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Bewerben auf Fachmessen: Vorbereitung

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Nicht nur auf Jobmessen, auch auf Fachmessen kann man sich hervorragend bei Unternehmen bewerben. Karriereexpertin Doris Brenner erklärt, wie Sie eine solche Bewerbungstour richtig vorbereiten.



>>> Bewerben auf Fachmessen (2): Kontakt und Präsentation

Das neue Jahr ist noch jung und Ihre guten Vorsätze, eine berufliche Veränderung aktiv in Angriff zu nehmen, sind ganz lebendig. Daher ist nun der richtige Zeitpunkt, um an die konkrete Planung zu gehen. Wenn Sie das Projekt Jobwechsel strategisch angehen möchten, sollten Sie den Besuch von Fachmessen dabei nicht außen vor lassen. 

Bewerben auf Fachmessen: die richtige Vorbereitung

Fachmessen bieten eine hervorragende Möglichkeit, um sich einen persönlichen Eindruck von einer Branche oder einem Berufsfeld zu verschaffen und sich auch selbst einem potenziellen Arbeitgeber zu präsentieren. Im direkten Gespräch mit Unternehmensvertretern können so wichtige Informationen gesammelt und Kontakte geknüpft werden. 

Aber wie lässt sich ein Messebesuch professionell angehen? Der erste Schritt besteht zunächst darin, die einschlägigen Messen herauszufinden und sich diese Termine festzuhalten. Eine gute Übersicht über die aktuellen Messen in 2011 finden Sie unter www.expodatabase.de/messedb/. Hier können Sie nach Schlagwörtern nach den für Sie interessanten Messen suchen.

Gründlich recherchieren

"Informieren Sie sich vorher über Ihre Wunschunternehmen und deren Produkte. Finden Sie heraus, in welchen Fachrichtungen sie Mitarbeiter suchen. So können Sie den Personalverantwortlichen der Unternehmen Detailfragen stellen und so konkretes Interesse am Unternehmen zeigen", sagt Anja Eggers. Auch sollten Bewerber vorher klären, welche Art von Bewerbung die betreffende Firma bevorzugt.

Christoph Glöde, Messeleiter der bonding-Firmenkontaktmesse in Aachen, rät ebenfalls zu einer gründlichen Vorbereitung: "Vor unseren Firmenkontaktmessen veranstalten wir regelmäßig vierstündige Jobmessenseminare. Der Besuch so einer Veranstaltung ist eine Möglichkeit der Vorbereitung und auf jeden Fall empfehlenswert. Denn dort lernen die Teilnehmer, was sie auf einer Messe beachten sollten, wie sie zum Beispiel ihren Lebenslauf am Messestand am besten präsentieren."

Ausstellerverzeichnis ansehen

Nun geht es darum, sich über die auf der Messe vertretenen Unternehmen zu informieren. Eine entsprechende Übersicht der Aussteller finden Sie jeweils auf der Seite des Messeveranstalters. Welche Unternehmen sind für Sie besonders attraktiv? Wo gibt es konkrete Ansatzpunkte? Haben diese Unternehmen vielleicht sogar vakante Positionen? 

Hierzu können Sie z.B. bei monster nach Stellenanzeigen dieser Unternehmen gezielt suchen oder direkt auf der Homepage der Ausstellerunternehmen unter den Schlagwörtern Jobs, Karriere oder Stellenbörse recherchieren.

Das eigene Profil herausarbeiten

Im Vorfeld eines Messebesuches sollten Sie ein  Bewerberprofil von sich erstellen. Dieses sollte die wichtigsten Informationen über Sie und Ihre Qualifikationen und Fähigkeiten enthalten. Wie ein solches Profil aussehen kann, sehen Sie in unserem Kurzprofil-Muster.

Komplette Bewerbungsunterlagen an die Messestände mitzunehmen ist weniger ratsam, schließlich möchten Sie ja im Rahmen des Messebesuches noch Informationen gewinnen, die Sie dann in eine mögliche Bewerbung einbeziehen können.

Selbstpräsentation üben

Neben einer kurzen schriftlichen Präsentation in Form des Profils, gilt es bei einem Messebesuch insbesondere die mündliche Selbstpräsentation zu üben. Überlegen Sie sich, was Sie z.B. in einer Minute über sich und Ihre Qualifikation sagen können. Was sollte Ihr Gegenüber von Ihnen wissen, damit er Sie als interessanten Gesprächspartner erkennt? Wo sind die konkreten Anknüpfungspunkte zu den Arbeitsgebieten des Unternehmens? Haben Sie bereits mit dem Unternehmen schon einmal im Rahmen von Projekten zusammengearbeitet?

Visitenkarte ja, aber …

Selbstverständlich eignen sich auch Visitenkarten, um mit Gesprächspartnern ein späteres Anknüpfen an den Kontakt zu ermöglichen. Sie sollten jedoch bei einem geplanten Stellenwechsel nicht mit den Visitenkarten Ihres bisherigen Arbeitgebers auf Jobsuche gehen. Lassen Sie sich hierzu private Visitenkarten erstellen, das wirkt seriöser.

Nur an den Fachbesuchertagen

Wenn Sie Ihren Messebesuch planen, empfiehlt sich unbedingt darauf zu achten, dass Sie an den Fachbesuchertagen dies tun. Gegenüber den öffentlichen Besuchertagen hat dies den Vorteil, dass Sie in der Regel die interessanteren Gesprächspartner antreffen und es auch nicht so überfüllt ist.

Wie Sie an Fachbesucherkarten kommen

Eintrittskarten hierfür können Sie am besten direkt über die ausstellenden Unternehmen erhalten. Hierzu reicht es in der Regel, wenn Sie sich an den Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens wenden und Ihr Interesse an den Produkten zum Ausdruck bringen. Da Aussteller üblicherweise ein großes Kontingent an Fachbesucherkarten vom Messeveranstalter erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Ihrem Wunsch entsprochen wird. Weitere Möglichkeiten, um an Fachbesucherkarten zu kommen bestehen über Bekannte, die in der Branche tätig sind oder als Zielgruppe der Ausstellerunternehmen direkt angesprochen werden.

Sofern Sie noch an der Hochschule sind, sind auch Ihre Professoren gute Ansprechpartner, da diese ebenfalls leichten Zugang zu einschlägigen Messen ihres Fachgebietes verschaffen können. Eine kreative Möglichkeit besteht auch darin, als Pressevertreter die Messe zu besuchen. Hierzu müssen Sie sich lediglich von einem Medium (Uni-Zeitung, regionales Magazin oder Internetpublikation) eine so genannte Akkreditierung besorgen. 

Mit dieser Bescheinigung, dass Sie für das Medium etwas über die Messe schreiben werden, wenden Sie sich an den Messeveranstalter, der Sie dann als Pressevertreter  akkreditiert. Es erklärt sich von selbst, dass Sie im Anschluss an den Messebesuch auch tatsächlich einen kleinen Beitrag schreiben sollten. Dieser kann sogar als Publikation recht gut in Ihren Bewerbungsunterlagen machen.

Messebesuch zeitlich planen

Häufig wird der zeitliche Aufwand für den Besuch einer Messe unterschätzt. Daher ist es ratsam sich im Vorfeld eine grobe Planung zu machen, welche Unternehmen Sie auf jeden Fall besuchen möchten. Diese Termine sollten Sie möglichst nicht zu den Stoßzeiten (10-12 Uhr und 14-16 Uhr) einplanen, da es dann erfahrungsgemäß recht schwierig ist, Gesprächspartner zu finden. Früh morgens, gleich nach Eröffnung der Messe ist in der Regel ein guter Zeitpunkt.

Das richtige Outfit

Auch die richtige Kleidung ist ein wichtiges Thema. "Unseren Kongressbesuchern empfehlen wir ein Business-Outfit – so wie sie auch zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen würden", betont Anja Eggers. Sie rät zu einem dunklen Anzug für den Herrn und einem Hosenanzug oder Kostüm für die Dame. Je nach Branche sei das natürlich unterschiedlich. Wer zum Beispiel einen technischen Beruf ergreifen will, der brauche nicht unbedingt mit Krawatte zu erscheinen.

Auch Glöde empfiehlt, zur Jobmesse in passender Kleidung zu erscheinen: "Wenn Sie zu einem Messestand einer Unternehmensberatung gehen, dann sollten Sie natürlich Business-Outfit tragen. Wenn Sie sich um die Stelle bei einem Ingenieurbüro bewerben, reichen auch schon Hemd, Krawatte, Sakko und ordentliche Jeans." Und noch zwei Tipps von Glöde: Wer sich zum Beispiel als Student im dritten Semester erstmal informieren will, sollte nicht im Anzug oder Kostüm erscheinen. Das wäre übertrieben.

Das wichtigste Dokument: der Lebenslauf

Der Lebenslauf ist nicht nur das wichtigste Dokument einer jeden Bewerbung, er ist auch auf Jobmessen die Visitenkarte, die Bewerber zurücklassen können. Deshalb lohnt es sich, schon einige Tage vor dem Messebesuch, dem Aktualisieren des Lebenslaufs entsprechend Zeit zu widmen. Wer noch gar keinen Lebenslauf hat, sollte dies nun nachholen. Wie das geht erfahren Sie hier

"Wir bieten zwar während der Messe ein Bewerbungsmappen-Check an. Wer aber auf der Messe mit einem gutgemachten Lebenslauf glänzen will, aber noch keine optimalen Unterlagen hat, für den kommt das natürlich zu spät", so Glöde.

Zeitmanagement auf der Jobmesse

Christoph Glöde warnt davor, sich an einem Messetag zu viel vorzunehmen. "Für jedes Gespräch sollten sich die Teilnehmer genügend Zeit nehmen. So ein Gespräch kann schon mal 20 oder 30 Minuten dauern." Außerdem sind Messebesucher nach sechs Stunden in der Regel nicht mehr fit genug, um noch ein optimales Gespräch zu führen. Deshalb empfiehlt er Pausen einzulegen, um durchzuatmen und sich Info-Materialien anzuschauen.

Planung ist übrigens nicht nur für die Besuche an den Messeständen sinnvoll. Denn bei den Recruiting- und Informationsmessen wird in der Regel auch ein Rahmenprogramm angeboten, zu dem über 120 Unternehmenspräsentationen, Expertenrunden und Vorträge sowie Bewerbungschecks und Karriereberatungen gehören. 

Die richtige Vorbereitung

Rübel empfiehlt eine gezielte Vorgehensweise. Auf höchstens zehn Unternehmen sollte man sich vorbereiten, um noch effektive Gespräch führen zu können. „Ein solches Vorgehen ist deutlich zielführender, als 30 bis 40 Firmen an einem Tag  abzuklappern, Bewerbungen auf den Tisch zu legen und zu warten, was passiert“, meint Rübel.

Die Auswahl einzugrenzen bietet seiner Ansicht nach einige Vorteile: "Wenn man weiß, wer für welche Aufgaben gesucht wird, kann man im Anschreiben gezielt darauf eingehen und eine unternehmensspezifische Bewerbungsmappen erstellen." Rübel nennt drei Punkte, über die sich ein Bewerber im Klaren sein sollte, wenn er auf ein Unternehmen zugeht: Was will ich dort, interessieren mich die Produkte und passt das Unternehmen zu mir? "Auf diese Fragestellungen werden die Gesprächspartner von sich aus mit großer Wahrscheinlichkeit eingehen."


Auch Unternehmen schätzen Jobmessen

Der Wissenschaftsladen Bonn hat Aussteller und Besucher der Messe befragt, aus welchem Grund sie im vergangenen Jahr in Gelsenkirchen waren. Das bedeutendste Ziel der Aussteller war es, Kontakt zu qualifizierten Bewerbern zu knüpfen. Spiegelbildlich haben die Besucher geantwortet: Ihnen geht es vor allem um Kontakte zu Arbeitgebern, Brancheninformationen und Informationen über Fortbildungen und Studiengänge. "Die Besucher von heute können die Studenten, Praktikanten, Diplomanden und Mitarbeiter von morgen sein", sagt Theo Bühler. Die Kontaktaufnahme steht für ihn deshalb über allem. Dazu bietet der Wissenschaftsladen die Plattform, zu der Firmen- und Hochschulpräsentationen ebenso gehören wie der kompakte Überblick in Branchenworkshops für Solar-, Wind-, Bioenergie und Geothermie. Die zunehmende Bedeutung von Jobmessen bei der Besetzung von Stellen hat auch er im Laufe der Jahre festgestellt.

Für Stephan Polomski, Personalleiter der Xtronic GmbH sind Jobmessen die beste Rekrutierungsmöglichkeit. Mehr als die Hälfte der knapp 40 neuen Mitarbeiter, die 2008 eingestellt wurden, fand das Unternehmen auf Jobmessen. Dann folgt der Online-Stellenmarkt und an dritter Stelle die Firmen-Homepage. Das Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Stuttgart entwickelt und berät Automobilhersteller und Zulieferer in Sachen Elektrik und Elektronik mit Schwerpunkt Telematik- und Multimediasysteme für Autos und hat rund 120 Mitarbeiter. Auf 23 Jobmessen war Xtronic 2008 vertreten, darunter die auf Natur- und Ingenieurwissenschaften spezialisierte Bonding sowie die Veranstaltung vom Verein deutscher Ingenieure, VDI. In diesem Jahr sollen es weniger sein. Zum einen wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage in der Automobilindustrie. Andererseits sind die Präsentationen auf Jobmessen sehr aufwändig.
 


>>> Bewerben auf Fachmessen (2): Kontakt und Präsentation

(Doris Brenner )

Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.

 


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