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Motto: Nicht aufgeben - 10 Fragen an Nahid Shahalimi

#MonsterConfidence

Motto: Nicht aufgeben - 10 Fragen an Nahid Shahalimi

Nahid Shahalmi: "Niemals aufgeben!" Quelle: Isa Foltin/Getty Images

Lebens- und Karrierewege sind nie vollkommen gerade. Manche lassen sie sich leichter gehen als andere. Und es gibt Menschen, die mit vielen Hürden konfrontiert wurden – und sich davon aber nie haben aufhalten lassen. Nahid Shahalimi ist so ein Mensch! Die gebürtige Afghanin wurde 1985 gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. Sie und ihre Familie flohen nach Kanada, bevor sie nach München zogen, wo Nahid heute als Mutter, Autorin, Menschenrechtsaktivistin, Filmemacherin und internationale Künstlerin lebt. Ihr jüngstes Projekt ist der Dokumentarfilm "We the Women of Afghanistan: A Silent Revolution", der im März 2018 Weltpremiere im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City feierte und bereits diverse Preise auf internationalen Filmfestivals erhielt. Darüber hinaus ist Nahid aktives Mitglied des Nationalkomitees von UNICEF Deutschland sowie Gründerin und Vorsitzende der "Hope Foundation for Women and Children of Afghanistan (2007)". Wir haben mit Nahid über ihr Leben, ihre Herausforderungen und ihr Erfolgsrezept gesprochen – und besonders darüber, wie sie es geschafft hat, trotz der vielen Herausforderungen in ihrem Leben, nie den Mut zu verlieren.

 

10 Fragen an Nahid Shahalimi

 

Vom Mutig sein und Richtungswechsel

 

Nahid, du warst beruflich schon in vielen Bereichen erfolgreich. Zunächst als Profi-Volleyballerin in Canada, dann als Künstlerin in Deutschland und nun bist du besonders als Schriftstellerin und Filmemacherin bekannt. Wie kam es zu diesen immer neuen Aufgaben?

Für mich war immer klar, wer ich bin, was mich begeistert und wofür ich brenne. Ich wusste früher natürlich nicht genau, welche genauen Formen meine Projekte annehmen würden, aber ich wusste immer, dass ich sie durchziehen möchte. Dazu kommt: Ich kann nicht glücklich sein, wenn ich nur eine Sache zu tue. Ich wäre als Mensch nicht erfüllt, wenn ich nur eine Mutter, nur eine Künstlerin, oder nur eine Autorin wäre. Wobei ich das Wort „nur“ hier nicht abwertend meine. Jede dieser Aufgaben kann ein Full-Time-Job für sich sein, aber ich brauche sie eben alle. Ich habe mich vor vielen Jahren dazu entschieden nicht alles pausenlos zu überdenken, sondern einfach zu handeln, wenn ich davon überzeugt bin. Jedes Projekt öffnet eine neue Türe, wenn man nur genau genug hinsieht. Es bringt neue Kontakte, Chancen und Ideen, die es zu nutzen gilt. Ich liebte die Kunst, also studierte ich Kunst. Ich liebte den Sport, also spielte ich Volleyball. Ich liebte die Verbindung beider Themen, also portraitierte ich die deutsche Fußballnationalmannschaft. Ich liebe starke Frauen, also malte ich sie. Daraus ergab sich die Idee ein Buch über starke Frauen in Afghanistan zu schreiben und daraus wiederum die Möglichkeit einen Film zu drehen. Mir ist das alles nicht in den Schoß gefallen, es war viel Arbeit – harte Arbeit. Aber durch meine Überzeugung, damit den richtigen Weg zu gehen, hatte ich immer die Kraft weiterzumachen.

Ich glaube andere Menschen hatten und haben manchmal auch heute noch ein Problem damit, dass ich so viele verschiedene Dinge tue. Für mich ist das aber die natürlichste Sache der Welt. Und auch wenn mir das selbst Freunde und meine Familie nur schwer glauben können, muss ich sagen: Ich habe trotzdem noch genug Freizeit. Ich kann allein sein und die Stille genießen. Wir alle brauchen Balance; wie wir diese finden ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

 

Hattest du nie Angst zu versagen? Die meisten deiner Berufe hast du ja nicht im klassischen Sinne gelernt (abgesehen von deinem Kunststudium natürlich).

Natürlich ist die Angst ist immer irgendwie präsent. Aber ich lasse mich nicht von ihr bestimmen, deshalb kann sie mir nicht schaden. Ein bisschen Angst ist gesund, das bringt einen dazu Respekt zu haben, vor dem was man tut, und keine unnötigen Risiken einzugehen. Angst darf einen aber nicht davon abhalten, seine Träume zu verfolgen. Heute kann ich ehrlich sagen, dass ich das Scheitern als Chance sehe. Aus meiner Erfahrung im Leben, beruflich und persönlich, habe ich gelernt, das Scheitern nicht als Ende des Weges, sondern eher als Abzweigung zu betrachten. Es will mir sagen: "Bitte überdenke was du tust, strukturiere um, mach weiter oder hör auf – aber überdenke dein Vorgehen". Wer scheitert wird dazu gezwungen Entscheidungen zu treffen. Und sobald die richtigen Entscheidungen getroffen werden, sind 90 Prozent der Arbeit erfolgreich erledigt. Die restlichen 10 Prozent sind nur noch Logistik.

 

Was tust du, wenn du nicht weiterweißt? Wie gehst du mit deinen Ängsten um?

Ich mache eine Pause und atme tief und lange durch. Ich mache lange Spaziergänge oder Yoga und frage mich selbst: "Was muss ich als nächstes tun, um aus dieser Situation wieder heraus zu kommen?" Mit ein bisschen Ruhe und Abstand trifft man solche Entscheidungen viel besser und bewusster. Was mich immer beruhigt ist die Tatsache, dass die Dinge nie so schlimm sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Oft verschlimmern wir unsere Situation, weil wir uns in das Problem hereinsteigern, statt einen Schritt zurück zu gehen, Abstand zu gewinnen und über die Lösung nachzudenken.

 

Von Hürden und dem „Nicht-Aufgeben“

 

Du musstest als Kind aus Afghanistan fliehen. Wie hast du es geschafft auf der Flucht nicht den Mut zu verlieren? 

Ich war erst zwölf Jahre alt und habe glücklicherweise nicht komplett realisiert, was los war. Darum habe ich die Reise eher als großes Abenteuer erlebt. Doch je älter ich wurde desto stärker spürte ich die Auswirkungen von dem, was wir durchlebt haben. Als ich zum ersten Mal Mutter wurde wuchs das Einfühlungsvermögen, das ich für meine eigene Mutter empfand, enorm. Ich wusste, wie sie sich in diesen schwierigen Jahren gefühlt haben muss, als sie als Witwe ganz alleine mit ihren Kindern ums Überleben kämpfte. Was sie antrieb war das Bedürfnis, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Sie musste für ihre vier kleinen Mädchen überleben. Dieses Gefühl kenne auch ich, seit meine erste Tochter geboren wurde. Es löste etwas so Mächtiges in mir aus, ich wusste es ist an der Zeit all die Träume zu verwirklichen, die in meinem Kopf seit Jahren herumschwirren. Ich machte den ersten Schritt und er führte mich auf den Weg, dem ich noch heute folge.

 

Hat dir diese Erfahrung etwas für das Leben mitgegeben, von dem du heute zehrst? Beruht deine enorme Durchhaltekraft darauf?

Ohne die tragischen Ereignisse in meinem Leben und insbesondere die Flucht aus Afghanistan, wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Diese Erfahrungen hatten direkte Auswirkungen auf mich und mein Leben. Doch auch die bewusst von mir getroffenen Entscheidungen der letzten 30 Jahre hatten immensen Einfluss auf das, was ich heute tue. Am Ende muss man sich immer für einen Weg entscheiden, ich habe das getan.

 

Kannst du eine Situation mit uns teilen, in der du dachtest du kannst nicht mehr – und es dann eben doch geschafft hast?

Nein, kann ich nicht. Natürlich war ich schon oft an meiner Grenze und verzweifelt. Aber ich habe nie gedacht, dass ich es nicht schaffe, denn ich glaube an das, was ich tue. Und so lange das der Fall ist werde ich immer einen Weg finden. Es mag ein anderer Weg sein, als der ursprünglich vorgesehene, aber es gibt einen Weg. Das Wort "unmöglich" existiert in meinem Wortschatz einfach nicht. 

Mein Vater sagte immer: "Nahid ist ein Träumer, lass sie träumen" – und er hatte Recht. Noch heute visualisiere ich meine Projekte und arbeite auf diese Vision hin. Auch ich bin manchmal müde, habe keine Lust oder bin uninspiriert, aber im Großen und Ganzen liebe ich, was ich tue. Obwohl der Erfolg auch manchmal einsam macht. Doch selbst das ist kein Problem, denn ich bin glücklich mit mir, meinem Leben und dem, was ich erreicht habe. Das erfüllt mich.

 

Woher hast du die Kraft für all das genommen?

Ich sage immer gerne „Ich arbeite nicht, ich lebe einfach voller Leidenschaft“. Wer seine Bestimmung findet und daran arbeitet, sollte das nicht als Last ansehen, sondern als großes Glück. Ich weiß heute, warum ich geboren wurde und was der Sinn meines Lebens ist. Diesen zu erfüllen, braucht auch oft Kraft, aber diese Kraft kommt aus einem selbst, aus Überzeugung.

 

Vom Umgang mit Hürden und Nahid’s Top Tip

 

Was würdest du anderen Menschen raten, die beruflich an einem schwierigen Punkt stehen?

Scheut euch nicht davor, euch selbst schwere Fragen zu stellen, wie beispielsweise: „Ist das der Job, den ich wirklich machen möchte?“. Wenn die Antwort „ja“ lautet, werdet ihr einen Weg finden. Oft braucht dieser Weg Zeit, Geld, Energie, Anstrengung, aber er wird sich lohnen.

Würde mich jemand direkt um Rat fragen wäre meine erste Frage: „Wenn du morgens aufwachst, freust du dich auf den Tag?“ Falls nein: Ändere etwas an deinem Leben und frage dich ehrlich, was dich glücklich machen würde. Und dann tu es, auch wenn es manchmal ungemütlich ist Leidenschaft zu finden und zuzulassen. Das bringt einen dazu, dass man sich aus der Komfortzone herausbemühen muss, das kostet Überwindung. Doch diese Überwindung ist ein Teil unseres Lebens und wir müssen lernen, damit umzugehen.

Wir leben nur einmal und jeder Tag, den wir mit Angst, Unbehagen und Zögern verbringen, ist für immer verloren. Also habt keine Angst – lebt!

 

Was hast du aus den Herausforderungen des Lebens gelernt?

Ich kann voller Überzeugung sagen, dass ich durch Herausforderungen erfüllt werde. Es ist spannend, sich ihnen zu stellen, aus der Komfortzone auszubrechen und die Hindernisse des Lebens zu überwinden. Das macht für mich ein erfülltes Leben aus.

 

Hast du ein persönliches Motto, das dich durchs Leben begleitet?

Ich habe viele! Dieses hier ist mir aber besonders wichtig: „Gib niemals auf, dann kannst du nicht versagen“. Abschließend möchte ich aber allen noch einen Rat mit auf den Weg geben: Lebt euer Leben mit Leidenschaft, aber verwechselt dabei nicht Erfolg mit Erfüllung. Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.

 

 


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