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Thema: Selbstmarketing - 10 Fragen an Kerstin Hahlbohm

Thema: Selbstmarketing - 10 Fragen an Kerstin Hahlbohm

Kerstin Hahlbohm - kurz KeHa - ist Expertin in Sachen Selbstmarketing

Wer auf Jobsuche ist oder bereits im Berufsleben steht, weiß genau: Selbstmarketing spielt eine große Rolle! Besonders im Bewerbungsprozess geht es darum sich selbst, seine Fähigkeit und auch seine Persönlichkeit in das bestmögliche Licht zu rücken und zu zeigen, dass man genau der oder die Richtige für die Stelle ist. In der Theorie klingt das simple, in der Praxis ist das allerdings eine große Aufgabe. Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist da unerlässlich!

Eine, die genau weiß, wie dieses Spiel funktioniert ist Kerstin Hahlbohm, kurz KeHa. Als sehr erfolgreiche Freelancerin musste sie sich im Laufe ihrer Karriere als Creative Director & Consultant im User-Interface- und User-Experience-Bereich immer wieder behaupten. Dadurch lernte sie alle Skills, die man für ein erfolgreiches Selbstmarketing benötigt. Aber nicht nur auf dieser Seite hat sie wertvolle Erfahrungen gesammelt, auch die andere Seite kennt sie gut! Durch die Betreuung großer Projekte, saß sie häufig auf der anderen Seite am Tisch, hat ihre Teams rekrutiert, unzählige Bewerbungsgespräche geführt und weiß also auch aus dieser Perspektive heraus betrachtet, was es bedeutet sich nicht nur in das rechte, sondern auch das richtige Licht zu rücken. Denn eins steht fest: Authentizität spielt hier eine entscheidende Rolle!  Ein paar Tipps darüber was Selbstmarketing bedeutet, auf was es ankommt und wie man es richtig anwendet, verrät sie im Interview.

 

10 Fragen an Kerstin Hahlbohm 

 

1. Was bedeutet für dich Selbstmarketing?

Für mich bedeutet Selbstmarketing oder auch „Personal Branding“ vor allem eins: sichtbar zu sein. Es geht um das richtige Darstellen deiner eigenen Persönlichkeit und deiner Fähigkeiten. Für mich ist das die spannendste Form des Marketings. Denn im Vergleich zu einem Produkt, bei dem die Benefits temporär angeboten werden, ist das Selbstmarketing ein kontinuierlicher Prozess und damit Teil der persönlichen Entwicklung, die - wenn man es geschickt kommuniziert - sehr zum Erfolg beitragen kann.  

 

2. In welchen Situationen ist es deiner Meinung nach besonders wichtig, sich gut zu vermarkten?

 

Es ist immer wichtig präsent zu sein. Befeuern solltest du deine Sichtbarkeit dann, wenn Themen, die du bedienen kannst, kurz vor einem Hype stehen. Oder wenn du zum Beispiel gerade erfolgreich ein Projekt abgeschlossen, ein Produkt entwickelt hast, gerade eine spannende Weiterbildung gemacht hast oder wenn du ganz einfach für eine Sache brennst und davon mit Leidenschaft erzählen kannst.

 

3. Wie wichtig ist Selbstmarketing in der beruflichen Entwicklung?

Extrem wichtig, weil man seine Positionierung immer wieder prüfen und gegebenenfalls schärfen sollte. Dazu muss man sich selbst reflektieren können und einfach wissen, was man kann und auch was man nicht kann. Denn wenn du nicht selbst von dir und deinem Können überzeugt bist, hast du langfristig keinen Erfolg.

 

4. Kann man deiner Meinung nach lernen, wie man sich am besten „selbst vermarktet“?

 

Natürlich! Man sollte keine Angst haben Dinge auszuprobieren. Wenn du etwas gut kannst, kommuniziere es klar und deutlich. Egal ob in deinem digitalen Profil oder im persönlichen Gespräch. Wenn du dir deinen Fähigkeiten bewusst bist, kann dir nichts passieren. Dein Gegenüber wird deine Leidenschaft spüren, bzw. es an den Ergebnissen sehen. Und wenn etwas mal nicht so gut ankommt, dann ist das auch eine wertvolle Erfahrung. Männer haben in der Regel weniger Probleme zu trommeln. Frauen tun sich da echt noch schwer. Was ich gut verstehen kann, denn als Frau ein sehr aktives Selbstmarketing zu betreiben wird gern als Narzissmus oder Profilneurose abgetan. Aber davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Diese Art von Kritik kommt nämlich meist von Menschen, die es selbst nicht drauf haben oder einfach nur neidisch sind. Übrigens ist der Umgang mit solchen Personen auch ein wichtiger Lernprozess!

 

5. Was ist dein Geheimnis und welche Tipps kannst du geben?

 

In erster Linie kann ich den Tipp geben, dass man sich keine Gedanken darüber machen sollte, was andere über einen denken. Sei dir über deine Geschichte im Klaren, sei stolz darauf und erzähle sie. Habe keine Angst davor zu erzählen, wie du am tiefsten Punkt deiner Karriere angefangen hast und wie du dahin gekommen bist, wo du jetzt bist. Denn einen ganz geraden Weg gibt es nicht!

Diese Erfahrungen mit anderen zu teilen und die Motivation dahinter freizulegen, spielt für das Selbstmarketing eine sehr wichtige Rolle, weil sie direkt auf deine persönliche und authentische Positionierung einzahlt. Auf dein Warum. Und das ist, meiner Erfahrung und Meinung nach, langfristig stärker und überzeugender in einem  Business-Gespräch als zahlreiche Awards gewonnen zu haben oder ein Teil der größten Projekte gewesen zu sein.

Meine Karriere als Freelancer hat zum Beispiel damit angefangen, dass ich als Angestellte meinen Job verlor, obwohl ich sehr erfolgreich für das Unternehmen gearbeitet habe. Das hätte ich damals niemals erwartet und es war fast wie ein Trauma. Was mir in dieser Situation geholfen hat, war der klare Perspektivwechsel! Ich habe diese Enttäuschung, diese Wut und auch die damalige Angst vor der Zukunft in Energie umgewandelt. Statt mich über den Verlust zu ärgern, habe ich begonnen mich auf einen neuen, eigenständigen Weg zu freuen. Auf einen echten Neuanfang. Und mit etwas Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten bin ich dann in die Selbständigkeit gestartet. Durch diesen Perspektivenwechsel verwandeln sich plötzlich Zweifel und Angst in Mut und Energie. Und dieses Prinzip wende ich eigentlich in allen Situationen meines Lebens an. So kannst du negative Erfahrungen in Treiber für deine persönliche Höchstleistung verwandeln. Und dann erreichst du auch deine Ziele viel leichter, als wenn du dir dauernd Sorgen machst und dich somit permanent blockierst. Das Tolle: Bewusst positiv zu denken kannst du trainieren und irgendwann läuft es von alleine, wie Fahrradfahren! Wenn du das verinnerlicht hast, wird es auch dein Umfeld spüren. Und welches Unternehmen arbeitet nicht am liebsten mit Menschen, die auch in Problemsituationen in der Lage sind, positiv zu denken und das Beste noch herauszuholen. Das ist für mich eine der Haupteigenschaften, nach denen ich schaue, wenn ich mit jemanden zusammenarbeiten möchte oder für ein Team einstellen soll.

 

6. In wieweit hängen Selbstmarketing und Netzwerken zusammen?

 

Networking ist nach wie vor das A und O für erfolgreiches Selbstmarketing. Neben aller Online Aktivitäten ist es enorm wichtig sich in der realen Welt zu zeigen und auf potentielle Kunden, Arbeitgeber oder Geschäftspartner zuzugehen. Besuche Veranstaltungen, Kongresse, Seminare und andere Events, die zu dir und deinem Business passen, um deine Sichtbarkeit zu gewährleisten. Eine gute Online-Offline-Mischung ist perfekt.

7. Welche Rolle spielt Selbstbewusstsein?

 

Natürlich die größte Rolle! Wissen, was man kann ist die Säule deines Erfolgs. Und das richtig zu kommunizieren, ebenfalls. Ob du das laut, leise, smart oder witzig machst, hängt von deiner Persönlichkeit ab. Denn es muss zu dir und deinem Charakter passen. Dadurch wirkst du ganz  natürlich selbstbewusst. Und das ist das Quäntchen Authentizität, das dich ausmacht und  weiterbringen wird. Ich rate Menschen, die mich nach einem Tipp fragen, wie man sich am besten beim nächsten Bewerbungsgespräch verhält: „Sei einfach du selbst. Alle anderen gibt es nämlich schon.“  

 

8. Warum glaubst du, tun sich viele Menschen schwer, sich selbst zu „vermarkten“?

 

Aus welchem Grund auch immer fühlen sich die meisten Menschen unwohl dabei, sich in der  Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich glaube, dass die meisten nicht genau wissen, wie sie sich selbst darstellen sollen, so dass es auch zu ihnen passt. Denn es kann nur schief gehen, wenn man sich  falsch verkauft oder völlig anders zeigt als man ist. Dann ist die Enttäuschung schon vorprogrammiert. Zu diesem Thema biete ich in Kürze einen kleinen, effizienten Workshop an, in dem jeder mit einfachen Methoden lernen kann, wie man sich selbst richtig positioniert, verkauft und dabei auch wohl fühlt.

 

9. Wie passen Ehrlichkeit und Selbstmarketing zusammen?

 

Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man wissen, was man kann und vor allem, was man nicht kann! Wenn du etwas verkaufst, was du nicht kannst, wird es deine Karriere wohlmöglich negativ beeinflussen. Daher  ist es wichtig, sich seines Handwerks bewusst zu sein und es auch angemessen zu kommunizieren. Bedeutet: wenn du etwas unbedingt machen möchtest, aber es erst noch lernen musst, dann sag das auch offen und ehrlich in einem Gespräch.

 

10. Hast du ein Motto, das dich begleitet und dich stärkt?

 

Selbstverständlich. Sogar sehr viele! Aber das, was am besten zu mir persönlich passt und auch immer ein Teil meiner Message an andere ist: „Don’t be perfect. Be original.“ 

 


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