Mobbing: 8 Tipps, um die Opferrolle zu verlassen

Mobbing: 8 Tipps, um die Opferrolle zu verlassen

Tipps für Mobbingopfer

 

Wenn Schikane und gezielte Ausgrenzung am Arbeitsplatz deinen Alltag bestimmen, bist du gefangen in einem Teufelskreis, der scheinbar ausweglos ist. Du fühlst dich betroffen? Damit bist du nicht alleine: Der deutschlandweiten Studie von Viking* zufolge, hat etwa jeder 4.te Arbeitnehmer schon einmal selbst Mobbing erlebt, am gravierendsten trifft dies auf 18-24-jährige mit rund 35% zu.

Wir geben dir Handlungstipps, mit denen du deine Lebensqualität sowie deine Freude am Job wieder zurückgewinnst und zeigen auf, was du tun kannst, wenn du Zeuge von Mobbing am Arbeitsplatz wirst.

 

Woran kann man Mobbing frühzeitig erkennen?

 

Beim Mobbing funkt es erst, dann schwelt das Feuer, dann brennt es lichterloh. Je früher Betroffene reagieren, desto besser ihre Chancen beim Löschen des Brandes im Büro. Doch woran lässt sich das erste Knistern, das Aufziehen von Mobbing erkennen?

Zum Beispiel daran:

  • Es bilden sich Fronten in der Gruppe
  • Der Betroffene ist als Gesprächspartner unerwünscht
  • Gerüchte über den Mitarbeiter machen die Runde
  • Der Betroffene wird bei Fachdiskussionen persönlich angegriffen
  • Informationen laufen an ihm vorbei
  • Unangenehme Aufgaben wandern stets auf den Tisch des Mobbingopfers

 

 

8 Tipps, wie man sich souverän aus der Opferrolle rausboxt

 

Die folgenden acht Tipps helfen dir, je nach Phase des Brandes, souverän mit der Situation umzugehen

 

1. Den Stier bei den Hörnern packen

 

Es nützt nichts, Anspielungen zu überhören, Anfeindungen zu übersehen oder sich einfach wegzuducken. Wer von Mobbing betroffen ist, sollte bereits beim ersten Funken einschreiten und den Angreifer unter vier Augen zur Rede stellen. Wenn er zum Beispiel ein Gerücht verbreitet hat, zum Beispiel so: "Ich habe gehört, du erzählst über mich ... Welchen Zweck verfolgst du damit?" Dieses offensive Vorgehen zeigt: Das Gegenüber ist kein leichtes Opfer und weiß sich zu wehren!

 

2. Versöhnlich bleiben

 

Der Betroffene sollte den Angreifer in seine Schranken weisen, es aber damit auch gut sein lassen und ihn danach wie jeden anderen Kollegen behandeln. Versöhnlichkeit entzieht der Aggression des Angreifers die Nahrung. Dagegen würde feindliches Verhalten eher zu neuen Attacken anstacheln.

Keine Sorge: Dieses Handeln macht Betroffene von Mobbing-Attacken nicht kleiner, sondern größer. Ganz in diesem Sinne stellte der indische Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi fest: "Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken."

 

3. Verbündete suchen

 

Mobbingopfer tun gut daran, sich Verbündete zu suchen. Ratsam ist es, Kollegen des Vertrauens einzubeziehen und ihnen zu schildern, was genau passiert ist. Achtung: Bloß nicht in Jammermonologe voller Selbstmitleid abgleiten. Stattdessen ist es besser, konkrete Wünsche zu formulieren und zuvor hinterfragen: In welchen Situationen können die Kollegen unterstützen? Wenn der Angreifer merkt, dass das vermeintliche Opfer nicht allein steht, gibt er sein Treiben oft auf.

 

4. Den Chef ansprechen

 

Wenn das Feuer sich dennoch auszubreiten droht, sollten Betroffene ihren Vorgesetzten ins Vertrauen ziehen. Auch hier gilt: Nicht so sehr von den Seelenqualen reden, sondern davon, wie das Mobbing die Arbeit behindert. Eine Aussprache zwischen dem Mitarbeiter und dem mobbenden Kollegen, die der Chef moderiert, kann das Feuer eindämmen.

 

5. Privatleben pflegen

 

Wenn das Mobbingfeuer immer mehr um sich greift, müssen gemobbte Arbeitnehmer Kraft in ihrer Freizeit tanken. Dazu suchen sie sich am besten Menschen, mit denen sie über ihre Situation sprechen können. Auch Zeit für Hobbys ist wichtig. Sport hilft, Stress abzubauen und das eigene körperliche und seelische Gleichgewicht zu verteidigen.

 

6. Ein Mobbing-Tagebuch anlegen

 

Wer gemobbt wird, sollte alle Vorfälle in einem Mobbing-Tagebuch festhalten und in einer Spalte notieren, was genau passiert ist. In der nächsten steht, wie das Opfer den Vorfall interpretiert hat. Eine solche Dokumentation kann später vor dem Arbeitsgericht unterstützen und ist zugleich eine gute Grundlage, um über die Erlebnisse zu sprechen – im privaten Rahmen oder mit einem Psychologen. Therapeutische Hilfe kann bei Mobbing eine wertvolle Stütze sein.

 

7. Handlungsfähig bleiben

 

Stress entsteht durch das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein. Von Mobbing Betroffene sollten alles tun, um sich Alternativen zu schaffen. Zum Beispiel, indem sie sich intern oder extern neu bewerben. Oder sie entwickeln Pläne für eine Selbstständigkeit. Über diese Drehleitern können gemobbte Mitarbeiter das brennende Haus zur Not verlassen.

 

8. Beobachten, beobachten, beobachten

 

Betroffene sollten bis zuletzt darauf achten, ob sich die mobbenden Kollegen nicht von sich aus bessern. Auch Mobben wird langweilig! Als Vorbild kann der Schneider des irischen Dramatikers George Bernhard Shaw dienen. Dieser sei "der einzige Mensch, der sich vernünftig verhält (…). Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch."

 

 

Du beobachtest ein Mobbingszenario? Werde aktiv!

 

Laut einer aktuellen Studie von Viking sind rund 37% der Befragten, Zeugen von Mobbing geworden. Viele Beobachter eines fortschreitenden Mobbingprozesses verschließen jedoch die Augen, wenn der Kollege oder die Kollegin offensichtlich von Mobbingattacken betroffen ist. Die Wahrheit ist: dies geschieht nicht aus mangelndem Interesse, sondern vielmehr aus Angst selbst in den Fokus der Mobber zu rücken. Was du jedoch unbedingt berücksichtigen solltest, dass dein Eingreifen der erste aber entscheidende Schritt in Richtung Harmonie bedeutet. Mit gestärktem Rücken kann der Betroffene so neuen Mut schöpfen, dem Mobber erstmals die Stirn zu bieten. Denn je mehr tatenlose Zeit die verstreicht, desto größer wird der Personenkreis, der sich am Mobbing beteiligt und umso schwieriger wird es einzugreifen. Um dem Feuer keinen Raum zu gewähren sich weiter auszubreiten, ist es daher von enormer Bedeutung aktiv zu werden!

Vorstandsvorsitzender des Bündnis gegen Cybermobbing e.V. Uwe Leest zeigt auf, auf welche Arten du eingreifen kannst: 

  • Intrigen nicht unterstützen, sondern Partei für das Opfer ergreifen!
  • Betroffene Personen ansprechen!
  • Opfer über Tratsch und Gerüchte informieren
  • Mitläufer/Innen ansprechen und sensibilisieren!
  • Die Probleme nicht bagatellisieren!
  • Die Mobbingsituation durch Nachfragen (wer, wann, was) analysieren!
  • Keine weiteren Schritte ohne das O.K. des ›Opfers‹ einleiten!

 

 

Was können die Unternehmen tun?

 

Das Thema Mobbing möchten viele Arbeitgeber nicht mit Ihrem Unternehmen in Verbindung bringen, da sie der Meinung sind, dass ein solches Problem unter ihrer Führung nicht existiert. Durch Wegschauen, Verharmlosen oder gar Tolerieren des Problems wird das Feuer jedoch nicht erstickt, sondern nur weiter angeheizt und der Wunsch nach einem angenehmen Arbeitsklima rückt in unerreichbare Ferne. Rund 37% der Mobbingopfer nicht von ihren Vorgesetzten unterstützt*. Der Wunsch, dass Mobbing vom Arbeitgeber ernster genommen wird, wurde von knapp 30% der Befragten geäußert. Um die Dynamik des Teams langfristig zu stärken, gilt es zunächst an den mobbingfördernden Strukturen innerhalb eines Unternehmens wie z.B. dem Aufbau von konkurrenzorientiertem Klima oder starren Hierarchien anzusetzen. Eine große Wirkung hat auch die Etablierung institutioneller Strukturen wie z.B. eine Anlaufstelle mit geschulten Mitarbeitern für Mobbingvorfälle, beispielsweise die Einsetzung von ausgebildeten Konfliktlotsen.

Durchschlagende Ansätze, um Mobbing vorzubeugen:

  • Angebot von themenspezifischen Weiterbildungen für alle Mitarbeiter
  • (Cyber-)Mobbing-Schulung von Führungskräften
  • Angebot von Veranstaltungen zum Thema (Cyber-)Mobbing
  • Wahl einer geeigneten Organisationstruktur
  • Durchdachtes Konzept für die Integration neuer Mitarbeiter
  • Schaffung einer guten Diskussions- und Streitkultur

 

*Bullying Survey“- Studie von Viking, 2019