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Parfümeur

Die Ausbildung zum Parfümeur in einem Unternehmen dauert rund drei Jahre. Als Schule ist das Institut Supérieur du Parfum in Paris weltweit einzigartig.




Ob Tennisstars wie Steffi Graf, André Agassi und Gabriela Sabatini oder Schönheiten wie Naomi Campbell - sie alle haben längst ihr Faible für den eigenen Duft entdeckt. Was die Sinne erregt, dem Träger schmeichelt oder einfach nur entspannt, ist ein Werk von Parfümeuren. Düfte kommen aber nicht nur in Parfüms vor, man findet sie in Form von Ölen in nahezu allen Produkten für Körperpflege und Haushaltsreinigung. Anders als bei den edlen Duftwässern und Parfüms, bei denen die Konzentration der Inhaltsstoffe sehr hoch ist, soll in der Produktparfümierung, wie der Fachmann Toiletten- und Haushaltsartikel nennt, nur der Gebrauch angenehmer gestaltet werden. Hier unterstreichen die Duftstoffe die Wirkung der Produkte.

Für diesen Job eigenen sich vor allem

  • Chemielaboranten
  • Absolventen eines Studiums der Chemie, Lebensmittelchemie oder Biologie
  • Absolventen eines Studiums der Pharmazie
  • Drogisten
  • Kosmetiklaboranten

Diesen Beruf ergreifen oft Menschen, die in irgendeiner Form schon mit ihm in Berührung gekommen sind - durch Familienmitglieder oder bei ihrer Arbeit in einer Parfümerie oder einem Unternehmen der Kosmetik- oder Riechstoffindustrie. Natürlich fühlen sich vor allem Menschen mit einem ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn zu dieser Tätigkeit hingezogen. Fred Naraschkewitz arbeitet als Parfümeur bei der Firma Dragoco, die zu Symrise gehört, einem führenden Unternehmen der Riech- und Geschmacksstoffindustrie mit Sitz in Holzminden.

"Ich bin ein Nasentier"

Nicht einmal bei seinem Gang durch die Straßen kann sich Fred Naraschkewitz den alltäglichen Gerüchen entziehen. "Manchmal habe ich wirklich die Nase voll und brauche eine Riechpause", gibt er zu. Doch das sind Ausnahmen: "Ich bin ein Nasentier, und wie alle Parfümeure ein Sinnes- und Genussmensch. Düfte beeinflussen mein gesamtes Leben. Ich selbst verwende wenig Parfum, aber ich liebe beispielsweise die Geschmackserlebnisse beim Kochen. Mein Geruchssinn kommt auch nach Feierabend nicht zur Ruhe." Mehr als andere Menschen erschließt der Parfümeur die Welt über seine Nase und mehr als andere Berufe ist dieser von einer besonderen Begeisterungsfähigkeit geprägt.

Musische Fähigkeiten gefragt

Parfüms und Duftstoffe werden heutzutage immer seltener aus natürlichen Essenzen gemischt. Das tut der Qualität jedoch keinen Abbruch, denn synthetische Duftstoffe stehen den natürlichen in den wichtigsten Eigenschaften nicht nach. Etwa 200 natürliche und rund 2000 synthetische Riechstoffe stehen dem Parfümeur heute bei seiner Arbeit zur Verfügung. Daraus komponiert er seine Kreationen. Und komponieren ist das richtige Wort: Parfümeure riechen mit allen Sinnen und sind in der Lage, alle Sinneseindrücke in Düfte umzuwandeln. Ausgeprägte musische Fähigkeiten - ohne etwa selbst Komponist oder Dichter sein zu müssen - und Aufgeschlossenheit für Schönheit, Harmonie, Klänge, Bilder, die Natur und vor allem Menschen sind daher wichtige Wesenszüge.

Neben diesem künstlerischen Aspekt ist Parfümeur natürlich auch ein Job wie jeder andere. Soll ein neues Produkt auf den Markt gebracht werden, so wendet sich der Hersteller im Regelfall an ein Unternehmen der Duftstoffindustrie, um das Parfümöl für seine Belange maßgeschneidert zu erhalten.

Etwas, das an den Rändern nach Rosmarin riecht

Naraschkewitz unterscheidet drei verschiedene Auftragsarten. Manchmal haben die Kunden konkrete Vorstellungen und wollen, dass eine ihnen bekannte Duftkomposition mit einer leichten Variation hergestellt wird. Schwieriger wird es, wenn ein Auftraggeber keine Vorstellungen hat, nach dem Motto: Machen sie mal was. Ähnlich kompliziert seien Umschreibungen wie: "Ich möchte etwas, dass so riecht wie ein Kornfeld in Frankreich, an dessen Rändern Rosmarin und Thymian wachsen und der Mistral darüber weht."

In zwei Tagen einen Duft komponieren

Ausgehend von diesen Aussagen machen sich Fred Naraschkewitz und seine Kollegen auf die Jagd nach dem Geheimnis der richtigen Rezeptur. Mehrere Parfümeure entwerfen parallel zueinander einen Duft. Schon diese erste Phase ist sehr wettbewerbsorientiert, da knallharte marktwirtschaftliche Vorgaben in Bezug auf Kosten und Entwicklungszeit existieren. "Wir müssen oft in zwei Tagen einen Duft komponieren, Flexibilität und Spontaneität sind dafür unabdingbar." Naraschkewitz verfasst seine Rezepturen aus dem Gedächtnis und notiert sie dann. Eigentlich ein abstrakter Vorgang, wie die Komposition eines Musikstücks, nur sind es eben Duftnoten, die in Einklang gebracht werden müssen.

Alles beginnt also im Kopf des Parfümeurs. Er operiert dabei mit einem Grundstock von etwa 900 Essenzen. Von denen kennt er nicht nur den Geruch, sondern andere wichtige Eigenschaften wie ihre Reaktion in Kombination mit anderen Essenzen und technische Aspekte wie Haltbarkeit, Hitzeverträglichkeit, Verflüchtigungsgrad und Hautverträglichkeit. Allerdings sind die Zeiten, in denen 300 Einzelkomponenten miteinander vermischt wurden, im Zeitalter der industriellen Fertigung vorbei. Dank vielseitiger synthetischer Stoffe und aus wirtschaftlichen Gründen werden fast nie mehr als zehn bis maximal 80 Essenzen vermengt. Die Kreationen werden dann im Haus selektiert und evaluiert. Dabei wird eine ganz eigene Sprache gesprochen, die ihre Nähe zur Poesie nicht verhehlen kann. Beispielsweise kann etwas grün riechen. Grün in verschiedenen Variationen, fruchtig grün, krautig grün oder grasig grün.

Vom Fass in den Flakon

Die Komposition des Gewinners im innerbetrieblichen Rennen wird dann dem Kunden präsentiert. Meist beauftragen die Kunden mehrere Parfümhersteller mit einem Duftwunsch. Erst wenn sich Dragoco mit seinem Vorschlag durchsetzen kann, wird der Auftrag zu einem lukrativen Geschäft. Dann wird fässerweise das produziert, was sich später in eleganten Flakons oder formschönen Plastikflaschen als Parfüm oder Spülmittel wieder findet.

Ist ein Parfümöl verkauft, taucht der Firmenname Dragoco eigentlich nicht mehr auf. "Wir sind so etwas wie Ghostwriter", charakterisiert Naraschkewitz seinen Status. Dass er und seine Firma außer in Fachkreisen eher unbekannt sind, bekümmert ihn wenig. Er liebt sein interessantes Berufsfeld trotzdem, weil er viel mit Menschen zu tun hat, ständig an neuen Projekten arbeitet, selbst etwas kreieren kann und die Möglichkeit besteht, in anderen Ländern eingesetzt zu werden.

Studium und Ausbildung

Parfümeur ist in Deutschland kein geregeltes Berufsbild, einen einzigen empfehlenswerten Zugang gibt es nicht. Häufig übertragen Eltern ihre Fähigkeiten, die sie in jahrelanger Praxis oft in der eigenen Firma erworben haben, auf ihre Kinder. Eine Schule, in der man den Beruf Parfümeur lernen kann oder einen entsprechenden Studiengang gibt es nicht. Dazu ist der Bedarf wahrscheinlich auch nicht hoch genug: Laut Dragoco gibt es weltweit nur etwa 2000 Parfümeure.

In Paris existiert die weltweit einzige Parfümeur-Schule, das Institut Supérieur du Parfum, und die Aufnahmeprüfung ist sehr anspruchsvoll. Meistens findet die Ausbildung deshalb auch direkt in einem Unternehmen statt. Doch auch dort sind die Auswahlkriterien streng. Wie viele Parfümeure ausgebildet werden, richtet sich nach dem konkreten Bedarf. Die Ausbildung dauert etwa drei Jahre. Oft haben die Bewerber schon eine bestimmte Vorbildung, sind Chemiker, Laborant, Drogist, Pharmazeut oder manchmal sogar Quereinsteiger. Auch wenn intellektuelle Vorbildung und fachliche Ausbildung erwünscht sind, kommt es in diesem Beruf vor allem auf musische Begabung und eine ausgeprägte sinnliche Erlebnisfähigkeit an.

In der Ausbildung lernt der angehende Parfümeur zunächst die natürlichen wie auch die synthetischen Riechstoffe kennen und zu unterscheiden, macht sich vertraut mit ihrer chemischen Beschaffenheit und ihren Geruchsqualitäten. Er lernt die Kompositionstechniken kennen, nicht nur für die so genannte Feinparfümerie, sondern auch für das weite Feld der Gebrauchsparfümerie von Kosmetika, Haar- und Körperpflegemitteln, Haushaltsreinigern und für eine Vielzahl chemisch-technischer Produkte. Selbstverständlich nimmt die Schulung des Geruchssinnes und des Geruchsgedächtnisses einen breiten Raum ein. Außerdem wird in der Ausbildung bereits praktisch die Anwendung des Wissens in konkreten Projekten erprobt.

Arbeitsmarkt

Die Hersteller von Parfüms oder Haushaltschemikalien haben zumeist keine eigenen Parfümeure angestellt, sondern vergeben entsprechend Aufträge an die Dufthersteller. Große Firmen agieren in dieser Branche oftmals weltweit, deshalb besteht die Möglichkeit, auch in ausländischen Dependancen eingesetzt zu werden. In Deutschland liegen die Zentren der Duftindustrie in München, Köln und Hamburg. Schillernde Städtenamen wie New York, Paris, Singapur, Buenos Aires oder Sao Paulo stehen für Knotenpunkte auf dem ganzen Erdball, an denen im Zeichen des Duftes geforscht, komponiert und kreiert wird. Insbesondere Paris wird als Heimat der Düfte schlechthin angesehen.

(red/Kirsten Seegmüller / 2006 / Bild: Originalpunkt, Fotolia.com)


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