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Young Leaders: Führung einmal anders

Young Leaders: Führung einmal anders

Wer als Arbeitgeber attraktiv sein will, muss die Lebenskonzepte der Menschen mit zeitgemäßen Arbeitsstrukturen verknüpfen. Hierzu braucht es auch ganz neue Führungsmodelle. Young Leaders, also die Führungskräfte aus der Generation der Millennials, machen uns vor, wie Führung geht.

Ein Gastbeitrag von Anne M. Schüller

Warum sich Führung verändert

Die Zeiten, in denen Mitarbeiter zu Humanressourcen abqualifiziert wurden und letztlich Spielfiguren des Managements waren, sind endgültig vorbei. „Oben wird gedacht, unten wird gemacht“ ist ein trauriges Relikt aus Managementtagen des letzten Jahrhunderts. Die Millennials aus der „Generation Y“ folgen – ein interessanter Zusammenhang – der Theorie Y von Douglas McGregor, seinerzeit Managementprofessor am MIT (Massachusetts Institute of Technology).

Sein Y steht für die Hypothese vom grundsätzlich engagierten, selbstständig agierenden Mitarbeiter, der durch befruchtendes, einfühlsames Führen noch engagierter wird. Die jungen Talente fordern eine solchermaßen humanisierte Führungskultur bedingungslos ein. Wissensarbeiter brauchen hierfür einen kollaborativen Managementstil. Der Chef als Ansager und Aufpasser? Ein Auslaufmodell! Bei einem wirklich guten Manager stimmen die Zahlen, ohne dass dabei seine Leute auf der Strecke bleiben.

Die Führung der Zukunft: vom Elitedenken entkoppelt

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung verliert Führung in Zeiten der Digitalisierung nicht an Bedeutung. Ganz im Gegenteil: Tatsächlich wird mehrFührung benötigt. Diese wird sich aber erstens anders darstellen und zweitens herausfordernder sein als Führung in der Vergangenheit. In einer Welt mit ständigem Zugang zu allen erdenklichen Informationen kann jeder auf seinem Gebiet führend sein.

Institutionalisierte Autorität wird von talentierten Millennials sofort hinterfragt. Insignien der Macht sind für sie im Allgemeinen von wenig Belang. Wertvoll ist nicht der, der einen dicken Dienstwagen fährt, sondern der, der die Community durch seine Impulse bereichert. Der Beitrag zählt, nicht das Lametta am Anzug oder das Schild an der Tür. Für Millennials hat derjenige Einfluss, dem die Menschen freiwillig folgen.

Leadership sollte deshalb endlich vom Elitedenken entkoppelt werden. Stattdessen kann man Führung als Weg des ständigen Lernens zur Persönlichkeitsreifung verstehen. Dabei geht es primär um individuelle Verantwortung statt um Hierarchien. Das wohl wichtigste Kriterium für Führung in der Zukunft wird  allerdings sein, die passenden Rahmenbedingungen für ein sich ständig wandelndes Umfeld zu schaffen.

Beispiel 1: Was Führung auf Augenhöhe wirklich bedeutet

Wie Führung aus Sicht der Millennials aussehen kann, zeigt dieses Beispiel: Johannes steht gegen 14 Uhr von seinem Schreibtisch auf, geht zügig zur Kaffeemaschine und trägt eine Tasse frisch gebrühten Kaffee herüber zu Sven. Während er den Kaffee neben Svens Tastatur platziert, fragt Johannes, ob er noch etwas braucht.

Sven schaut flüchtig von seinem Bildschirm auf und erwidert verlegen, dass er heute Abend ein Date habe, aber sein Hemd vorher noch zur Reinigung müsse. Noch bevor Sven zu einer weiteren Erklärung ansetzen kann, hat sich Johannes, der Chef, schon den Kleiderbeutel geschnappt und ist auf dem Weg zur Tür.

Sven schreibt die Software für Johannes Firma. Sven und Johannes arbeiten auf Augenhöhe, aber wenn jemand den anderen hofiert, dann ist es Johannes. Er hat verstanden, dass jede Rolle im Unternehmen primär eine Funktion ist, auch die des CEO. Er weiß, dass es sich besser arbeiten lässt, wenn der Arbeitsplatz frei von Problemen ist und Leistung anerkannt wird. „Ich würde ihm auch mein Auto geben, wenn er danach fragt“, sagt Johannes, „denn Sven macht uns hier alle erfolgreich.”

Beispiel 2: Was passieren kann, wenn Ideen abgewiegelt werden

Jakob arbeitete als junger Mitarbeiter bei einem großen Modelabel. Eines Tages schlägt er seinem Chef vor, einen neuen Verkaufskanal aufzubauen, in dem eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen wird. Der Chef schenkt ihm wenig Aufmerksamkeit. Jakob solle einfach die ihm zugewiesene Arbeit erledigen, heißt es.

Keine drei Monate nach dem Gespräch hat Jakob sein eigenes Unternehmen gegründet, das genau diese Idee verfolgt. Weitere neun Monate später ist Jakobs Unternehmen profitabel und erwirtschaftet Umsätze, die der Ex-Chef zu seinen hätte zählen können. Aber nicht nur das. Jakobs Freunde aus dem alten Unternehmen arbeiten inzwischen bei ihm. Zudem wirbt er dem alten Arbeitgeber wichtige Kunden ab, da der von ihm eingeschlagene Weg viel innovativer und kundenfreundlicher ist.

Ja, die Digital Natives haben einen Riecher für Chancen am Markt. Jemand wie Jakob hat sich im Vorfeld Gedanken gemacht, hat sich mit seinem Netzwerk beraten und ist überzeugt vom Erfolg der Idee. Man sollte ihm Zeitressourcen und ein Budget zur Verfügung zu stellen, um dem vorgeschlagenen Projekt eine Chance zu geben. Man könnte ihm zum Beispiel gestatten, dass er sechs Wochen lang freitags nach 14 Uhr an seinem Projekt arbeiten darf. Am Ende dieser Periode muss er einen Bericht abliefern und unternehmerisch sinnvolle Vorschläge für das weitere Vorgehen machen.

Der Ursprung des Mindsets der Millennials von Arbeit und Freizeit

Ambitionierte Digital Natives wissen, wie schnell man ein Produkt erschaffen und vermarkten kann. Wenn sie eine potente Idee im Kopf haben, scheuen sie sich nicht, auf eigene Faust durchzustarten. Ein Unternehmen ist heutzutage schnell gegründet. Die Markteintrittsbarrieren sind in vielen Branchen sehr niedrig. Das nötige Startkapital kann relativ zügig aufgetrieben werden. Die junge Generation ist extrem gut vernetzt und findet rasch Unterstützer.

Spätestens seit Erscheinen des Bestsellers „Die 4-Stunden Woche“ von Tim Ferriss steht die Sicht vieler Digital Natives auf Erwerbsarbeit Kopf. Der Autor verdeutlicht, dass es durch den digitalen Fortschritt möglich ist, eine Firma vom Computer aus zu starten und sich somit einen neuen Lebensstil aufzubauen. Man muss nicht mehr bis ins hohe Alter warten, um Zeit für seine Träume zu haben. Man arbeitet hochfokussiert an seinem “Freedom Business” und erwirtschaftet sich so ein mobiles und flexibles Leben, ganz ohne nervige Chefs, Machtgeplänkel, Pflichtanwesenheit und Urlaubsanträge.

Das Buch bedient die Nische zwischen Startup-Lektüre und persönlicher Entwicklung. Hunderttausende von Digital Natives sehen es als ihre Bibel an. In ihren Köpfen hat sich die Denkweise manifestiert: Arbeit und Freizeit sind miteinander vereinbar. Bei der Elterngeneration haben sie beobachten können, wie es ist, wenn man sich jahrelang für die Firma aufgeopfert und seinen Lebenssinn im schlimmsten Fall bis zum Burnout vernachlässigt hat. Die Angst vor solch einem Schicksal gepaart mit den Chancen, die das Internet bietet, führen zu einer Re-Evaluierung von Arbeit und Lifestyle.

 

DAS BUCH ZUM THEMA_______________________

Anne M. Schüller, Alex T. Steffen
Zukunftsfähig mit den Digital Natives
Wiley Verlag 2017, 272 Seiten, 19,99 €
ISBN: 978-3527509119

Über die Autoren

Alex T. Steffen
(Jahrgang 1990) ist Unternehmensberater mit Fokus Innovation und Digitale Transformation. Zuvor war er Angestellter in analogen Unternehmen und digitalen Startups. Daher kennt er in Bezug auf die Arbeitswelt beide Seiten. Er hat einen Bachelor of Science in International Business. Durch seine Keynotes und Workshops hilft er Unternehmen dabei, in Zeiten des Wandels agiler und robuster zu werden. Kontakt: www.alextsteffen.com

Anne M. Schüller
ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmenstransformation. Sie zählt zu den gefragtesten Rednern im deutschsprachigen Raum. Von LinkedIn wurde sie zur TOP Voce 2017 und 2018 gekürt. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Kontakt: www.anneschueller.de