwirkt, Ihr Zeugnis noch verändern zu lassen."

(Anja Schreiber, 23.06.2008)

<<< Monster-Spezial: Das Arbeitszeugnis




Literaturtipps:

Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader:
Arbeitszeugnisse. Professionell erstellen,
interpretieren, verhandeln,
Frankfurt 2008, 184 Seiten,
14,95 Euro, ISBN: 978-3-8218-5957-6.

Anne Backer:
Arbeitszeugnisse. Entschlüsseln und mitgestalten,
126 Seiten, 4. aktualisierte Auflage,
Planegg/München 2007, 6,90 Euro,
ISBN-13: 978-3-448-07283-9.


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