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Sechs Tipps für die ersten Tage im Job


Sechs Tipps für die ersten Tage im neuen Job

Die ersten Tage und Wochen in der neuen Stelle sind entscheidend. Eigeninitiative und Kommunikationsfreude erleichtern den Start. So gelingt der reibungslose Einstieg.

 

 

 

 

 


Von Christoph Stehr

Eine Woche, nachdem Betriebswirt Mario S. im Einkauf eines mittelständischen Unternehmens angefangen hatte, begannen die Probleme. Der erfahrene Kollege, mit dessen Unterstützung er ein Risikomanagementsystem aufbauen sollte, verabschiedete sich für vier Wochen auf die Kanaren.

Im Vorstellungsgespräch war davon keine Rede gewesen. Das Projekt lief weiter – zumindest auf dem Papier, denn alleine konnte S. wenig ausrichten. Andere Hilfe gab es nicht, sodass der Neue schon bald im Tagesgeschäft der Einkaufsabteilung mitschwamm.

Als sein Projektpartner aus dem Urlaub zurückkehrte, blieb das Risikomanagementsystem immer noch links liegen – "verständlich, wenn man einen Monat im Urlaub ist, fallen natürlich einige Dinge in der Zwischenzeit an", wie S. rückschauend meint. Seine Motivation war im Keller, das Projekt fuhr gegen die Wand, S. wechselte das Unternehmen.

100-Tage-Schonfrist: Das war einmal

Wenn Politiker ein Amt antreten, gestehen ihnen Journalisten die berühmten 100 Tage zu, um das Terrain zu erkunden. Erst danach wird abgerechnet. Im Beruf weht ein rauerer Wind: "Man kann heutzutage nicht mehr von '100 Tagen Schonfrist' sprechen", sagt Carolin Lüdemann von der Stuttgarter CoachAcademy, "diese Frist hat sich verkürzt. 

Arbeitgeber erwarten heute wesentlich schneller gute Ergebnisse und eine vollwertige Arbeitsleistung." Zugleich werden die Aufgaben immer komplexer, was es gerade Berufsanfängern schwer macht, ihre PS auf die Straße zu bringen. 

Mängel bei der Einarbeitung

ökonomischen von TNS Infratest berichtet jeder zweite Arbeitnehmer, dass er bei seinem letzten Stellenwechsel eine längere Einarbeitungszeit gebraucht habe. 61 Prozent der Personalchefs räumen Mängel bei der Betreuung neuer Mitarbeiter ein – so eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Lee Hecht Harrison.

 

 

 

 

 

Darauf zu hoffen, dass das Unternehmen den roten Teppich ausrollt, wäre naiv. Der Mitarbeiter trägt selbst die Verantwortung für seinen Start. "In den ersten Tagen ist es wichtig, sich interessiert, kompetent auf seinem Gebiet und offen zu zeigen", sagt Ute Bölke, Karriereberaterin in Wiesbaden. Das setzt aktuelles Wissen über Branchen- und Techniktrends voraus. "Der Neue sollte sich im Vorfeld bereits ein Statement zur Selbstpositionierung überlegen und in die Unternehmenskultur eindenken", fügt Bölke hinzu.

Netzwerken beim Blind Lunch

Beziehungspflege ist ebenfalls ein Gebot der ersten Stunde. Der Münchener Trainer Johannes Stärk empfiehlt, "die informellen Spielregeln der Organisation schnell kennen zu lernen. Neueinsteiger sollten so früh wie möglich den persönlichen Kontakt zu möglichst vielen Anlaufstellen im Unternehmen suchen. Dadurch erweitert man das eigene Netzwerk und baut Vorurteile ab." 

Kaffee-Ecke, Betriebssportgruppen, Intranet helfen, ins Gespräch zu kommen. Manche Unternehmen pflegen regelrechte Kennenlern-Rituale. Ein Beispiel ist das Hamburger Versandhaus Otto: Im Foyer der Hauptverwaltung steht eine Glasvase, in die die Mitarbeiter Zettel mit ihren Namen werfen, um sich zum "Blind Lunch" in der Kantine zu verabreden – so wird verhindert, dass die Teams im eigenen Saft schmoren.

Unbeliebte Besserwisser

Hans Dampf in allen Gassen eignet sich aber nur bedingt als Leitbild für die ersten 100 Tage. "Hochschulabsolventen sollten sich in dieser Zeit gegenüber Kollegen mit ihrem angehäuften Wissen zurückhalten und nicht den Besserwisser spielen", warnt Karriere-Coach Karl-Heinz List aus Uelzen. Dies gilt vor allem in Unternehmen, die einen geringen Akademikeranteil haben.
 
"Selbstdarsteller sollten sich so weit zurücknehmen, dass sie nicht nur über sich selbst reden, sondern auch die anderen zu Wort kommen lassen. Aber das Wichtigste ist: Neugierde, echtes Interesse zeigen, gründlich, präzise und verlässlich arbeiten."


SechsTipps für die ersten Tage im neuen Job

Zuhören
Erkennen Sie an, dass Vorgesetzte und Kollegen einen gewaltigen Informationsvorsprung haben. Um dieses Wissen anzuzapfen, brauchen Sie nur die Ohren aufzusperren. Stellen Sie Fragen, aber nerven Sie nicht.

Lernen
Mitarbeiterzeitschrift, Intranet, Handbücher, Einführungstage, Weiterbildung helfen Ihnen, auf Augenhöhe mit Kollegen und Kunden zu reden. Machen Sie sich in Sitzungen Notizen und arbeiten Sie diese durch. Lernen heißt auch, Fehler zuzugeben und abzustellen.

Anpacken
Drücken Sie sich nicht vor Routinearbeiten. Übernehmen Sie freiwillig Projekte, ohne dies sofort an die große Glocke zu hängen. Nach der Probezeit können Sie sich stärker dem Selbstmarketing widmen.

Qualität abliefern
Nicht die Menge macht's. Das Ergebnis muss stimmen. Laden Sie sich nur so viel Arbeit auf, wie Sie bewältigen können. Falls Sie in Terminschwierigkeiten geraten, lässt sich immer noch ein Aufschub aushandeln.

Offen sein
Gute Arbeitsbeziehungen setzen voraus, dass Sie als Mensch rüberkommen. Geben Sie - vor sichtig dosiert - auch Persönliches preis. Versuchen Sie nicht den Eindruck zu erwecken, in Ihrem Leben liefe alles immer absolut glatt.

Helfen
Bieten Sie Kollegen an, kleinere Aufgaben zu übernehmen oder sie tageweise zu vertreten. Man wird es Ihnen hoch anrechnen. Die Gefahr, ausgenutzt zu werden, besteht zwar, aber Sie müssen erst mal ausloten, wer in Ihrem Umfeld "vom Stamme nimm" ist.

(Bild: Kzenon, Fotolia.com)


Christoph Stehr ist Wirtschaftsjournalist in Hilden. Der Slawist und Historiker war nach dem Volontariat Redakteur beim Handelsblatt, dann stellvertretender Chefredakteur des Magazins Junge Karriere. Heute arbeitet er unter anderem für den WDR und den Spiegel-Verlag. (Foto: Kerstin Krüger)


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