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Businessknigge Indien

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Auch wenn Indiens Geschäftswelt britisch geprägt ist: Wer näher hinschaut, entdeckt viele typisch-indische Gepflogenheiten. Asienexpertin Francoise Hauser sagt, wie Sie bei Geschäftsbesuchen alles richtig machen.

Auf den ersten Blick scheint Indien vertraut: Immerhin sind im anglophonen Indien keine sprachlichen Hindernisse zu erwarten, und auch Intonation und Humor erinnern den westlichen Besucher eher an Europa denn an Asien.

Harmonie zählt

Doch die persönliche Beziehung zum Geschäftspartner ist ungleich wichtiger als in Europa. Das erste Treffen kommt daher oft mit Zutun eines Vermittlers zustande und dient mehr der Einstimmung als den konkreten Geschäften.

Die potentiellen Partner aus Ost und West sollen sich erst einmal kennenlernen. Auch familiäre Fragen, Hobbies kommen zu Sprache, genauso wie sportliche oder kulturelle Interessen. Sogar religiöse Fragen werden hier und da am Rande erörtert - für westliche Besucher ein eher ungewöhnliches Thema. Keine Angst, in diesem Fall geht es nicht um missionarischen Eifer, sondern einfach nur Interesse für die Person – und da spielt Religion nun mal eine Rolle.

Indisches Zeitgefühl

Hin und wieder scheint es dem westlichen Besucher, als könnten sich die Inder untereinander nicht auf eine gemeinsame Uhrzeit einigen: Verspätungen von mehreren Stunden, ewige Wartezeiten bei Behörden (trotz Termin) und die endlose Geduld, mit der solche Unbill ertragen wird, treiben auch gefestigte Menschen in den Irrsinn. Wer je am indischen Straßenverkehr teilgenommen hat, ahnt schnell, warum sich Pünktlichkeit so schwer einfordern lässt. 

Als Besucher sollte man trotzdem immer zum vereinbarten Zeitpunkt erscheinen. Nicht zuletzt, weil Deutsche als besonders pünktlich gelten und man sich auch auf indischer Seite Mühe gibt, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Ein Indien? Viele Indien!

Während die Bürger Indiens vom Ausland pauschal als "Inder" wahrgenommen werden, definiert man sich im Land sehr viel differenzierter. Einen Hindu aus Delhi trennen genauso viele kulturelle und sprachliche Hürden vom Tamilen aus Tamil Nadu wie einen Deutschen vom Spanier. Gleiches gilt für die Unterschiede zwischen den zahlreichen Religionsgemeinschaften. 

Pauschale Aussagen über Indien sollte man daher eher zurückhaltend treffen und Diskussionen über regionale Unterscheide und Glaubensfragen meiden. Ehrliches Interesse für die lokale Kultur wird hingegen wehr wohlwollend aufgenommen.

Oben und unten

Hierarchien sind in der indischen Gesellschaft sehr viel ausgeprägter als in Europa. Zwar herrscht im Umgang mit dem Besucher ein überaus höflicher Umgangston, doch manch ein charmanter Gesprächspartner überrascht im Kontakt mit niedriger gestellten Kollegen mit rüdem Ton und bösen Flüchen. Schon aus diesem Grund sollte die Visitenkarte immer deutlich den Titel enthalten.

Im Restaurant

Die religiöse Vielfalt Indiens zeigt sich auch beim Restaurant-Besuch: Manch ein gläubiger Hindu isst kein Fleisch, Jains verzichten auf alle tierischen Produkte, während moslemische Inder kein Rindfleisch essen, andere wiederum nur Pflanzen zu sich nehmen, die über der Erde wachsen (also beispielsweise keine Kartoffeln). Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. 

Gleiches gilt auch für den Umgang mit Alkohol. Wer hier nicht ins Fettnäpfchen treten will, kann nur eines tun: Nachfragen, welche Regeln für den Geschäftspartner gelten und auch selbst nicht unbedingt das Gericht bestellen, das ihm absolut verboten oder zuwider ist. Gegessen wird oft mit der rechten Hand, die linke bleibt unter dem Tisch, denn sie gilt als unrein.

Gestik und Mimik

Gerade weil es auf den ersten Blick so viele Gemeinsamkeiten gibt, erweist sich das indische "Kopfrollen", eine zwischen den Schulter pendelnde Bewegung, als klassische Falle: Die vermeintlich skeptische Geste bekundet Zustimmung. Bisher ist noch jeder Besucher darauf hereingefallen!

Kleiderordnung

Männer sind mit einem leichten Anzug in Indien immer gut beraten. Auch das Sakko kommt selbst bei tropischen Temperaturen zum Einsatz – wenn die Klimaanlage das Büro auf 16 Grad Celsius herunter kühlt! Frauen sollten eher im bedeckten Kostüm oder Hosenanzug anreisen. Halbe Ärmel sind angemessen, wenn sie die Schultern großzügig bedecken. Der Rock darf ein wenig länger sein, als in Europa üblich und sollte mindestens über die Knie reichen.

Als Frau in Indien

In der Geschäftswelt werden westliche Frauen in der Regel problemlos akzeptiert, nicht zuletzt weil es in der Mittel- und Oberschicht viele gut ausgebildete und berufstätige Inderinnen gibt. Auf der Straße jedoch kann es zu Kontaktversuchen kommen, denn Europäerinnen gelten vielerorts als besonders freizügig. Wer sich konservativ kleidet und um diese wenigen Ausnahmen nicht schert, wird Indien als angenehmes Land erleben.

(Francoise Hauser, 2010 / Bild: Nimbus, Fotolia.com)


Francoise Hauser ist freie Journalistin und Buchautorin. Sie ist Trainerin für interkulturelle Seminare und betreibt den Blog Asientext.


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