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Change Management Berater

Der Job ist in Unternehmen verbreiteter, als man denkt. Veränderungsprozesse in Unternehmen zu begleiten, das ist die Hauptarbeit eines Change Management Beraters.



„Der Change Management Berater ist eine Art Schamane, der vor dem Dorf seine Hütte hat”, sagt Dr. Georg Kraus, CM-Berater in Bruchsal. Nach seinem Verständnis muss der Berater ein Externer sein, der Veränderungen im Unternehmen begleitet. Viel Erfahrung und ein ganzheitliches Verständnis der Zusammenhänge muss ein solcher Manager haben. „Damit ist er in der Lage, Rückmeldung zu geben über das, was er in der Gruppe beobachtet.”

Fachkraft für Organisation statt für Inhalte

Change Manager arbeiten hauptsächlich in Unternehmensberatungen oder selbstständig. Doch nicht immer sind sie die Schamanen, die außen ihre Zelte aufschlagen – zahlreiche Unternehmen leisten sich eigene Consultants. „Sie können im In-House-Consulting, einer Stabsstelle, beim Vorstand oder in der Corporate-Communications-Abteilung angesiedelt sein”, sagt Felicitas von Kyaw, Change Management Expertin beim Consulting-Unternehmen Capgemini.

Zwei Bereiche unterschieden die Berater bei ihrer Arbeit: Inhalt und Prozess. Inhaltlich bedeutet Change Management im weitesten Sinne, eine neue Ausrichtung des Unternehmens vorzunehmen – etwa durch den Einsatz einer neuen Marketingstrategie, die Implementierung einer neuen Software oder eine geplante Steigerung der Leistungsfähigkeit. Dabei ist der Veränderungsberater nicht der Fachmann für die Inhalte, sondern für Unternehmen und Mitarbeiter.

Ohne den Rückhalt der Chefs geht nichts

„Wir werden mit Menschen konfrontiert, die ein eingefahrenes Wertesystem und eine Welteinstellung haben”, sagt Berater Kraus. Der Change Manager will ihnen nicht die Welt aus ihrer Achse heben, aber den Mitarbeitern und manchmal auch Chefs die Veränderungen schmackhaft machen. „Wir zeigen das Positive an Veränderungen auf und begegnen damit der Angst.” Veränderungen gehen nach seinen Worten Schritt für Schritt – und damit muss auch jeder Schritt begleitet werden. “Das läuft oft in Schleifen ab, man muss beobachten, Hypothesen aufstellen und immer wieder justieren.”

Nach den Worten von Felicitas von Kyaw geht es um positive Motivation „darum, dass die Mitarbeiter wollen, wie sie sollen”, sagt sie. Zu den Aufgaben der Berater gehört es, die aktuelle Stimmung im Unternehmen auszuloten und im Sinne des Change-Prozesses zu beeinflussen. Den Widerstand, den jede Veränderung hervorruft, wollen und sollen sie mit Information und Verständnis auflösen – mit Gesprächen, mit Workshops, im Coaching. Besonders wichtig dabei: „Man braucht immer den Rückhalt des obersten Managements, sonst funktioniert nichts.”

Berufserfahrung lehrt die Abgründe kennen

Einen feststehenden Weg in diesen Beruf gibt es nicht. „Wenn es Firmen gut geht, haben sie mehr Bedarf nach Experten und hören sich bei anderen Unternehmen um”, sagt Kraus. In wirtschaftlich schwächeren Phasen sei die Beratung ein Luxusthema”, so von Kyaw. Die Konsultationen sind in der Regel zeitlich begrenzt: Ein halbes Jahr, ein Jahr oder zwei – je nach Aufwand variiert die Zeit. Ebenso wenig wie der Karriereweg steht die Berufsbezeichnung fest: „Das wird unterschiedlich definiert”, sagt Change Management-Expertin von Kyaw.

Verschiedene Ausbildungen und Fertigkeiten muss ein Berater in seiner Position versammeln: wirtschaftliche, soziologische und psychologische Kenntnisse muss er mit sehr viel Lebenserfahrung und hoher persönlicher Reife verbinden, wie die Experten sagen. „Man muss wissen, wie Organisationen funktionieren, wie Menschen und gruppendynamische Prozesse vonstatten gehen und Berufserfahrung haben, um auch die Abgründe zu kennen”, sagt Kraus.

Souverän durch grenzwertige Situationen

Ein BWL-Studium mit Schwerpunkten wie Organisationsentwicklung, Human Resources oder Organisationspsychologie kann eine solche Grundlage sein, auch das Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie bereitet gut auf die Arbeit vor. Allerdings: Soziologen, Politologen, Pädagogen und andere Akademiker haben ebenfalls gute Chancen in diesem Geschäft.

„Der Idealkandidat hat ein Studium, Berufserfahrung, eine systemische Ausbildung und diverse Praktika in Unternehmen”, sagt von Kyaw. Frische Hochschulabsolventen sind dennoch selten in diesem Beruf zu finden – denn ihnen fehlt meist noch die nötige Erfahrung. Weil der Berater auch vor der Führungsmannschaft nicht Halt mit seinen Beobachtungen und Vorschlägen macht, braucht er eine gewisse Seniorität, ein Standing. Zudem muss ein Berater auch in Situationen souverän sein, die für andere schon grenzwertig sind – wenn etwa die Existenz eines Unternehmens auf dem Spiel steht.

Kommunikationskompetenz und interkulturelle Kompetenz

Zu den Soft Skills, die ein Change Management Berater mitbringen sollte, gehören Kommunikationsstärke, ein überzeugender Auftritt, Interesse am Menschen, die Fähigkeit zur Teamarbeit und die Bereitschaft, mit den Kunden Lösungen zu finden”, sagt die Beraterin. Zudem sind Flexibilität und starke Nerven gefragt, denn „Veränderung bedeutet immer Widerstände”. Und: ein großes Maß an Empathie und Fingerspitzengefühl sind nötig – denn die Persönlichkeit des Beraters spielt eine wichtige Rolle.

Da das Geschäft internationaler wird, seien auch interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger, betont CM-Berater Kraus. „Auslands-Praktika und Sprachen sind inzwischen ein Muss.” Wer spezifisch kulturelle Projekte begleitet, müsse in den entsprechenden Kulturräumen fit sein, sagt von Kyaw.

Auf Augenhöhe mit dem Geschäftsführer

Die Chancen für Change Management Berater stehen gut – denn allzu viele gut qualifizierte Fachleute gibt es nicht auf dem Markt. „Man kann ein ordentliches Gehalt erwarten, das Wertigkeit und Wertschätzung widerspiegelt”, sagt von Kyaw. Fast wichtiger findet sie allerdings das Gesamtpaket: „die Arbeit macht viel Spaß, man hat mit interessanten Themen und Menschen zu tun und ist viel unterwegs.”

Die Verdienstmöglichkeiten sind schwer zu beziffern – denn es kommt auch auf den Status des Beraters an. Ein Selbstständiger, der als „Sparringspartner, Katalysator, Enabler, systemischer Begleiter, Supervisor, als Supernanny der Geschäftsführung” in ein Unternehmen geht, kann mit einem guten Satz rechnen. “Man bringt viel Erfahrung mit und ist auf Augenhöhe mit einem Geschäftsführer”, sagt Kraus. „Also verdient man auch in etwa so viel.”

(Verena Wolff, 24.04.2008 / Bild: Endostock, Fotolia.com)


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