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Gehaltserhöhung: Beim ersten Mal richtig verhandeln

Gehaltserhöhung: Beim ersten Mal richtig verhandeln

Meine erste Gehaltserhöhung verhandeln

Irgendwann wollen auch Berufsanfänger ihre erste Gehaltserhöhung. Gar nicht so einfach, wenn man noch nicht lange im Job ist. Karriereberaterin Doris Brenner erklärt die richtige Strategie.

Den Berufsstart konntest du erfolgreich meistern. Deine Aufgaben im Job hast du im Griff und bist auch stolz darauf, was du bisher geleistet hast. Wenn du jedoch auf deine Gehaltsabrechnung schaust, so schlägt sich deine sehr gute Arbeit dort nicht wirklich nieder. Du denkst, dass es Zeit wäre für eine Gehaltserhöhung, die Frage ist nur, wie stellst du dies am besten an?

 

Gehaltsverhandlung - Der 10 Punkte Plan

 

1. Gute Argumente für die Gehaltserhöhung sammeln

 

Um erfolgreich eine Gehaltserhöhung verhandeln zu können, gilt es zunächst sich gute Gründe dafür zu überlegen. Wer nur damit argumentiert, dass er schon mehrere Jahre im Unternehmen ist und sich bisher gehaltlich nichts getan hätte, wird nicht für sich punkten können. 

Auch das Argument, dass alles teurer wird und man einfach mehr Geld fürs Leben braucht, hat wenig Erfolgsaussichten. Deine Argumentation sollte immer auf Leistungen und Erfolgen beruhen, denn nur darüber konntest du einen Nutzen für das Unternehmen erzielen. 

 

2. Vor dem Gehaltsgespräch: Erfolge bilanzieren

 

Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn du kontinuierlich übers Jahr daran arbeitest deine Erfolgsbilanz zu dokumentieren. Inhalte könnten zum Beispiel sein:

  • Wo ist es Ihnen gelungen, für das Unternehmen Geld zu sparen?
  • Konntest du neue Aufträge gewinnen oder Prozessabläufe optimieren?
  • Hast du dazu beigetragen, dass dein Chef seine Ziele erreichen konnte?
  • Oder hast du in einer kritischen Situation besonderen Einsatz gezeigt?


Bereite dein Gehaltsgespräch mit deinem Chef gründlich vor. Du solltest nie deinen Gehaltswunsch so nebenbei zwischen Tür und Angel platzieren. Lasse dir bei deinem Chef einen Termin geben und bitten ihn um Zeit für ein Gespräch. Sollte er dich dabei fragen, worum es geht, kannst sagen, dass du dich in Ruhe über deine Arbeit und die damit verbundenen Rahmenbedingungen mit ihm unterhalten möchtest.

 

3. Gehaltsvergleich: Marktwert ermitteln

 

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, dass du dich über marktübliche Gehälter informierst, um abschätzen zu können, wo dein Marktwert liegt. Gehaltstabellen oder auch die Durchführung eines Gehaltsvergleichs, können dir hier eine gute Orientierung geben.

Überlege dir auch, in welcher Höhe du eine Gehaltserhöhung fordern möchten. Eine Größenordnung von drei bis zehn Prozent ist  ein üblicher Rahmen.

 

4. Schlechtes Argument: "...aber der Kollege verdient deutlich mehr."

 

Mitarbeiter neigen oft dazu, in Ihrer Verhandlungsstrategie Kollegen als Vergleich heranzuziehen. In vielen Arbeitsverträgen ist ausdrücklich fixiert, dass sie über das Gehalt Stillschweigen zu halten haben.  Wenn du dich also mit Kollegen über Gehälter austauschst und dies dann noch dem Chef gegenüber sogar kund tun, verstößt du gegebenenfalls gegen deine Vertragspflicht. 

Insgesamt ist davon abzuraten, die Gehälter von Kollegen als Argument für deine Gehaltsforderung aufzuführen. Besser ist es überzeugende Gründe dafür zu finden, warum deine Leistung mehr Geld wert ist als bisher.
 

5. Der richtige Zeitpunkt um mehr Lohn zu fordern

 

Auch der passende Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung mag überlegt sein. Dies bezieht sich zum einen auf die Gewohnheiten und Präferenzen deines Chefs. Einen Morgenmuffel sollte man nicht gleich um 8 Uhr mit dem Thema Gehalt konfrontieren und auch nicht, wenn er gerade selbst unter Stress steht. Ferner gilt es ein gutes Timing unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu wählen. 

Wenn gerade Kurzarbeit angekündigt wird und das Unternehmen rote Zahlen schreibt, ist die grundsätzliche Bereitschaft für eine Gehaltserhöhung natürlich gering. Besonders gut eignen sich Zeitpunkte, zu denen das Unternehmen große Aufträge an Land ziehen konnte, Sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben oder größere neue Aufgaben anstehen, bei denen das Unternehmen von Ihnen einen überdurchschnittlichen Einsatz erwartet.
 

6. Verhandlungsstrategie für eine Gehaltserhöhung

 

Bedanke dich zunächst bei deinem Chef, dass er sich die Zeit für das Gespräch nimmt. Gebe ihm Gelegenheit, sich zu deinen Arbeitsleistung zu äußern. Wenn er auf deine Frage, ob er mit deiner Leistung denn zufrieden sei, positiv antwortet, hast du auf jeden Falls schon eine gute Ausgangsbasis für deinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung. 

Nun geht es darum sachlich die eigene Leistung und die erzielten Erfolge zu beschreiben. Hier helfen dir deine Aufzeichnungen aus dem vergangenen Zeitraum, da du konkrete Beispiele nennen konntest. Dann solltest du klar deinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung zum Ausdruck bringen.

 

7. Mit Einwänden gegen den Gehaltswunsch umgehen

 

Sei darauf vorbereitet, dass dein Chef Argumente bringen wird, warum eine Gehaltserhöhung jetzt nicht in Frage kommt. Oft dabei:

  • "Wir machen Gehaltserhöhungen nur immer zum Jahresanfang."
  • "Die Personalabteilung hat uns keinerlei Budget zur Verfügung gestellt."
  • "Sie sind doch noch gar nicht so lange im Unternehmen (auf der Position), dass wir jetzt schon über eine Gehaltserhöhung sprechen können." 
  • "Die wirtschaftliche Lage ist noch recht unsicher, das werde ich auch bei unserem Geschäftsführer nicht durchkriegen."

Dies sind nur einige der häufig genannten Einwände. Wichtig ist dabei, dass du ruhig und sachlich darauf reagierst. Schiebt der Chef andere vor (Personalabteilung, Geschäftsführer) so halte auf jeden Fall fest, dass er selbst demnach eine Gehaltserhöhung für angemessen hält. 

Jetzt geht es also darum, gemeinsam eine Vorgehensweise zu entwickeln, wie du die Gehaltserhöhung an dritter Stelle durchsetzen kannst. Indem du deinem Chef zum Verbündeten machst, habt ihr ein gemeinsames Ziel. Argumentiert dein Chef, dass er selbst nicht von der Notwendigkeit einer Gehaltserhöhung überzeugt  ist, so fragen ihn, wie er zu dieser Einschätzung kommt. Damit ist er gezwungen Argumente zu liefern, die du gegebenenfalls anhand deiner Aufzeichnungen und der Leistungsübersicht aus dem vergangenen Zeitraum widerlegen kannst.

 

8. Bei der Gehaltsverhandlung nicht einwickeln lassen

 

Insbesondere Frauen neigen dazu, ihr Vorhaben eine Gehaltserhöhung durchzusetzen leichtfertig aufzugeben, wenn sie mit schönen Worten gelobt werden.
"Ach, was würden wir nur ohne Sie tun. Sie sind doch so eine wichtige Stütze auf die ich mich immer verlassen kann. Leider gibt es aber derzeit gar keinen finanziellen Rahmen für eine Gehaltserhöhung. Dafür haben Sie doch sicherlich Verständnis."

Bringe zum Ausdruck, dass du das Lob schätzen, jede Leistung aber ihren Preis hat und du daher auch marktgerecht bezahlt werden willst.

 

9. Keine leeren Drohungen beim Gehaltsgespräch

 

Wenn dein Chef keine Bereitschaft zeigt, auf deinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung einzugehen, sollten du dich aus Ärger nicht dazu verleiten lassen Drohungen aussprechen. "Wenn Sie mir keine Gehaltserhöhung geben wollen, muss ich mich wohl nach einem anderen Arbeitgeber umsehen!" 

Mit solchen Aussagen setzten du dich nur selber unter Druck oder verlierst deine Glaubwürdigkeit, wenn du dann doch nicht kündigen.

 

10. Wenn nichts funktioniert - Marktwert testen

 

Wenn du feststellst, dass du und dein Chef keine gemeinsam getragene Lösung finden könnt – die Amerikaner nennen das, "we agree, to disagree" – so solltest du dich darauf verständigen, wie du mit dem Thema weiter umgehen sollst. Das Festlegen von konkreten Zielen oder Rahmenbedingungen unter denen eine Gehaltserhöhung realisiert werden kann sind zum Beispiel eine Möglichkeit. 
Auch das einfache Vertagen des Gespräches, sodass sich beide Seiten nochmals Gedanken machen können, ist eine Variante. Wichtig ist dabei nur, dass du dein Ziel nicht aus den Augen verlierst und der Zeitrahmen für das Zweitgespräch überschaubar bleibt.

Solltest du auch in einem weiteren Gespräch keine Bereitschaft erkennen, dass du eine Gehaltserhöhung durchsetzen kannst, empfiehlt es sich externen Alternativen auszutesten. So kannst du für dich feststellen, ob Ihr Marktwert tatsächlich höher liegt, als das, was du im jetzigen Unternehmen verdienen. Es wäre nicht der erste Fall, dass dann, wenn Sie Ihre Kündigung einreichen, Ihr Arbeitgeber ein besseres Angebot plötzlich auf den Tisch legt. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft!

Und sollten Sie letzten Endes noch immer nicht zu Ihrem gewünschten Resultat kommen, könnte es eventuell an der Zeit sein sich nach etwas Neuem umzusehen. Alle Stellenangebote durchsuchen.


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