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Referenz oder Arbeitszeugnis

Was ist besser?

Referenz oder Arbeitszeugnis

Referenz oder Arbeitszeugnis: Was ist besser?

Um Arbeitszeugnisse wird viel gestritten. Arbeitnehmer vermuten Geheimcodes, Arbeitgeber fühlen sich vom Gesetzgeber gemaßregelt. Als Alternative für beide Seiten bieten sich Referenzen an. Karriereberaterin Doris Brenner über das Für und Wider.

Wir Deutschen lieben Arbeitszeugnisse. Es gibt keine Nation, die so akribisch einen lückenlosen Nachweis der bisherigen Berufstätigkeit eines Bewerbers mittels Arbeitszeugnissen verfolgt wie wir. Das Bedürfnis, Risiken auszuschließen und ein möglichst durchgängiges Bild des Kandidaten zu bekommen ist ja durchaus nachvollziehbar.

 

Aussagegehalt von Arbeitszeugnissen

 

Aber mal ehrlich: Welchen Aussagegehalt und welche Verlässlichkeit haben Arbeitszeugnisse wirklich? Für Fachvorgesetzte wie auch die Mitarbeiter im der Personalabteilung stellt das Erstellen von Arbeitszeugnissen eine leidige Pflicht dar: Arbeit für jemanden, der das Unternehmen sowieso verlässt, also keinen weiteren Nutzen mehr bringt. Entsprechend ungeliebt ist diese Aufgabe.

So sind in der Regel drei Ansätze für die Zeugniserstellung sehr beliebt:

  1. Selbst ist der Mitarbeiter - Gern wird das Angebot des Mitarbeiters angenommen, einen Entwurf zu erstellen. Sofern dieser einigermaßen akzeptabel ist, wird er übernommen.
  2. Juristen kommen ins Spiel - Im Rahmen von außergerichtlichen oder gerichtlichen Verhandlungen zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses wird der Tenor des Zeugnisses gleich mit in die Vereinbarung aufgenommen.
  3.  Die “Hey Joe-Methode” - Ein Kollege wird gefragt, ob er nicht ein Zeugnis eines anderen Mitarbeiters erstellt hat, der eine vergleichbare Aufgabe ausübte und dann wird dieser Entwurf mit “cut und paste” angepasst. Oder eine Datenbank besteht bereits aus der Zeugnistexte mit einfachen Anpassungen erstellt werden können.

 

Der Gesetzgeber trägt seinen Teil bei

Selbst wenn Arbeitgeber gewillt sind, Energie in ein Arbeitszeugnis zu stecken und die individuelle Aussagekraft zu erhöhen, weist sie der Gesetzgeber häufig in die Schranken. So muss das Arbeitszeugnis zwar wahr sein, darf den Arbeitnehmer aber in seinen weiteren beruflichen Bemühungen nicht behindern. Was tun also Unternehmen, wenn der Mitarbeiter faul war, gestohlen hat oder das Arbeitsklima vermiest hat?

Auch hier sind Arbeitgeber in diesem Dilemma erfinderisch geworden, indem Sie den so genannten Zeugniscode entwickelt haben. Also nette Worte für eine schlechte Leistung: Er war stets bemüht... oder bestimmte Aspekte des Arbeitsverhaltens einfach weggelassen werden. Es erfolgt z.B. keine Aussage zur Ehrlichkeit oder zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen. Da aber dieser Zeugniscode nicht immer einheitlich verwendet wird und für den Leser nicht klar ist, mit welcher Intention und welchem Bewertungsmaßstab das Zeugnis geschrieben wurde, bleibt viel Raum für falsche Interpretationen.

 

Zeugnisse als Entscheidungsbasis für die Personalauswahl

Vor diesem Hintergrund eignen sich Arbeitszeugnisse als Auswahlkriterium, welche Bewerber in die engere Auswahl kommen sollen, nur sehr bedingt. Können aus dem Zeugnis häufig noch im beschreibenden Teil der Tätigkeit Ansatzpunkte gefunden werden, ist der bewertende Teil, wie die Aufgabe bewältigt wurde und wie das Leistungs- und Sozialverhalten eines Bewerbers einzuschätzen ist, nur sehr begrenzt aussagefähig. Da Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis haben, sich der Arbeitgeber der Zeugniserstellung auch nicht entziehen kann, ist dieses mit äußerster Vorsicht zu genießen.

 

Referenzen als Alternative

 

Personalberater und zunehmend auch Arbeitgeber beschreiten immer häufiger den Weg über Referenzen, wenn es darum geht aus dem bisherigen Arbeitsfeld eines Kandidaten aussagefähige Informationen zu erhalten. Diese können in schriftlicher Form erbeten werden, als auch telefonisch. Schriftliche Referenzen machen sich in einer Bewerbung besonders gut, denn eine Referenz ist eine freiwillige Sache. Wenn ehemalige Chefs oder Kunden sich die Mühe machen, positive Aussagen über eine Person zu verfassen, dann muss diese schon einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben.

 

Was genau ist eine Referenz?

Dabei handelt es sich um ein Empfehlungsschreiben, das im Gegensatz zu unseren Arbeitszeugnissen keinen formalen rechtlichen Regeln unterliegenunterliegt. Die Tatsache, dass ein solches freiwilliges Schreiben erstellt wird, ist ein erster positiver Hinweis auf die Arbeitszufriedenheit der ausstellenden Person. Dabei handelt es sich bei den Unterzeichnern in der Regel auch immer um die Person, die direkt mit dem Bewerber zusammengearbeitet hat also auch aussagefähig ist. Sie steht mit ihrem Namen für die Aussagen. Tipp: Sollte Ihr Vorgesetzter, zu dem Sie einen guten Draht haben, wechseln, dann bitten Sie ihn vor seinem Weggang um eine Referenz. Verpassen Sie nicht diese Gelegenheit, sich Ihre guten Leistungen bestätigen zu lassen – vielleicht können Sie sie bald brauchen. Referenzen im eigenen Unternehmen zu sammeln, um sich woanders zu bewerben, kann schwierig werden. Sie wollen Ihren Vorgesetzten ja nicht unbedingt darüber in Kenntnis setzen, dass Sie auf der Suche sind.

Übrigens: Nicht nur Vorgesetzte sind gute Fürsprecher. Sie können auch Ihren Professor aus der Uni oder Ihren Ausbilder um eine Referenz bitten. Wichtig ist, dass der Referenzgeber zum Zeitpunkt der Zusammenarbeit in der Hierarchie mindestens eine Stufe über Ihnen stand.

 

Wie ist eine Referenz aufgebaut?

Dafür gibt es keine Vorgaben, im Gegenteil: Eine Referenz ist eine persönliche Sache und kann individuell gestaltet werden. Dennoch ist es sinnvoll, wenn diese Inhalte darin vorkommen:

  • Wer ist der Referenzgeber? Genaue Angaben inkl. direkter Telefonnummer
  • Für wen ist das Referenzschreiben? Name des Bewerbers
  • Welche Funktion hatte der Verfasser in Bezug auf den Bewerber? Ehemaliger Chef, früherer Professor etc.
  • Welche Leistungen kann der Referenzgeber bei dem Bewerber hervorheben?
  • Wie schätzt der Referenzgeber die Persönlichkeit des Bewerbers ein?
  • Datum und Unterschrift des Referenzgebers

Oft werden Referenzen noch mit guten Wünschen für die Zukunft oder anderen wohlwollenden Worten abgerundet.

 

Referenzaussagen per Telefon

Eine weitere Steigerungsform in der Aussagekraft bieten Referenzangaben, bei denen eine Person für Rückfragen zur Zusammenarbeit mit dem Bewerber telefonisch auskunftsbereit ist. Wer sich hierfür zur Verfügung stellt, also bereit ist, Zeit für ein Telefonat aufzubringen, blickt in der Regel auf eine positive Arbeitsbeziehung mit dem Kandidaten zurück. Entsprechende Referenzangebote sind damit bereits an sich ein positives Zeichen.

Die Möglichkeit in direkten Kontakt mit dem Referenzgeber treten zu können, beinhaltet jedoch noch mehrere Vorteile. Zum einen können gezielte Aussagen zu Themenbereichen erfragt werden, die für die zu besetzende Position besonders relevant sind. Im direkten Gespräch lassen sich Aussagen auch wesentlich besser bewerten, sprich einschätzen, da der Auskunftsgeber auch für Rückfragen zur Verfügung steht und ein persönlicher Eindruck von ihm als Person gewonnen werden kann. Das Telefonat bietet darüber hinaus aber auch eine weitere Chance im direkten Gespräch Informationen zu erhalten, die in schriftlicher Form häufig so nicht gegeben werden. Durch eine professionelle Gesprächsführung lassen sich hier auch kritische Aspekte behandeln.

 

Referenzen für Freiberufler

Wer selbständig arbeitet, hat keinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – das bedeutet es besteht keine Arbeitszeugnis Pflicht seitens des Unternehmens. Dafür ist es weit verbreitete Praxis, zufriedene Kunden freundlich um eine Beurteilung der Leistung zu ersuchen. Nach einem erfolgreichen Projekt können Selbständige problemlos an den Kunden herantreten und um eine Referenz zu bitten. Wichtig ist zu fragen, ob man das Kundenlob auf seiner Webseite veröffentlichen darf. Am besten lässt man sich das OK für die Veröffentlichung schriftlich geben. Ist der Kunde bereit, ein Referenzschreiben zu verfassen, dann sollte er dies auf seinem Firmenbriefpapier tun. So wirkt die Referenz seriöser und glaubwürdiger.

 

Fazit

Um neben dem Lebenslauf weitere aussagefähige Informationen über sich als Kandidaten zu geben, sollten nicht nur Arbeitszeugnisse als Grundlage herangezogen werden. Referenzen, wie sie im Ausland verbreitet sind, können hier im Bewerbungsverfahren zusätzliche Erkenntnisse bringen und der entscheidende Faktor sein, dass man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Und Vorsicht: Wenn Kandidaten auch auf Nachfrage keine Referenzen liefern können, kann das von Arbeitgebern als negativ bewertet werden.


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