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Jobs für Wirtschaftsinformatiker

Die doppelte Qualifikation Wirtschaftsinformatiker ist gefragt in Unternehmen. Was Sie über diesen Job wissen sollten.




Von Peter Ilg

United Internet ist der zweitgrößte Internet-Service-Provider in Deutschland und erreicht mit seinen Werbekampagnen die größte Zielgruppe aller Online-Vermarkter. 1&1, gmx und web.de sind die bekanntesten Marken des Unternehmens. Auf diesen Seiten bietet das Unternehmen unterschiedliche digitale Produkte an. "Mein Job als Wirtschaftsinformatiker ist es, zu messen, wie erfolgreich die Produkte sind", sagt Fabian Schladitz.

Daten sammeln und auswerten

Business Intelligence heißt das in der Fachsprache, wenn Unternehmen Daten sammeln, auswerten und darstellen. Das soll dem Management Produkt-Entscheidungen erleichtern. Und weil bei United Internet eine gewaltige Menge an Daten zusammenkommt – das Unternehmen hat 7,7 Millionen Kunden – werden die Informationen durch Softwareprogramme erstellt. Schladitz entwickelt solche Business-Intelligence-Anwendungen. Dafür braucht er sowohl betriebswirtschaftliches als auch informationstechnisches Wissen. Wirtschaftsinformatiker wie er haben beides.

Die Wirtschaftsinformatik ist eine junge Disziplin an deutschen Hochschulen. 1988 schrieben sich die ersten Studenten ein, 91 an der Zahl. Im Wintersemester 2007/2008 waren 28.600 Studenten in Wirtschaftsinformatik immatrikuliert. Knapp 4500 haben 2007 ihr Studium abgeschlossen, davon studierte ein Drittel an einer Universität, zwei Drittel kamen von einer Fachhochschule. Der Frauenanteil lag bei 15 Prozent, informiert das Statistische Bundesamt weiter. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete im Jahr 2005 eine Zunahme der Stellenangebote von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die doppelt Qualifizierten sind gefragt, so deren Resümee.

Wirtschaftsinformatik: breite Ausbildung, viele Chancen

Fabian Schladitz hat sein Studium an der Berufsakademie in Stuttgart vor vier Jahren beendet. Sein Ausbildungsbetrieb war IBM. Danach wollte er etwas anderes sehen – und konnte sich eine Stelle unter mehreren Angeboten aussuchen. "Aufgrund unserer Ausbildung sind wir vielseitig einsetzbar. Entweder direkt an der Nahstelle zwischen Technik und Wirtschaft, für die wir ausgebildet sind, oder in einem Job, der IT-Verständnis und kaufmännische Kenntnisse kombiniert", so Schladitz. Das ist eine Besonderheit des Berufsstandes: seine breite Ausbildung eröffnet ihm viele Chancen. Schladitz hat sich für United Internet entschieden, das war vor vier Jahren. Heute arbeitet er als Software-Engineer. "Meine Rolle ist die eines Vermittlers zwischen den Kunden und der Produktentwicklung." Im Business Intelligence sind die Kunden interne Kollegen, die Produkt-Entwickler ebenfalls.

"Der Vorteil der interdisziplinären Ausbildung ist aber auch zugleich die Herausforderung, in so unterschiedlichen Fachrichtungen gleichermaßen fit zu sein", sagt Dr. Ulrich Frank, Professor am Institut für Informatik und Wirtschaftsinformatik der Universität Duisburg-Essen sowie Sprecher des Fachbereichs Wirtschaftsinformatik in der Gesellschaft für Informatik. Für ihn ist Wirtschaftsinformatik nicht einfach die Summe aus Kerngebieten der Informatik und der Betriebswirtschaftslehre: "Im Laufe der Jahre hat sich die Wirtschaftsinformatik zu einer eigenständigen Fachrichtung entwickelt, die zielgerichtet auf interdisziplinäre Jobs zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik vorbereitet." Die Berufsaussichten bezeichnet Frank "guten Gewissens als hervorragend, weil diese Berufsgruppe ein zentrales Thema der Unternehmen abdeckt: die Unterstützung der Geschäftsprozesse durch IT".

Wo gibt es Jobs?

Arbeitgeber finden sich überall in der Wirtschaft. Das sind Unternehmen aus der IT-Branche selbst, etwa Softwarehäuser oder Unternehmen, die wie United Internet im Word-Wide-Web ihr Business praktizieren. Es können Anwenderunternehmen sein oder Automobilbauer, die Chemische Industrie und Banken, um nur einige exemplarisch zu nennen. Sie passen aber auch geradezu ideal in die Beratung, weil sie Brücken schlagen können zwischen Technik und Wirtschaft, Unternehmen und Kunden, Mensch und Technik.

Das Berliner Trendence Institut hat von März bis Juni 2008 examensnahe Studenten der Wirtschaftsinformatik zu ihrer berufliche Zukunft befragt. Danach lag das erwartete durchschnittliche Jahresgehalt bei 43.900 und damit rund 900 Euro über dem aus dem Vorjahr sowie 600 Euro über dem von reinen Informatikern. „Den Unternehmen wird immer mehr bewusst, dass Absolventen interdisziplinärer Studiengänge besonders wertvolle Mitarbeiter sind. Sie verstehen Abläufe oftmals besser und identifizieren rascher Problembereiche, sind teamfähiger und kommunikationsstärker, als reine Informatiker“, meint Manja Ledderhos, Beraterin von Trendence.

Karriere in der Wirtschaft

Dr. Dirk Feuerhelm stimmt in den Lobgesang mit ein. "Wir setzten auf diese Leute, weil unser Business digital abläuft und wir die Geschäftsprozesse vollständig in IT abbilden", so der diplomierte Informatiker, der als Leiter der Software-Entwicklung bei United Internet Vorgesetzter von Schladitz ist. Auch er beklagt nicht, dass Wirtschaftsinformatiker weder speziell für die eine Seite noch für die andere Seite ausgebildet sind. "Fachlicher Tiefgang ist bei Wirtschaftsinformatikern nicht gewollt." Die Erfahrung mit den etwa 180 Wirtschaftsinformatikern, die das Unternehmen beschäftigt, zeige allerdings, dass die persönliche Neigung jedes einzelnen den Ausschlag dafür gebe, auf welche Seite er sich schlägt. Bei Schladitz ist es die Technik.

"Ich hatte bereits im Studium die Informatik als Schwerpunkt gewählt, weil meine Affinität in der Technik liegt", sagt er. Nun hat er vor, sein Profil mit der Spezialisierung auf Business Intelligence zu schärfen.

(Bild: Kristian Sekulic)


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