Businessknigge USA

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Amerikanische Geschäftsleute geben sich gerne locker und leger. Doch die Business-Etikette in den USA unterliegt strengen Normen und Ritualen. Unser Amerikakorrespondent Sebastian Moll hat die wichtigsten Regeln zusammengestellt.  



Es ist fast immer eine angenehme Erfahrung, wenn man als Deutscher zum ersten Mal mit der amerikanischen Geschäftswelt  in Kontakt kommt. Der Umgang in US-Unternehmen ist für Mitteleuropäer überwältigend freundlich. Jeder geht auf einen zu, jeder ist zuvorkommend, jeder ist verbindlich und aufmerksam.

Allgemeine Freundlichkeit kann trügerisch sein

Diese allgemeine Nettigkeit kann jedoch trügerisch sein. Allzu leicht lässt man die Art von Förmlichkeiten fallen, die man aus dem deutschen Geschäftsleben kennt und benimmt sich so, wie man das Verhalten des Gegenübers deutet – als freundschaftlich, locker, offen. 

Dabei übersieht man jedoch, dass die amerikanische Business-Etikette ebenso strenge Regeln hat wie die europäische, vielleicht sogar noch strengere. Die Regeln sind nur anders -  oft subtiler und unterschwelliger. Die gleiche Situation wird jenseits des Atlantiks meist völlig anders verstanden, die Fettnäpfchen stehen überall.

Soziales Geschick gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten

Zu lernen, diese Fettnäpfchen zu umschaffen ist keine Nebensache, wenn man in den USA geschäftlich Erfolg haben möchte. "Talent, Erfahrung, Kompetenz, eine gute Ausbildung haben viele", sagt Jaqcueline Whitmore, Leiterin einer Etikett-Schule für Geschäftsleute in Palm Beach. 

Wer sich auf einem gerade in Krisenzeiten immer härter werdenden Arbeitsmarkt durchsetzen will, der muss sich durch etwas anderes abheben – durch weniger greifbare,"weiche" Qualitäten. Soziales Geschick gehört dabei zu den wichtigsten Fertigkeiten. Sie sind sogar ein absolutes Muss:" Es kann 20 Jahre dauern, einen Ruf aufzubauen", zitiert Whitmore gerne Warren Buffett. "Aber es dauert nur fünf Minuten, ihn zu ruinieren."

Im Folgenden haben wir zehn Tipps zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen,  Fettnäpfchen vermeiden und sich erfolgreich im US-amerikanischen Geschäftsleben zu bewegen.


Dress Code
 
Wie kompliziert es sein kann, sich mit den Unwegbarkeiten der amerikanischen Business-Etikette zu Recht zu finden, zeigt sich vielleicht am deutlichsten am Dress-Code; oder besser gesagt an den Dress Codes, denn die Kleiderordnung der amerikanischen Geschäftswelt ist extrem ausdifferenziert.

1. Ordentliche Kleidung

Im Allgemeinen gilt, dass auf ordentliche Kleidung großer Wert gelegt wird. Förmliche Kleidung  ist im Arbeitsalltag Standard: Grauer oder blauer Anzug und Krawatte für Männer, ein dezentes Kostüm oder Hosenanzug für die Dame.

2. Sich der Situation anpassen
 
Streng förmliche Kleidung ist allerdings nicht immer angemessen, es gibt unzählige Ausnahmen von der Regel. In der Computer –oder Software Branche etwa sind für Meetings oft Leinenhosen und Polohemden oder sogar Jeans akzeptabel, in der Finanzbranche hingegen auf keinen Fall.

In der Gastronomie oder in Medienberufen kann man Kundenbesuche mit Jackett, Jeans und offenem Hemdkragen erledigen, im Versicherungswesen wäre das tabu. Zu einem After Work-Treffen in einer Cocktail-Bar ist es ebenfalls akzeptabel, das Hemd offen zu tragen, für ein Geschäftsessen hingegen niemals. 

Zu einem Vorstellungsgespräch sollte man grundsätzlich mit Anzug und Krawatte erscheinen, selbst, wenn man sich in einer "legeren" Branche bewirbt.

3. Vorsicht! Business Casual

Das ganze Bild erschwerend kommt hinzu, dass manche Firmen den Dress-Code "Business Casual" eingeführt haben – für die gesamte Firma oder manchmal auch nur an bestimmten Tagen, vorzugsweise Freitags, dem "Casual Friday". 

Bei Business Casual ist es am leichtesten, Fehler zu begehen. So ist es zwar in Ordnung, den Hemdkragen offen zu lassen, aber auf keinen Fall, das Hemd über der Hose zu tragen. Es ist akzeptabel, Jeans zu tragen, aber auf keinen Fall abgewetzte Jeans oder gar Turnschuhe. Zu vermeiden sind auch unter allen Umständen Sportsocken und Sportuhren.

4. Sich nach den Vorgesetzten richten
 
Es wird eine Weile dauern, bis man sich mit all diesen Codes zu Recht gefunden hat. Wichtig ist es, eine Sensibilität dafür zu entwickeln und darauf zu achten, denn diese Dinge werden in den USA sehr ernst genommen. 

Ein unangemessener Aufzug, etwa eine zu provokative Bluse oder zerrissene Jeans, werden als Affront gewertet. Jacqueline Whitmore empfiehlt es, sich im Zweifel immer an den Leuten zu orientieren, die in der Business-Hierarchie über einem stehen.


Umgangsformen

Es ist in den USA leicht, durch das Äußere wichtige Punkte zu verspielen, die dann in der konkreten Zusammenarbeit schwer wieder wett zu machen sind. Noch leichter ist es jedoch, bei den Umgangsformen gravierende Fehler  zu machen.

1. Höflichkeit und Respekt

In einem geschäftlichen Umfeld in den USA gilt es stets, die richtige Balance zwischen Selbstbewusstsein auf der einen Seite und Respekt sowie Höflichkeit auf der anderen Seite zu finden. Man verschafft sich Achtung, in dem man weiß was man will und das auch deutlich artikuliert. Das Gegenüber zu überrollen oder gar herab lassend zu behandeln  bringt einem jedoch oft das Gegenteil dessen ein, was man anstrebt. 

Wenn man beispielsweise zu einem Termin eingeladen wird, ist es geboten, den Rezeptionisten oder die Rezeptionistin beziehungsweise Assistentin mit derselben Höflichkeit und Verbindlichkeit zu behandeln, wie die Ansprechperson. Zu diesen wichtigen Personen ein gutes Verhältnis aufzubauen, kann nur von Vorteil sein. Vorzimmerpersonen herablassend zu behandeln oder zu übergehen, gilt hingegen als Faux Pas. Nehmen Sie sich Zeit, den Namen zu erfragen und ein wenig zu plaudern, stürmen Sie nicht an der Vorzimmer-Person vorbei.

2. Vorbereitet und zielorientiert sein
 
In Meetings sollte man stets gut vorbereitet sein und eine klare Vorstellung davon haben, was man will. Es beeindruckt das Gegenüber immer, wenn man weiß, was man möchte und nicht deren Zeit verschwendet. Gleichwohl sollte man ausloten, ob es dem Partner lieber ist, erst einmal durch Small Talk das Eis zu brechen oder ob er beziehungsweise sie lieber gleich zur Sache kommen möchte. 

Man sollte zunächst einmal mit einem kurzen Gespräch über allgemeine Dinge anfangen, wenn der Partner darauf nicht einsteigt, jedoch auch bereit sein, rasch zur Sache zu kommen. 

Zentral ist in jedem Fall, die Sensoren auf Empfang gestellt zu haben und nicht blind die eigene Agenda zu verfolgen. Wirklich zuhören und auf den anderen eingehen ist das A und O einer erfolgreichen Geschäftsbeziehung.

3. Kontakte knüpfen

Viele Geschäftsbeziehungen in den USA entstehen aus privaten oder halbprivaten Kontakten. Das sprichwörtliche Networking ist heute wichtiger als jemals zuvor und noch wesentlich wichtiger als in Deutschland. Jacqueline Whitmore empfiehlt etwa 30 Prozent des Arbeitsalltags für die Beziehungspflege aufzuwenden, so wie einen auch einen gewissen Teil der Freizeit.

Die  amerikanische Geschäftswelt hat zahlreiche Rituale für das Networking entwickelt – von Cocktail-Parties über das immer populärer werdende Power-Frühstück (siehe Punkt 6) bis hin zu traditionellen Geschäftsessen, Treffen von Berufsvereinigungen und Interessengruppen oder Vorträgen. Generell gilt, dass man so viele solcher Gelegenheiten wahrnehmen sollte, wie möglich, insbesondere, wenn man neu im Land und fremd ist.

Jacqueline Whitmore rät allerdings auch, beim Networking niemals auf einen schnellen Ertrag aus den geknüpften Beziehungen zu drängen, sondern geduldig zu sein. Bei einer Cocktail Party gemeinsame Interessen  zu entdecken und eine Geschäftskarte zu ergattern, ist bereits ein Erfolg. Dann gilt es den Kontakt zu halten und auszubauen. 

Der Moment, in dem der Kontakt nützlich sein kann, kommt dann früher oder später von ganz alleine. Grundsätzlich, so Jacqueline Whitmore, sollte man jedoch erst einmal in eine Beziehung investieren – erst einmal zuhören, anstatt sich aufzudrängen, erst einmal  geben, anstatt zu nehmen.

4. Verbindliche Kommunikation
 
Bei der Kontaktpflege verlangt es die Etikette, immer auf Anfragen zu reagieren, Emails und Telefonanrufe, wann immer es geht, rasch zu beantworten und das Gegenüber niemals auflaufen zu lassen. Ebenso sind Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit extrem wichtig.

5. Private Beziehungen mit Kollegen und die Sache mit dem Vornamen
 
In der amerikanischen Geschäftswelt wird grundsätzlich der Vorname zur Ansprache verwendet. Lassen Sie sich von dieser Vertraulichkeit jedoch nicht trügen. Selbst, wenn Sie Ihren CEO mit dem Vornamen ansprechen dürfen, heißt das noch lange nicht, dass er Ihr Kumpel ist. 

Sie sollten beispielsweise Ihren Chef niemals fragen, ob er mit Ihnen zum Mittagessen oder nach der Arbeit zum Cocktail gehen möchte, die Einladung muss von ihm kommen. Bei Kollegen auf der gleichen Stufe oder Untergebenen kommt es zwar  gut an, ein gewisses Maß an privatem Kontakt zu pflegen. Man sollte allerdings erst einmal mit einem gemeinsamen Mittagessen anfangen. 

In der Regel werden Kollegen an einem neuen Arbeitsplatz einen dazu einladen. Private Probleme sollte man mit Kollegen nach Möglichkeit nicht diskutieren, es sei denn man hat über lange Zeit eine wirkliche Freundschaft geknüpft.

6. Das Geschäftsessen und das Power-Breakfast
 
Bei einem Geschäftsessen mit einem Kunden oder Partner sollte man nur dann auf Ergebnisse drängen, wenn dem Gegenüber auch danach zumute ist. Ansonsten ist ein angenehmer gemeinsamer Abend auch ein Erfolg und eine Basis für ein Treffen mit strikteren Zielen in einem geschäftlicheren Kontext. Dieses Treffen sollte man jedoch zumindest am Ende des Abends vereinbaren. 

In den letzten Jahren ersetzt immer mehr das Power-Breakfast das ausgiebige Geschäftsessen am Abend – oft schon morgens um sieben. Auch hier gilt es auszuloten, wie konkret das Gegenüber über geschäftliche Dinge verhandeln möchte und wie stark die Small-Talk-Komponente ist. Wichtig ist immer einen Tag später eine "Follow Up"-Email zu schreiben und sich für das Treffen zu bedanken.

Natürlich ist all das keine Garantie dafür, dass man in den USA auch geschäftlichen Erfolg hat. Diese Dinge zu missachten ist allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Garantie dafür, dass man keinen Erfolg hat.

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(Sebastian Moll / Bild: Konstantin Sutyagin, Fotolia.com)
 

Sebastian Moll
lebt seit 10 Jahren als Freier Journalist in New York.

Er berichtet für deutsche Tageszeitungen und Magazine �ber ein breites Spektrum an Themen aus der amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.