Toningenieur

Ob beim Fernsehen, im Radio oder bei Musikaufnahmen: der Toningenieur sorgt stets für die richtige Tonlage.



Wer an der Fachhochschule in Düsseldorf den Studiengang Ton- und Bildtechnik studieren will, hat eine hohe Hürde zu nehmen: Die Aufnahmeprüfung an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik. "Da wird nach den Kriterien einer Musikhochschule ausgewählt", berichtet Toningenieur Patrick Grögler. Die Fachhochschule vermittelt die technischen Inhalte, die Robert-Schumann-Hochschule die künstlerisch-gestalterische Ausbildung.

Der heute 34 Jahre alte Grögler hat den in dieser Form in Deutschland einmaligen Kombinationsstudiengang im Jahr 2000 abgeschlossen und trägt seitdem ganz offiziell den Titel Diplom-Toningenieur. Der Begriff Ingenieur ist in Deutschland geschützt und nur Absolventen eines Ingenieurstudiengangs dürfen sich auch so nennen.

Bekannt bei Film, Funk und Fernsehen

Toningenieure üben ihre Tätigkeit bei Fernsehen, Film, Hörfunk, Tonstudios, Theatern oder bei Open-Air-Konzerten aus. Sie zeichnen Sprache, Musik und Geräusche auf, vertonen Film- und Studioproduktionen im Bereich der Musik als auch bei Hörspielen.

Um Störgeräusche auszuschalten, überprüfen sie die Akustik und wählen entsprechend Mikrofone und anderes technisches Gerät aus. Damit ein einwandfreier Klang erzeugt wird, positionieren sie die Mikrofone optimal. Toningenieure sind verantwortlich für die Tonmischung, beurteilen das klangliche Resultat und beraten die beteiligten Künstler ebenso wie Regisseure.

Von Tatort bis Volksmusik

Patrick Grögler etwa arbeitete nach Abschluss seines Studiums beim Südwestrundfunk in Baden-Baden im Bereich Fernsehen und Film. Grögler sorgte für den guten Ton bei Sendungen wie der volkstümlichen Schlagerparade der Volksmusik, Frank Elstners Menschen der Woche und beim Tatort mit Ulrike Volkerts alias Lena Odenthal. "Bei den Tatort-Sendungen war ich für den O-Ton am Set zuständig", erzählt Grögler. Dabei steht man am Mischpult, an das Mikrofone angeschlossen sind, die der Tonassistent an einer so genannten Tonangel genau dahin hält, wo der beste Ton erzielt werden kann.

Die Arbeitszeiten als Toningenieur sind chaotisch. Rund um die Uhr wird gearbeitet, an sieben Tagen in der Woche. "Damit muss man sich erst einmal anfreunden", gibt Grögler zu bedenken. Der Südwestrundfunk, ein öffentlich rechtlichen Sender, hielt sich jedoch an die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten, wie elf Stunden Pause zwischen zwei Schichten. Vom Einkommen her liegt der Toningenieur im Rahmen eines normalen Ingenieurgehalts, wie Grögler betont. Im Schnitt kann man von etwa 30.000 Euro Jahresgehalt als Freiberufler ausgehen. Die etwa zehn Prozent fest angestellten Toningenieure bekommen deutlich mehr, hier sind auch 45.000 bis 48.000 Euro Jahres-Bruttogehalt drin.

Lieber Köln als Stuttgart

Trotz geregelter Arbeitszeiten zog es den gebürtigen Stuttgarter Grögler wieder in das Rheinland. "Der Menschenschlag hat es mir angetan." Aber nicht nur das: Köln ist ein Zentrum der Medien, speziell der Fernsehbranche. Allerdings: Es gibt hier so gut wie keine Festanstellung für Toningenieure. Andererseits ist es geradezu typisch, dass Toningenieure freiberuflich tätig sind. "Bevor ich nach Baden-Baden ging, hatte ich schon versucht, als Freiberufler zu arbeiten, was allerdings nicht geklappt hat", so der Wahl-Rheinländer. Die notwendigen Referenzen hätten ihm damals gefehlt, um Aufträge zu bekommen.

Jetzt sei das anders. Seine Firma "Film- und TV-Ton" läuft gut. "Mit meinen praktischen Erfahrungen bei bekannten Sendungen komme ich nun leichter an Aufträge", freut er sich. Grögler arbeitet nun für verschiedene Sender, schwerpunktmäßig für den Kölner Platzhirsch RTL. Für den Privatsender ist er tätig bei Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" und "Das Strafgericht". Doch auch für andere Sender ist er tätig, wie zum Beispiel für Sat1 in Sachen "Schillerstraße" und für das ZDF in punkto "Nachgetreten - Die Comedy-Show zur WM 2006".

Arbeit auf den Punkt

Ursprünglich wollte er aber etwas ganz anderes machen mit seinem Abschluss als Toningenieur - wie viele seiner Berufskollegen auch: Grögler wollte Musik aufnehmen. Doch da gibt es kaum Jobs, weil es der Plattenindustrie aufgrund der zunehmenden Menge an Raubkopien schlecht geht. Etwas besser sei es beim Fernsehen und dem Radio, meint er.

Sein Beruf mache ihm dennoch Spaß, erzählt Grögler. Fasziniert ist er vor allem davon, dass seine Arbeit "auf den Punkt" stimmen muss: "Bei einer Live-Sendung hat man einen Tag um zu proben, am nächsten Abend um 20.15 muss alles klappen." Der Reiz besteht für ihn vor allem darin, im Team konzentriert zu arbeiten und dann ein funktionierendes Ergebnis zu sehen - oder eben zu hören. "Wenn die Sendung dann reibungslos läuft, fällt der Stress ab und man fühlt sich richtig gut".

Ausbildung nicht nur in Düsseldorf möglich

Wer Toningenieur werden will, kann sich nicht nur in Düsseldorf ausbilden lassen. Eine Alternative ist der Studiengang "Ton" an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg werden. Das neunsemstrige Studium schließt mit dem akademischen Grad eines Diplom-Tonmeisters für audiovisuelle Medien ab.

Als mögliche Einsatzfelder der Absolventen, die besonders im Bereich Tonstudiotechnik ausgebildet werden, nennt die Hochschule Film- und Fernsehproduktionsstätten, Rundfunkanstalten, Theater, Konzert- und Showeinrichtungen, Sprach- und Musikstudios sowie Entwicklungs-, Forschungs- und Fertigungseinrichtungen der Tonstudiotechnik.

Vielfältige Einsatzgebiete

Die Internationale Filmschule in Köln bietet seit dem Wintersemester 2003/2004 den zweijährigen Masterstudiengang Sound Design / Film an. Voraussetzungen sind ein Vordiplom als Toningenieur, ein Abschluss Bachelor Sound Design oder eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton.

"Teilnehmern mit entsprechenden technischen Grundlagen", so heißt es auf der Homepage des Studienganges, werden "wesentliche Kenntnisse der Dramaturgie, Filmästhetik und Psychoakustik" vermittelt. "In Theorie und Praxis lernen die Teilnehmer, die Tongestaltung für Filme von den Dreharbeiten bis zur Endmischung künstlerisch und ökonomisch zu managen." Im September 2007 startet für sechs Teilnehmer wieder ein zweijähriger Kurs. Kosten: 3.500 Euro pro Jahr.

Ausbildung bei der Privatschule

Einen anderen Weg zum Toningenieur hat Andreas Ederhof hinter sich. Ederhof hat an der privaten School of Audio Engineering (SAE) den Beruf des Toningenieurs gelernt. Das SAE-Institut ist eine Tontechnikschule, an der man nach zweijähriger schulischer Ausbildung den Titel Audio Engineer verliehen bekommt.

Das weltweit tätige SAE-Institut bietet die Ausbildung in sieben Städten Deutschlands an, in Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Der Intensivkurs dauert 21 Monate in Teil-, und 12 Monate in Vollzeit. Studenten bekommen in Theorie und Praxis eine solide Grundlage in allen Bereichen der Tontechnik sowie einen Einblick in das Musikbusiness vermittelt. Kursinhalte sind:

  • Soundtheorie und Akustik
  • Elektrotechnik und Maintenance
  • Digitaltechnik und digitale Workstations
  • Studiotechnik und Equipment
  • Advanced Midi und Sequenzing
  • Rundfunktechnik
  • Sound für Film und TV

Vor knapp zehn Jahren hat Ederhof dort seine Ausbildung abgeschlossen und arbeitet seither als Toningenieur, zunächst als Sendetechniker beim Radio, dann als Studiomanager und als Assistant Recording Engineer in New York.

Ausbildung beim SAE-Institut

"Seit sechs Jahren bin ich mit meiner Firma "Ederhof Audioproduction" als freiberuflicher Toningenieur im Rundfunkbereich für Klassik-Aufnahmen tätig", erzählt Ederhof. Zudem arbeitet der 46-Jährige als Dozent an der SAE in Hamburg. Ederhof nennt sich selbst Toningenieur, obwohl er den Beruf nicht studiert hat.

Aber er darf den Titel Ingenieur trotzdem ganz legal tragen: Denn vor seiner jetzigen Tätigkeit war er acht Jahre als Maschinenbauingenieur tätig, nach abgeschlossenem Studium an der Technischen Universität Hannover. "In dieser Zeit habe ich mir die technischen Grundlagen geschaffen, die man als Toningenieur braucht, neben dem ebenso wichtigen künstlerischen Element."

Aufnahmevoraussetzungen für das SAE-Institut sind ein Mindestalter von 18 Jahren und die mittlere Reife "und ganz viele Praktika, um nach der Ausbildung einen Job zu finden", ergänzt Ederhof. Aber auch Geld: Die Ausbildung kostet rund 7000 Euro.

(Elke Pohl / Peter Ilg / 2007 / Bild: dwp, Fotolia.com)


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