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Die "Dritte Seite" in der Bewerbung: Das sagen Personaler

Ratgeber empfehlen Bewerben häufig die "Dritte Seite" im Lebenslauf oder ein "Kompetenz-Profil", um sich aus der Masse. Wir haben Personaler großer deutscher Unternehmen befragt, was sie von der "Dritten Seite" halten.



Tanja Kaapke, TUI Leiterin Human Resources Management: 

"Zusätzliche Informationen sind immer dann sinnvoll, wenn sie einen wirklichen Mehrwert gegenüber den anderen Bewerbungsunterlagen darstellen. So sollte sich ein Kompetenzprofil auf die ausgeschriebene Stelle beziehen und nicht einfach standardmäßig an jede Bewerbung angehängt werden. 

Grundsätzlich ist es wichtig, dass das Gesamtpaket der Unterlagen ein schlüssiges und stimmiges Bild über den Bewerber liefert. Wenn das Kompetenzprofil aussagekräftig und überlegt gestaltet wird, kann es in der Sichtung und Vorauswahl von Bewerbungen wichtige Hinweise liefern."

Frauke Baumgarten, Leiterin OTTO-Recruitment: 

"Eine 'Dritte Seite' oder ein Kompetenzprofil werden von Bewerbungsratgebern gern empfohlen, um die eigene Motivation für die Bewerbung sowie vertiefende Angaben zum Lebenslauf und den fachlichen Kompetenzen darzustellen. Eine solche Zusatzseite erachten wir bei OTTO allerdings als überflüssig, denn ein Kandidat sollte sein Interesse an der vakanten Position und am Unternehmen schon im Anschreiben deutlich machen können. Fachliche Kompetenzen wie beispielsweise Projektleitung, vertriebliches oder technisches Know-how gehören unserer Meinung nach in den tabellarischen Lebenslauf – und zwar zugeordnet zur beruflichen Station, bei der sie erworben wurden. 

Zusätzliche Informationen über den Kandidaten sind in einer Bewerbung selbstverständlich von Vorteil und sehr wichtig ... nur bitte nicht auf einer Extraseite. Vertiefende Angaben zur eigenen Person wie beispielsweise Vorlieben oder Interessen werden dann – sofern sie aus Anschreiben und Lebenslauf nicht hervorgehen – im persönlichen Gespräch thematisiert. Und über eventuelle Lücken in der Vita können sich Kandidat und Recruiter persönlich im Vorstellungsgespräch viel besser unterhalten – eine 'Dritte Seite' ist hierfür wirklich nicht notwendig."

Dr. Christian Wein, Leiter Nachwuchskräfteentwicklung der Axel Springer AG:

"Eine 'Dritte Seite' halte ich nicht für nötig, da ich beim Lesen von Bewerbungen vor allem Wert auf ein gut formuliertes Anschreiben sowie einen schlüssigen Lebenslauf lege. Passen diese auf die ausgeschriebene Stelle, so lade ich zum Bewerbungsgespräch ein. Hier hat der Bewerber dann die Gelegenheit, sich von seiner 'besten Seite' zu zeigen."

Sabine Schönberg, Leiterin Career Developement bei der Volkswagen AG:

"In den Bewerbungen an uns wird die 'Dritte Seite' nur selten verwendet. Die Bewerber nutzen Anschreiben und Lebenslauf, um ihr Kompetenzprofil darzustellen. Ob Schüler, Studenten, Absolventen oder Berufserfahrene: Uns interessieren Automobiltalente, die wir zu erstklassigen Fachleuten ausbilden beziehungsweise als Spitzenkräfte weiterentwickeln. Talentiert ist, wer Begeisterung für das Auto, die Technik und natürlich die Produkte von Volkswagen mitbringt ... dazu engagiert, flexibel und kundenorientiert in seinen Beruf gehen möchte. Das sollte sich in der Bewerbung neben den üblichen biografischen Daten unbedingt widerspiegeln. Sehr oft wird dafür das Anschreiben genutzt. 

Motivation und Kompetenz auf der ersten Seite auszudrücken, ist vorteilhaft - weil schon hier Profil sichtbar wird. Um ein vollständiges Bild vom Bewerber zu bekommen, sollten in gebotener Kürze auch besondere Freizeitprojekte und Fähigkeiten angegeben werden. Das können Engagements für die Gesellschaft, für Internationalität, für Technik, Sport oder Kultur sein. Häufig ist das in einer gesonderten Rubrik des Lebenslaufes zu lesen. Eine Extra-Seite ist nicht unbedingt notwendig."

Alexandra von Hobe, Personalreferentin beim Hamburger Familienunternehmen Gebr. Heinemann: 

"Natürlich entscheiden Personaler unterschiedlich. Aber in erster Linie lesen sie das Anschreiben und den Lebenslauf. Alles andere überfliegen sie. Ich will zum Beispiel wissen, warum sich ein Bewerber für unser Unternehmen und die ausgeschriebene Position interessiert. Welche Kenntnisse der Bewerber hat, erfahre ich im Lebenslauf. Zusätzliche Unterlagen wie eine 'Dritte Seite' können fehlende Kenntnisse nicht ersetzen." 

Thomas Dittrich, Recruiter bei der Techniker Krankenkasse: 

"Kompetenzprofile sind im Kommen. Aber  weder sie noch die 'Dritte Seite' ist für unsere Entscheidung ausschlaggebend. Für diese zusätzlichen Informationen bleibt bei der großen Anzahl an Bewerbungen oft kaum Zeit. Wir entscheiden im Wesentlichen nach harten Kriterien wie der Passgenauigkeit zwischen Bewerber und Stelle. Das, was Bewerber auf der 'Dritten Seite' schreiben, wird in der Regel ohnehin im Vorstellungsgespräch  thematisiert."

(Aufgezeichnet von Anja Schreiber / Bild: Mankale, Fotolia.com)


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