Bewerbung für Quereinsteiger

Form to

Quereinsteiger suchen den Karrierewechsel. Sie wollen aus ganz unterschiedlichen Motiven "etwas ganz anderes" machen. Karriereberatin Helga Krausser-Raether sagt, was Quereinsteiger auszeichnet und was Karrierewechsler beachten sollten.




Zu Teil 2: Quereinstieg - Strategie und Umsetzung

 

Sie kennen sie alle, die Erfolgsstories von Quereinsteigern: Eine Physikerin wird Bundeskanzlerin, ein Bodybuilder wird US-Gouverneur. Diese Menschen haben den Quereinstieg geschafft. Was aber heißt das überhaupt: Quereinstieg? Was zeichnet Quereinsteiger grundsätzlich aus?

Den alten Karriereweg verlassen

Im Wort Quereinstieg selbst steckt das typischste Merkmal. Quereinsteiger oder Seiteneinsteiger wechseln zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre berufliche Richtung. Ob quer oder von der Seite kommend, sie wechseln in ein neues Betätigungsfeld, ohne die dafür vorgeschriebene Berufsausbildung absolviert zu haben. Gleichzeitig  verlassen sie einen genau definierten und vorgezeichneten Karriereweg. 

Nicht jeder mag "einfach so weitermachen"

Dieser vorgezeichnete klassische oder "geradlinige" Karriereweg startet mit dem Erlernen eines Berufs oder dem erfolgreichen Absolvieren des Studiums. Man arbeitet in dem erlernten Beruf, man entwickelt sich fachlich und persönlich, nimmt unterschiedliche Funktionen im Unternehmen oder auch bei einem neuen Arbeitgeber wahr und erklimmt so die so Karriereleiter.

Der klassische Karriereweg hat aber auch seine Schattenseiten und bringt nicht immer die große Jobzufriedenheit oder den gewünschten beruflichen und persönlichen Erfolg. Folgende Situationen können eben auch im Lauf des beruflichen Lebens eintreten:

  • Studium: Sie studieren ein Fach, das Sie nur auf Grund von späteren beruflichen Zukunftschancen gewählt haben, das Ihnen aber weder liegt noch Spaß macht.
  • Berufliche Entwicklung: Ihre Karriere entwickelt sich gar nicht so wie geplant, Sie werden zunehmend unzufriedener, obwohl Sie bereits einige Veränderungen vorgenommen haben.
  • Berufliche Ziele und Wünsche: Das, was Sie seit langer Zeit beruflich machen, hat überhaupt nichts mehr mit Ihnen und Ihren früheren beruflichen Zielen und Ideen zu tun.
  • Zufall: Sie arbeiten vorübergehend in einem anderen Arbeitsfeld und stellen fest, dass Ihnen das mehr Spaß als Ihr ursprünglicher Beruf bringt.
  • Engagement neben dem Job: Sie engagieren sich zum Beispiel in einer politischen Organisation und erhalten mehr und mehr Verantwortung auf höheren Ebenen.
  • Berufseinstieg: Sie finden nach dem Studium keinen Job in Ihrem Bereich.
  • Angebot und Nachfrage: Der Arbeitsmarkt bietet Ihnen nur wenige Chancen. Sie werden arbeitslos und finden keinen zu Ihrem bisherigen beruflichen Erfahrungsprofil passenden Job.

Alle diese beispielhaft skizzierten Situationen können Auslöser dafür sein, über einen Quereinstieg im ersten Schritt zumindest nachzudenken. Die Realität sieht anders aus, die Aussage "Quereinsteiger willkommen" stimmt nicht immer. Nur ein Prozent aller Stellenanzeigen sprechen auch direkt Quereinsteiger an. 

Quereinsteiger haben es nicht leicht

Um quer oder von der Seite einzusteigen, müssen auch die Rahmenbedingungen und auch Ihre Voraussetzungen stimmen. Sie selbst können zwar den Wunsch nach Quereinstieg haben, Ideen dazu entwickeln und sogar das passende Wissen haben. Die jeweilige Wirtschaftssituation, einzelne Unternehmen oder auch ganze Branchen machen diesen Ideen und Wünschen häufig einen Strich durch die Rechnung.

Nicht nur in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen achten Unternehmen, wenn sie überhaupt neue Mitarbeiter einstellen, auf sehr streng auf die formalen Kriterien, das heißt sie erwarten eine hundertprozentige Passgenauigkeit von Anforderungen  und Qualifikationsprofil. 

Sie müssen in die "Matrix" passen

Wenn Quereinsteiger dort nicht spezifisches und nachgefragtes Expertenwissen nachweisen, werden sie gar nicht erst zu einem Interview eingeladen. In Branchen mit sehr vielen passenden Bewerbern haben Quereinsteiger ebenfalls nur begrenzte Chancen. 

Ein Beispiel dafür sind internationale Unternehmensberatungen. Die klassischen Einstiegskriterien sind neben einem jungen Alter ein sehr guter bis exzellenter Hochschulabschluss, entsprechende wirtschaftsbezogene Praktika und studienbezogene Auslandsaufenthalte. Viele Bewerber aus wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen passen in diese Matrix, da sie sich gezielt nur für diese Karriere vorbereitet haben.

Mit Kompetenz und Erfahrung punkten

Ein Bewerber mit Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung vor seinem Studium, aufgeteilt in berufsbegleitendes Fern- und Vollzeitstudium, mit relevanten Praktika, einer zügigen Studiendauer, aber fehlender Auslandserfahrung, hat selbst mit nachgefragten und zukunftsorientierten Branchenwissen innerhalb der Beratung wenig Chancen als Quereinsteiger. Er passt eben nicht in die Matrix, denn er ist einige Jahre älter als der "normale" Absolvent, hat dafür aber zu wenig an relevanter Beratungserfahrung, um eine Stufe höher in der Beratung einzusteigen.

Quereinsteiger haben dort am Arbeitsmarkt Chancen, wo Nachfrage nach speziellen Kompetenzen und Erfahrungen besteht, die nur wenige andere Personen aufweisen. Quereinsteiger, die sich selbständig machen, haben dann gute Karten, wenn sie neben der tragfähigen Geschäftsidee über die persönlichen und fachbezogenen Voraussetzungen verfügen, die für einen Erfolg versprechende Selbständigkeit wichtig sind. 

Planung, Selbstbewusstsein, Überzeugungskraft

Und sie müssen neben einer guten und ausgereiften Planung über zwei grundsätzliche Fähigkeit en verfügen, die für den Querstieg unverzichtbar sind: Überzeugung von der eigenen Sache und die Fähigkeit, auch andere von ihrem Thema überzeugen zu können.

Zu Teil 2: Quereinstieg - Strategie und Umsetzung

(Helga Krausser-Raether, 2010 / Bild: Irata, Fotolia.com)

 

Helga Krausser-Raether
berät Fach- und Führungskräfte in Fragen der beruflichen und
persönlichen Orientierung.  Die Diplom-Wirtschaftingenieurin blickt
auf eine Laufbahn als Beraterin unter anderem bei Korn/Ferry und
Boyden International zurück und hat zahlreiche Fachratgeber
im Haufe-Verlag veröffentlicht.