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Medizin-Controller

Das Gesundheitssystem ist teuer - und auch Krankenhäuser müssen haushalten. Viele leisten sich daher einen Medizincontroller.

Medizincontroller überwachen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse innerhalb eines Krankenhauses und entwickeln sie weiter. Ihr Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu verbessern. Dazu beraten sie die Ärzte ihres Hauses in betriebswirtschaftlicher Hinsicht und umgekehrt die Betriebswirte der Verwaltung in medizinischen Fragen. Den Beruf des Medizincontrollers gibt es seit Ende der 90er Jahre. Der Bedarf steigt seitdem an.

Aufgaben des Medizincontrollers

Die wichtigste Aufgabe der Medizincontroller besteht in der Unterstützung der Klinikleitung, das Krankenhaus zu einem modernen, wirtschaftlich arbeitenden Dienstleistungsunternehmen umzubauen.

Dazu gehören:

  • Transparenz ins Leistungsgeschehen bringen, zum Beispiel an die Krankenhausleitung berichten
    das Leistungsspektrum strategisch weiterentwickeln
  • Medizinische Dokumentationen erstellen, zum Beispiel elektronische Erfassung von Patientendaten und erhaltenen Leistungen
  • Informations- und Wissensmanagement im Bereich der Krankenhausfinanzierung durchführen
    Prozesse optimieren

Das Medizincontrolling ist im Krankenhaus meist als Stabsstelle oder Stabsabteilung der Geschäftsführung zugeordnet. Das heißt, der Mitarbeiter oder die Abteilung ist direkt der obersten Leitung unterstellt und organisatorisch selbstständig.

Wer kann Medizincontroller werden?

Die Position des Medizincontrollers übernehmen meist Fachärzte, aber auch Mitarbeiter aus der Pflege oder Ökonomen. Viele der Mediziner absolvieren dazu ein betriebswirtschaftliches Zusatzstudium, zum Beispiel zum Master of Business Administration (MBA), oder verfügen über eine Weiterbildung an einem privaten Institut. Reine Betriebswirtschaftler sind nur selten vertreten, da es eine der Hauptaufgaben des Medizincontrollers ist, betriebswirtschaftliches mit medizinischem Know-how zu verknüpfen.

Medizincontroller sind in der Regel:

  • Fachärzte mit Weiterbildung in BWL
  • Pflegekräfte mit Weiterbildung in BWL
  • Ökonomen mit medizinischen Fachkenntnissen
  • Informatiker mit medizinischen Fachkenntnissen

 


Persönliche Qualifikation

 


Neben möglichst langjähriger Berufserfahrung in einem medizinischen Betrieb brauchen Medizincontroller ein gehöriges Maß an Sozialkompetenzen und Kommunikationsfähigkeit. Man muss sowohl mit Medizinern als auch mit Ökonomen in ihrer Sprache reden können. Erfahrung im Projektmanagement und Mitarbeiterführung gelten ebenso als wichtige Voraussetzungen wie Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsvermögen, organisatorisches Talent und rhetorische Fähigkeiten.

Die Arbeitgeber der Medizincontroller

Die meisten Medizincontroller arbeiten in Krankenhäusern ab einer Größe von 200 bis 300 Betten oder sind bei Krankenhausketten angestellt. Daneben kommt als Arbeitgeber eine wachsende Zahl privatwirtschaftlicher Institute infrage, die das Medizincontrolling als Dienstleistung für Kliniken anbietet.

Durch gesetzliche Änderungen zählen voraussichtlich bald auch niedergelassene Ärzte zu den Kunden der Medizincontroller, ebenso wie die Pharmaindustrie, Krankenkassen, Softwarehäuser und Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Ein Beruf mit Zukunft

"Zurzeit gibt es rund 800 angestellte Medizincontroller in Deutschland", schätzt Doktor Jörg Eckardt. Das sind zu wenig. Bei einer Anzahl von rund 2200 Krankenhäusern, von denen auch die kleineren mindestens eine Drittel- bis halbe Stelle bräuchten, sind noch Vakanzen vorhanden. Vor allem in kommunalen und konfessionellen Krankenhäusern besteht Nachholbedarf - im Vergleich zu privaten Kliniken, die ihr Augenmerk längst auf wirtschaftliches Arbeiten gerichtet haben. Und so bieten sich derzeit, rein theoretisch, auch jungen Berufseinsteigern durchaus Chancen, auch wenn sie noch nicht die erforderliche Berufserahrung mitbringen.

Theoretisch deswegen, weil der Bedarf an Controllern zwar groß ist, die Zahl der öffentlichen Stellenausschreibungen jedoch relativ mager ausfällt. Zum einen sind neu eingestellte Kostenbremser selbst erst einmal ein Kostenfaktor für die Personalabteilung. Zum anderen werden diese Experten meist in der eigenen Klinik oder Institution herangezogen und eingesetzt. Trotzdem lohnt es sich, ab und zu einen Blick auf die ausgeschriebenen Stellenanzeigen zu werfen.

Verdienst ist Verhandlungssache

Die Einstiegsgehälter im Medizincontrolling sind unterschiedlich. Im Rahmen des Bundes-Angestelltentarifs (BAT) lagen sie bisher meist zwischen den Stufen 2b und 1a - je nach Alter, Familienstand und Ortszuschlag können das im einen Fall 2000 Euro, in einem anderen Fall mehr als doppelt so viel sein. Inzwischen gilt der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) - die Gehälter entsprechen weitgehend denen aus BAT-Zeiten. "In Spitzenpositionen sind Gehaltsstufen möglich, die der eines leitenden Oberarztes entsprechen", betont Eckardt von der gmds. Grundsätzlich sei im Vergleich zu den Jahren 2000/2001 allerdings eine Absenkung der Gehälter wahrnehmbar.

(Andrea Pawlik / Kirsten Seegmüller / 2007 / Bild: ArtmanWitte, Fotolia.com)


Weiterführende Informationen:


Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V. (BVMI):
http://www.bvmi.de

Deutsche Gesellschaft der Ärzte im Krankenhausmanagement (DGÄK):
http://www.dgaek.de

Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling e.V. (DGfM):
http://www.medizincontroller.de

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds)
http://www.gmds.de

Institut für Medizincontrolling Heidelberg (IfM):
http://www.institut-medizincontrolling.de

mibeg-Institut Medizin:
http://www.mibeg.de

Medknowledge:
http://www.medknowledge.de/fach/medizincontrolling.htm

Foren für Medizincontroller

my DRG:
http://www.mydrg.de

MedInfoWeb:
http://www.medinfoweb.de

Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen:
http://www.qualitaetsbericht-krankenhaus.de/

 


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