Skip to main content

Geoinformatiker

Wer heute mit Vermessung und Geodaten zu tun hat, muss fit sein in Informatik. Daher bieten Hochschulen den Studiengang Geoinformatik an.

"Nach 300 Metern rechts abbiegen" - auf die Stimme des Navigationsgeräts verlassen sich immer mehr Autofahrer. Wer noch ohne elektronisches Leitsystem unterwegs ist, kann sich die Fahrtstrecke vorab von einem der zahlreichen Online-Routenplaner berechnen lassen. Vielleicht will man aber auch nur den Standort eines bestimmten Elektrogeschäfts wissen. Werden diese Daten mobil bereitgestellt und für das Handy, Smartphone oder den digitalen Terminplaner (PDA) aufbereitet, spricht man von Location-based Services. Mit einem Klick weiß dann ein Besucher in einer fremden Stadt, wo die nächste Pizzeria zu finden ist.

Dass diese Angaben auch stimmen, ist das Verdienst von Geoinformatikern. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Daten von Satelliten und Plänen korrekt in Geoinformationssysteme (GIS) umgesetzt werden. Die beschränken sich längst nicht auf Stadt- und Routenpläne, sondern geben Auskunft über die Struktur der Erdoberfläche, Grundstücks- und Gemeindegrenzen, Bodentypen, Umweltbelastungen, Ver- und Entsorgungsleitungen, Parkhäuser, Staus auf Autobahnen, Lawinengefahr bis hin zur Analyse und Kartierung von archäologischen Fundstellen.

Aufgaben und Tätigkeitsprofile

"Das Wichtigste in dem Beruf ist der Umgang mit Koordinaten- und Bezugssystemen, Datenmodellen, Datenbanken, GIS-Systemen sowie das Wissen über die Modellierung von raumbezogenen Geodaten und Prozessen", betont Matthäus Schilcher, Professor am Institut für Geodäsie, GIS und Landmanagement der TU München. Im Detail beschäftigen sich die Geoinformatiker mit:

  • Erheben, Erfassen, Analyse und Aufbereitung von großen Datenmengen
  • Programmierung von Anwendungen
  • Entwicklung und Administration von Datenbanken
  • Weiterentwicklung von GIS-Software
  • Erstellung von Vektor- und Rastermodellen

Laut Schilcher gibt es in der Geoinformatik in der Praxis grob drei Qualifikationsebenen: 

  1. Auf der untersten Stufe arbeiten all diejenigen, die Geoinformationssysteme von Herstellern wie ESRI, Intergraph oder Autodesk anwenden.
  2. Auf der mittleren Stufe findet man die Berater und Fachanwender. Sie machen Projektarbeit und bringen einen fachlichen Hintergrund mit. Das sind Bauingenieure, Vermessungsingenieure, Geografen, Landschaftsarchitekten oder Geologen.
  3. An der Spitze der Pyramide stehen die GIS-Softwareentwickler: Sie müssen beispielsweise Programmiersprachen, Datenbanken und Web-Anwendungen beherrschen. Optimal ist ein Studium der Geoinformatik, doch ein informatiknahes Studium und eine spätere Spezialisierung reichen ebenfalls.

Studium und Hochschulen

"Das Gebiet der Geoinformatik gibt es schon seit über 30 Jahren, eigene Studiengänge aber erst seit vier oder fünf Jahren", erklärt Schilcher. Davor war das Fach Teil anderer Studiengänge - etwa Vermessungswesen, Geographie, Bauingenieurwesen, Landschaftsarchitektur - oder eine Spezialisierung innerhalb der Informatik. So langsam wird das Gebiet bekannt: "Die Zahl der Erstsemester nimmt zu", freut sich Schilcher.

Dass es sich bei Geoinformatik um einen interdisziplinären Studiengang handelt, noch dazu um einen sehr jungen, sieht man schon an den unterschiedlichen Namen, unter denen die einzelnen Hochschulen das Fach als Studiengang anbieten :

  • Geoinformatik: Hochschule Anhalt, FH Bochum, Uni Jena, Uni Mainz, Uni Münster, Hochschule Neubrandenburg, FH Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Uni Osnabrück, Uni Trier
  • Angewandte Geoinformatik: Uni Trier
  • Geoinformatik und Geophysik: TU Bergakademie Freiberg
  • Geodäsie und Geoinformation: TU München, Uni Bonn, Universität der Bundeswehr München, TU Darmstadt
  • Geoinformatik und Geodäsie: Hochschule Neubrandenburg
  • Geodäsie und Informatik: Universitäten Hannover, Karlsruhe und Stuttgart
    GIS - Geoinformationssysteme: Uni Bonn
  • Geoinformatik und Vermessung: FH Mainz, FH München, Hochschule Stuttgart, FH München, FH Würzburg-Schweinfurt

Zu den Studieninhalten gehören unter anderem:

  • Mathematik, Geometrie, Physik
  • Informatik
  • Vermessungskunde
  • Datenmodellierung, Geosoftware, Grafikprogramme
  • Bildverarbeitung, Digitale Kartographie
  • Liegenschaftsrecht, Städtebaurecht, Immobilienbewertung, Flächenmanagement

Arbeitsmarkt und Gehälter

Nach dem Studium können sich die Absolventen weiterbilden. Schilcher nennt als Beispiel vor allem Kurse zur Standardisierung und Normung von Geodaten und Geosoftware. Auch Produktschulungen sind beliebt, wenn es etwa darum geht, Standard-GIS-Produkte und Web-Anwendungen zu erweitern. "Kurse zu Google-Maps und Microsoft Virtual Earth sind komplett überbucht, da kommen die Teilnehmer aus ganz Deutschland", bilanziert Schilcher.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind für junge Absolventen hervorragend: "Die Branche sucht junge Leute, die Anwendungen im Web nicht nur bedienen, sondern auch anpassen können", erklärt Schilcher. Da die Arbeitgeber in den vergangenen Jahren ihre Belegschaften stark reduziert haben, steuern sie nun auf einen Fachkräftemangel zu. Deshalb werden auch gerne Kandidaten genommen, die nicht speziell Geoinformatik studiert haben: "Informatiker können sich immer schnell einarbeiten", so Schilcher.

Wichtige Arbeitgeber

Als Arbeitgeber kommen in Frage: Softwarehersteller, die Datenbankspezialisten und Programmierer suchen, Hersteller von Navigationsgeräten, Verwaltungen, Kommunen sowie Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke. Ganz besondere Jobs warten bei Luft- und Raumfahrtunternehmen mit Aufgaben der Fernerkundung.

Die Einstiegsgehälter für Entwickler liegen bei jährlich 35.000 bis 45.000 Euro, Tendenz steigend - je nach dem, wie eng es auf dem Fachkräftemarkt noch wird. Schilcher: "Berater steigen niedriger ein."

(Kirsten Seegmüller, 20.08.2007 / Bild: Cornelius. Fotolia.com)


Weiterführende Informationen:

Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG):
http://www.bkg.bund.de

Deutscher Dachverband für Geoinformation (DDGI):
http://www.ddgi.de

IGV Ingenieurgesellschaft für Grafische Informationsverarbeitung:
http://www.igv.de/

Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler:
http://www.geoberuf.de/

Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV):
http://www.vdv-online.de

Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI):
http://www.bdvi.de/

Deutscher Verein für Vermessungswesen (DVW):
http://www.dvw.de

Deutsche Geodätische Kommission:
http://www.geoinf.de

GIS-Forum:
http://www.gis-forum.info/

GIS-News:
http://www.gis-news.de/

Geoinformatik-Service der Uni Rostock:
http://www.geoinformatik.uni-rostock.de/

Geobranchen:
http://www.geobranchen.de/

Verein Runder Tisch GIS:
http://www.rtg.bv.tum.de/index.php

Geoinformatik-Online:
http://gio.uni-muenster.de/


Back to top