Lebenslauf-Check: Die Lücke

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Nicht jeder Lebenslauf ist absolut gradlinig und lückenlos verlaufen. Karrierexpertin Doris Brenner erklärt anhand von echten Beispielen unserer Leser, wie Sie mit Lücken im Lebenslauf umgehen sollten.




>>> Lebenslauf-Check Teil 1: Die Gestaltung

>>> Lebenslauf-Check Teil 2: Der Inhalt



Wann spricht man von einer Lücke?

Zunächst sollten wir klären, ab wann man über eine echte Lücke spricht. Der Hochschulabsolvent, der nach dem Examen zwei Monate "Leerlauf" hat oder der Stellenwechsler, der zwischen zwei Anstellungen eine Lücke von mehreren Wochen ausweist, wird von Unternehmensseite in der Regel nicht als kritisch angesehen. 

Dies gilt ganz besonders dann, wenn ein Ortswechsel innerhalb Deutschlands oder sogar international mit dem Wechsel verbunden war. Erst ab circa drei Monaten  bis vier Monaten sollte daher von einer wirklichen Lücke gesprochen werden.

Jahresangaben statt Monatsangaben

Viele Bewerber versuchen zeitliche Lücken im Lebenslauf dadurch zu kaschieren, dass sie ihre Beschäftigungsverhältnisse nur mit Jahreszahlen anstelle von Monatsangaben machen.



So lässt sich ein Zeitraum von bis zu 22 Monaten verdecken, wenn der Bewerber  z.B. im Januar 2007 die eine Beschäftigung beendet hatte und erst im Dezember 2008 die Fortbildung begann.

Da Personaler diese Möglichkeit der „Verschönerung“ natürlich auch kennen, muss damit gerechnet werden, dass diesbezüglich auch Rückfragen kommen können.

Welche Alternativen bieten sich also an, wenn der Lebenslauf möglicherweise eher gegen Sie als für Sie spricht?

Inhalte statt Lücken

Eine Überlegung besteht darin, die im Lebenslauf vorhandenen Lücken mit Inhalten zu füllen. Haben Sie z.B. Angehörige in dem Zeitraum der Nichtbeschäftigung gepflegt oder ehrenamtlich Aufgaben übernommen, ist es durchaus sinnvoll, dies anzugeben. 

Auch Schulungen oder die Mithilfe im Familienbetrieb machen sich im Lebenslauf besser, als wenn Sie den schlimmsten Befürchtungen des Personalers freien Lauf lassen. Woher soll er wissen, dass Sie in dem Zeitraum nicht im Gefängnis waren oder aufgrund von Drogenabhängigkeit stationär behandelt werden mussten?

Profil statt Lebenslauf

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, anstelle eines klassischen chronologischen Lebenslaufs ein Erfahrungsprofil zu erstellen? Personalberater nutzen diese Form der Darstellung sehr häufig, wenn sie ihren Kunden Kandidaten präsentieren. Überlegung dabei ist, dass für das Unternehmen viel wichtiger ist, welche Erfahrungen und Kenntnisse ein Bewerber besitzt, als wann er genau wo beschäftigt war.

Ein Profil lässt sich beispielsweise in die Themenfelder:

Persönliche Daten (Alter, Familienstand, Aussagen zur Mobilität)
Abschlüsse (Berufsabschlüsse, Studienabschlüsse, Zertifizierungen)
Erfahrungsspektrum (Beschreibung der beruflichen Erfahrung nach Aufgabengebieten, Branchen oder sonstigen Schwerpunkten)
Zusatzqualifikationen (PC-Kenntnisse, Fremdsprachkenntnisse, aber auch z.B. Projektmanagementkenntnisse oder Staplerschein)

gliedern.

Nachfolgend ein Beispiel wie ein solches Erfahrungsspektrum aussehen könnte:

Erfahrungsspektrum:

8 Jahre Außendienst-Vertriebserfahrung in den Branchen Baustoffe und Elektrobedarf
• Neukundenakquise
• Umsatzsteigerung um durchschnittlich 8-10% /Jahr
• Durchführung von Kundenbindungsprogrammen und Aktionen
5 Jahre Backoffice-Erfahrung im Großhandel
2 Jahre Verkäufer in einem Baumarkt


Einen roten Faden erkennen lassen

Wenn Sie sehr unterschiedliche Aufgaben in Ihrem bisherigen Berufsleben wahrgenommen haben, sollten Sie versuchen, Gemeinsamkeiten der einzelnen Tätigkeiten herauszuarbeiten bzw. eine Kontinuität deutlich zu machen, auch wenn Sie zahlreiche Arbeitgeber hatten:




Berufserfahrung:

Seit 08/1998 Freiberufliche Tätigkeit als Salespromoter, Fachberater, Außendienstmitarbeiter und Merchandiser  in der Telekommunikations- und Elektronikbranche
Auftraggeber: Talkline, Vodafone, T-Mobile, Samsung, Philips TV, Sony, Motorola und Kenwood.

Fazit 

Der Lebenslauf lässt eine ganze Menge Freiräume in der Darstellung ohne dass Sie dabei den Boden der Seriosität verlassen müssen.

(Doris Brenner / Bild: Andre Bonn, Fotolia.com)
 

Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.