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Bewerben in Japan: Wichtiges und Wissenswertes

Für ausländische Bewerber ist es nicht ganz einfach, den beruflichen Einstieg zu finden. Bewerber mit technischer Qualifikation haben die besten Chanchen.


Zu den wichtigsten Branchen des Landes zählen Automobil-, Elektro-, Metall- und Chemieindustrie sowie die Telekommunikation. Gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz haben IT-Fachkräfte, Elektro- und Fahrzeugbauingenieure sowie technische Vertriebsmitarbeiter. Deutsche Erfahrungen in der Umwelt- und Energietechnik gelten in Japan als sehr interessant. Auch Experten aus Wachstumsbranchen wie der Bio- oder Medizin-Technologie sind gefragt. Die Wirtschaft Japans erntet derzeit die Früchte vorangegangener Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die Binnennachfrage ist stabil, und der Außenhandel wächst - die wichtigsten Partner sind die USA und China. Große Bedeutung haben auch die Geschäfte mit Südostasien, Australien und Europa.


Fachwissen zählt

Eine gute Anlaufstelle für ausländische Bewerber sind die deutschen Niederlassungen großer japanischer Handelshäuser ("sôgôshôsha"), die relativ häufig unterschiedlichste Positionen mit ausländischen Bewerbern besetzen. Außerdem suchen japanische Firmen aus der verarbeitenden Industrie oft technische Übersetzer, die Bedienungsanleitungen und technische Dokumente ins Deutsche übertragen. Weniger gute Aussichten haben Japanologen, die sich während ihres Studiums vor allem mit Sprache, Kultur und Politik des Landes beschäftigten - sie brauchen zusätzlich eine fachliche Qualifikation und möglichst etwas Berufserfahrung.

Teure Lebenshaltung

Wirtschaftliches Zentrum des Landes ist die Region Tokyo, weitere Schwerpunkte liegen um Osaka und Kyoto. Leben und Wohnen in Japans Metropolen ist teuer: Die Mieten gehören im internationalen Vergleich mit zu den höchsten, und auch die übrigen Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Verdienen lässt sich im Vergleich zu Deutschland zwar auch mehr, doch gleicht das die hohen Kosten nur teilweise aus. Vor allem Berufseinsteiger müssen sich meist mit einem niedrigeren Lebensstandard als bisher anfreunden.

Ausländische Arbeitnehmer haben - neben den selten perfekten Sprachkenntnissen - einen kleinen Nachteil gegenüber japanischen Mitarbeitern, der ihnen den Einstieg in Nippon erschwert: Sie brauchen ein Visum und sind deshalb nicht ganz kurzfristig einsetzbar. Denn erst wer die Zusage eines japanischen Arbeitgebers in der Tasche hat, kann ein Visum bei der japanischen Botschaft oder einem Generalkonsulat beantragen.

Jobsuche während der Ferien

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, als Tourist nach Japan einzureisen und sich dort auf Jobsuche zu begeben. Findet der Bewerber auf diese Weise einen Arbeitgeber, ist auch dieser dafür zuständig, seinem neuen Mitarbeiter eine Arbeitsgenehmigung zu verschaffen. Davor scheuen aber manche Firmen zurück, falls sie den Bewerber nicht unbedingt brauchen.

Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren können ein so genanntes Working Holiday Visum zu beantragen: Es gilt für zwölf Monate und erlaubt, innerhalb dieses Zeitraums drei Monate lang in Japan zu arbeiten. Dieser Aufenthalt soll den Besuchern umfassende Einblicke in die Kultur und das Alltagsleben Japans ermöglichen. Das Working Holiday Visum erteilen wie andere Visa die japanische Botschaft oder einem Generalkonsulat. Den dazugehörigen Job können Interessierte entweder bereits von Deutschland aus oder erst in Japan suchen. Wer nicht das Richtige findet, kann von der "Japan Association for Working Holiday Makers" weiterhelfen lassen (siehe Interessante Links).

Fettnäpfchen im Business

Auf die japanische Alltags- und Geschäftskultur sollte sich jeder Stellensuchende eingehend vorbereiten. Sonst läuft er Gefahr, zu viele der ungeschriebenen Regeln zu verletzen. Zwar wird man ihm als Ausländer einiges nachsehen, doch hinterlässt auf jeden Fall derjenige den besseren Eindruck, der sich so sicher wie möglich auf dem japanischen Parkett bewegt.

Zum guten Ton gehört natürlich die typische Verbeugung zur Begrüßung: Der Rangniedere verneigt sich dabei tiefer als der Ranghöhere. Manchmal kommen Japaner dem westlichen Bewerber aber auch mit einem Händedruck entgegen, der europäische Gast sollte die gereichte Hand nur vorsichtig drücken. Ebenso tut der Kandidat gut daran, einen eventuell vorhandenen Hang zum Gestikulieren im Zaum zu halten.

Sinnvoll ist es auch, Visitenkarten dabei zu haben - sie werden ausgetauscht, wenn man sich das erste Mal trifft. Der Bewerber als der Rangniedrigere bietet seine Karte zuerst an: Er hält sie so herum, dass der Empfänger sie sofort lesen kann. Visitenkarten werden mit beiden Händen gegeben und empfangen. Der Empfänger schenkt der Visitenkarte große Aufmerksamkeit und betrachtet sie sorgfältig.

Im Vorstellungsgespräch legt ein Bewerber die erhaltenen Visitenkarten am besten direkt vor sich, um die Namen ihres Gegenübers immer parat zu haben. Wer das Auswahlgespräch mit mehreren Vertretern des Unternehmens führt, sollte immer im Hinterkopf behalten, welcher der Älteste oder Ranghöchste der Gruppe ist und ihm gezielte Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Dezentes Auftreten ist gefragt

Unterm Strich lässt sich sagen, dass Bewerber bei japanischen Unternehmen mit freundlich-zurückhaltender Höflichkeit am besten ankommen. Wer nicht sicher ist, wie er sich verhalten soll, wartet erst mal ab, was sein Gegenüber tut. Niemand verlangt, dass europäische Kandidaten die japanischen Regeln perfekt beherrschen - sie müssen ihnen vor allem Respekt zollen und sich bemühen. Dazu gehört auch eine gute Vorbereitung des Gesprächs. Wenn das offensichtlich nicht der Fall war, wird mangelndes Interesse unterstellt.

In punkto Kleidung tun Bewerber gut daran, ähnlich konservativ aufzutreten wie schon fürs Bewerbungsfoto: Dezenter Anzug oder Kostüm sind ein Muss. Weiß gilt übrigens als Farbe der Trauer. Die Unterschiede zwischen deutscher und japanischer Unternehmenskultur sind auch Thema eines Vortrags beim "Japan Jobforum" des Deutsch-Japanische Wirtschaftskreis - siehe Bewerbungsregeln und Auswahlprozess.

Erwartungen japanischer Chefs

Wer sich um eine Stelle in einem japanischen Unternehmen bemüht, sollte sich auf kulturelle Besonderheiten einstellen, die über die Benimmregeln des Landes hinausgehen. So kommt es bei japanischen Vorgesetzten nicht gut an, wenn der Mitarbeiter ausgeprägte Eigeninitiative zeigt und selbstständig Projekte in Angriff nimmt. Stattdessen wird der japanische Chef seinem Mitarbeiter in der Regel kleine Ziele vorgeben, über deren Erreichen er zwischendurch immer wieder Bericht erstatten muss. Die Führung in einem japanischen Unternehmen ist insgesamt eher prozess- als zielorientiert.


Literatur

Iris Petzold, Nadja Ringel, Alexander Thomas:
Beruflich in Japan. Trainingsprogramm für Manager, Fach- und Führungskräfte.
Vandenhoeck & Ruprecht 2005, 150 Seiten.

Christoph Neumann:
Darum nerven Japaner. Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags.
Piper 2006, 169 Seiten.

(Andrea Pawlik und Irene Gronegger, 10.09.2007)



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