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Ratgeber Fernstudium

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Wer ein Fernstudium bis zum Abschluss durchhält, hat gute Chancen bei Arbeitgebern. Bevor man sich für einen Fernstudiengang entscheidet, sollte man sich selbst und die eigene Situation realistisch einschätzen.



Auch wenn die absoluten Zahlen überschaubar sind: Immer mehr Menschen treten ein Fernstudium an. Laut der Fernunterrichtsstatistik 2009 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – sind rund 85.400 Studierende an einer Fernuniversität eingeschrieben, weitere 19.400 an Fernstudiengängen von Präsenzhochschulen. 

Fernstudium an der Uni vor Ort - auch das geht


"Nachdem es bereits 2009 bei den akademischen Fernstudiengängen zweistellige Wachstumsraten gab, setzte sich diese Entwicklung auch im vergangenen Jahr fort", sagt Martin Kurz, der Präsident des Fachverbands Forum DistancE-Learning. Natürlich müsse man diese Zahlen in Relation zu den zwei Millionen Präsenzstudierenden sehen, aber die Fernunterrichtsstatistik belege, dass "die Option eines Fernstudiums inzwischen in den Köpfen präsent" sei. Nicht zuletzt liegt das in den Augen von Kurz an der steigenden Zahl von Stellen, für die ein Hochschulabschluss gefordert wird.

Ist von Fernstudium die Rede, bleibt die Abgrenzung des Begriffes gegenüber einem allgemeinen Fernlehrgang in manchen Werbeunterlagen unklar. "Akademische Fernstudiengänge können aber nur an Hochschulen absolviert werden", sagt Markus Jung, Mitautor des Ratgebers "100 Fragen und Antworten zum Fernstudium". Es handele sich dabei um einen regulären Studiengang an einer Hochschule, der die Methoden des Fernunterrichts nutze. 

Abschluss an einer Fernuni ist gleichwertig


Die größte und bekannteste Einrichtung ist die Fernuni Hagen. Für die Zulassung gelten dieselben Voraussetzungen wie für ein Präsenzstudium, also die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife – oder entsprechende Berufserfahrung und Weiterbildungen. Beim letzteren Weg unterscheiden sich allerdings die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland.

"Man schreibt sich an einer staatlich anerkannten Fachhochschule oder Universität ein – egal, ob Fernhochschule oder Präsenzhochschule mit Fernstudienangebot – und schließt sein Studium am Ende mit einem Bachelor oder Master ab", so Jung weiter. Der Abschluss sei also formal dem eines Präsenzstudiums gleichwertig.

Absolventen eines Fernstudiums von Arbeitgebern bevorzugt


Und nicht nur formal, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 300 Unternehmen vom Januar 2011 im Auftrag der Europäischen Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) und dem Weiterbildungsanbieter ILS belegt: 38 Prozent der befragten Personalchefs würden einen Absolventen eines Fernstudiums dem Absolventen eines Präsenzstudiums vorziehen, ein Viertel macht keinen Unterschied und einem Drittel sind die Absolventen eines Präsenzstudiums lieber. 

"Der Vorteil der Fernstudierenden ist, dass sie in ihrem nebenberuflichen Studium erworbenes Fachwissen sofort in ihrem Job in die Praxis umsetzen können", sagt Professor Jens-Mogens Holm, Präsident der Euro-FH. "Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt." Des Weiteren werten die befragten Personalchefs ein Fernstudium als Beleg dafür, dass die Absolventen ihre Zeit gut einteilen können, selbstdiszipliniert, ehrgeizig und leistungsbereit sind.

Fernstudium bietet Flexibilität


Für die Mehrheit der Studienwilligen werden bei ihrer Entscheidung, ein Fernstudium aufzunehmen, aber ganz andere Kriterien ausschlaggebend sein. "Der wichtigste Pluspunkt ist sicherlich die Flexibilität", sagt Markus Jung. "Man kann zu jeder Zeit und vom heimischen Schreibtisch aus lernen." 

Nicht nur den Beginn, sondern auch die Dauer des Studiums können die Studierenden bei vielen Anbietern frei wählen. "Selbst eine Überziehung der Studienzeit – zum Beispiel aufgrund der familiären Situation, bei Krankheit oder wegen eines längeren Urlaubs – ist in der Regel ohne Zusatzkosten möglich", so Jung.

Nicht für jeden ist ein Fernstudium geeignet


Doch wo viel Licht ist, ist natürlich auch Schatten. "Wer nicht gerne liest oder schreibt, ist bei einem Fernstudium an der falschen Adresse", warnt der Ratgeberautor. "Der zu bearbeitende Stoff kann viele tausend Seiten umfassen und für die Einsendeaufgaben müssen die Studierenden immer wieder längere Texte verfassen." 

Man ist auch primär Einzelkämpfer – selbst wenn es Präsenzveranstaltungen, Internet-Chats mit Kommilitonen und Fachbetreuern gibt. Das gilt nicht nur für die Bearbeitung der Aufgaben, sondern für die gesamte Organisation des Lernens. Überhaupt ist ein Fernstudium sehr zeitintensiv, was im Vorfeld immer wieder unterschätzt wird. "15 bis 20 Stunden pro Woche sind durchaus realistisch", sagt Jung.

Abbrecherquoten wie an Präsenzunis


Und so wundert es nicht, dass eben nicht jeder ein Fernstudium bis zum Abschluss durchhält, wobei die Abbrecherquoten von Studiengang zu Studiengang und Anbieter zu Anbieter stark variieren können. "Unabhängige Studien gibt es keine, aber immerhin sind die Hochschulen im Rahmen der Akkreditierung veröffentlichungspflichtig", sagt Martin Kurz. "Demnach liegen die Abbrecherquoten beim Bachelor bei 30 Prozent und beim Master bei 15 Prozent – gemittelt über alle Studiengänge." Diese Werte seien durchaus mit denen von Präsenzhochschulen vergleichbar.

Übrigens sind die am häufigsten genannten Gründe, warum ein Fernstudium abgebrochen wird, Kosten und Zeitaufwand, nicht eine inhaltliche Überforderung. Wenn der Studierende zum Beispiel Nachwuchs bekommt oder einen neuen Job annimmt, können sich die Prioritäten eben verschieben. Wobei Kurz etwas relativiert: "Es ist natürlich auch viel bequemer, bei einer Befragung solche Gründe anstelle einer inhaltlichen Überforderung zu nennen." 

(Michael Vogel / Bild: Momanuma)

>>> Teil 2: So findet man die richtige Fernuniversität


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