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Arbeiten in der Schwangerschaft: Was es zu beachten gilt

Arbeiten in der Schwangerschaft: Was es zu beachten gilt

Schwanger? Deine Rechte und Pflichten im Überblick

Das Mutterschutzgesetz räumt schwangeren Arbeitnehmerinnen besondere Schutzrechte ein. Die gelten für befristet und unbefristet Beschäftigte, Arbeitnehmerinnen und Angestellte. Das Gesetz stärkt werdende Mütter in punkto Arbeitsrecht und mildert finanzielle Nachteile vor und nach der Geburt ab – wir haben wichtige Tipps für unsere „Moms to be“!

 

Das sagt das Arbeitsrecht: Rechte und Pflichten für werdende Mütter

 

Es gilt: Keine Mitteilungspflicht
 

Wenn eine Arbeitnehmerin Schutzrechte für sich reklamieren will, muss sie natürlich auch sagen, dass sie schwanger ist. Die Pflicht, es zu sagen, besteht allerdings nicht, denn laut Mutterschutzgesetz 'soll' sie ihre Umstände mitteilen. "Im Interesse der Schwangerschaft und des Kindes ist aber dazu zu raten, nach Ablauf der kritischen Zeit von zwölf Wochen, dem Arbeitgeber die frohe Botschaft zu verkünden", sagt Dr. Sandra Flämig, Fachanwältin für Arbeitsrecht mit eigener Kanzlei in Stuttgart. Allen Beteiligten bleibe anschließend genügend Zeit, sich in der neuen Situation zurechtzufinden.

 

Es gilt: Kündigungsschutz bis vier Monate nach Entbindung


"Während der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung ist jede Kündigung unzulässig, wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft oder Entbindung weiß oder innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung erfährt. Dies gilt auch in kleinen Betrieben, die weniger als sechs Beschäftige haben.", so Isaf Gün, ebenfalls Juristin und Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall in Frankfurt im Funktionsbereich Frauen und Gleichstellungspolitik. 

Befristete Arbeitsverträge dagegen enden wie vertraglich vorgesehen, selbst wenn die Arbeitnehmerin schwanger wird. Wenn nicht gekündigt werden muss, ist auch kein Kündigungsschutz einzuhalten.

 

Es gilt: Kündigung nur in Ausnahmefällen zulässig



In besonderen Fällen, die nichts mit dem Umstand der Frau während der Schwangerschaft oder ihrer Lage bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung zu tun haben, erlaubt das Arbeitsrecht nur ausnahmsweise eine Kündigung, etwa bei Stilllegung des Betriebes oder Diebstahl. 

Allerdings bedarf eine Kündigung in besonderen  Fällen der Zustimmung der für den Arbeitsschutz zuständigen obersten Landesbehörde. Die ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Baden-Württemberg zum Beispiel ist das Regierungspräsidium für die sogenannte Zulässigkeitserklärung zuständig.

 

Es gilt: Nicht alle Arbeiten sind erlaubt
 

Während der gesamten Schwangerschaft müssen keine Arbeiten verrichtet werden, die der Gesundheit der Mutter oder des Kindes schaden könnten. Das sind Tätigkeiten, bei denen Schwangere gesundheitsgefährdenden Stoffen, Dämpfen, Hitze, Kälte, Nässe, Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind. Ebenso gilt ein Beschäftigungsverbot für Arbeiten, die ein häufiges Beugen und Strecken sowie regelmäßiges Heben von Lasten über fünf Kilogramm erfordern. 

Nicht zulässig sind Akkord- und Fließbandarbeit sowie ab dem fünften Schwangerschaftsmonat mehr als vier Stunden bei der Arbeit zu stehen. Während der Arbeit muss der Arbeitgeber ausreichende Erholungspausen gewähren. Verboten ist Nacht- und Sonntagsarbeit nach 20 Uhr.

Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat dürfen werdende Mütter außerdem nicht mehr in Beförderungsmitteln aller Art arbeiten (Bus, Taxi, Bahn, Flugzeug). Weder als Fahrerin noch als Kontrolleurin, Schaffnerin oder Stewardess. Der Arbeitgeber muss den Schwangeren eine andere Tätigkeit anbieten, die sie ausüben dürfen. Kann er dies nicht, muss er sie bei vollem Gehalt freistellen.

 

Es gilt: Das individuelle Beschäftigungsverbot

 

Das Mutterschutz-Gesetz beinhaltet das Recht auf ein individuelles Beschäftigungsverbot, wenn Mutter und Kind am Arbeitsplatz gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Das gilt natürlich insbesondere bei werdenden Müttern mit einer Risikoschwangerschaft, bei Gefahr einer Frühgeburt oder bei einer Muttermundschwäche. Um das individuelle Beschäftigungsverbot durchzusetzen, braucht die Schwangere ein ärztliches Attest. Jeder niedergelassene Arzt darf ein solches Attest ausstellen. Darin muss er genau erläutern, warum die werdende Mutter gar nicht mehr arbeiten sollte oder ob sie nur eine eingeschränkte Stundenzahl arbeiten darf.

Der Arbeitgeber hat das Recht, dieses Attest noch einmal überprüfen zu lassen, wenn er es anzweifelt. Bleibt es bei dem Beschäftigungsverbot, muss der Arbeitgeber das Gehalt in voller Höhe weiterbezahlen. Wenn die Schwangere eine andere Tätigkeit zugewiesen bekommt, weil sie ihre ursprüngliche nicht mehr ausüben kann, darf das Gehalt nicht gekürzt werden.

 

Krankschreibung oder Beschäftigungsverbot?

Wenn eine werdende Mutter wegen Grippe zuhause bleiben muss, dann genügt eine Krankschreibung. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt ganz normal weiter. Ist sie jedoch länger als sechs Wochen nicht einsatzfähig, übernimmt die Krankenkasse und bezahlt Krankengeld. Das ist allerdings niedriger als das Gehalt. Schwangere sollten deshalb lieber versuchen, ein Attest für ein individuelles Beschäftigungsverbot zu bekommen. Dann muss der Arbeitgeber das Gehalt in voller Höhe weiterzahlen.

 

Es gilt: Keine Arztbesuche während der Arbeitszeit

 

Auch Schwangere dürfen ihre Arztbesuche nicht während der Arbeitszeit erledigen. Wer sich nicht daran hält, dem kann es passieren, dass der Arbeitgeber verlangt, dass die versäumte Zeit nachgearbeitet wird. Einzige Ausnahme sind Arztbesuche, zu denen die Schwangere nüchtern erscheinen muss. Dann muss der Arbeitgeber sie freistellen.

 

Es gilt: Mutterschutzfristen beachten


Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes (zwölf Wochen bei Früh- und Mehrlingsgeburten) sind Frauen von der Arbeit freigestellt. Werdende Mütter dürfen sechs Wochen vor der Geburt des Kindes nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass sie sich ausdrücklich dazu bereit erklären. " Diese Erklärung kann jederzeit widerrufen werden", so Gün. Nach der Geburt allerdings besteht ein absolutes Beschäftigungsverbot.

Außerdem gibt es während dieser Mutterschutzfristen Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse und den Arbeitgeberzuschuss. Meist wird so das Einkommen vor Beginn der Schutzfrist erreicht.

 

Es gilt: Anspruch auf Elternzeit
 

Nach der Geburt setzen sich die Schutzansprüche mit der Elternzeit fort. Der Anspruch auf Elternzeit besteht bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes. "Nimmt eines der Elternteile oder beide gemeinsam Elternzeit, verlängert sich deren Kündigungsschutz auf die Dauer der Elternzeit.", weiß die Expertin von der Gewerkschaft. Während der Elternzeit zahlt der Staat Elterngeld für höchstens 14 Monate, davon kann ein Elternteil maximal zwölf Monate beanspruchen, der andere mindestens zwei Monate. Das Elterngeld beträgt 65 Prozent vom Nettolohn.

Während der Elternzeit ist Teilzeit bis zu einer Erwerbstätigkeit von maximal 30 Stunden pro Woche für jeden Elternteil zulässig. Dieser Anspruch kann vom Arbeitgeber nur dann abgelehnt werden, wenn dringende betriebliche Gründe dagegensprechen.

 

Es gilt: Am Ball zu bleiben
 

Fachanwältin Flämig rät zur Teilzeit während der Elternzeit: "Wenn man anschließend wieder arbeiten will, ist es notwendig, am Ball zu bleiben." Das Gefährliche an der Elternzeit ist ihrer Meinung nach, dass, wenn man sich für ein, zwei oder drei Jahre entscheidet, diese Entscheidung verbindlich ist und nur davon abgewichen werden kann, wenn der Arbeitgeber zustimmt. 

Deshalb ihr Tipp: "Beziehen Sie alle möglichen Kriterien in ihre Entscheidung ein: Verlust vom Arbeitsplatz des Partners, Krankheit oder fehlender Kita-Platz."

 

 


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