Pathologe

Die Pathologie beschäftigt sich mit der Ursache und dem Verlauf von Krankheiten. Die sechsjährige Facharztausbildung zum Pathologen ist hart, aber wer sich durchbeißt, hat gute Chancen.

Pathologen heißen Quincy oder Samantha Ryan, schnippeln an Leichen herum und lösen Kriminalfälle. Soviel zum Klischee. Mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Auch hierzulande obduzieren Pathologen an rechtsmedizinischen Instituten Leichen, bei denen die Todesursache nicht geklärt ist oder ein Fremdverschulden vorliegt. Ihre Aufgabe ist es auch, Menschen nach Katastrophen wie etwa einem Brand oder einem Tsunami sowie Täter per DNA-Analyse zu identifizieren. Doch das ist nur eines von vielen Beschäftigungsfeldern für Pathologen.Übersetzt ist die Pathologie nichts anderes als die Lehre von Krankheiten. Und deren Zielgruppe sind in erster Linie Patienten, die noch am Leben sind.

Untersuchungen am lebenden Objekt

Fachgebiet der Pathologen ist die Morphologie, also die Strukturanalyse von Geweben und Zellen. Sie müssen wissen, wie eine Leber, Dickdarm- oder Magenschleimhaut in hauchdünnen Schnitten aussieht und welche krankheitsbedingten Veränderungen festzustellen sind. Die Ergebnisse dienen als Basis für die Diagnostik. Heute werden die Verfahren durch molekulare und DNA-Analysen ergänzt.

Drei Bereiche fallen unter den Begriff der Morphologie:

  • Biopsie: Entnahme von Gewebeproben zur Diagnostik, beispielsweise ob ein Tumor gut- oder bösartig ist
  • Histopathologie: Organe, die operativ entfernt werden, kommen zur Untersuchung in die Pathologie. Es handelt sich um Gewebe, also Proben mit mehreren Zellen.
  • Zytopathologie: Untersuchung einzelner Zellen, beispielsweise bei Speichelproben

Die Pathologie unterteilt sich in die Allgemeine und Spezielle Pathologie. Diese Unterscheidung bezieht sich jedoch nur auf die Schwerpunkte im Medizinstudium. "Das hat nichts mit dem Berufsbild zu tun", betont Professor Thomas Kirchner. Er ist Vorsitzender des Pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pathologie.

Bei der Allgemeinen Pathologie lernen die Studierenden, was eine Entzündung ist, wie ein Tumor aussieht und welche Gesetzmäßigkeiten man in den Krankheitsbildern erkennen kann. Die Spezielle Pathologie hingegen ist organbezogen - hier geht es etwa darum, was einen Lungenkrebs von Dickdarmkrebs unterscheidet. Das gehört zum Allgemeinwissen eines jeden Mediziners. Die Berufsbezeichnung Pathologe dürfen Hochschulabsolventen erst nach einer mehrjährigen Facharztausbildung führen.

Aufbaustudium nach der Approbation

"Man unterscheidet Pathologie als Fach innerhalb des Medizinstudiums und als Facharztqualifikation", erläutert Kirchner. Wer Pathologie als Ausbildung zum Facharzt absolviert, muss ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin sowie die Approbation zum Arzt vorweisen. "Erst dann startet die Facharztausbildung." Die ist nicht leichter als das Medizinstudium und dauert sechs Jahre.

Zunächst durchlaufen die Kandidaten eine zweijährige Basisausbildung und dann schließen sich weitere vier Jahre Weiterbildung zum Facharzt Pathologie an. "Dazu muss man sich eine Assistenzstelle suchen", sagt Kirchner. Wer bereits eine Facharztausbildung in einem anderen Fach besitzt - etwa Chirurgie oder innere Medizin - kann sich ein Jahr anrechnen lassen. Die Ausbildung läuft vorwiegend an der Hochschule: "Spätestens ab dem fünften Jahr arbeiten 86 Prozent an einem Uni-Institut", so Kirchner. Die restlichen 14 Prozent verteilen sich gleichmäßig auf Krankenhäuser und Arztpraxen.

Arbeitszeiten sind angenehm 

Der Vorteil der Pathologie: Obwohl viele Fachkräfte an einer Klinik arbeiten, müssen sie weder Nachtschicht noch Wochenenddienst schieben. Das gibt vor allem jungen Eltern die Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Einzige Ausnahme: der Bereitschaftsdienst während Operationen, bei denen entnommenes Gewebe untersucht werden muss. "Oder wenn beispielsweise eine Transplantation ansteht, muss sehr schnell reagiert werden", so Kirchner. Die Mitarbeiter müssen vor Ort sein. "Allerdings sind Halbtagsstellen und andere Teilzeitmodelle möglich."

Berufsaussichten sind hervorragend

Im Jahr 2005 gab es laut der Deutschen Gesellschaft für Pathologie 1372 berufstätige Pathologen, davon 26 Prozent Frauen. Von 1994 bis 2004 stieg die Zahl der Pathologen ohne ärztliche Tätigkeit - was hauptsächlich Ruhestand bedeutet - um 139 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zahl der Berufstätigen nur um 14 Prozent. "Wir erleben eine Überalterung in der Branche", bilanziert Kirchner, "bald wird es einen großen Nachwuchsmangel geben." Wer die lange, schwierige Fortbildung durchsteht, hat daher seiner Ansicht nach sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Einstiegsgehälter nach der Facharztausbildung liegen laut TVÖD (Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst) in einem Bereich, der dem früheren BAT IIa entspricht. Die konkreten Gehälter orientieren sich am Alter, Familienstand und Wohnort. An Uni-Instituten werde die Tätigkeit bei C1 oder A13 eingestuft.

Viele zieht's in die Forschung

Obwohl oder gerade weil die Pathologie ein sehr schwieriges Fach ist, habilitieren überdurchschnittlich viele Fachärzte. "Der Anteil derer, die eine zusätzliche wissenschaftliche Ausbildung absolvieren, liegt bei 37 Prozent", freut sich der Verbandschef, "das ist der höchste Prozentsatz in der gesamten Medizin." Zum Vergleich: Bei den Frauenärzten habilitieren nur rund fünf Prozent.

"Die Fragestellungen und Aufgaben werden komplexer", prophezeit Kirchner. "Pathologen werden zu Beratern der Klinik." Außerdem wird die Tumorpathologie - also die Krebsdiagnostik - viel differenzierter. Wurde früher der chemische Hammer eingesetzt, "werden heute Targets - also Oberflächenstrukturen - identifiziert, die für einen bestimmten Tumor typisch sind". Medikamente richten sich genau gegen diese Targets. Das heißt: "Künftig müssen Pathologen nicht nur den Krebs entdecken und definieren, sondern auch abschätzen, ob und wie gut ein Tumor auf die Behandlung anspricht."

(Kirsten Seegmüller, 2008 / Bild: Carlosseller, Fotolia.com)


Weitere Informationen

Portal mit Infos, Verbänden und Adressen
http://www.pathologie.de/

Übersicht über alle deutschen Institute
http://www.pathologie.de/mitgliederliste.htm

Übersicht über allgemeine und spezielle Pathologie sowie Methoden
http://www.pathologie-online.de/index2.php

Zentrum für ständige Weiter- und Fortbildung (ZWF)
http://www.patho.unibas.ch/index.php?page=zwfhaupt

Überblick der Tumorzentren und Onkologische Institute in Deutschland
http://www.krebsinformation.de/Adressen/tumorzentren.html

Umrechnungstabelle TVÖD/BAT
http://paul.schubbi.org/oed/tvoed/ueberfuehrung.html