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Karriere-Killer Kind?

Karriere-Killer Kind?

Karriere-Killer Kind?

Zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr gründen viele Arbeitnehmer eine Familie. Was ihr tun müsst, damit die Babypause nicht zur Karrierepause wird, erklären wir hier.

Sie hat zusammen mit Barack Obama in Harvard studiert, machte drei Abschlüsse mit Bestnoten, stieg bei McKinsey als erste Schwarze zur Partnerin auf, leitete einen Fernsehsender, ein Modelabel und eine Beteiligungsgesellschaft. Seit 2010 ist sie in der Geschäftsleitung von Credit Suisse für Personal, Kommunikation, Markenführung und Werbung verantwortlich – als erstes weibliches Vorstandsmitglied in der 150-jährigen Geschichte der Züricher Großbank.

Sie hat drei Kriminalromane geschrieben, die ins Japanische und Deutsche übersetzt wurden. Sie sitzt in den Verwaltungsräten von Schulen und Bildungsstiftungen, unterstützt die New York City Opera und das Metropolitan Museum of Art. Die Liste lässt sich fortsetzen – mittendrin, gewiss nicht am Schluss, taucht die Familie auf. Pamela Thomas-Graham und ihr Mann, ein bekannter Wirtschaftsanwalt, haben auf der beruflichen Überholspur drei Kinder großgezogen.

 

Strategien, wie man nach der Babypause wieder durchstarten kann

 

Straffes Zeitmanagement, konsequentes Delegieren

 

"Meine Mutter hat ihr Leben lang gearbeitet, und es ist wichtig, dass Kinder eine erwerbstätige Mutter als genauso selbstverständlich erachten wie einen arbeitenden Vater", sagt die 55 Jahre alte Amerikanerin. Man könne hart arbeiten und trotzdem ein glückliches Familienleben führen. Natürlich sei das manchmal hart, "aber nicht nur für Frauen, sondern genauso für Männer." Thomas-Graham gelingt der Spagat dank straffem Zeitmanagement, konsequentem Delegieren und moderner Technik, etwa Video-Konferenzen. Die Managerin ist Vielfliegerin und hat je einen Schreibtisch in New York und Zürich, trotzdem führt sie ein "normales" Familienleben in ihrer Wohnung in Manhattan.

 

Väter auf dem Vormarsch

 

Kind oder Karriere – auf diese Entscheidung lassen sich immer weniger Arbeitnehmer ein. 84,5 Prozent gaben in einer Befragung für den Familienreport 2017 an, dass auch Mütter von Kleinkindern arbeiten sollten und sich damit nicht für oder gegen eine Karriere entscheiden müssen. Von den jungen Eltern mit Kindern zwischen einem und drei Jahren gaben 60 Prozent an, dass beide Partner in gleichem Umfang arbeiten und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern sollten. Deutlich über 50 Prozent der Väter würden sich wünschen, die Hälfte bzw. mehr als die Hälfte der Kinderbetreuungsaufgaben zu übernehmen (Familienreport 2017).

Die Botschaft ist bei den Unternehmen angekommen. Immer mehr Arbeitgeber passen sich an veränderte Familienstrukturen und die damit entstehenden Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter an. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf beispielsweise ist Vorreiter in Sachen familienfreundliche Arbeitsorganisation. Mit einer auf den Schichtdienst abgestimmten Betriebs-Kita und 250 Arbeitsmodellen wird es Mitarbeitern ermöglicht, Familie und Beruf leichter zu koordinieren. Der Stuttgarter Kabelhersteller U.I. Lapp GmbH unterstützt dagegen seine Beschäftigten mit einer innovativen Schichttauschbörse, einer Beratungswerkstatt für pflegende Angehörige und Jobsharing-Modellen für Führungskräfte. Beim Fertighausbauer FingerHaus GmbH können Väter auf Montage eine Vier-Tage-Woche nutzen und werden heimatnah eingesetzt.

 

Ein Jahr ist viel (Aus-)Zeit

 

Mit dem Elterngeld sorgt der Gesetzgeber dafür, dass Mütter und Väter sich die Kindererziehung und die berufliche Entwicklung besser einteilen können. Eine 2015 veröffentlichte Studie des statistischen Bundesamts beziffert den Anteil der männlichen Bezieher von Elterngeld auf 35,7 Prozent. Das Elterngeld Plus, das einen früheren Wiedereinstieg in das Berufsleben beider Partner in Teilzeit fördert und im Jahr 2016 eingeführt wurde, bezogen im ersten Quartal 2017 bereits 25,7 Prozent der Eltern in Deutschland. Dass die gemeinsame Erziehung der Kinder immer wichtiger wird, beweist auch, dass zwei Drittel der Elternpaare mit Kindern unter sechs Jahren der Meinung sind, dass die Kinderbetreuung zu gleichen Teilen aufgeteilt sein sollte.

Das ist wichtig, um den Anschluss nicht zu verpassen. "In der heutigen schnelllebigen Zeit kann ein Jahr schon zu lange sein, je nach Beruf, Funktion und Position", sagt Miriam Koch, Beraterin des Schweizer Karriereportals karriere.ch und Inhaberin von menschensache.ch. Schließlich muss der Arbeitgeber Ersatz finden – und wenn der "einschlägt", kommt es regelmäßig zu Konflikten bei der Rückkehr des pausierenden Elternteils. Außerdem verändern sich Aufgaben, Abläufe und Netzwerke im Unternehmen. Manchem Rückkehrer kommt es vor, als wäre er auf einem anderen Stern gelandet, obwohl er im selben Büro wie früher sitzt.
 

Kollegen ins Vertrauen ziehen

 

Um Überraschungen vorzubeugen, ist es ratsam, während der Babypause am Ball zu bleiben. "Der Kontakt sollte nicht nur aus der Teilnahme an gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Weihnachtsfeiern oder Abteilungsevents bestehen", sagt Jörn Tschirne von der CoachAcademy in Stuttgart. "Der Mitarbeiter sollte sich bereits vor der Familienphase im Unternehmen ein Bild davon machen, welche Aufgaben auch von Zuhause durchgeführt werden können. Durch Vereinbarungen mit dem Chef bleibt man so eng mit dem Unternehmen und den Kollegen verbunden. Die regelmäßige Teilnahme an Besprechungen und Workshops schaffen ebenfalls die Basis für einen guten Kontakt und den späteren Wiedereinstieg."

Möglichst vor, spätestens jedoch zu Beginn der Familienphase sollten Mütter wie Väter für die Zeit nach der Pause planen. "Möchte ich überhaupt ‚zurück' in der gleichen Verantwortung?", fragt Ute Bölke, Karriere-Coach in Wiesbaden. "Oder denke ich eher an Teilzeit, Minijob, eine Ebene darunter mit weniger Verantwortung, aber anderen Vorteilen?" Diese Themen interessieren den Vorgesetzten, aber natürlich auch die Kollegen, die wissen wollen, wie sich die Arbeitsbelastung in der Zukunft verteilt. Deshalb bringt es Sympathiepunkte, den Plan zur Familiengründung frühzeitig kundzutun und auf Wünsche des Unternehmens oder der Kollegen einzugehen.

 

Zugeknöpft bei Bewerbungen


Nicht ganz so offen müssen sich Arbeitnehmer geben, die nach einer Auszeit das Unternehmen wechseln wollen. "In der schriftlichen Bewerbung wird dazu gar nichts gesagt", meint Uta Glaubitz, Karriere-Coach in Berlin. "Die schriftliche Bewerbung ist ja keine Lebensbeichte, sondern ein Nachweis, dass man für den Job qualifiziert ist." Väter- oder Mütterfreuden haben in Anschreiben und Lebenslauf nichts zu suchen. "Elternzeit nennt man nur, wenn man sich als Familientherapeutin, Pastorin oder Kindergärtnerin bewerben will", so Glaubitz.

 


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