Fehlerkultur: Nur aus Fehlern lernt man

Fehlerkultur: Nur aus Fehlern lernt man

Einfach mal "Ja" zu Fehlern sagen!

Das Thema Fehlerkultur ist in unser aller Leben allgegenwärtig. Fehler passieren ständig, mal sind sie kleiner, mal größer und manchmal führen sie auf den eigentlich richtigen Weg. So wurden Tesafilm oder auch Penicillin nur durch einen Zufall erfunden und eben weil etwas nicht so geklappt hat, wie man es sich vorgestellt hatte. Oft vergisst man in unserer zur Optimierung und Perfektion neigenden Welt, wie wichtig Fehler sind. Kaum etwas hat so viel Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung wie der eigene Umgang mit Fehlern.

Das gilt auch besonders für den Job: Hier entwickelt man seine Fähigkeiten dadurch weiter, dass man Fehler macht, sich sagen kann  "ach, nicht schlimm, aus Fehlern lernt man" und wieder aufsteht. Und weil das so ist, ist eine positive Fehlerkultur im Berufsalltag extrem wichtig. Aber wieso tut man sich dennoch so schwer, offen über Fehler zu sprechen?

 

 

Herzensthema Fehlerkultur: Aus Fehlern lernt man!

 

Es gibt Situationen, in denen einem plötzlich vor Schreck der Schweiß ausbricht: Ein wichtiges Dokument gelöscht, die Mail an einen Kunden und nicht an den Kollegen geschickt, mit der Kaffeetasse in den Serverraum gestolpert? Fehler sind im Job an der Tagesordnung – und tragen auch grundsätzlich dazu bei, dass Menschen sich weiterentwickeln. Allerdings müssen Unternehmen dazu den richten Umgang mit Fehlern und eine positive Fehlerkultur etablieren.

Natürlich fühlt sich in so einem Moment niemand wohl. Die Angst, dass ein Fehler den Ruf oder gar den Job kosten könnte, ist oft groß. Dabei gehen Menschen mit den Auswirkungen von Fehlern ganz unterschiedlich um. Während die einen offen, entspannt und souverän bleiben, tun sich die anderen schwer damit und verheimlichen womöglich lieber, wenn mal etwas schief läuft.

Die gute Nachricht: Den Umgang mit Fehlern kann man lernen. Wie geht man also am besten damit um, wenn der Schweiß droht auszubrechen? Wann ist ein Fehler so schlimm, dass man ihn „beichten“ muss? Was kann man tun, um der Angst vor Fehlern nicht zu viel Raum zu geben?

Dafür haben wir für dich unser "Fehler-Journal" entwickelt, welches dich dabei unterstützen soll deinen Umgang mit Fehlern und Mißgeschicken unter die Lupe zu nehmen, Abstand zu gewinnen und mit deinem Umgang mit Fehlern achtsam zu sein und dein Fehlermanagement zu verbessern.

 

Fehler Journal: Mein tägliches Upsi - Download

 

 

 

 

Dort findest du neben schönen Zitaten von erfolgreichen und klugen Menschen zum Thema Fehlern auch viele Tipps, wie du mit Fehlern umgehen kannst und es ist auch einiges zum schmunzeln dabei! Denn darum geht es ja schließlich auch: Über Fehler darf man auch mal lachen!

 

Mehr dazu:

 

Fehlerkultur-Expertin Jelena Klingenberg: Umgang mit Fehlern im Vorstellungsgespräch

 

„Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.“

Wir wissen inzwischen: Fehler machen gehört dazu. Fehler sind sogar wichtig, um herauszufinden, was gut ist und was funktioniert. Leider kann aber keiner behaupten, dass Fehler machen Spaß macht oder angenehm ist. Wenn uns ein Fehler passiert haben wir erst einmal ein schlechtes Gefühl.

So ist es auch im Vorstellungsgespräch. Aber wie sieht es da mit der Fehlerkultur aus? Vorstellungsgespräche sind herausfordernde Situationen. Wir sind aufgeregt, wollen einen guten Eindruck machen und vergessen dabei, was wir über das Unternehmen herausgefunden haben und besonders gut fanden oder haben einen kleinen Blackout bei der Frage nach unseren Erfahrungen aus dem letzten Job.

Fehler passieren auch im Vorstellungsgespräch. Und da ist es wieder, dieses unangenehme „Das war gerade nicht so gut“-Gefühl.

 

Aber was passiert da genau mit uns?

 

Wenn wir merken, dass wir einen Fehler gemacht haben, schaltet unser Gehirn in den Modus „Oh nein, Fehler, FEHLER!“. Eigentlich ein guter Mechanismus. Unsere Aufmerksamkeit wir auf den Fehler gelenkt, damit wir ihn, wenn möglich, korrigieren können. Im Fall von lebensbedrohlichen Fehlern sehr schlau von unserem Gehirn, aber im Fall von einer ungeschickten Antwort auf eine Frage im Bewerbungsgespräch gar nicht so hilfreich, weil wir dann an nichts Anderes mehr denken können.

Das ist ein Problem. Unsere Aufmerksamkeit und unsere Gedanken werden so sehr von dem Fehler in Anspruch genommen, dass wir uns nicht mehr auf das weitere Vorstellungsgespräch konzentrieren können. Das führt dazu, dass wir dann nicht mehr zeigen können, was in uns steckt.

Dieses Gedankenkarussell wird zudem von einem Gefühl der Scham begleitet. Scham ist ein unangenehmes Gefühl, das durch den Eindruck des Versagens, von Peinlichkeit oder Bloßstellung ausgelöst wird und dazu führt, dass wir uns selbst abwerten. Auch hier steckt eigentlich ein schlauer Mechanismus dahinter. Unser Gehirn möchte nicht, dass wir nochmal in eine Situation kommen, der wir anscheinend nicht gewachsen waren. Deshalb belegt es das Ganze mit einem schlechten Gefühl, damit wir es ja vermeiden.

Das Problem ist hier aber, dass uns unser Gehirn einreden möchte, dass es viel schlimmer ist, als es eigentlich war. Wir haben dann den Eindruck, dass unser Gegenüber nun einen unglaublich schlechten Eindruck von uns haben muss und sowieso alles, was wir gesagt haben, irgendwie schlecht war. Unser Gehirn hat einen Hang zur Überdramatisierung, auch “Negativitätbias” genannt.

Die eigenen Fehler fallen Anderen aber nie so stark auf, wie uns selbst.

 

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Wie können wir also mit Fehlern umgehen?

 

Zuallererst müssen wir uns dieser Mechanismen bewusst werden. (Durch das Lesen dieses Artikels bist du schon auf dem richtigen Weg, weiter so!) Wenn wir dann verstehen, warum wir auf Fehler reagieren, wie wir reagieren, können wir anfangen uns selbst gegenüber ein bisschen nachsichtig zu sein und unsere ganz persönliche "Fehlerkultur" zu entwickeln. Niemand hat immer die beste Antwort auf alle Fragen parat und im Vorstellungsgespräch aufgeregt zu sein ist ganz normal.

Was du dir selbst sagen kannst: Ich bin nicht mein Fehler. Ein einzelner Fehler bestimmt nicht über meine Kompetenz.

Es kann auch hilfreich sein, sich zu fragen: “Was habe ich daraus gelernt?” “Was ziehe ich daraus?” “Worfür war es gut?” So geht man in den Lösungsmodus und kann aus der Negativspirale leichter ausbrechen.

Wenn wir es schaffen, von unserem Gedankenkarussell und dem unangenehmen Schamgefühl ein bisschen Abstand zu gewinnen, können wir uns einerseits im Vorstellungsgespräch wieder auf das Gespräch konzentrieren, aber vor allem lernen wir auch langfristig uns nicht von unseren Fehlern zurückhalten zu lassen.

 

Aus Fehlern lernt man - deine eigene Fehlerkultur

 

Unsere Fehler objektiver zu betrachten und unser Selbstwertgefühl nicht durch einzelne Fehler bestimmen zu lassen, hilft uns schließlich, aus Fehlern lernen zu können. Mit dem nötigen Abstand betrachtet, können wir analysieren, was schief gelaufen ist. Wir können sogar so weit gehen, in Fehlern unser Wachstumspotenzial zu erkennen. Bei der Frage nach meinen Stärken habe ich gestottert? Offensichtlich lohnt es sich für mich, mir meiner Stärken bewusst und von mir überzeugt zu werden.

Eine entspannte, neutrale Sicht auf die eigenen Fehler zu entwickeln und so eine positive, persönliche Fehlerkultur zu entwickeln, gelingt nicht über Nacht. Auch hier lautet die Devise: Nachsicht haben. Es ist völlig ok, sich wegen eines Fehlers auch mal schlecht zu fühlen, das ist menschlich. Oder anders gesagt: Auch beim Arbeiten an der eigenen Einstellung zu Fehlern passieren Fehler. Sei dir nur bewusst: Das Schlimmste, das passieren kann, ist es nicht nochmal zu probieren - denn du könntest erfolgreich sein.

 

 

Dein Umgang mit Fehlern - Mach' den Test!

 

Klar, zu den eigenen Fehlern zu stehen ist einfacher gesagt als getan. Wie sieht deine eigene Fehlerkultur aus, wie stehst du wirklich zum Thema Fehler und wie souverän gehst du mit Fehler in deinem beruflichen Alltag um? Erfahre es in unserem Fehler-Test:

 

 

 

4 Tipps für dein Fehlermanagement

 

  • Tipp 1: Werde dir bewusst, was genau passiert ist! Upsi... da ist es passiert. Es ist was schief gelaufen. Am Anfang eines jeden Fehlermanagement-Prozesses steht die Erkenntnis und die Realisierung, dass ein Fehler passiert ist. Hier hilft es genau hinzusehen und den Fehler nachzuvollziehen. Am besten ist es natürlich hier nicht in Panik zu verfallen. Atme lieber ein paar mal tief durch und versuche dich zu sammeln, um mit Klarheit auf die Situation schauen zu können. Dann kannst du dir die Fragen stellen: Was ist genau passiert? An welchem Punkt ist etwas falsch gelaufen? Warum ist es passiert?

 

  • Tipp 2: Übrlege dir, welche Konsequenzen dein Fehler hat. Wenn du dir deinen Fehler angeschaut hast, überlege dir, welche Konsequenzen dein Missgeschick mit sich bringt. Prüfe zunächst, ob du akut Dinge in die Wege leiten kannst, um den Fehler noch auszubügeln oder abzuschwächen, oder  ob "das Kind bereits in den Brunnen gefallen" ist. Überlege dir auch, wie schlimm dein Fehler wirklich ist. Dabei hilft es auch sich das große Ganze zu betrachten und die Dinge in Perspektive zu setzen. Meistens stellen wir dabei fest, dass die Situation im Endeffekt gar nicht so schlimm ist oder die Ausmaße hat, wie es am Anfang scheint.

 

  • Tipp 3: Akzeptiere, dass du einen Fehler gemacht hast. Ja, ich habe einen Fehler gemacht! Das ist ein Satz, der dir vielleicht nicht so leicht über die Lippen geht. Aber er gehört zu einem gesunden Umgang mit Fehlern und einer offenen Fehlerkultur dazu! Die schlechteste Strategie ist in den meisten Fällen, den Fehler zu verheimlichen, ihn unter den Teppich zu kehren oder gar anderen Kollegen in die Schuhe zu schieben. Es ist wichtig zu den eigenen Fehler zu stehen! Die meisten Menschen reagieren positiv darauf, wenn man zu seinen Fehlern steht.

 

  • Tipp 4: Lerne aus deinen Fehlern. Zu einer positiven Fehlerkultur und einem guten Umgang mit Fehlern gehört es dazu, Schlüsse aus der Situation zu ziehen, denn aus Fehlern lernt man bekanntlich. Ist der Fehler erstmal passiert, gilt es vor allem, ihn nicht zu wiederholen und im besten Fall das Gelernte gleich anzuwenden. Und in machen Fällen können Fehler uns tatsächlich darin unterstützen zu wachsen. Egal ob großer Fauxpas oder kleines Missgeschick - habe Nachsicht mit dir! Fehler zu machen ist okay, es kommt nur darauf an, wie du da mit umgehst.

 

Offene Fehlerkultur: Mach' Fehler und rede darüber - bei jedem läuft mal etwas schief!

Doch egal, wie gesund der Umgang mit Fehlern im Beruf oder im täglichen Leben ist, hilft es manchmal zu wissen, dass auch bei allen anderen nicht immer alles glatt läuft. Wir haben  mit vier ganz unterschiedlichen Menschen in ganz unterschiedlichem Berufen gesprochen: Darüber, wie sie Fehler erleben, welche Schnitzer ihnen schon passiert sind und wie sie damit umgegangen sind, aber auch darüber welche Tipps sie parat haben.

Was eine Handwerksmeisterin, eine Lehrerin, ein Physiotherapeut und ein Wissenschaftler dazu erlebt haben und wie sie das eigene Scheitern meistern? Alle Antworten zum Thema Fehlerkultur im Beruf haben wir im Interview.

 

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