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Minijobs als Nebenjobs auf 450-Euro-Basis

Minijobs als Nebenjobs auf 450-Euro-Basis

Minijobs als Nebenjobs auf 450-Euro-Basis

2013  wurde die Entgeltgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse von 400 Euro auf 450 Euro angehoben. Gleichzeitig wurde ein Beschäftigter, der einen 450-Euro-Job neu aufnimmt oder dessen Arbeitgeber das bestehende Minijobverhältnis an die neue Verdienstgrenze anpasst, automatisch versicherungspflichtig in der Rentenversicherung. Diese Versicherungspflicht kann der Arbeitnehmer allerdings widerrufen.

 

Wir beantworten eure Fragen zum Thema Minijob!

 

Brutto für netto - was bedeutet das?

Brutto für netto lautet die Devise: Was der Arbeitgeber für einen Minijob bezahlt, darf der Arbeitnehmer steuerfrei einstreichen. Solche Minijobs gehören zu den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Arbeitsrechtlich sind sie eine Teilzeitbeschäftigung, sozialrechtlich ein Sonderfall.

Minijobber müssen keine Abgaben von ihrem Einkommen zahlen und haben die gleichen Rechte wie reguläre Beschäftigte: Sie genießen Kündigungs- und Mutterschutz, haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und bezahlte Feiertage sowie auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Auch hauptberuflich Beschäftigte können einen Minijob antreten und die 450 Euro abgabenfrei einstreichen. Verbieten darf ein Chef einen Minijob nur, wenn der Mitarbeiter zum Beispiel für die Konkurrenz arbeitet oder die hauptberufliche Beschäftigung durch die Nebentätigkeit spürbar beeinträchtigt wird.
 

Wie sieht es mit Abgaben und Steuern aus?

Ein Arbeitgeber muss für einen Minijobber zusätzlich zum Lohn eine pauschale Abgabe von maximal 31,29 Prozent entrichten, die sich auf Rentenversicherung (15 Prozent), Krankenversicherung (13 Prozent), Steuern (zwei Prozent), eine Umlage zum Ausgleich der Aufwendungen des Arbeitgebers bei Krankheit des Minijobbers (0,9 Prozent),  eine Umlage bei Schwangerschaft/Mutterschaft (0,3 Prozent) und eine Insolvenzgeldumlage (0,09 Prozent) verteilt.

Ist der Minijobber privat oder nicht in Deutschland krankenversichert, muss der Arbeitgeber keinen Pauschbetrag zur Krankenversicherung zahlen. Diese Bestimmung greift zum Beispiel bei Grenzgängern, die im Ausland wohnen und dort krankenversichert sind, aber in Deutschland arbeiten.

 

Wie steht es bei Minijobs um die Rentenversicherung?

Seit 2013 sind Minijobs automatisch versicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung. In Zahlen heißt das: Da der Arbeitgeber für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 Prozent des Arbeitsentgelts zahlt, muss der Arbeitnehmer die Differenz zum allgemeinen Beitragssatz von 18,7 Prozent zuzahlen, hat also 3,7 Prozent Eigenanteil.

 

Ab wann lohnt sich freiwillige Rentenzahlung?

Der Rentenanspruch steigt selbst bei längerer Zuzahlung nur wenig. Allerdings kann ein Arbeitnehmer durch die Versicherungspflicht in der Rentenversicherung seine Wartezeiten für eine vorgezogene Altersrente erfüllen. Auch mit Blick auf eine Erwerbsminderungsrente oder einen Anspruch auf Rehabilitation kann die Aufstockung des Rentenbeitrags sinnvoll sein.

Wer das alles nicht will, kann sich von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lassen. Hierfür muss der Beschäftigte einfach dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen, dass er diese Befreiung wünscht. Der Arbeitgeber hat diese Wahlmöglichkeit nicht. Er zahlt weiterhin den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung.
 

Wo können Minijobber arbeiten?

Rund 6,98 Millionen Minijobber gab es laut der Knappschaft-Bahn-See am 31. Dezember 2016. Die überwältigende Mehrheit der Minijobber arbeitet im gewerblichen Bereich, rund 303.022 sind in Privathaushalten beschäftigt.

Laut der Minijob-Zentrale ist die Gruppe der Minijobber über 65 Jahren die größte (931.175). Die wenigsten Beschäftigten zählt die Gruppe der unter 20-Jährigen mit 451.934. Besonders viele Minijobber gibt es im Einzelhandel, im Dienstleistungsbereich und in der Gastronomie. Laut der Minijob-Zentrale sind 4 Mio. Frauen und 2,67 Mio. Männer geringfügig beschäftigt.

 

Wer darf auf 450-Euro-Basis arbeiten?

Ob eine Tätigkeit die Anforderungen an einen Minijob erfüllt, hängt neben der Entgeltgrenze auch von der Arbeitszeit ab: Dauert die Beschäftigung bei einer Fünf-Tage-Woche nicht länger als drei Monate oder nicht länger als 70 einzelne Tage, wenn sie nur an bestimmten Tagen anfällt, dann gilt sie grundsätzlich als kurzfristige Beschäftigung. Sie ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber versicherungsfrei.

Übersteigt die Tätigkeit diese Zeitgrenze, handelt es sich um einen Minijob, wenn die Verdienstgrenze von monatlich 450 Euro eingehalten wird.

 

Mehrere 450-Euro-Jobs neben dem Hauptberuf ausüben - geht das?

Kniffliger wird es, wenn Arbeitnehmer mehrere geringfügige Beschäftigungen aufnehmen. Üben sie auch einen versicherungspflichtigen Hauptberuf aus, bleibt zwar der 450-Euro-Job abgabenfrei, den der Arbeitnehmer zuerst angenommen hat, aber alle weiteren Entgelte aus den Minijobs werden mit dem aus der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Aus diesem Betrag ergibt sich dann der Anteil, der für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abzuführen ist. Nur die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entfallen für alle Minijobs.
 

Mehrere Minijobs und kein Hauptberuf - und jetzt?

Ähnlich ergeht es einem Arbeitnehmer, der mehrere Minijobs und keinen versicherungspflichtigen Hauptberuf hat: Überschreitet die Summe der Arbeitsentgelte die monatliche Grenze von 450 Euro, so ist er sozialversicherungspflichtig. Erreicht die Summe aber höchstens 850 Euro, greift die so genannte Gleitzonenregelung. Danach muss der Beschäftigte nur einen reduzierten Sozialversicherungsbeitrag zahlen, der innerhalb der Gleitzone progressiv ansteigt. Der Arbeitgeber dagegen muss in diesem Fall stets für den vollen Beitragsanteil aufkommen.

 

Sind Minijobs immer abhängige Beschäftigungsverhältnisse?

Die Antwort ist ja! Der Arbeitgeber muss, bevor er einen Minijobber beschäftigt, immer prüfen, ob die Tätigkeit wirklich eine abhängige Beschäftigung ist. Dafür müssen diese Merkmale erfüllt sein: Der Arbeitgeber bestimmt über Ort, Zeit, Dauer und Art der Tätigkeit. Außerdem verfügt er über ein umfassendes Weisungsrecht. Ein Arbeitsvertrag, in dem Anwesenheitszeiten, Verdienst, Kündigungsfristen und Urlaub geregelt sind, spricht zudem für eine abhängige Beschäftigung.  Ein Selbständiger kann dagegen frei über seine Arbeitszeit bestimmen und ist nicht weisungsgebunden. Er ist zudem für mehrere Arbeitgeber tätig. Schwierig kann die Unterscheidung bei haushaltsnahen Minijobbern werden.

 

Was ist der Unterschied von gewerblichen und haushaltsnahen Minijobs?

Wer für seinen Privathaushalt einen Minijobber für haushaltsnahe Tätigkeiten einstellt, muss nur geringe Abgaben bezahlen und profitiert auch noch von Steuervorteilen. Der Arbeitgeber zahlt Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung (je 5 Prozent), eine Pauschsteuer und Umlagen als Ausgleich für seine Aufwendungen bei Krankheit (0,9 Prozent) und Schwangerschaft bzw. Mutterschaft (0,3 Prozent) des Minijobbers sowie den Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung (1,6%). Zusätzlich kann der Arbeitgeber eine Steuerermäßigung geltend machen, die seine Aufwendungen um 20 Prozent reduziert. Der haushaltsnahe Minijobber genießt viele Vorteile durch dieses Beschäftigungsverhältnis: Er hat Anspruch auf Kündigungsschutz und erhält eine Entgeltfortzahlung bei Krankheit, bei Mutterschaft sowie bei Urlaub. Außerdem gilt für den Minijobber auch der Mindestlohn.

 

Mindestlohn: was bedeutet das für den Minijob?

Seit dem 1. Januar 2017 gilt ein flächendeckender allgemeiner Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro brutto je Arbeitsstunde. Das betrifft natürlich auch die Minijobber. Sie dürfen nur noch 50 Stunden und 54 Minuten pro Monat arbeiten, bis sie die Höchstgrenze von 450 Euro erreichen. Das bedeutet, dass Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer auf 450 Euro-Basis Beschäftigten überprüfen und gegebenenfalls kürzen sollten. Sonst besteht die Gefahr, dass die jährliche Entgeltgrenze von 5.400 Euro überschritten wird.

 

 


Weitere Informationen

Minijob-Zentrale der Bundesknappschaft
www.minijob-zentrale.de
 

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