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Equal Pay Day – wieso, weshalb und was muss getan werden?

Equal Pay Day – wieso, weshalb und was muss getan werden?

Equal Pay Day - ein wichtiger symbolischer Tag!

Heute, am 18. März 2018, ist es wieder soweit: Equal Pay Day! Was dieser symbolische Tag bedeutet? Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen quasi „for free“, während die männlichen Kollegen ab dem 1. Januar bezahlt werden. In Zahlen heißt das konkret, basierend auf die vom statistischen Bundesamt ermittelte Lohnlücke in 2016, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt etwa 21% weniger verdienen als Männer. Und das sind umgerechnet ganze 77 Tage ohne Bezahlung!

Natürlich spielen bei dieser hohen Zahl strukturelle Unterschiede, wie die geringere Anzahl von Frauen in Führungspositionen und die Art der Arbeitsverhältnisse, in denen Frauen arbeiten, eine Rolle. Rechnet man diese jedoch im sogenannten bereinigten Gender Pay Gap heraus, ändert das  nichts an der Tatsache, dass es eine Ungleichheit gibt – denn auch dann bekommen Frauen für die gleiche Arbeit 6 % weniger Gehalt.

 

Gender Pay Gap und woher er kommt

 

Warum die Lücke klafft

 

Den einen Grund für diesen großen Unterschied gibt es nicht! Das sagt auch FairPay-Expertin Henrike von Platen. „Tatsächlich sind die Ursachen komplex“, sagt von Platen. „Statistisch gesehen starten Frauen heute besser ausgebildet in den Arbeitsmarkt als Männer, wählen aber oft weniger gut bezahlte Branchen und Berufe. Im weiteren Verlauf ihres Arbeitslebens werden sie weniger oft befördert, übernehmen seltener Verantwortung und unterbrechen die Erwerbstätigkeit erstens häufiger und zweitens länger, um Kinder zu erziehen oder Angehörige zu pflegen.“

Equal Pay Lohnunterschied Europa HeatmapNatürlich kommt es auch auf die Branche und den Beruf an, wie hoch die Lohnlücke tatsächlich ausfällt. Laut Henrike von Platen ist dafür besonders die Tatsache der unterschiedlichen Verhandlungsspielräume und Gehaltshöhen ausschlaggeben und gibt ein konkretes Beispiel, „In der Finanz- und Versicherungsbranche etwa gibt es große Verhandlungsspielräume, für Abschlüsse von Verträgen werden häufig Boni gezahlt. Dort liegt der Gender Pay Gap bei 28 Prozent.“

Und wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern da? Nicht sehr gut! Die Heatmap von Viking zeigt, dass in Deutschland eine der höchsten Lohnlücken in Europa klafft. In Italien zum Beispiel beträgt dies nur etwa 5%. Das hört ich erstmal gut an, aber man muss vorsichtig mit dem direkten Vergleich sein betont von Platen, „der Gap in Italien deshalb so niedrig, weil nur sehr wenige Frauen überhaupt berufstätig sind. Viele verlassen den Arbeitsmarkt nach der Heirat und tauchen in keiner Statistik mehr auf – das ganz klassische Versorgermodell.“

 

Wo können wir anpacken?

 

Noch wichtiger als die Frage woher dieser Unterschied in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern kommt, ist die Frage, was man dagegen tun kann! Um hier gleich beim dem „Versorgermodell“ zu bleiben. Der Gender Pay Gap lässt sich nicht schließen, wenn an traditionellen Rollenbildern festgehalten wird. Hier lohnt sich ein Blick in den Norden. In Skandinavien wird Transparenz und Vereinbarung von Familie und Beruf bereits viel tiefer gelebt und mit guter Kinderbetreuung und flexiblen Arbeitsmodellen unterstützt. Für eine Gleichstellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt sind diese Strukturen wichtig.

 

Aber es geht auch konkreter: Thema Gehaltsverhandlungen! Martin Wehrle, Karriereberater und Gehaltscoach, sieht einen weiteren Grund für den großen Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern auch in der unterschiedlichen Herangehensweise an Gehaltsverhandlungen. „Frauen suchen das Gehaltsgespräch mit ihrem Vorgesetzten deutlich seltener als Männer. Und sie treten dabei bescheiden auf – oft zu bescheiden!“ Dabei gibt es, laut Wehrle, eigentlich einige Vorteile, die Frauen gegenüber Männern in den Gehaltsverhandlungen ausspielen können:

 

  • Vorteil 1: Lernbereitschaft!

Sie bereiten sich oft besser auf Gespräche vor, proben die Gehaltsverhandlung im Rollenspiel mit Freund, Freundin oder bekannten. Das macht sicherer und dadurch oft erfolgreicher.

 

  • Vorteil 2: Der Ton macht die Musik!

Frauen beherrschen das Harvard-Verhandlungskonzept: Sie schaffen es eher freundlich im Ton, aber hart in der Sache sein. Eine ideale Kombi für die Gehaltsverhandlung, wohingegen Männer dazu neigen, in einen aggressiven Ton abzufallen.

 

  • Vorteil 3: Empathy is key!

Frauen sind in der Lage, sich häufig besser in den Chef hineinzuversetzen. Welchen Nutzen biete ich dem Chef? Wie bringe ich seine Abteilung voran? Und wie ihn persönlich seinen Jahreszielen näher? Den Chef spüren lassen, dass man ihn vorwärtsbringen kann, ist eine gute Strategie, für die ein Verständnis des Gegenübers unerlässlich ist.

 

Nun heißt es also diese PS auf die Straße zu bringen! Um den Gender Pay Gap zu schließen muss an vielen Schrauben gedreht werden: Transparenz, Flexibilität in den Arbeitsstrukturen, mehr Frauen in Entscheidungspositionen, aber auch mehr Mut, die richtigen und gerechten Forderungen zu stellen. Und das so schnell wie möglich, denn eine Berechnung des World Economic Forum aus Genf ergab, dass es noch ganze 217 Jahre dauern würde, bis der Gender Pay Gap endgültig geschlossen ist. Und so lang darf es einfach nicht dauern!

 

 

 


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