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Astronom

Wer vom Weltraum fasziniert ist, erfüllt eine Grundvoraussetzung, um Astronom zu werden. Hobby-Sternengucker eignen sich jedoch nur selten für den Beruf, denn Studium und Arbeitsalltag drehen sich um handfeste Mathematik und Astrophysik.

Wie entstehen Sterne und Galaxien? Welche Masse haben Schwarze Löcher? Und wie könnte sich unser Universum weiterentwickeln? Das sind die Fragen, mit denen sich Astrophysiker oder Astronome auseinandersetzen. "Zu den derzeitigen Hauptforschungsgebieten gehören die Suche nach extrasolaren Planeten, die Entstehungsgeschichte von Galaxien und Sternen, Dunkle Materie, Dunkle Energie und Urknall", zählt Harald Lesch auf. Er ist Professor für theoretische Astrophysik an der Uni München und vielen Astronomie-Interessierten bekannt aus seiner Sendung Alpha Centauri auf Bayern Alpha.

Verschiedene Spezialisierungen

Professor Klaus Meisenheimer, Professor am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, ergänzt: "Die Forschungsthemen hängen stark von den Unis und Instituten ab." Bei ihm gibt es zwei Abteilungen: Eine befasst sich mit der Bildung von Sternen und Planeten, die zweite erforscht Galaxien - von der lokalen Gruppe bis zu den ältesten Galaxien, die circa 14 Milliarden Lichtjahre entfernt sind.

In Lindau steht das Sonnensystem im Mittelpunkt, in München dreht sich alles um theoretische Fragen, und Bonn ist spezialisiert auf Radioastronomie. Die Teilchenphysik dagegen ist aus Kostengründen im Niedergang: "Der Large Hadron Collider in Genf ist das letzte, was die Menschen in diesem Bereich bauen werden", glaubt Meisenheimer.

Entsprechend der Spezialisierung nennt man die Bereiche der Astronomie zum Beispiel:

  • Astrometrie
  • Himmelsmechanik
  • Planetologie
  • Exoplanetologie
  • galaktische und extragalaktische Astronomie
  • relativistische Astrophysik

Arbeitsalltag

Bevor ein Astronom in die Erforschung eines Spezialgebiets einsteigt, muss er viel Fachliteratur lesen: "Berufsanfänger sollten nach ihrem Studium 30 Prozent ihrer Arbeitszeit damit verbringen, zu lesen, was andere Leute auf dem Gebiet bereits gemacht haben", rät Meisenheimer. Wer sich vom Forscherdrang überwältigen lasse und nur vor dem Rechner sitze, könne zwar seinen Doktor bestehen, "aber dann scheitert er, weil er zu wenig weiß."

Abgesehen davon hat der Arbeitsalltag sehr viel mit der Arbeit am PC und mit dem Internet zu tun, denn Astronomen schauen kaum noch selbst durchs Teleskop, sondern auf den Bildschirm. Dort analysieren sie die Bilder und Daten, die der Computer für sie sammelt und abgleicht. Das heißt: Der Rechner stellt zahlreiche Lichtpunkte dar, aber der Astronom muss letztendlich wissen und verstehen, was sie bedeuten.

Arbeiten in virtuellen Teams

Eigentlich ist es unerheblich, ob das Teleskop, das die entsprechenden Bilder generiert hat, in Deutschland, Australien oder in Chile steht. "Globalisierte Wissenschaft bringt internationale Kooperationen und Videokonferenzen mit sich", erklärt Lesch, "virtuelle Teams mit gemeinsamen Projekten sind der Normalfall." Trotzdem müssen Astronomen mobil sein, denn auch in Zeiten ferngesteuerter Teleskope ist es sinnvoll, direkt an einem Observatorium zu arbeiten - entweder an einem optischen oder Radioteleskop.

"Astronomie ist kein Studienfach für sich", erklärt Meisenheimer. Der Grund: Die Zielgruppe ist zu klein. Astronom wird man über ein Diplom in Physik und ein dreijähriges Doktor-Studium. "Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist groß", weiß Lesch, "man sollte nicht versuchen, im ersten Semester die Relativitätstheorie und Quantenmechanik zu verstehen, sondern lieber kleine Schritte machen."

Nach der Promotion in die Forschung oder die Wissenschaft

Danach beginnt die Post-doc-Zeit: "Die kann man mit der Gesellenzeit bei den Handwerkern vergleichen", veranschaulicht Meisenheimer. Die Kandidaten gehen dafür meist an ein ausländisches Institut. Mindestens 30 Prozent der jungen Wissenschaftler hören nach der Promotion auf und gehen in die Raumfahrtindustrie, weil sie merken, dass die Forschung doch nicht das Richtige für sie ist.

Die große Hürde kommt zwei bis fünf Jahre nach der Promotion: "Rund die Hälfte der in Deutschland ausgebildeten Leute müssen aufhören, weil sie nicht genügend Vorwissen und vor allem Originalität und Eigenständigkeit mitbringen." Wer es schafft, geht meist ins Ausland, denn feste Stellen in Deutschland sind beschränkt. Damit die Studenten nicht wertvolle Jahre investieren, um dann doch zu den schlechteren 50 Prozent zu gehören, führt Meisenheimer ausführliche Gespräche und gibt Empfehlungen, ob sie für den Beruf geeignet sind.

Budgetplanung und Projektmanagement

Wie bei vielen anderen Berufsbildern kommen auch die Astronomen nicht ohne gewisse Fähigkeiten in Sachen Budgetplanung und Projektmanagement aus. "Die Nutzungszeiten an Observatorien muss man beantragen", so Meisenheimer. Drei Viertel aller Anträge sind für den Papierkorb, deshalb rät Meisenheimer allen Anfängern, ihren Doktorvater um Hilfe zu bitten, um die formalen Kriterien zu erfüllen. Lesch bestätigt: "Hartnäckigkeit, Krisenfestigkeit und Konfliktbereitschaft sind wichtige Eigenschaften in diesem Beruf."

"Die Berufsaussichten für die erste Stelle nach der Promotion sind relativ gut", sagt Meisenheimer. Danach wird es zunehmend schwierig, denn wer nicht ständig auf dem Laufenden bleibt, den siebt der Markt irgendwann aus. "Außerdem muss man bereit sein, irgendwo in der Welt zu arbeiten", so Meisenheimer. Es sei nicht nur höchst unwahrscheinlich, bei einem nahegelegenen Observatorium zu forschen, man kann sich oft nicht einmal das Land aussuchen, in dem man arbeiten wird.

Arbeitsmarkt und Gehälter

Wer eine Stelle in Forschung und Lehre an einer Uni bekommt, wird nach dem Tarifvertrag Öffentlicher Dienst (TVÖD) bezahlt. In Heidelberg startet man mit A13 (entspricht BAT IIa). Das Max-Planck-Institut bezahlt ähnliche Gehälter, auch wenn es sich um eine außeruniversitäre Einrichtung ohne Beamten handelt.

"Die Gehälter bewegen sich im Bereich Oberstudienrat und darüber", fasst Meisenheimer zusammen. In der Industrie kommt es ganz auf das Verhandlungsgeschick an. "Wer die Uni direkt nach der Promotion verlässt, geht meist in die Raumfahrt, die optische Industrie oder zu einer Softwarefirma." Und dort steigen die Gehälter zurzeit auf Grund des zunehmenden Fachkräftemangels.

( Kirsten Seegmüller, 18.04.2008 / Bild: Cyrano, Fotolia.com


Weitere Infos:

Rat Deutscher Sternwarten
http://www.rat-deutscher-sternwarten.de  

Lehrstühle mit Astrophysik
http://www.rat-deutscher-sternwarten.de/rmitglieder.html  

Astronomische Gesellschaft
http://www.astronomische-gesellschaft.org/  

Ausgeschriebene Stellen
http://www.astronomische-gesellschaft.org/Jobregister.html  

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
http://www.dlr.de/  

Weltraumforschung im DLR
http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-11/  

Überblick über Institute, Weltraumorganisationen und Sternwarten
http://www.weltraumforschung.de/links.php  

Europäische Südsternwarte (ESO)
http://www.eso.org/public/  

Europäische Weltraumorganisation (ESA)
http://www.esa.int/esaCP/Germany.html  

U.S. Naval Observatory
http://www.usno.navy.mil/  

Dominion Radio Astrophysical Observatory
http://www.drao-ofr.hia-iha.nrc-cnrc.gc.ca/index_eng.shtml  

Max-Planck-Institute:
http://www.mpa-garching.mpg.de/  

http://www.mpia.de/Public/menu_q2.php  

Astronomy Picture of the Day (APOD), ein Angebot der NASA (weltweit größtes Bildarchiv der Astronomie)
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/  

Sendung Alpha Centauri (Harald Lesch)
http://www.br-online.de/br-alpha/alpha-centauri/index.xml 


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