Psychotherapeut

Nach den Ergebnissen des Bundes-Gesundheitssurveys erkrankt etwa jeder dritte Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Das sind über 16 Millionen Menschen im Jahr. Aber nur drei Prozent nehmen aus eigener Initiative eine Behandlung in Anspruch - das ist nicht einmal jeder Dreißigste. Diese Zurückhaltung ist einerseits mit einem Mangel an Information und Aufklärung über psychische Krankheiten zu erklären, anderseits mit einer Scheu vor einer psychischen Störung. "Psychische Krisen kennt jeder, psychisch krank möchte aber keiner sein", teilt die Bundespsychotherapeutenkammer weiter mit.

 

Steigender Bedarf an Psychotherapeuten

 

Hermann Schürmann ist im Vorstand der Kammer, ausgebildeter psychologischer Psychotherapeut und leitet die Abteilung für Aufnahme und Diagnostik der Klinik Wittgenstein in Bad Berleburg, ein Krankenhaus für psychosomatische, psychoanalytische und sozialpsychiatrische Medizin. "Psychische Erkrankungen nehmen zu, weil der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft größer geworden ist und sie kommen häufiger an die Öffentlichkeit, weil sie nicht mehr so wie früher geschehen stigmatisiert werden", beschreibt er aktuelle Entwicklungen. Depressionen nennt er eine typisch psychische Erkrankung, "in denen ist ein Mensch zum Beispiel seinen kreisenden Gedanken hilflos ausgeliefert ist."

Psychotherapeuten sprechen mit dem Patienten über seine Probleme und Symptome, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen sie auftreten und empfehlen alternative Verhaltensweisen, damit die Erkrankung durchbrochen werden kann. Zuhören, sich auf den Patienten einstellen, gemeinsam Lösungen erarbeiten, nennt Schürmann als Grundregeln des Berufsstands. Während seiner Ausbildung zum Psychoanalytiker - einem Vertiefungsgebiet in der Ausbildung zum Psychotherapeuten - hat er mehr Stunden auf der Couch verbracht, als jeder seiner Patienten. "Das ist ein Teil des Ausbildungskonzeptes, um sich selbst besser kennen zu lernen und frei von eigenen Problemen, sich mit denen von anderen beschäftigen zu können", begründet er.

Drei Ausbildungswege zum Psychotherapeuten

Der Weg zur Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" führt über ein Hochschulstudium und eine anschließende Ausbildung. Es gibt drei grundsätzlich unterschiedliche Arten von Psychotherapeuten, was in erster Linie von ihrer Vorbildung abhängt. Das sind ärztliche, psychologische sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten. In der Regel wird während der Ausbildung zusätzlich ein spezielles Therapieverfahren, etwa Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie oder Gesprächstherapie als Vertiefungsrichtung gewählt.

Ärztlicher Psychotherapeut

Bei Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie dauert die Weiterbildung zum Psychotherapeuten fünf Jahre und findet in der Regel in einem dafür zugelassenen Krankenhaus statt.

Psychologischer Psychotherapeut

Die Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten ist im Psychotherapeutengesetz geregelt. Als Eintrittskarte für die Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten gilt der Abschluss eines Psychologie-Studiums. Immerhin 30 Prozent eines Psychologen-Jahrgangs entscheiden sich für die Zusatzausbildung.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Das Psychotherapeutengesetz regelt auch, wer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut werden darf: Bei dieser Ausbildung werden neben Psychologen und Ärzten auch Diplom-Pädagogen und -Sozialpädagogen zugelassen.

Zusatzausbildung von drei bis fünf Jahren Dauer

Nach Abschluss des Studiums folgt eine in Vollzeit dreijährige, in Teilzeit fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zum Psychotherapeuten an einem Institut. Dafür werden in der Regel 12.000 bis 20.000 Euro fällig. Allerdings kann ein angehender Therapeut - zumindest wenn er an einem größeren Institut tätig ist - mehrere tausend Euro der Ausbildungskosten durch bezahlte Pflichtpraktika ausgleichen.

Die psychotherapeutischen Fachverbände der unterschiedlichen Therapieverfahren veröffentlichen auf ihren Homepages eine Liste mit anerkannten Ausbildungsinstituten. Diese Phase endet mit einer staatlichen Prüfung. Anschließend erhalten die Kandidaten die Approbation bei der für ihr Bundesland zuständigen Behörde. "Die Approbation berechtigt zur Ausübung des psychotherapeutischen Heilberufs", so Schürmann.

Wenn die Ausbildung in einem Richtlinienverfahren anerkannt ist - zurzeit gehören dazu Analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie - kann zusätzlich die sozialrechtliche Anerkennung und Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragt werden. Daraufhin darf auf Krankenschein behandelt und über die KV abgerechnet werden. Wichtig ist das vor allem für in eigener Praxis niedergelassene Psychotherapeuten - sofern sie eine Praxis finden. Wie bei den Humanmedizinern können nur bestehende Praxen übernommen werden, in denen der Inhaber etwa aus Altersgründen ausscheidet.

Breite Arbeitsmöglichkeiten

Etwa 12.000 niedergelassene Psychologische Psychotherapeuten arbeiten in Deutschland. Außerdem sind rund 2.500 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in der ambulanten Versorgung von minderjährigen Patienten tätig. Zudem sind etwa 3.500 Vertragsärzte überwiegend psychotherapeutisch tätig. Menschen in schwierigen Lebens- und Konfliktsituationen können aber auch psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. Dazu existieren gut 12.500 entsprechende Beratungsstellen, in denen neben Sozialarbeitern und Sozialpädagogen auch Psychotherapeuten ihre Dienste anbieten

Nach Schätzungen der Bundespsychotherapeutenkammer sind in Erziehungsberatungsstellen 3.600, in Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen 1.800 und in Suchtberatungsstellen etwa weitere 4.150 Psychotherapeuten tätig. Psychotherapie scheint vor allem eine Arbeit für Frauen zu sein: Von den 12.000 niedergelassene sind zwei Drittel Frauen. Bei den niedergelassene Kassenärzte, die psychotherapeutisch tätig sind, ist das Verhältnis 2.300 Frauen zu 1.300 Männern.

Ausgeglichene Stellenlage

"Zurzeit kommen etwa so viele junge Kollegen nach, wie alte ausscheiden", meint Nikolaus Melcop, Präsident der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Wer räumlich flexibel sei und nicht zusätzlich in die Ballungszentren dränge, finde einen Job - sei es als Angestellter oder Freiberufler, ist er überzeugt.

Melcop hat eine eigene Praxis in Landshut und weiß aus eigener Erfahrung: "Wer als freiberuflicher Psychotherapeut sehr viel arbeitet, kommt auf ein durchschnittliches Akademikergehalt." Reich werden könne man allerdings nicht mit dieser Arbeit. Das Gehalt angestellter Psychotherapeuten richtet sich nach dem Tarif-Vertrag öffentlicher Dienst, kurz TVöD. Nach Auskunft von Heiner Vogel, Mitglied im Vorstand der bayerischen Kammer, beginnen angestellte Psychotherapeuten in der Tarifgruppe 13 (2817 Euro monatlich), Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zwei Stufen tiefer (2430 Euro).

Das Gehalt steigt jährlich und endet in Stufe 6, das sind 4280 beziehungsweise 3835 Euro. "Dass niedergelassene Psychotherapeuten deutlich mehr verdienen, ist ein Märchen", so Vogel. Im Schnitt liege der Gewinn der Praxen bei 40.000 Euro jährlich - und das bei einem deutlich höheren Zeitaufwand als ihn festangestellte Kollegen hätten.

 



Weitere Informationen

Bundespsychotherapeutenkammer
www.bptk.de

Bundesärztekammer
www.bundesaerztekammer.de/

Deutsche Psychotherapeutenvereinigung
www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/der-verband/