Quereinsteiger: Vom Journalismus zum Projektmanagement

Quereinsteiger: Vom Journalismus zum Projektmanagement

Heiko erzählt von seinem Quereinstieg

Was hat Journalismus mit Energiegewinnung zu tun? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Heiko Janssen weiß genau, was diese beiden Themen verbindet: sein Diplom im Fach Technikjournalismus. Als Querdenker ist ihm damit der Quereinstieg gelungen – in ein Arbeitsfeld, das sonst eher Ingenieurinnen und Technikern vorbehalten ist. So, wie er damals von der technischen Dokumentation in das Projektmanagement gerutscht ist, kann er sich auch heute wieder einen eher unkonventionellen Wechsel vorstellen. Sein neuer Traumberuf heißt Logistik & Terminplanung.

 

Interview mit Heiko Janssen, Projektleiter im Kraftwerksbau bei Siemens Gas and Power

 

Wir würden gerne etwas mehr über deinen aktuellen Beruf erfahren. Was sind deine Aufgaben?
 

Heiko Janssen: Als technischer Projektleiter koordiniere und steuere ich Kraftwerksprojekte in aller Welt. In erster Linie sind das Gas- und Dampfkraftwerke für staatliche oder private Kunden. Meine persönliche Spezialität ist es, auftretende Probleme oder Fehler auch nach der Übernahme durch den Kunden schnell und leise zu beheben. Ich bin dafür zuständig, dass unsere Kunden ihr Kraftwerk so problemlos und reibungsarm wie möglich in Betrieb nehmen können. Das klingt wahrscheinlich recht komplex, aber im Prinzip lässt sich meine Aufgabe so auf den Punkt bringen: Ich muss in den meisten Fällen einfach nur dafür sorgen, dass fähige Leute mit dem richtigen Werkzeug, dem richtigen Material und zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sind. Das ist auch schon alles – und vielleicht doch gar nicht so einfach. (lacht)

 

Machst du deine Arbeit gerne? Und was magst du besonders?

 

Heiko Janssen: Ja, ich mache das gerne! Es kommen immer wieder neue Themen, die gelöst werden wollen, und ich lerne jeden Tag dazu. Aber das eine ist nur die Technik, das andere ist der Kontakt mit den Menschen bei Kunden, Partnern und Lieferanten. Oft müssen alle zusammenarbeiten, um große Brocken aus dem Weg zu räumen. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man es gemeinsam geschafft hat.

 

Du hast im Vorfeld erzählt, dass du eher zufällig zu diesem Beruf gekommen bist. Also war dein Quereinstieg gar nicht geplant?

 

Heiko Janssen: Nein, absolut nicht. Aber als studierter Technikjournalist habe ich gelernt, Zusammenhänge zu verstehen und zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen. Für mich ist es oft wichtiger, das große Ganze zu überblicken, als mich zu lange an Details aufzuhalten. Die lassen sich nachschlagen. Und ich weiß immer, an wen ich mich wenden muss, wenn ich Antworten brauche. So kam es, dass ich heute als technischer Projektleiter und nicht als Reporter oder Redakteur arbeite.

 

Was macht für dich einen Traumjob aus?

 

Heiko Janssen: Auf jeden Fall eine interessante Tätigkeit, die einem auch nach Jahren noch neue Erkenntnisse bringt und nicht in Routine erstickt. Im Traumjob fühle ich mich wohl und kann meine Erfahrungen sinnvoll einbringen. Aber auch die Kultur des Arbeitgebers ist für mich wichtig, denn nur in einem offenen und respektvollen Klima ist es möglich, wirklich große Würfe zu tun. Dazu gehört natürlich eine ehrliche Fehlerkultur, die die Zusammenarbeit stärkt. Gemeinsam findet man immer die besten Lösungen – und nur darum geht es ja meistens. Und schließlich geht es auch um Anerkennung, die ich aus dem Job schöpfe. Das mag zwar etwas eitel klingen, sorgt aber für Elan und ein gutes Gefühl.

Ich messe übrigens meinen Traumjobgrad daran, ob ich morgens mit einem guten Gefühl in den Zug zur Arbeit steigen kann. Meistens funktioniert das auch.

 

Wie wichtig ist es dir, dass du Freiheit bei deinen Entscheidungen, Aufgaben und Ideen hast?

 

Heiko Janssen: Diese Freiheit ist ein großer Motivationsfaktor für mich. Es ermöglicht mir, „out of the box“ zu denken und damit auch mal unkonventionelle Lösungen anzugehen. Das sind meist die Interessantesten. Außerdem drücken Freiheitsgrade auch das Vertrauen eines Unternehmens in sich selbst und seine Mitarbeiter aus. Und schließlich macht es ganz einfach Spaß Entscheidungen zu treffen. Wichtig bei der ganzen Sache ist aber, dass es eine bewusst verliehene Freiheit ist – und kein schlichtes Desinteresse aus der Führungsetage.

 

Welche Rolle spielt es für dich, dass deine Arbeit einen Sinn hat? Und woran bemisst du diesen Sinn?

 

Heiko Janssen: Den Sinn meiner Arbeit bemesse ich daran, ob am Ende jemand etwas davon hat. Das meine ich nicht monetär, sondern ob die Arbeit am Ende einen positiven Effekt auf eine Gesellschaft hat. So klein er auch sein mag. Diesen Sinn sehe ich im Moment darin, Schwellenländer zu elektrifizieren. Ich denke, davon haben am Ende alle etwas – und ich hatte Teil daran.

 

Für viele Menschen ist das soziale Miteinander ein wichtiger Faktor für die perfekte Arbeitsstelle.

 

Heiko Janssen: Ja klar, für mich natürlich auch. In einem guten kollegialen Gefüge ist auch die eigene Arbeit effizienter und macht einfach mehr Spaß. Wir verbringen viel Zeit mit unseren Kollegen und ein gutes Team kann einen auffangen, wenn es mal nicht so gut läuft. Es ist wichtig, sich auf mehreren Ebenen zu kennen, sofern man dafür offen ist.

 

Wie sieht es mit deinen Zukunftsplänen aus – hast du eine Vision für deine berufliche Weiterentwicklung?

 

Heiko Janssen: Eigentlich bin ich nah dran an meinem Traumjob. Aber nach den Jahren hat sich doch eine gewisse Routine eingeschlichen. Das ist auch nicht schlimm, denn Routine kann auch für schnelle und reibungslose Abläufe sorgen. Aber ich mag es persönlich doch sehr, öfter mal über meinen Tellerrand zu schauen. Ich tue das auch gerne. Dabei fand ich Terminplanung schon immer sehr spannend, das Thema hat nachhaltig mein Interesse geweckt. Deshalb will ich in diesen Bereich mittelfristig tiefer eintauchen und mich einbringen. Es klingt zwar wenig spektakulär, ist aber das wichtigste Werkzeug der Projektleitung. Dieses Werkzeug soll scharf und genau sein. Das muss auch nicht bei einem Großanlagenbauer sein.

 

Und was würdest du an deiner alten Aufgabe vermissen, wenn dein Traumjob in Erfüllung gehen würde?

 

Heiko Janssen: Nichts, glaube ich. Wenn mich eine neue Aufgabe so richtig packt, dann bin ich komplett im Hier und Jetzt. Da bleibt gar keine Zeit, alten Tätigkeiten nachzutrauern.

 

Spielt das Thema lebenslanges Lernen für dich, in deinem Beruf und im Hinblick auf deinen Traumjob eine Rolle?

 

Heiko Janssen: Ja, das ist ein großes Thema. Wenn wir nichts mehr dazulernen, wird es träge und langweilig. Natürlich muss man sich aufraffen, das ist bei meinen Kindern in der Schule aber auch nicht anders. Warum sollte es Erwachsenen da besser gehen? Dafür kann man auch die Früchte ernten. Seien es neue Aufgaben oder auch einfach ein noch tieferer Einblick in Felder, die vorher im Nebel lagen.

 

Hast du einen Tipp für Freunde, die noch auf der Suche nach ihrem Traumjob sind?

 

Heiko Janssen: Ja, den habe ich: Lieber handeln statt abwarten! Überlege dir, was du machen möchtest und wie du mit deiner Qualifikation und Erfahrung da reinpasst. Jeder Einzelne hat besondere Interessen und Fähigkeiten, die man einbringen kann. Der Trick ist, den zu finden, der genau nach diesen Qualitäten sucht. Und – das darf ich als erfahrener Quereinsteiger wohl sagen – es zählt nicht nur, was wir für ein Studium oder eine Ausbildung haben. Wer sich traut, über den Tellerrand zu schauen und keine Angst vor neuen Themen hat, dem stehen viel mehr berufliche Möglichkeiten offen, als er denkt. Wichtig ist, dass wir für unsere Sache brennen. Dann klappt’s auch mit dem Traumjob.

 

Heiko, vielen Dank für dieses spannende Interview und die Einblicke in deine Arbeit als Projektleiter!

 

Zur Person: Heiko Janssen (46) ist diplomierter Technikjournalist und vor 15 Jahren über die technische Dokumentation als Quereinsteiger zum Kraftwerksbau von Siemens gekommen. Er ist seit 10 Jahren in unterschiedlichen Positionen als Projektleiter tätig und hat dabei sowohl die Abwicklung als auch die Gewährleistung von großen Kraftwerken mitverantwortlich durchgeführt.