Quereinsteiger: So überzeugst du als fachfremder Bewerber

Quereinsteiger: So überzeugst du als fachfremder Bewerber

Bist du bereit für deinen Quereinstieg? (Image: Getty)

So mancher stellt sich die Frage schon direkt nach Ausbildung oder Studium, andere erwischt die Identitätskrise nach langen Berufsjahren: Ist das überhaupt (noch) der richtige Job für mich? Die Zeiten von langen, geradlinigen Karrierepfaden mit hohem Firmenjubiläum scheinen längst vorbei. Und nicht nur Unternehmen werden gerne gewechselt, auch der Wechsel der Branche ist für viele Arbeitnehmer zunehmend eine Option. Aber wie kann ich den Sprung in eine völlig neue Berufswelt wagen? Wie gelingt es mir, mit meinem für den neuen Job eigentlich unpassenden Werdegang überhaupt berücksichtigt zu werden?

In unserer Umfrage haben wir herausgefunden, worauf Personalverantwortliche bei der Sichtung von Bewerbungen besonderen Wert legen und wie Quereinsteiger ohne die berufliche Qualifikation punkten können. Mit diesen Erkenntnissen und unseren Tipps dazu klappt der berufliche Wechsel.

 

7 Erkenntnisse und Tipps für deinen Quereinstieg

 

#1: Eine Bewerbung ist immer noch eine persönliche Angelegenheit

 

Für alle Bewerber, die nicht mit einer ausgezeichneten beruflichen Qualifikation herausstechen, ist das eine gute Nachricht: Bei 87 Prozent der befragten Personalverantwortlichen werden die Bewerbungsunterlagen persönlich gesichtet und nicht etwa durch einen Algorithmus oder mithilfe eines externen Dienstleisters vorsortiert. Es gilt also, den Menschen mit der Bewerbung anzusprechen und von sich zu überzeugen.

Unser Tipp: Finger weg von standardisierten und austauschbaren Sätzen! Unternehmenskenntnis ist gefragt und eine genaue Vorstellung davon, warum man sich für die Stelle geeignet sieht.

 

#2: Berufswechsel auch ohne Qualifikation möglich

 

Worauf kommt es an bei der Bewerbung um eine Stelle, für die die berufliche Qualifikation nicht gegeben ist? Kompetenz und Berufserfahrung sind natürlich weiterhin die gefragtesten Faktoren. Allerdings bekommt auch der persönliche Eindruck einen hohen Stellenwert: Für 23 Prozent der Befragten war Sympathie der ausschlaggebende Grund für die Berücksichtigung der Bewerbung, und die wird vor allem im Motivationsschreiben geweckt – ist das auf der persönlichen Ebene überzeugend, sind Personalverantwortliche neugierig auf den Bewerber.

Quereinsteiger sollten sich also genau überlegen, was ihre Persönlichkeit ausmacht und wie das Unternehmen von dieser profitieren könnte. Es gilt, sich mit dem Unternehmen gründlich auseinanderzusetzen. Zeigen Bewerber nicht nur für den geschäftlichen Kontext Interesse, sondern machen sich auch mit der Unternehmenskultur vertraut, kann ein persönlicher Bezug wesentlich deutlicher herausgestellt und in das Motivationsschreiben eingebunden werden.

Unser Tipp: Auf eine persönliche und individuelle Bewerbung Wert legen, die die Motivation genau beschreibt.

 

#3: Vorbereitung ist alles

 

Auch wenn die eigentliche Ausbildung eine andere war, können zumindest Praktika einen guten Einblick in die neue berufliche Richtung geben. Kommen dann noch zusätzliche Weiterbildungen dazu, kann der Sprung in den Quereinstieg nicht nur richtig eingeschätzt, sondern auch gut vorbereitet werden. Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen machen sich im Lebenslauf bestens und zeigen den potentiellen neuen Arbeitgebern, wie wichtig dem Bewerber die Neuorientierung ist. Immerhin schauen 53 Prozent der Personalverantwortlichen schauen im Lebenslauf genau auf Zusatzqualifikationen. Wenn die Möglichkeit besteht, diese noch im alten Job zu absolvieren, etwa in Form von Workshops oder Intensivkursen, verhindert das ein böses Erwachen, wenn die Realität doch anders ausfällt als die Vorstellung des neuen Berufsfeldes.

Unser Tipp: Praktika und Weiterbildungen bringen Punkte im Lebenslauf und vermitteln ein realistisches Bild des neuen Berufs – am besten schon, bevor der Sprung in den Quereinstieg gewagt wird.

 

#4: Kommt gut an: Treue und nicht zu schnelle Jobwechsel

 

Für Personaler ein Grauen: kaum eingestellt, schon wieder weg. Da die Suche nach Mitarbeitern und der Einarbeitungsprozess aufwendig und kostenintensiv sind, haben Personalverantwortliche ein Auge auf die Dauer der vorangegangenen Tätigkeiten. Schnelles und häufiges Wechseln der Arbeitgeber wirft kein allzu gutes Licht auf den Bewerber – für Personalverantwortliche ist Treue wichtig. Immerhin 45 Prozent der Befragten legen Wert auf eine langjährige, vorangegangene Mitarbeit in einem anderen Unternehmen.

Unser Tipp: Jobhopping vermeiden ­– vielleicht kann ja auch innerbetrieblich ein Wechsel der Arbeitsstelle die gewünschte Veränderung bringen?

 

#5: Softskills sind gefragt

 

Neuen Treue ist Verlässlichkeit ein Softskill, auf den die Mehrheit der befragten Personaler nicht verzichten kann: 60 Prozent halten Verlässlichkeit für die wichtigste Charaktereigenschaft von potentiellen Mitarbeitern. Flexibilität, Teamgeist und Eigenverantwortung stehen mit je 51 Prozent ebenfalls sehr hoch im Kurs. Vor allem für Quereinsteiger ist es unerlässlich, hier die eigenen Qualitäten besonders hervorzuheben, um in der Bewerbung hervorzustechen und um im Bewerbungsgespräch damit zu überzeugen. Aber Achtung! Auch hier sollten keine leeren Phrasen stehen. Am anschaulichsten geht das mit konkreten Beispielen aus dem bisherigen Arbeitsleben. Anstatt zu sagen „Ich kann eigenverantwortlich arbeiten“ lieber beschreiben, wie ein Projekt trotz längerer Abwesenheit des Vorgesetzten erfolgreich umgesetzt wurde.

Unser Tipp: Quereinsteiger müssen unbedingt auf ihre Softskills setzen und diese so persönlich und anschaulich wie möglich hervorheben.

 

#6: Konzern oder Kleinbetrieb? Beides bietet Chancen!

 

Es liegt auf der Hand: Große Konzerne und namhafte Unternehmen bekommen auf Stellenausschreibungen meist eine Flut von Bewerbungen. Klar, die Reputation lockt Bewerber. Hier als Quereinsteiger neben topqualifizierten Kandidaten zu punkten, ist nicht leicht. Das zeigt auch unsere Umfrage: In kleinen Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern haben Quereinsteiger die größte Chance auf eine Anstellung. Die Wahrscheinlichkeit ist hier am höchsten, nicht von einem Bewerber mit bester Qualifikation und herausragender Persönlichkeit überholt zu werden.

Allerdings ist es bei einem großen Unternehmen leichter, in den Genuss innerbetrieblicher Fortbildungen zu kommen. Kleine Unternehmen haben hier oft schlicht nicht die Kapazitäten, während Weiterbildungsmaßnahmen in großen Unternehmen gang und gäbe sind. Wenn ein Unternehmen also mit seinen Mitarbeiterschulungen wirbt, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass auch Quereinsteiger gute Chancen haben.

Unser Tipp: Beim Quereinstieg ist die Bewerbung bei einem kleinen Unternehmen eher von Erfolg gekrönt, wohingegen bei großen Unternehmen die Chance auf Weiterbildung höher ist.

 

#7: Gutes Design weckt guten Eindruck

 

Der erste Eindruck zählt – und zwar auch äußerlich. Neben dem Inhalt der Bewerbung hat auch das Aussehen der Bewerbungsunterlagen, das Layout des Schreibens und des Lebenslaufes Einfluss auf die Beurteilung. 27 Prozent der Befragten geben in der Umfrage an, auf gutes Design Wert zu legen. Auch das Bewerbungsfoto fließt bei 17 Prozent mit in die Entscheidung ein.

Unser Tipp: Es lohnt sich, etwas Zeit in das Erstellen der Unterlagen zu investieren, damit eine stimmige Bewerbung entsteht. Ein professionelles Portrait ist dabei auch empfehlenswert!

 

Angriff der Quereinsteiger!

 

Es werden heute häufiger Quereinsteiger eingestellt als noch vor 10 Jahren – Unternehmen müssen sich den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt anpassen. Aus einer Vielzahl von topqualifizierten Bewerbern auch ohne die zugehörige Berufsausbildung oder ohne Studium herauszustechen ist nicht leicht, aber doch möglich. Quereinsteiger sollten auf ihre Persönlichkeit und ihre Softskills setzen und diese mit dem Unternehmen in Einklang bringen. Dann kann der Umstieg gelingen.

Allerdings: Bei 24 Prozent der befragten Personaler bekommen Quereinsteiger ein niedrigeres Gehalt als konventionell ausgebildete Kollegen in gleicher Position. Das Geld sollte also nicht unbedingt der Hauptbeweggrund für einen Jobwechsel sein.

 

*Nicht repräsentative Online-Umfrage unter 401 Mitarbeitern mit Personalverantwortung in Deutschland (154 weiblich, 247 männlich; zwischen 25 und 66 Jahren); durchgeführt von der Appinio GmbH im Zeitraum 4.-11. September 2019