Probezeit vermasselt - was nun?

Probezeit vermasselt - was nun?

Probezeit vermasselt - was tun?

In der Probezeit den Job zu verlieren, ist entmutigend. Doch es ist nicht empfehlenswert, enttäuscht den Kopf in den Sand zu stecken. Zu einer Karriere gehören auch Niederlagen. Warum Talente gerade jetzt weitermachen sollten.

 

Ein neuer Job ist für viele Arbeitnehmer der Start in einen neuen Lebensabschnitt. Oft geht er einher mit einer besseren Position, einem besseren Gehalt und mehr Verantwortung. Oder es handelt sich um die erste richtige Stelle nach der Ausbildung oder dem Studium. So oder so: Die Erwartungen, an das, was kommt, sind entsprechend hoch. Umso schlimmer, wenn sechs Monate nach den Jobantritt die Ernüchterung folgt. Gekündigt! In der Probezeit! 

 

Meist stecken hinter einer Kündigung fachliche oder persönliche Gründe. Ursachen also, die den Betroffenen direkt in seinem Selbstwertgefühl angreifen. Manchmal hat die Firma auch den Personalbedarf falsch eingeschätzt und stellt später fest, dass der Neue nicht gebraucht wird.
 

Niederlagen sind auch Teil der Karriere


Der Rauswurf nach der Probezeit belastet emotional besonders, wenn der Arbeitnehmer ihn als ungerecht empfindet oder die Gründe nicht nachvollziehen kann. Doch der Frust lässt sich unter Umständen durch ein abschließendes Gespräch mit dem Vorgesetzten ein wenig mildern. Darin lässt sich klären, was gut war und was nicht gut lief. Vielleicht stellt sich auch wirklich heraus, dass man die Gründe für das Arbeitsaus nicht selbst zu verantworten hat, zum Beispiel, weil sich der Arbeitgeber kurzfristig entschießen musste, sein Stellenportfolio aus wirtschaftlichen Gründen umzustrukturieren. 

 

Alle, die sich aus Frust aber dennoch nicht zu einer neuen Bewerbung aufraffen können, lassen sich vielleicht auch von diesem Fakt trösten: Viele große Köpfe scheiterten, bevor sie ihren großen Durchbruch erlebten. Man denke nur an den verstorbenen Apple-CEO Steve Jobs, der das Unternehmen gründete, dann vom Vorstand gefeuert wurde und nach ein paar Jahren zurückkam und den Konzern zu dem machte, was er heute ist. 

 

Nicht die gleichen Fehler wiederholen


Wer wieder bereit ist, Lebenslauf und Anschreiben zu verschicken, sollte Stellenangebote sorgfältig analysieren. Wichtig ist es, Jobs zu suchen, die nicht die gleichen Anforderungen stellen, die zuvor die Kündigung verursacht haben. Das Scheitern wäre dann wieder programmiert. So konstruiert man sein Problem selbst und gerät in eine Art Wiederholungsschleife.

 

Für das Anschreiben gilt: Talente können die Kündigung in der Probezeit einfach weglassen oder höchstens in einem ein Halbsatz erklären. Auf keinen Fall sollten Bewerber diesen Teil ihrer Vita aufbauschen, indem sie lange Erklärungen verfassen. Der Ausnahmefall: Wer eine sehr brüchige Vita hat, oder in der Probezeit schon mehrmals gekündigt wurde, muss sich bereits im Anschreiben selbstkritisch erklären.



Muss man die letzte Kündigung erwähnen?
 

Wer die Kündigung im Anschreiben unter den Tisch fallen lässt, sollte sich aber gut überlegen, ob er sie nicht dennoch im Lebenslauf ehrlich auflistet oder ebenfalls weglässt. War man nur ganz kurz, zwei Monate etwa, bei einem Arbeitgeber beschäftigt, halten es Bewerbungstrainer zwar für legitim, die Station in der Vita zu verschweigen. Dabei ist allerdings zu beachten: Wer sich in einer großen Stadt bewirbt, kommt damit leichter durch, als in einer kleinen Gemeinde, in der jeder jeden kennt.

 

Vorsicht auch mit einer versuchten Verschleierungstaktik. Wer eine Stelle in einer hochspezialisierte Branche sucht oder im Handwerk, läuft gerade im Social-Media-Zeitalter Gefahr, aufzufliegen. Diese Unternehmen sind oft gut vernetzt. Man redet miteinander - auch über Mitarbeiter und Kollegen oder digitale Netzwerke. Die Täuschung könnte ans Licht kommen. Insofern gilt: Ehrlichkeit währt im CV am längsten. 

 

Wer es schließlich  ins Vorstellungsgespräch geschafft hat, muss sich noch gründlicher vorbereiten als andere Bewerber: Talente sollten ihren Lebenslauf so oft einem Freund oder Bekannten erzählen, dass sie locker darüber reden können. Das schafft Sicherheit, die wichtig ist. Denn wer das erfolglose Intermezzo im Lebenslauf erwähnt, muss mit kritischen Fragen rechnen. Umso besser, wenn er auch für diese Antworten parat hat. Wenn persönliche Gründe Ursache für die Kündigung waren, darf das Talent ruhig sagen, es habe nicht gepasst. Bei fachlichen Gründen, sollten Talente herausarbeiten, dass diese der aktuellen Stelle nicht im Wege stehen, weil für die Vakanz andere Skills gesucht werden. 
 

Die neue Probezeit gründlich vorbereiten


So oder so gilt: Niemals schlecht über den Chef, die Kollegen oder die Firma sprechen – auch wenn man verletzt ist. Über andere Gründe lässt sich hingegen offen reden. Etwa wenn die Aufgaben in der Ex-Firma andere waren als angekündigt, oder sich das Jobprofil aufgrund von Umstrukturierungen noch in der Probezeit verändert hat.

 

Ist der Personaler überzeugt, der neue Arbeitsvertrag unter Dach und Fach, noch ein Tipp für die neue Probezeit: Talente sollten dem Arbeitgeber vorschlagen, ihnen einen Mentor bereitzustellen. Das ist ein passender Ansprechpartner, mit dem neue Mitarbeiter über alle Situationen am Arbeitsplatz reden können. Frühzeitig - und nicht erst, wenn der Chef noch in der Probezeit ankündigt: "Wir haben Ihnen etwas zu sagen."