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Bewerben für Selbstständige

Eine Insolvenz ist nur einer von vielen möglichen Gründen, warum sich Selbstständige um einen Job als Angestellte bewerben. Wir zeigen Strategien für eine erfolgreiche Bewerbung.




Bertelsmann-Manager Jan Nils Borgstädt prüft Business-Pläne, wägt Risiken ab und investiert Geld in zukunftsträchtige Unternehmen. Der Job ist dem 34jährigen Diplom-Kaufmann auf den Leib geschneidert, denn bevor er den Arbeitsvertrag bei Bertelsmann Digital Media Investments – so heißt der Beteiligungsfonds des Gütersloher Medienkonzerns – unterschrieb, hatte er selbst zwei Unternehmen aufgebaut. "Diese Erfahrungen als Gründer sind besonders wertvoll für das, was ich heute mache", sagt Borgstädt.

Kein Schritt zurück

Aus der Selbstständigkeit ins Angestelltenverhältnis zu wechseln, sei "ganz und gar nicht" ein Schritt zurück gewesen, betont der 34-Jährige. Schließlich "handle ich wie ein Unternehmer im Unternehmen". Bertelsmann hat eigens ein "Entrepreneurs Program" aufgelegt, um Talente wie Borgstädt aufzuspüren und zu entwickeln.

Unternehmerische Erfahrung gilt den Programmverantwortlichen als i-Tüpfelchen auf der Bewerbung – doch diese Einschätzung, die in den USA oder in Großbritannien unstrittig ist, hat sich in deutschen Personalabteilungen längst nicht durchgesetzt. "Wer sich aus der Selbstständigkeit bewirbt, sieht sich einer Reihe von Vorurteilen gegenüber", sagt Susanne G. Rausch, die das Trainings- und Coaching-Unternehmen Act Value in Berlin leitet. "Nach dem Motto: Der hat es nicht geschafft und will wieder in den sicheren Hafen zurück."

Nicht mehr integrierbar?

Ein anderes Vorurteil laute, dass jemand, der sein eigener Chef gewesen sei, sich nicht mehr in eine Hierarchie einfügen könne. Er bleibe "am Ende immer latent unzufrieden und nicht wirklich motiviert", hat Rausch aus Gesprächen mit Personalentscheidern herausgehört.

Es fällt schwer, die Bedenken auszuräumen. Mancher ehemalige Unternehmer trete im Vorstellungsgespräch zu selbstbewusst auf und versuche, geschäftliche Rückschläge schön zu reden, beobachtet die Trainerin: "Dies wird eher als Bestätigung der Vorbehalte gesehen. Natürlich darf man sich auch nicht als Opfer präsentieren – schließlich will niemand einen Sozialfall einstellen." Rausch empfiehlt "das richtige Maß an Selbstbewusstsein und Bescheidenheit, eine nachvollziehbare Selbstreflexion". "Ist die Argumentation plausibel und wirkt die Person authentisch, sympathisch und kompetent, hat auch ein Selbstständiger die Chance zurückzukehren."

Referenzen statt Zeugnisse

Vorher muss er aber ein paar praktische Probleme bei der Bewerbung lösen, etwa dass er kein aktuelles Arbeitszeugnis hat. "Wichtig sind aussagekräftige Bewerbungsunterlagen", betont Michaela Gawel, Karriereberaterin aus Königswinter. "Im Lebenslauf sollten alle Tätigkeiten detailliert aufgeführt sein. Da das Arbeitszeugnis fehlt, empfiehlt sich das Einreichen von Arbeitsproben oder eine Aufstellung von Referenz- beziehungsweise Projektlisten." Gawel hält es für legitim, private und berufliche Kontakte zu nutzen. Gut lassen sich beispielsweise Kunden- und Lieferantenbeziehungen auffrischen.

Online-Netzwerke und eine professionell gemachte Homepage seien bei der Kontaktpflege hilfreich, meint Jürgen Hesse, der Gründer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Ebenso lohne es sich, einem Berufsverband beizutreten.

Richtig argumentieren

Um die Gretchenfrage kommt allerdings kein Bewerber herum: Was ist der Grund für die Rolle rückwärts ins Angestelltenleben? Die Antworten sollen positiv und in die Zukunft gewandt sein.

Also nicht: "Die Insolvenz meines Unternehmens zwingt mich zu einer beruflichen Neuorientierung."

Sondern: "Durch meine selbstständige Tätigkeit habe ich zahlreiche Kundenkontakte in Ihre Branche geknüpft, so dass ich sicher bin, einen deutlichen Beitrag zur Vergrößerung Ihres Marktanteils leisten zu können."

Der Adressat muss sofort erkennen, welchen konkreten Nutzen ihm ein Mitarbeiter mit "unternehmerischer Vergangenheit" bringt.

Erfolge betonen

Im Idealfall können Ex-Existenzgründer darauf verweisen, dass sie Greifbares hinterlassen haben – und ihr Unternehmen fortbesteht, auch wenn sie es verkauft haben. Jan Nils Borgstädt kann das: Sekretaria.de, die von ihm miterdachte Online-Plattform für Bürodienstleistungen, gibt es immer noch. Solche Erfolge stärken den Rücken für Vorstellungsgespräche. "Dabei nie vergessen", mahnt Christoph Kühnhanss, Buchautor und Human-Resources-Berater in Bern, "dass Leute, die sich selbstständig gemacht haben, an sich schon mal mutig, weltoffen, risikobereit, fleißig, flexibel und alles mögliche Gute sind."


Selbstständige: Das gehört in die Bewerbung

Referenzen
Wichtige Kunden und Geschäftspartner um Empfehlungsschreiben bitten (am besten vorformulieren). Gut machen sich auch zwei oder oder Namen nebst Telefonnummern/Mail-Adressen im Anschreiben (natürlich absprechen).

Arbeitsproben
Berichte und Veröffentlichungen über gelungene Projekte sind die beste Werbung (keine vertraulichen Unterlagen verschicken). Im Anschreiben erwähnen und im Lebenslauf ergänzen.

Erfolgschronolgie
Eine langjährige selbstständige Tätigkeit sollte im Lebenslauf gegliedert werden. Aus "besonderen" Jahren die Highlights herausziehen und mit einigen Fakten/Zahlen erläutern. Achtung: Klasse statt Masse!

Signalwörter
Im Anschreiben Kompetenzen wie Führungsfähigkeit, Eigeninitiative, Marktgespür, Selbstdisziplin aufblitzen lassen. Statt "Word-Dropping" Belege aus der unternehmerischen Tätigkeit sammeln. Klar machen, dass der angepeilte Job kein Notnagel ist (langfristiges Engagement unterstreichen).

(Christoph Stehr, 29.06.2009 / Bild: Nyul, Fotolia.com)



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