Bewerben in Großbritannien: Bewerbungsregeln und Auswahlprozess

In Großbritannien haben Jobsucher die besten Chancen, wenn sie nach Stellenausschreibungen in Zeitungen suchen oder sich an eine der zahlreichen privaten Job-Agenturen wenden. Auch Initiativbewerbungen sind gern gesehen.

 

Auch wenn die Online-Jobbörsen wie Monster der klassischen Zeitungsanzeige so langsam den Rang ablaufen – die Recherche in Zeitungen bietet sich auch für Großbritannien nach wie vor weiter an. Wer einen Zeitungskiosk mit internationalem Angebot in der Nähe hat, kann in der einen oder anderen Printausgabe stöbern.

Recherche Online und in Tageszeitungen

Allerdings werden in den Kontinentalausgaben der Blätter die Stellenteile meist nicht veröffentlicht. Die Zeitungen sollten also vor allem dazu dienen, sich allgemein über sein Wunschland zu informieren. Einfacher ist die Recherche im Internet: Unter der Rubrik "Jobs" oder "Careers" veröffentlichen die großen Zeitungen ihre Stellenofferten in ihren Online-Portalen. Die Internetseite "Fish4" gibt einen Überblick über die Stellenanzeigen zahlreicher Regionalzeitungen.

Mitunter finden sich auch in den deutschen Zeitungen Stellenangebote aus dem Ausland. Es kann also lohnend sein, auch die überregionalen Tageszeitungen im Blick zu behalten.

Recherche vor Ort

Wer sich in Städten Großbritanniens einmal umgeschaut hat, wird die kleinen Job-Zentralen entdeckt haben. "Jobcentres" (Arbeits- und Sozialämter) sind die staatliche Variante, sie werden von der britischen Arbeitsvermittlung Jobcentre Plus unterhalten.

Auch Ausländer können sich an sie wenden. Jobcentres helfen bei der Suche vor Ort oder landesweit. In den angegliederten Career Services gibt es Informationen über Weiterbildung. Die Adressen der Jobcentres sind auf der Seite von Jobcentre Plus zu finden (siehe Interessante Links). Die staatlichen Jobcentres sind vor allem für nicht-akademische Berufe die richtige Anlaufstelle.

Private Job Agencies

"Job Agencies" sind die private Jobvermittler. Sie führen meist Begriffe wie "Recruitment" oder "Appointment" oder den Namen des Gründers im Titel. Sie vermitteln sowohl akademische als auch gewerbliche Jobs und sind oft auf bestimmte Branchen oder Berufsfelder spezialisiert.

Zu finden sind die Job Agencies in den Gelben Seiten, Stichwort "Recruitment", "Headhunter" oder "Personnel Consultants" – oder im Stellenteil der Zeitungen, wo sie Anzeigen schalten. Eine Vielzahl von Kontaktadressen liefert auch der Verband "The Recruitment & Employment Confederation" auf seinen Internetseiten.

Vor Ort bessere Chancen

Das Bewerben über eine Agentur läuft im Prinzip genauso wie direkt bei einem Arbeitgeber: nur, dass man seine Unterlagen erst einmal an den Vermittler schickt und dieser sie gegebenenfalls an einen Arbeitgeber weiterleitet. Ein guter Vermittler tut dies allerdings nicht, ohne vorher die Zustimmung des Bewerbers eingeholt zu haben.

Allerdings haben Agenturen mitunter Vorbehalte ausländischen Bewerbern gegenüber – sie fürchten Umzugskosten oder dass die neuen Mitarbeiter sich nicht in der neuen Umgebung zurechtfinden und schnell wieder kündigen. Wer bereits vor Ort lebt, hat bei ihnen darum meist bessere Chancen.

Expertentipp

In Großbritannien wird viel stärker als in Deutschland über private Agenturen rekrutiert. Das sind keine Personalberatungen, wie wir sie kennen, sondern richtige Vermittler. An sie sollten sich auch deutsche Bewerber wenden. Am besten gleich  persönlich vor Ort.
(Robert A. Breitbach, Inhaber von Breitbach Consulting, Bad Honnef)


Initiativbewerbungen sind in Großbritannien gern gesehen und gelten als Erfolg versprechend. Wie auch hierzulande müssen die Bewerbungsunterlagen natürlich möglichst genau auf das Unternehmen zugeschnitten sein.

Initiative ergreifen

Zur Vorbereitung sollten sich Bewerber auf den Internetseiten des Unternehmens umsehen und sich über Online-Suchmaschinen über die Firma informieren, um möglichst viel Wissen zu sammeln (in welchem Geschäftsfeld bewegt sich gerade besonders viel; wo entstehen neue Niederlassungen etc.) – nur so kann man jene Fähigkeiten in den Vordergrund stellen, die das Unternehmen braucht, und sich als möglichst passender Kandidat präsentieren.

Angebote der Handelskammer

Die Kontaktadressen für Initiativbewerbungen sind am besten in den Gelben Seiten oder bei der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zu finden. Bei der IHK steht ein Mitgliederverzeichnis online, in dem auch nach Branchen sortiert recherchiert werden kann.

Außerdem bietet die Kammer unter der Rubrik "Jobs" zweisprachigen Bewerbern die Möglichkeit, nach Ausschreibungen der Mitgliedsfirmen zu suchen oder selbst ein Stellengesuch aufzugeben. Auch bei der Suche nach Praktika ist man bei der Kammer behilflich.

Deutsche Arbeitsagentur

Auch bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Arbeitsagentur gibt es internationale Angebote für Jobsucher. Ein Anruf (Auslandshotline: 0180 / 522 20 23) oder die Recherche auf den Internetseiten der Arbeitsagentur kann sich darum lohnen. Angebote aus dem Ausland findet man auch in der Zeitschrift "Markt + Chance", die wöchentlich erscheint und kostenlos bei den Arbeitagenturen erhältlich ist.

Außer der ZAV ist auch der European Employment Service (EURES) eine interessante Anlaufstelle. Dieses Netzwerk hat die Europäische Union in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten eingerichtet. EURES bietet Beratung und Jobvermittlung. Wo der nächste Berater zu finden ist, erfahren Jobsucher bei der Arbeitsagentur oder über die Internetseite von EURES.

Jobsuche für Hochschulabsolventen

Man muss nicht in Großbritannien studiert haben, um Firmenkontaktmessen ("Job Fairs" oder "Career Fairs") auf der Insel besuchen zu dürfen. Diese finden sehr zahlreich statt. Die Termine werden von den einzelnen Hochschulen veröffentlicht. Es gibt aber auch eine hilfreiche Übersicht auf der Internetseite "Prospects", die sich speziell an frisch Graduierte richtet.

Wie wird ausgewählt?

Wenn ein Bewerber mit seinen Unterlagen beim Unternehmen Interesse wecken konnte, wird ihm oft erst mal ein Fragebogen zugeschickt. Dann folgt in der Regel ein Telefoninterview. Dritter Schritt ist die Einladung zum Gespräch vor Ort, zu dem der Bewerber seine Zeugnisse – die er den Bewerbungsunterlagen noch nicht beilegen musste – in beglaubigter Übersetzung mitnimmt.

Expertentipp

Seien Sie aufs "Competence Interfering" gefasst. Wer quasi nebenbei eine Aussage macht wie zum Beispiel "Ich bin sehr motiviert", muss sich darauf einstellen, dass dieser Satz sofort hinterfragt wird. Darum ist es wichtig, Beispiele und Belege für solche Behauptungen parat zu haben. 
(Robert A. Breitbach, Breitbach Consulting, Bad Honnef)


Ähnlich wie in Deutschland kann das, was den Kandidaten im Auswahlprozess erwartet, von Firma zu Firma unterschiedlich ausfallen. Große Unternehmen schicken ihre Bewerber gern durchs Assessment Center, bei anderen gilt das Jobinterview als wichtigstes Auswahlinstrument.

(Andrea Pawlik, 2009)



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