Telefoninterview: Fahrkarte zum Vorstellungsgespräch

Form to

Ein Telefoninterview ist der erste Schritt zum Job. Aber Vorsicht: Wer zu leichtfertig ist, vergibt ein große Chance. Worauf Sie achten sollten.


Ausführliche Telefonate mit Bewerbern gelten in Personalabteilungen als geeignetes Mittel, um Kandidaten für ein persönliches Vorstellungsgespräch auszuwählen. Besonders häufig kommt dies bei Personalabteilungen vor, die einen strukturierten Bewerbungsprozess haben – also eher bei großen Unternehmen und Konzernen.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Bewerber sollten ein solches Telefonat wie ein klassisches Vorstellungsgespräch begreifen. "Alle Fragen, die man Ihnen in einem Gespräch stellt, bei denen Sie dem Vertreter des Unternehmens gegenübersitzen, werden auch am Telefon angesprochen", sagt Alexandra Feder, Geschäftsführerin des Freiburger Karriere- und Personaldienstleisters Alenova. "Das ist kein bloßes Beschnuppern." Feder führt im Auftrag von Unternehmen selbst solche Telefoninterviews durch und hält sie für "sinnvoll und aufschlussreich, um das Bild des Kandidaten, das durch die schriftliche Bewerbung entstanden ist, mit der Realität abzugleichen".

Inhaltlich geht es im Telefoninterview also um den gesamten Fragenkanon klassischer Vorstellungsgespräche: um Stärken und Schwächen, um bisherige Tätigkeiten und Kompetenzen, um den Grund für die Bewerbung und um den möglichen Eintrittstermin – bis hin zur Gehaltsvorstellung.

Kennen Sie Ihr Profil

"Nur fachliche Fragen spielen keine oder eine sehr untergeordnete Rolle", sagt Feder. Dagegen ließen sich zum Beispiel Sprachkenntnisse sehr gut überprüfen, indem der Interviewer spontan in eine Fremdsprache wechsle. Ganz wichtig ist es natürlich auch, sich selbst – sein Profil – kurz und prägnant darstellen zu können.

"Gehen Sie davon aus, dass die Rollenverteilung stärker ausgeprägt ist, als in einem Vorstellungsgespräch, bei dem Sie Ihrem Gesprächspartner gegenübersitzen", sagt Helga Krausser-Raether, selbstständige Karriereberaterin aus Frankfurt am Main. Soll heißen: der Interviewer stellt viele Fragen, der Bewerber gibt viele Antworten. Der Grund hierfür sind standardisierte Verfahren der Unternehmen für die Bewerberauswahl, die am Telefon noch viel stärker greifen.

Wie man spontane Anrufe abwendet

"Das kann so weit gehen, dass der Interviewer Ihre Antworten nicht mitschreibt, sondern gleich auf einer Skala einordnet", sagt Alexandra Feder. Wobei das auch in einem klassischen Vorstellungsgespräch passieren kann. Auf jeden Fall hat man am Telefon weniger Zeit: im Schnitt 30 Minuten. Für gewöhnlich nennt der Anrufer zu Beginn die ungefähre Dauer des Gesprächs.

"Den Termin für das Telefonat wird der Interviewer mit dem Bewerber meistens schriftlich vereinbaren, manchmal kommt es aber auch vor, dass man den Bewerber unangemeldet anruft und gleich das Gespräch führt", sagt Feder. Letzteres sei sicherlich die Ausnahme, und natürlich könne der Angerufene es durch einen freundlichen Hinweis, dass er gerade keine Zeit habe, unterbinden. "Ein souveränes Nein schadet überhaupt nicht."

Nähe und Sympathie schaffen


Einen Anruf zu einem unpassenden Zeitpunkt kann man auch dadurch verhindern, dass man in der Bewerbung nur seine Festnetz- und keine Handynummer angibt. Es ist auch kein Problem, wenn man das Telefonat morgens oder abends führen möchte, da man tagsüber arbeitet.

Durch den fehlenden Blickkontakt am Telefon empfiehlt Feder andere Mittel, um so etwas wie Nähe zu schaffen: "Sprechen Sie Ihr Gegenüber mit Namen an, und lächeln Sie ab und zu." Zwar sehe man das nicht, aber es wirke sich positiv auf die Stimme aus. Und die Stimme ist am Telefon eben der einzige Kanal, über den man den Gesprächspartner auf der emotionalen Ebene erreichen kann. Wichtig ist daher auch, dass das Telefonat nicht durch Hintergrundgeräusche beeinträchtigt wird.

Informationen bereitlegen

"Schaffen Sie sich ein störungsfreies Umfeld", rät Krausser-Raether, "keine Kinder, kein Handyklingeln." Und auch aus dem Auto oder vom Flughafen aus sollte das Gespräch möglichst nicht geführt werden, weil man selbst und der Interviewer dann abgelenkt sind. "Lässt es sich überhaupt nicht vermeiden, dass ein Bewerber von unterwegs mit mir spricht, erwarte ich zumindest eine kurze Erklärung, warum das nun so unvermeidlich ist", sagt Feder.

Des Weiteren sollte man seine Bewerbungsunterlagen, die Stellenanzeige, Informationen über das Unternehmen und etwas zum Schreiben vor sich liegen haben. "Und es hilft auch, wenn man sein Kurzprofil vorher schriftlich formuliert hat", sagt Krausser-Raether. Natürlich geht es dabei um Stichworte, nicht dass man es abliest. Die Telefonsituation richtiggehend zu trainieren, davon rät die Karriereberaterin eher ab, weil es leicht gekünstelt wirkt, "aber Sie sollten sich gut vorbereitet haben".

Die Chance begreifen

Auf jeden Fall ist ein Telefoninterview eine echte Chance. "Wenn Sie dazu eingeladen werden, gehören Sie zum engeren Kandidatenkreis", sagt Helga Krausser-Raether. "Sehr viel mehr als zehn Bewerber wird der Arbeitgeber schon im Hinblick auf den Aufwand, den er selbst dafür treiben muss, nicht anrufen."

(Michael Vogel, 13.04.2009 / Bild: Martin Schmid, Fotolia.com)