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Körpersprache Teil 2: Die Mimik


Mimik: Was uns Gesichter verraten

Mit unserem Gesicht senden wir deutliche Signale aus, selbst wenn wir glauben, "gar keine Miene zu verziehen". Wie Sie Mimik deuten und was man in Gesichtern lesen kann.



Von Giselle Chaumien-Wetterauer

Unter Mimik versteht man die sichtbaren - wenn auch manchmal kaum wahrnehmbaren - Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, die Ausdruck bestimmter Empfindungen und Reaktionen sind. Da Augen und Mund die beweglichsten Teile des Gesichts sind, kommt ihnen der Löwenanteil der Ausdruckskraft zu.

Mimik als non-verbales Kommunikationsmittel

In Gesichtern zu lesen, ist in vielen Fällen nicht schwer. Eindeutige Gefühlsregungen wie Freude, Trauer, Abscheu, Wut oder Langeweile sind leicht zu erkennen, gehen sie doch häufig mit anderen Körpersignalen - insbesondere aus dem Bereich der Gestik - einher, wenn man einmal von der Sprache absieht.


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Allerdings: Auch wenn die meisten Elemente der Mimik des Gegenübers häufig instinktiv richtig gedeutet werden, so bleibt die Interpretation stets subjektiv. Dennoch ist gerade in wichtigen Gesprächen mit besonderer Aufmerksamkeit auf Signale zu achten, die in der Mimik zum Ausdruck kommen. Denn: Wenn man schon längst vergessen hat, was Sie „damals“ gesagt haben, wird man noch lange wissen, wie Ihr Gesichtsausdruck war, als Sie den Raum betraten.

Die Mimik des Redners

Haben Sie schon einmal versucht, dem längeren Vortrag eines Redners, der mit ausdrucksloser Miene seinen „im Prinzip interessanten“ Text zum Besten gibt, aufmerksam zu folgen? Sie verlieren schnell den Faden, werden müde, verabschieden sich geistig und lassen sich gerne ablenken.

Wenn jedoch der Sprecher seinen Vortrag mit gezielten Elementen der Mimik untermalt, die mit entsprechenden Gesten noch betont werden, so wird das Ganze interessant - ja, es kann ihm sogar gelingen, sein Publikum zu fesseln. Dabei muss der Redner jedoch darauf achten, dass er nicht übertreibt und so eventuell unnatürlich und eventuell komisch wirkt. Authentizität ist gefragt!

Die Mimik des Zuhörers

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie beim Erzählen unbewusst auf die mimischen Reaktionen Ihres Zuhörers reagiert haben? Blickt Ihr Gegenüber gelangweilt zu Ihnen, verkürzen Sie Ihre Geschichte. Zeigt der Zuhörer mit aufgeschlossenem Blick und einem Lächeln Interesse für Ihre Story, fügen Sie instinktiv Details ein, die möglicherweise keinen besonderen Informationswert haben, weil Sie das Gefühl haben, der andere will noch mehr von Ihnen hören.

Beim Bericht über Ihren letzten Urlaub im Freundeskreis ist diese Erkenntnis wahrscheinlich nicht wirklich entscheidend, aber im Berufsalltag sieht die Sache schon anders aus: Ob im Einstellungs- oder im Kritikgespräch, bei der Durchsprache Ihrer Beurteilung oder auch bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen - Sie reagieren ganz unbewusst auf die Gesichtsbewegungen Ihrer Zuhörer und stellen sich darauf ein.
 

Mimik
 
Negativbeispiele
Was signalisiert das?
Naserümpfen Unsicherheit
Stirnrunzeln Nachdenklichkeit oder Missbilligung
Verenge Pupillen Anspannung, Skepsis
Sehr häufiger Lidschlag Unsicherheit
Angehobene Augenbrauen Erstaunen oder gar Skepsis
Geöffneter Mund Erstaunen
Zusammengekniffene Lippen Innere Anspannung
Ständiges Wegschauen Verlegenheit oder gar Desinteresse
Nasenlöcher leicht zusammenziehen Abscheu, Ekel
Unterlippe vorschieben Ungläubigkeit oder Skepsis
Augen verdrehen Ungläubigkeit, Ungeduld oder Skepsis
Gesprächspartner angähnen Vermitteln von Langeweile oder Desinteresse
Personen unverwandt anstarren Arroganz, Überheblichkeit
Versteinerte Gesichtszüge Ablehnung, Erhöhung der sozialen Distanz
Hochziehen einer Augenbraue Ungläubigkeit
   
Positivbeispiele
Was signalisiert das?
Blickkontakt halten Interesse
"Leises" Lächeln in den Augen Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit
Geweitete Pupillen (=große Augen) Interesse, Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit
Heben der Augenlider Aufgeschlossenheit, Ruhe
Konzentrierter, jedoch nicht starrer Blick Interesse
Entspannte Mundwinkel Ruhe, Entspanntheit
Geschlossener, lächelnder Mund Sympathie, Aufgeschlossenheit
Hochgezogene Mundwinkel Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit
Glatte Stirn Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit

Übrigens: Eine positive Mimik beeinflusst nicht nur unsere Zuhörer, sondern auch uns selbst. Wer positiv denkt und freundlich und aufgeschlossen in die Welt blickt, hat gute Chancen, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit von anderen Menschen zu erfahren. Wie war das noch mit dem Wald, in den man hineinruft…?

(Bild: Benjamin Thorn)

Giselle Chaumien-Wetterauer
war fast drei Jahrzehnte als Ressortleiterin in der Industrie tätig, u.a. im Sprachendienst und in der Kommunikation, bevor sie sich selbstständig machte.

Heute berät sie Unternehmen in Sachen Kommunikation, arbeitet als freie Autorin und Fachübersetzerin und begleitet junge Menschen in die Selbstständigkeit.

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