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Computervisualist

Ob Computertomographie, Satellitenaufnahmen, Simulationen oder PC-Spiele: Computervisualisten machen technisch komplexe Vorgänge sichtbar.

"Die Computervisualistik ist ein spezielles Gebiet der anwendungsorientierten Informatik", sagt Bernhard Preim, Professor für Computervisualistik, kurz CV, an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Das Gebiet umfasst Bereiche, in denen Bilder von Computern erzeugt sowie be- oder verarbeitet werden. Dazu gehören etwa technische Bildaufnahmen, die Bildauswertung, die automatische Bildinterpretation, die Bildwiedergabe oder Bildkommunikation.

Ein Drittel der Absolventen setzt in der Automobilindustrie Konzeptstudien ins Bild. "Kein Auto mehr ohne Studie", sagt Matthias Raspe, Diplom-Informatiker und Studienberater an der Universität Koblenz-Landau. "Etwa ein weiteres Drittel der Absolventen bleibt im Forschungsbereich oder forschungsnah", sagt Raspe. Die Pfälzer Hochschule und die in Magdeburg sind die einzigen in Deutschland, die einen eigenständigen Studiengang CV anbieten. Das restliche Drittel findet Arbeit in den unterschiedlichsten Branchen: "Viele gehen in den medizinischen Bereich oder in die Spieleindustrie, einige machen IT-Beratung oder gründen eigene Firmen." In der Medizintechnik konzipieren sie etwa computergestützte Systeme für die radiologische Diagnostik oder die chirurgische Operationsplanung.

Interdisziplinarität wird groß geschrieben

Interdisziplinarität wird an beiden Hochschulen groß geschrieben. Gerade darum sind die Absolventen an so vielen Stellen einsetzbar. "Die Ausbildung wird ergänzt mit den Fächern Didaktik, Pädagogik, Psychologie und Philosophie", sagt Preim. In Magdeburg stehen zudem die Anwendungsfächer Werkstofftechnik, Fertigung und Konstruktion, Medizintechnik sowie Bildinformationstechnik zur Auswahl.

Vielfältigste Fähigkeiten sind gefragt

Obwohl nicht wenige Studierende ihre Abschlussarbeiten bislang im Bereich Computerspiele absolviert haben, arbeiten nur zwei von ihnen tatsächlich in der Spieleindustrie. "Für Frauen, die in der Computervisualistik sehr viel stärker vertreten sind, als in anderen Informatikstudiengängen, scheint dieser Bereich besonders unattraktiv zu sein", hat Preim beobachtet. Beide Studiengänge haben einen Frauenanteil von rund 30 Prozent. Zum Vergleich: In der klassischen Informatik sind es meist weniger als zehn Prozent.

Für die Interdisziplinarität sollten Studienanfänger dann auch breites Interesse und Neugier mitbringen. "Ideal ist die Kombination der Leistungskurse Mathematik und Englisch", sagt Raspe. Denn das Eine ist das wichtigste Werkzeug des Studiums und ohne das andere ist die Kommunikation, gerade im Internet, kaum mehr möglich. "Lehrveranstaltungen im Bereich Psychologie (visuelle Wahrnehmung), Pädagogik (Lernen mit Bildern) genau gehören so zum Studium wie Informatik-Veranstaltungen, wie etwa Datenbanken und Rechnernetze", sagt Preim.

Auch mit der Mathematik sollten angehende CV-Experten nicht auf Kriegsfuß stehen, betont Raspe. "Man sollte sie nicht unterschätzen, sondern als Werkzeug verstehen, das man für Anwendungen braucht." Auch für die Abstraktion und die Konzeption von computergestützten Lösungen sei die Mathematik äußerst wichtig, sagt Preim. Nützlich seien zudem kommunikative Fähigkeiten für die spätere interdisziplinäre Arbeit mit Anwendern verschiedener Bereiche. "Und natürlich Interesse an Bildern." Häufig hätten Computervisualisten Interesse an Fotografie oder visuellem Design – "Voraussetzung ist das nicht; aber es kann im Studium genutzt werden."

Programmierkenntnisse erleichtern das Leben

Mit der künstlerischen Ader ist das auch so eine Sache in diesem speziellen Studium – denn gelegentlich muss gezeichnet werden. "Aber wenn man das Künstlerische nicht kann, ist das Studium nicht zu Ende", betont Raspe. Hauptinhalt nämlich sind informatikorientierte Lehrveranstaltungen, die sich um digitale Bilder drehen, wie Preim sagt: "Computergraphik, geometrische Modellierung, Bildverarbeitung, Visualisierung."

Auch Programmiersprachen zu erlernen ist Teil der Ausbildung – allerdings eher deren Konzeption als die tatsächliche Anwendung. "Man muss nicht programmieren können, tut sich aber leichter, wenn man einige Kenntnisse mitbringt", sagt Raspe.

Während der gesamten sieben Bachelor-Semester steht eines auf dem Programm: "Viel Informatik", sagt der Magdeburger Professor. "Probleme zu analysieren, Lösungen zu entwerfen, zu realisieren, zu erproben und einzuführen." Dazu gehörten auch organisatorische und kommunikative Aufgaben und Schulung, die dies mit sich bringe. Gelernt werden zudem: Schlüsselkompetenzen wie Kreativitätstechniken, und natürlich das wissenschaftliche Arbeiten. Und: "Mensch-Computer-Interaktion spielt eine wichtige Rolle."

Arbeitslosigkeit ist kein Problem

Die angehenden Computervisualisten wenden ihr theoretisches Wissen oft bereits während des Studiums an. "In Magdeburg ist ein einsemestriges Praktikum Teil des Studiums", sagt Professor Preim. In Koblenz ist der Gang in einen Betrieb zwar nicht festgeschrieben, "aber zu einem Praktikum im In- oder Ausland wird motiviert", sagt Studienberater Raspe. Zudem schreibe rund ein Drittel der Studierenden in einem Unternehmen die Abschlussarbeit und geht somit bereits vor Studienabschluss in die Betriebe.

Wirkliche Sorgen um einen Job muss sich kaum ein erfolgreicher Absolvent der Computervisualistik machen. "Mir sind keine arbeitslosen Computervisualisten bekannt", sagt Preim über seine Magdeburger Absolventen. Es gebe viele Diplomanden, die noch nie eine Bewerbung geschrieben haben, sagt auch Raspe. Durch die Interdisziplinarität des Studiums und die breite Ausrichtung sei es vielen Computervisualisten auch nach dem Platzen der New-Economy-Blase besser gegangen als anderen Informatikern.

Masterabschluss gewinnt an Bedeutung

"Zumeist haben Computervisualisten nach dem Abschluss innerhalb von drei Monaten zwei bis drei gute Angebote, zwischen denen sie wählen können", berichtet Preim. Etwa die Hälfte arbeite schließlich im öffentlichen Dienst und wird dort in den Tarif TÖVD 13 eingruppiert. Damit haben sie Jahresgehälter zwischen von 35.000 und 40.000 Euro – eine Größenordnung, die auch für die Industrie realistisch ist. "In der Zukunft ist damit zu rechnen, dass viele Computervisualisten eine Promotion abschließen und damit in die Industrie wechseln", sagt Preim. Dort dürften sie nach seinen Worten ähnlich hohe Gehälter erzielen wie promovierte Informatiker.

Bislang können die Experten nur von ihren Diplom-Absolventen berichten – denn die ersten Bachelor-Studierenden befinden sich noch mitten im Studium. "Für diese Absolventen liegen noch keine Erfahrungen vor", sagt Preim. Die Experten gehen allerdings davon aus, dass ein Masterabschluss künftig die Regel sein wird. "Dennoch ist der Bachelor vielen praktischen Anteilen in den Lehrveranstaltungen so konzipiert, dass er tatsächlich berufsqualifizierend ist." Gerade für die vielen attraktiven Stellen in der Forschung werde aber der Masterabschluss nötig sein.

(Verena Wolff, 25.08.2008  / Bild: Philippe Rama, Fotolia.com)


Weitere Informationen:

Universität Koblenz-Landau (Studiengang Computervisualistik):
http://www.uni-koblenz-landau.de/koblenz/fb4/studying/bachelor/computervisualistik/cvbachelor/?searchterm=computervisualist

Universität Magdeburg (Fakultät für Informatik):
http://www.cs.uni-magdeburg.de/CV.html  


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