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Mein erster Job: Einstieg und Probezeit

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Der erste Arbeitsvertrag ist Grund zur Freude, aber es liegen viele Stolpersteine im Weg. Jetzt gelten andere Regeln als im Studium. Wir sagen, wie Ihnen der Einstieg ins Berufsleben gelingt und Sie die Probezeit mit Bravour überstehen.

Ihre Bewerbungsaktivitäten waren erfolgreich. Sie haben den ersten Arbeitsvertrag in der Tasche. Est es geschafft. Natürlich haben Sie Grund zur Freude, wenn Sie diesen wichtigen Schritt erfolgreich gemeistert haben. Die meisten Berufsstarter sind sich jedoch nicht darüber im Klaren, dass der Arbeitsvertrag zwar die Eintrittskarte, nicht jedoch das Freiticket für einen erfolgreichen Berufseinstieg darstellt.

Neue Welt mit neuen Spielregeln



Die Berufswelt, in die Sie nun eintreten, hält eine Vielzahl von neuen Spielregeln bereit. Diese gilt es nach und nach zu lernen und sich in dem neuen Umfeld zurecht zu finden. Die Berücksichtigung einer Kleiderordnung ist dabei genauso zu beachten, wie die Tatsache, dass im Job nicht jeder sofort mit "Du" angesprochen werden kann.

Den Einstieg gut vorbereiten

Wenn zwischen Vertragsabschluss und dem ersten Arbeitstag noch mehrere Wochen oder gar Monate Zeit liegen, sollten Sie mit dem neuen Arbeitgeber in Kontakt bleiben. Signalisieren Sie Ihr Interesse zum Beispiel bereits jetzt in den Verteiler der Mitarbeiterzeitschrift aufgenommen oder für das firmeninterne Intranet frei geschaltet zu werden. So haben Sie Gelegenheit, sich frühzeitig mit dem Unternehmen vertraut zu machen. 

Sofern mit dem ersten Job auch ein Wohnortwechsel verbunden ist, gilt es möglichst frühzeitig auf Wohnungssuche zu gehen und alle administrativen Dinge in diesem Zusammenhang vor dem eigentlichen Arbeitsantritt zu erledigen. Auch notwendige Arztbesuche oder der Einkauf von Kleidung, die Sie zukünftig im Job tragen werden, sollten möglichst vor dem ersten Arbeitstag bereits erledigt werden, um den Kopf für den Berufseinstieg frei zu haben.

Der erste Arbeitstag

Für Sie als Berufsstarter ist der erste Arbeitstag ein ganz besonderer Tag auf den Sie mit Spannung vielleicht aber auch mit gemischten Gefühlen blicken. "Werde ich von den Kollegen freundlich aufgenommen? Kann ich den Erwartungen und Anforderungen gerecht werden? Habe ich mich wirklich für das richtige Unternehmen entschieden?" Viele Fragen gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie am ersten Arbeitstag das Firmentor betreten. 

Seien Sie sich bewusst, dass für Ihren zukünftigen Chef und die Kollegen dieser Tag ein ganz normaler Arbeitstag ist. Erwarten Sie daher nicht, dass sich alles nur um Sie drehen wird und sehen Sie es nicht als Zeichen von Ablehnung oder Ignoranz an, wenn z.B. Ihr Arbeitsplatz noch nicht für Sie vorbereitet ist oder Chef kaum Zeit für Sie hat, weil dringende Aufgaben zu erledigen sind. Natürlich ist es ein schöner Start, wenn der Chef Sie begrüßt und allen Kollegen vorstellt, mit Ihnen Essen geht und vielleicht sogar ein Blumenstrauß auf Ihrem Schreibtisch steht. Dies ist aber nicht die Regel und erst die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob Sie in der neuen Umgebung positiv aufgenommen werden. Seien Sie auf jeden Fall freundlich, gehen Sie offen auf die zukünftigen Kollegen zu und überfordern Sie diese nicht mit zu hohen Erwartungen.

Orientierungsphase
 
Zunächst gilt es sich das nähere Arbeitsumfeld zu erschließen. Hierzu zählt vor allem, sich die Gesichter und Namen der Menschen zu merken, mit denen Sie direkt zusammen arbeiten. Wenn Sie diese mit Namen ansprechen können, haben Sie bereits einen ersten positiven Zugang und man wird auch die Bereitschaft haben, Ihnen in der Anfangsphase zu helfen. 

Zu Beginn werden Ihnen die vielen Fachbegriffe und Abkürzungen das Gefühl vermitteln, nur "Bahnhof" zu verstehen. Haben Sie mit sich selbst Geduld. Schon nach wenigen Wochen werden Sie sich damit vertraut gemacht haben und sich gar nicht mehr vorstellen können, dass Ihnen das alles am Anfang so fremd war. 

Sofern ein Einarbeitungsplan nicht bereits seitens des Unternehmens für Sie vorbereitet wurde, sollten Sie mit Ihrem Chef hierüber sprechen. Der Einarbeitungsplan enthält mit einem Zeitplan hinterlegt alle wichtigen Schritte wie die Vermittlung von Fachwissen, Besuche in benachbarten Bereichen und Schulungen, die Sie für Ihre Einarbeitung benötigen.


Einarbeitungs- und Integrationsphase

Wenn Sie nach einigen Tagen eine erste Orientierung gewonnen haben, geht es and die praktische Einarbeitung. Natürlich sind Ihr Chef und die direkten Kollegen Ihre wichtigsten Ansprechpartner in dieser Phase. Scheuen Sie sich nicht Fragen zu stellen und machen Sie sich Notizen, um Schritt für Schritt die vielen neuen Informationen aufnehmen zu können. 

Es ist völlig normal, dass es Ihnen schwer fällt die Fülle an Input zu behalten und in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Wenn Sie Lernbereitschaft zeigen und die Hilfe der Kollegen dankbar annehmen, werden Sie die größten Fortschritte machen. Zeigen Sie sich bei den Kollegen für deren Unterstützung erkenntlich, indem Sie Ihrerseits Bereitschaft zur Mithilfe signalisieren und Ihre Kollegen versuchen mit einfachen Tätigkeiten zu entlasten. 

Neben der fachlichen Einarbeitung stellt die Integration in das Team ein zentrales Element für einen erfolgreichen Berufsstart dar. Das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen aber auch der zwanglose Kontakt in der Kaffeepause oder Freizeitaktivitäten nach Dienstschluss können hier sehr hilfreich sein.

Ein Logbuch als Starthilfe

Wenn Sie im Rahmen Ihrer Einarbeitung Arbeitsabläufe kennen lernen, werden Sie manchmal das Gefühl haben, dass die Vorgehensweise recht kompliziert oder auch wenig effektiv ist. Es wäre zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht sinnvoll, wenn Sie Ihre Kritik oder Ihre Verbesserungsvorschläge kund tun. Zu leicht laufen Sie Gefahr, als besserwisserisch oder gar arrogant zu erscheinen. 

Besser ist es, wenn Sie diese Eindrücke zunächst für sich behalten und schriftlich festhalten. Hierzu eignet sich besonders ein Logbuch in Form eines gebundenen Notizbuches, in das Sie alle Ihre Eindrücke notieren. Wenn Sie dann nach mehreren Wochen Ihre Einträge nochmals durchlesen, werden Sie in vielen Fällen feststellen, dass Ihre damalige Beurteilung mangels fehlender Sachkenntnis der Rahmenbedingungen einfach falsch war. Dann war es gut, dass Sie Ihre Kritik für sich behalten haben. 

Es wird aber auch Vorgänge geben, die sich auch jetzt aus Ihrer Sicht verbessern lassen. Nun ist es mit dem notwendigen Verständnis der Zusammenhänge und der Akzeptanz seitens der Kollegen angebracht, Anregungen für mögliche Veränderungen zu geben und konkrete Ansätze aufzuzeigen. Achten Sie dabei darauf, dass Ihre Vorschläge positiv formuliert sind und nicht von den Kollegen als persönliche Kritik verstanden werden. Das Logbuch mit Ihren Aufzeichnungen kann Ihnen aber auch helfen Stimmungstiefs zu überwinden und zu erkennen, wie viel Sie seit Ihrem Eintritt im Unternehmen gelernt haben. Indem Sie Ihre Aufzeichnungen nochmals durchlesen werden Sie feststellen, welche Fortschritte Sie bereits gemacht haben.  

Der Einstand als Ritual

Nach wie vor ist es in den meisten Unternehmen üblich, dass neue Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit - in der Regel vier bis acht Wochen -  einen so genannten Einstand geben. Der Einstand ist ein wichtiges Ritual und äußeres Zeichen dafür, dass Sie als neues Mitglied Teil der  Gemeinschaft werden. 

Häufig genügt es, wenn Sie einen Kuchen mitbringen und Ihren Chef und die Kollegen in der Kaffeepause dazu einladen. Manchmal  wird erwartet, dass Sie ein Glas Sekt ausgeben oder sogar außerhalb des Betriebes einladen. Informieren Sie sich bei einem Kollegen, zu dem Sie einen guten Kontakt gefunden haben, in welcher Form des Einstands in Ihrem Bereich üblich ist.

Die Probezeit bestehen

In Arbeitsverträgen ist es üblich eine Probezeit zu vereinbaren. Diese kann bis zu sechs Monaten betragen. Aber Vorsicht. Ganz gleich wie lange die in Ihrem Arbeitsvertrag festgelegte Probezeit ist,  generell gilt das Kündigungsschutzgesetz erst, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat und der Betrieb mehr als zehn Arbeitnehmer – Auszubildende werden nicht mitgezählt- beschäftigt. Wenn also Ihre Probezeit nur drei Monate beträgt, kann der Arbeitgeber dennoch nach fünf oder sechs Monaten ohne Nennung von Gründen das Arbeitsverhältnis einseitig kündigen ohne dass Sie eine Möglichkeit haben dagegen rechtlich vorzugehen.

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, sollten Sie regelmäßig das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen, um ein Feedback zu bekommen, wie er mit Ihrer Leistung und Ihrem Verhalten zufrieden ist. Stellt sich bei einem solchen Gespräch ein Kritikpunkt heraus, besteht noch ausreichend Gelegenheit durch entsprechende Maßnahmen gegenzulenken. 

Oft gibt das Zwischenmenschliche den Ausschlag

Seien Sie sich bewusst, dass in den wenigsten Fällen fachliche Defizite die Ursache für eine Beendigung darstellen. Viel häufiger sind es zwischenmenschliche Aspekte, die zu einer negativen Entscheidung führen. Das drückt sich dann in Formulierungen wie "der neue Kollege kann sich im Team nicht integrieren" oder "irgendwie passt die Chemie nicht" aus.

Es kann daher nicht genug betont werden, dass Sie gerade auf diese soziale Integration besonders achten sollten. Neben fachlicher Kompetenz sind es vor allem Lern- und Leistungsbereitschaft, Engagement, Zuverlässigkeit aber auch ein offenes und freundliches Wesen die dazu beitragen, dass man Sie als Bereicherung für das Team empfindet und gerne mit Ihnen zusammenarbeitet. Leisten Sie Ihren Beitrag zu einem guten, kollegialen Arbeitsklima, in dem auch Sie sich wohl fühlen und damit Spaß an der Arbeit haben.

(Doris Brenner / Bild: Stephen Coburn, Fotolia.com)

Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Ihre Veröffentlichungen zu den Themen Bewerbung, Testverfahren, Berufsplanung und Arbeitstechniken sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.


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