Körpersprache: Wie sich Mimik, Gestik und Körperhaltung positiv auswirken

Körpersprache: Wie sich Mimik, Gestik und Körperhaltung positiv auswirken

Ein Mann steigt in den Fahrstuhl, in dem sich bereits drei weitere Fahrgäste befinden. Während der ganzen Fahrt in den 20. Stock sagt dieser Mann kein einziges Wort. Ohne eine Miene zu verziehen, ja, ohne sich überhaupt zu bewegen, steht er auf seinem Platz und starrt unentwegt auf seine Schuhe.

Du ahnst es sicher schon: Obwohl dieser Mann keinen einzigen Ton sagt, teilt er den Anderen mit, dass man ihn bitte in Ruhe lassen möge. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte einst Paul Watzlawick, „denn jede Kommunikation ist Verhalten, und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren“. Mit dieser Grundregel der menschlichen Kommunikation sicherte sich der berühmte Psychotherapeut und Wissenschaftler seinen festen Platz in der Fachliteratur und darüber hinaus.

Gerade im beruflichen Bereich wird die nonverbale Kommunikation schnell zum Zünglein an der Waage – im Verkaufsgespräch mit einem schwierigen Kunden ebenso wie beim Vorstellungsgespräch für deinen Traumjob. Sind nämlich mehrere Bewerber mit gleicher oder ähnlicher Qualifikation in der Endrunde, entscheidet häufig die Sympathie.

Mimik und Gestik sprechen also eine klare Sprache, ganz ohne Worte. Sammy Molcho, der weltberühmte Pantomime, geht noch einen Schritt weiter und sagt: „Körpersprache ist deutlicher als Worte. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen und Wünsche drücken sich durch unseren Körper aus.“

 

 

 

 

 

 

Die Haltung: Aristokratisches Flair oder Typ Kartoffelsack?

 

Sich beim Warten an die Wand lehnen, in den Sessel lümmeln oder mit hängenden Schultern durch die Gegend laufen? Wie wir gehen, stehen und sitzen verrät mehr über uns als uns lieb sein kann: unseren Charakter, unsere innere Einstellung und natürlich wie wir uns gerade fühlen.

Ruhst du zufrieden in dir selbst oder schwebst du gar auf Wolke sieben? Glückwunsch! Dein Körper wird dich nicht im Stich lassen und schon fast automatisch die „richtigen“ Bewegungen liefern, die in Einklang mit deinem inneren Glücksgefühl stehen. Bist du hingegen voller Zweifel und nervös, strahlt dein Körper auch genau diese Ängste aus.

Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne eine negative Stimmung einfach verstecken, indem man sie mit antrainierten Gesten überspielt. Dein Gesprächspartner nimmt deine nonverbalen Signale – und seien sie auch noch so subtil – auf bewusster wie unbewusster Ebene wahr und übersetzt sie ganz automatisch in ein gutes oder schlechtes Gefühl, das er in deiner Gegenwart empfindet.

 

Körperhaltung ist Ausdruck der inneren Haltung

Mit viel Disziplin und einer Portion gesunder Selbstkritik können wir zwar unsere Haltung analysieren und positiv beeinflussen, bewusst und langanhaltend steuern lässt sie sich allerdings nicht. Deine Körperhaltung spiegelt dein Inneres. Das heißt, solange du diese inneren Konflikte nicht gelöst hast, kann dein Körper auch keine positiveren Geschichten erzählen. Stresshormone wissen das nämlich gekonnt zu verhindern und verraten dich auf Schritt und Tritt.

 

Authentizität ist Trumpf

Es bleibt dir also auf die Schnelle erst einmal nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Im Zweifel ist es immer besser, zu seinen Fehlern zu stehen, anstatt sich hinter gekünsteltem Verhalten zu verstecken.

 

Tipps für eine bessere Haltung

  • Versuche einmal, dich bei Gesprächen selbst zu beobachten oder bitte gute Freunde um Feedback. Hast du typische Posen? Wie verändert sich deine Haltung bei unterschiedlichen Anlässen?
  • Gehe den Dingen auf den Grund: Sitzt du immer mit hochgezogenen Schultern am Tisch? Ein sicheres Zeichen dafür, dass dich etwas belastet. Was bedrückt dich? Was „schulterst“ du Tag für Tag, womit du nicht fertig wirst.
  • Führe am besten ein Tagebuch, in dem du dir diese Erkenntnisse notierst. Du wirst staunen, zu welchen Einsichten du kommst. Hast du das quälende Problem erst mal gelöst, verbessert sich deine Körperhaltung ganz von alleine.
  • Wer glücklich ist, strahlt dies auch aus. Du brauchst dafür noch nicht mal einen handfesten Grund. Vor wichtigen Gesprächen erinnerst du dich einfach an einen wunderschönen Moment in deinem Leben und badest so lange in diesem Glücksgedanken, bis du es tatsächlich fühlst.
  • Wähle für das Vorstellungsgespräch ein Outfit, in dem du dich rundum wohlfühlst. Es ist weitaus besser, mal eine Regel zu brechen und dabei souverän aufzutreten, als wie ein Häuflein Elend im besten Anzug anzutreten.
  • Nobody's perfect. Erlaube dir, Fehler zu machen. Was spricht dagegen, gleich zu Beginn offen zu sagen, dass du schrecklich nervös bist, weil du den Job unbedingt haben willst? Damit fällt schon mal eine große Portion Anspannung von dir ab, sodass du auch bei Stressfragen im Vorstellungsgespräch besser reagieren kannst.

 

Beispiele: negative Haltung und was sie uns signalisiert

  • breitbeiniges Stehen: Überheblichkeit, Verärgerung, Imponiergehabe
  • mit angewinkeltem Bein gegen die Wand lehnen: Überheblichkeit und Unsicherheit zugleich
  • ständiges Wechseln des Standbeins: Unsicherheit, Person hat keine klare Position
  • kleine Schritte (in Relation zur Körpergröße): Pedanterie, Drang, jedes Detail zu überprüfen
  • Füße um die Stuhlbeine wickeln: Unsicherheit, Anspannung
  • mit einem Fuß/Bein wippen: Nervosität, Desinteresse
  • Hände in die Hüften stemmen: Verärgerung, aggressive Aufforderung, Imponiergehabe
  • hängende Schultern: Traurigkeit, Mutlosigkeit, Niedergeschlagenheit
  • steife Körperspannung: übertriebene Disziplin, Unterwürfigkeit, was wird hinter dieser „Fassade“ versteckt?
  • auf dem Stuhl lümmeln: Überheblichkeit, Desinteresse
  • auf der Stuhlkante sitzen: Unsicherheit, Anspannung
  • teilweise abgewandter Körper: Überheblichkeit, Desinteresse, Ablehnung
  • Oberkörper zurücklehnen: Ablehnung, Distanz schaffen
  • Arme um den eigenen Oberkörper verschränken: Ablehnung, Abschottung
  • Arme vor dem Oberkörper verschränken: Abschottung, „Ich lasse keinen an mich heran!“
  • mit einer Haarsträhne spielen: Nervosität, Verlegenheit

 

Beispiele: Welche Haltung sendet positive Botschaften?

  • aufrecht stehen und aufrecht sitzen: Sicherheit
  • guter Bodenkontakt, Füße leicht geöffnet, Wirbelsäule und Kopf aufrecht, Schultern leicht zurückgenommen, aber nicht verspannt: souveränes, gelassenes Auftreten, Offenheit
  • Annäherung des Oberkörpers, Verhalten des Gesprächspartners spiegeln: Zustimmung, Interesse (Empathie)
  • leicht schräg geneigte Kopfhaltung: Konzentration auf den Gesprächspartner
  • dynamische Gangart: Antrieb, Motivation, Elan, Tatendrang, Dynamik
  • große Schrittlänge (in Relation zur Körpergröße): betrachtet das Leben als Ganzes, in dem Details eher unwichtig sind
  • leicht nach vorne geneigter Oberkörper, Kopf aufrecht und Kinn leicht nach oben: Interesse, Offenheit, Konzentration

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Die Mimik: Ein Gesicht sagt mehr als tausend Worte

 

Pokerface? Versteinerte Miene? In harmlosen Situationen mag dir das Versteckspiel deiner Gefühle noch gelingen. In einer Stresssituation, in der es um Alles oder Nichts geht, musst du schon sehr kontrolliert sein, um dir etwaige Unsicherheiten nicht anmerken zu lassen.

Augen und Mund, die beweglichsten Teile des Gesichts, geben die meisten Geheimnisse preis. Sie drücken Empfindungen und Reaktionen aus, die wir bewusst nur sehr schwer steuern können. Demzufolge lassen sich diese Gefühle vom Gegenüber zwar instinktiv sehr einfach deuten, wie beispielsweise Langeweile, Freude oder Trauer. Die Interpretation bleibt dennoch subjektiv.

 

Was erwartet dein Gesprächspartner von dir?

Du freust dich auf das Vorstellungsgespräch und sagst das gleich bei deiner Begrüßung in die Runde? Gute Idee – jedoch nur dann, wenn du auch wirklich so empfindest. Deine Gesprächspartner erwarten nun nämlich unbewusst, dass sie diese Freude auch in deinem Gesicht ablesen können und dein Körper die passenden „Freudesignale“ sendet. Ist dies nicht der Fall, ist deine auswendig gelernte Begrüßungsfloskel wirkungslos.

 

Was erwartest du von deinem Gesprächspartner?

Natürlich wird auch umgekehrt ein Schuh daraus, denn auch dein Gegenüber hat dir mit seiner Mimik viel zu erzählen. Blättert er während deines Vortrags laufend in irgendwelchen Unterlagen, ohne dich eines Blickes zu würdigen? Runzelt er häufig die Stirn oder zieht die Augenbrauen hoch? Selbst wenn du nicht jedes Signal sofort deuten kannst: Du wirst instinktiv spüren, ob er dir gegenüber positiv oder negativ gestimmt ist.

Je besser du die Signale kennst, desto besser kannst auch du deine Gesprächspartner einschätzen und gegebenenfalls während des Gesprächs mit gezielten Fragen gegensteuern.

 

Mimik bei der Selbstpräsentation

Sicher hast du selbst auch schon Vorträge anhören müssen, bei denen du echte Probleme hattest, den Faden nicht zu verlieren. Vielleicht bist du sogar fast eingeschlafen oder hast nebenbei mit dem Handy gespielt. Und das, obwohl dich das Thema normalerweise brennend interessiert. Umgekehrt kann selbst das langweiligste Thema so spannend präsentiert werden, dass du gerne noch länger zugehört hättest. Gute Redner untermalen ihren Vortrag ganz gezielt mit der passenden Mimik und gezielten Gesten, um das Publikum zu fesseln. Natürlich alles schön dosiert und der eigenen Persönlichkeit entsprechend, damit die Rede auch authentisch bleibt.

Wenn du deine Selbstpräsentation fürs Vorstellungsgespräch zu Hause einstudierst, lasse eine Kamera mitlaufen und schaue dir deine Körpersprache auf Video an. Sei ehrlich zu dir selbst: Würdest du dir zuhören wollen? An welchen Stellen verlierst du – als Zuhörer – den Faden und schweifst mit deinen Gedanken ab? Eventuell musst du den Inhalt noch besser herausarbeiten. Oder aber es liegt nur an deiner Körpersprache, dass der Inhalt nicht richtig „zündet“.

 

Beispiele: negative Mimik und was sie uns signalisiert

  • versteinertes Gesicht: Ablehnung, soziale Distanz
  • Stirnrunzeln: Missbilligung, Nachdenklichkeit
  • Augenbraue hochziehen: Ungläubigkeit
  • Augenbrauen anheben: Erstaunen, Skepsis
  • Augen verdrehen: Ungeduld, Skepsis, Ungläubigkeit
  • ständiges Wegschauen: Verlegenheit, Desinteresse
  • unverwandtes Anstarren: Arroganz, Überheblichkeit
  • häufiger Lidschlag: Unsicherheit
  • verengte Pupillen: Anspannung, Skepsis
  • Nasenlöcher leicht zusammenziehen: Abscheu, Ekel
  • Nase rümpfen: Unsicherheit
  • Lippen zusammenkneifen: innere Anspannung
  • Unterlippe vorschieben: Skepsis, Ungläubigkeit
  • geöffneter Mund: Erstaunen
  • Gähnen: Langeweile, Desinteresse

 

Beispiele: Welche Mimik sendet positive Botschaften?

  • Blickkontakt halten (konzentriert, aber nicht starr): Interesse
  • geschlossener, lächelnder Mund (mit hochgezogenen Mundwinkeln), Heben der Augenlider, Lächeln in den Augen (Pupillen sind geweitet), glatte Stirn: Sympathie, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit
  • entspannte Mundwinkel: Ruhe und Entspannung

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Die Gestik: Dein Körper lügt nie

 

Gesten – dazu gehören Haltung und Aktion aller beweglichen Körperteile – unterstreichen unsere Worte. Darin steckt auch bereits ein Kern der Problematik: Wir wollen Worte mit passenden Gesten betonen, aber keinesfalls verstummen lassen. Nicht umsonst gibt es die Redewendung „mit Händen und Füßen reden“, denn bei einem Zuviel an Gestik konzentrieren wir uns als Zuhörer nur noch auf wild herumfuchtelnde Körperteile und das Gesagte bleibt ungehört.

 

Erst wenn die Gestik im Einklang mit dem Gesagten ist, wirken wir authentisch.

Weit ausladende Armbewegungen, noch dazu in einem kleinen Raum, wirken weder seriös noch selbstbewusst. Im Gegenteil. Sie verunsichern und verärgern alle Beteiligten. Wer seine Arme hingegen während einer Präsentation immer nur wie ein Fremdkörper von den Schultern herabbaumeln lässt, wirkt langweilig und braucht schon einen sehr spannenden Inhalt, um die Zuhörer am Einschlafen zu hindern.

Falls du wirklich nicht weißt, wohin mit deinen Händen während deiner Selbstpräsentation: Nimm einen Kugelschreiber in die Hand. Oder mache es wie die Fernsehmoderatoren und schreibe dir deine Kerngedanken auf kleine Kärtchen. Damit haben deine Hände etwas zu tun und du fühlst dich sicherer.

Übrigens: Manche Gesten werden nur dann negativ wahrgenommen, wenn sie häufig oder dauerhaft eingesetzt werden. Man darf während eines Vortrags also gerne auch mal die Arme kurz (!) verschränken – bei einer provozierenden Frage an das Publikum beispielsweise. Ausnahmen dieser Art lassen sich bei der Vorbereitung zu Hause sehr gut testen, indem du sie probeweise in dein Training einbaust. Wie fühlt sich die Bewegung an? Kommt sie natürlich zustande oder musst du deine Arme dazu „zwingen“?

 

Andere Länder, andere Sitten

Auch bei der Körpersprache hat jedes Land seine eigenen ungeschriebenen Gesetze und Gepflogenheiten. So kommt es durchaus vor, dass deutsche Gesten im Ausland ihre Wirkung verfehlen, weil die dortigen Zuhörer damit keine Bedeutung verknüpfen. Richtig haarig wird es, wenn andere Länder mit einer bestimmten Geste nicht nur unterschiedliche Bedeutungen, sondern gar eine regelrechte Beleidigung verbinden.

In Japan beispielsweise nimmt man Visitenkarten unbedingt mit beiden (!) Händen entgegen und studiert sie erst mit gebührendem Respekt, bevor man sie sorgfältig verstaut. Und dass man sich in arabischen Ländern am besten mit beiden Beinen auf dem Boden positioniert, damit die Gesprächspartner nicht versehentlich die eigenen Schuhsohlen sehen (womit man diese sehr beleidigen würde), ist auch längst kein Geheimnis mehr.

Vorsicht gilt auch, wenn du mit dem Zeigefinger auf andere Menschen zeigst. In Deutschland ist es schon die höflichste Geste, aber in anderen Ländern, wie in Thailand oder Südafrika, ist dies durchaus beleidigend. Auch die geballte Faust solltest du im arabischen Raum nicht in die Hand schlagen, da du zweideutige Signale aussenden könntest. In Japan und Westafrika signalisierst du hingegen Einverständnis.

Falls du also dein Vorstellungsgespräch in einem internationalen Umfeld führst oder dafür gar ins Ausland reisen darfst, erkundige dich zuvor nach den Gepflogenheiten des entsprechenden Landes. Nur so kannst du etwaige Fettnäpfchen vermeiden.

 

Beispiele: negative Gestik und was sie uns signalisiert

  • wild gestikulieren: Unruhe, Unsicherheit, Unsachlichkeit
  • weit ausladende Gesten in kleinen Räumen: Gesten wirken überzogen, störend
  • mit den Fingern auf dem Tisch trommeln: Unsicherheit, Anspannung
  • Finger zeigt auf Gegenüber: Aggressivität
  • erhobener Zeigefinger: Überheblichkeit
  • mit Zeigefinger mehrfach über Oberlippe streichen: Skepsis, Nachdenklichkeit
  • Hände länger hinter dem Rücken verstecken: steifes Verhalten, Unsicherheit
  • Arme oder Hände vor der Brust verschränken: Abschottung, große Anspannung, Unsicherheit
  • mit den Händen ein Spitzdach Richtung Gesprächspartner bilden: Ablehnung, Unsicherheit
  • verdeckte oder geschlossene Handinnenfläche: etwas zu verbergen haben
  • Hände länger reiben: Unruhe, Unsicherheit
  • Hände gefaltet, Fingerspitzen berühren einander: Überheblichkeit
  • bei übereinander gelegten Beinen mit dem Fuß wippen: Nervosität, Ungeduld
  • Kinn auf die Hand gestützt: Skepsis
  • am Kopf kratzen: Ratlosigkeit, Unsicherheit

 

Beispiele: Welche Gestik sendet positive Botschaften?

  • Armbewegungen oberhalb der Taille, Arme zwischen Bauchnabel und Gürtellinie halten, Hände dabei locker zusammenlegen: Sicherheit und Souveränität
  • Hände sind offen und sichtbar: Offenheit, Aufgeschlossenheit:
  • Hand- und Armbewegungen, die vom Körper wegführen, offene Handinnenflächen: Aufrichtigkeit, menschliche Wärme, einladende Gesten
  • Reiben des Kinns: Nachdenklichkeit, Zufriedenheit

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Die Stimme: Freund oder Feind 

 

Eine Stimme ist so individuell wie ein Fingerabdruck, deshalb können wir eine uns bekannte Stimme selbst im größten Stimmenwirrwarr sofort identifizieren. Dieser persönliche Sound ist angeboren und dennoch liegt vieles an uns selbst, ob andere Menschen unsere Stimme sympathisch finden, ob wir glaubwürdig klingen oder als hochnäsig empfunden werden.

 

Was erzählt deine Stimme?

Was immer dich im Inneren bewegt – du trägst es förmlich auf der Zunge, denn selbst die kleinste Gemütsveränderung wirkt sich sofort auf deine Stimme aus. Das gilt auch dann, wenn du normalerweise sehr selbstbewusst bist und dich nichts so schnell umhauen kann. Stress ist hörbar, ebenso wie Freude, Trauer oder Müdigkeit.

 

Höre dir selbst zu

Bevor du damit beginnst, an deinem stimmlichen Ausdruck zu feilen, ist es wichtig, die eigene Stimme und ihre Schwachstellen zu analysieren. Mit welchem Tool du deine Sprachaufnahmen machst, bleibt dir überlassen. Wer es gerne einfach hat, ruft sich selbst auf dem Handy an und spricht die jeweiligen Sprachübungen auf die eigene Mailbox. Für längere Texte, wie beispielsweise die Selbstpräsentation, bieten dir Voice Recorder oder eine gute Recording-App mehr Komfort und Möglichkeiten. Zeichne denselben Text am besten mehrmals täglich auf, sodass du die Unterschiede gut heraushören kannst. Nur Mut, auch wenn die eigene Stimme anfangs komisch klingt. Nur wer seine Fehler kennt, kann sie auch korrigieren.

 

Wie man sich bettet, so spricht man

Körperhaltung ist das A und O beim Sprechen. Werde kreativ und spreche deine Übungstexte mal im Liegen, mal in verschiedenen Sitzpositionen und mal im Stehen. Es ist wirklich faszinierend, selbst zu hören, wie sich der Klang der eigenen Stimme allein durch minimale Veränderungen verfärbt. Die Stimme ist Teil eines Ganzen oder wie es der Kommunikationstrainer Dr. Emil Hierhold so treffend formulierte: „Es spricht und singt der ganze Mensch, vom Scheitel bis zur Sohle“.

 

Rhythmus und Aussprache

Beim Vorstellungsgespräch willst du deine Gesprächspartner von dir überzeugen. Achte deshalb vor allem auf dein Sprechtempo: Zu schnell ist genauso schlecht wie zu langsam. Deine Zuhörer müssen dir inhaltlich folgen können und hängen im Idealfall gebannt an deinen Lippen. Achte bei der Vorbereitung deiner Selbstpräsentation also insbesondere auf die Stellen, auf die es ankommt. Was willst du besonders betonen? Wo kannst du eine kurze Kunstpause setzen? Welchen komplizierten Sachverhalt musst du so präzise aussprechen, damit ihn jeder versteht? 

 

Ein einfacher Trick

Generationen von Schauspielern und Radiosprechern haben mit dem berühmten Korken trainiert und tun es noch heute: Besorge dir einen Korken (egal ob Wein- oder Sektflasche) und halte ihn vorne mit den Zähnen fest, während du deine Selbstpräsentation übst oder Trainingssätze mit vielen Vokalen aufsagst. Danach nimmst du noch eine weitere Version ohne Korken auf Band auf. Verblüffend, wie groß die Unterschiede vor und nach dem Korkentraining sind.

 

Beispiele: Negative Merkmale der Stimme und was sie uns signalisieren

  • sehr leise Stimme: Unsicherheit
  • laute, polternde Stimme: Arroganz, Überheblichkeit
  • Nuscheln, undeutliches Sprechen: Unsicherheit
  • schrill und fiepsig sprechen: wirkt nervtötend
  • sehr langsames Sprechen: Unsicherheit, mangelnde Dynamik oder auch äußerst penibel und genau
  • schnelles Sprechen: Nervosität oder mangelnde Seriosität
  • schnelles Sprechen ohne Redepausen: wirkt sehr unangenehm
  • monotones Sprechen: wirkt langweilig, einschläfernd

 

Beispiele: Welche Stimme sendet positive Botschaften?

  • Interesse am Austausch
    • deutlich sprechen
  • Sicherheit vermitteln
    • angenehme Lautstärke
  • Empathie, Freundlichkeit
    • warmer Stimmklang
  • überzeugend wirken
    • moderate Sprechgeschwindigkeit
  • Kompetenz und Selbstbewusstsein, Interesse wecken, zum Zuhören einladen
    • gute Intonation (gezielte Tonhöhenveränderung)
  • beruhigende Wirkung
    • tiefe Stimmlage bei Männern

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Unterm Strich bedeutet das für dich – Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

 

Achte bei deinem Vorstellungsgespräch darauf, dass deine Gesten zum Gesamtbild passen. Haltung, Mimik, Gestik und Sprache bilden ein Ganzes – das eine kann ohne das andere nicht existieren und muss im Kontext deiner gesamten Persönlichkeit betrachtet werden. Schließlich bleibt auch das schönste Lächeln wirkungslos, wenn deine Augen nicht mitspielen.

Leitfaden für dein Vorstellungsgespräch

Damit du dein Vorstellungsgespräch auch im Hinblick auf eine optimale Körpersprache üben kannst, haben wir dir einen kleinen Spickzettel vorbereitet, den du nach eigenem Bedarf ergänzen kannst:

 

  • Begrüßen:
    • Betrete den Raum selbstbewusst. Warte, bis dir dein Gesprächspartner die Hand reicht und erwidere den Händedruck rund drei Sekunden lang.
    • Stelle unbedingt Blickkontakt her, lächle und bedanke dich für die Einladung.
    • Setze dich erst, wenn dich dein Gegenüber dazu auffordert.
    • Interesse und Aufmerksamkeit signalisierst du mit aufrechtem Oberkörper, leicht nach vorne geneigt. Die Füße bleiben locker auf dem Boden.
  • Zuhören:
    • Wirst du etwas gefragt, dann schaue deinem Gesprächspartner in die Augen. Das signalisiert, dass du hellwach und ganz bei der Sache bist.
    • Lasse deinen Blick nicht im Raum wandern, das sieht so aus, als könntest du das Ende des Gespräches kaum erwarten.
    • Tabu: Arme vor dem Oberkörper verschränken. Mehr Ablehnung kann man kaum zeigen.
  • Sprechen:
    • Halte den Blickkontakt, aber unterbreche deinen Blick zwischendurch immer mal wieder für ein paar Sekunden, während dich dein Gesprächspartner ansieht. Andernfalls würdet ihr euch beide gleichzeitig „anstarren“, was recht unangenehm ist. Sind mehrere Personen anwesend, konzentriere deine Blicke auf den Fragesteller, aber beziehe alle Anwesenden mit ein.
    • Gehe beim Sprechen sparsam mit deinen Gesten um. Setze sie dosiert an den richtigen Stellen ein, um deinen Aussagen Gewicht zu verleihen. Zu viele Gesten wirken nervös und unvorbereitet.
  • Verabschieden:
    • It's not over until it's over. Das gilt für das eigentliche Gespräch ebenso wie für die Wartezeiten zwischendurch: Plappere nicht einfach darauf los, nur weil die Anspannung weg ist und der „gemütliche Teil“ beginnt. Es gelten dieselben Regeln wie bei der Begrüßung. Bedanke dich für das Gespräch – freundlich, aber knapp – und verabschiede dich mit einem schlichten „Auf Wiedersehen“. Luftsprünge und Ehrentänzchen solltest du erst wagen, wenn du außer Hör- und Sichtweite bist und nicht etwa auf dem Firmenparkplatz unter dem Fenster des Personalchefs.

Die Einladung zum Vorstellungsgespräch liegt dir vor, aber du willst dir noch weitere Optionen offenhalten? Schau dich in unserer Jobbörse um.