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Heiß begehrt: Elektrotechnik-Ingenieure

Heiß begehrt: Elektrotechnik-Ingenieure


Elektrotechnik-Ingenieure gehören zu den Mangelberufen – der Bedarf des Arbeitsmarktes lässt sich nicht decken. Mit der Energiewende dürfte die Zahl der zu besetzenden Stellen sogar noch weiter steigen.

 

 

Wenn es überhaupt noch Steigerungen zwischen den verschiedenen, am Arbeitsmarkt gefragten Ingenieurberufen gibt, dann stehen die Elektrotechnik-Ingenieure ganz oben.

Arbeitslosenquote im Rekordtief


Ihre Arbeitslosenquote bewegt seit Jahren fast durchgängig auf einem Niveau, das einer Vollbeschäftigung gleichkommt, also unter zwei Prozent liegt. Selbst Ende 2009, zur schlimmsten Krisenzeit, lag die Arbeitslosenquote bei nur 2,7 Prozent. Im vergangenen Jahr gab es laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei den Elektrotechnik-Ingenieuren die geringste Arbeitslosenquote unter allen Ingenieursgruppen.

Kein Nachwuchs an Elektrotechnik-Ingenieuren zu erwarten

Mehr noch: Die Elektrotechnik-Ingenieure, so die BA in ihrem im Mai veröffentlichten Bericht zum Jahr 2010, zählten zu den wenigen Akademikern, bei denen die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten schon lange rückläufig sei: Zwischen 2000 und 2010 verzeichnete die Statistik einen Rückgang um mehr als ein Zehntel. Gleichzeitig, so die BA weiter, liege die Zahl der Studierenden der Elektrotechnik mit 68.000 im Jahr 2009 so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. In diesem Jahr – so die Schätzung des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.) – stehen knapp 9000 Absolventen der Elektro- und Informationstechnik einem Bedarf von 14.000 bis 16.000 Elektrotechnik-Ingenieuren gegenüber.

Alter und Herkunft spielen keine Rolle

Wer also die Arbeitsmarktperspektiven für Elektrotechnik-Ingenieure als gut bezeichnet, muss sich schon eher Untertreibung vorwerfen lassen. "Personalvermittler sind bei den Kandidaten immer flexibler, zum Beispiel in Bezug auf Alter, Herkunft und stellenweise auch Geld angeht. Neben dem EU-Arbeitsmarkt ziehen sie auch Länder wie Indien oder Australien in Betracht", sagt Michael Schanz, Leiter der Geschäftsstelle des VDE-Ausschusses Beruf, Gesellschaft und Technik. "Übermäßige Bezahlung kann jedoch keine Dauerlösung sein, da dies zu Verwerfungen im Gehaltgefüge führt – wenn etwa ein abgeworbener Experte mehr verdient als sein neuer Gruppenleiter."

Gute Gehaltsaussichten für Ingenieure

Laut Ingenieurkarriere.de, dem Karriereportal der VDI Nachrichten, steigen Elektrotechnik-Ingenieure als Sachbearbeiter mit rund 48.000 Euro Jahresgehalt ins Berufsleben ein. Als Projektmanager kommen sie auf etwa 64.000 Euro, als Teamleiter auf 72.000 Euro. Die Lohnspiegel-Datenbank des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung verortet den Median des Monatseinkommens eines Elektrotechnik-Ingenieurs bei 4600 Euro, die Hälfte der Ingenieure verdient also mehr als diesen Betrag. Berufsanfänger steigen laut WSI mit 3600 Euro ein und liegen damit rund sieben Prozent über dem Schnitt aller Ingenieurberufe. Mit zwei bis fünf Jahren Berufserfahrung kommen sie dann auf rund 4600 Euro.

Bewerbermangel in der Leistungselektronik 

Aktuellen Bedarf an Elektrotechnik-Ingenieuren haben die Unternehmen vor allem in den Feldern Embedded Systems und Leistungselektronik. Embedded Systems – Rechner, die ein System steuern, regeln oder überwachen – stecken in zunehmender Zahl in Fahrzeugen, medizintechnischen Geräten und Flugzeugen, aber auch in Anlagen und Maschinen.

Automobilindustrie sucht verstärkt

Mancher bezeichnet Autos wegen ihrer großen Zahl an Mikroprozessoren scherzhaft als rollende Laptops, und so verwundert es nicht, dass auch die Automobilindustrie – vor allem auf Seiten der Zulieferer und Ingenieurdienstleister – einen besonders hohen Bedarf an Elektrotechnik-Ingenieuren hat. Durch die Energiewende und die Elektromobilität gibt es auch bei der Leistungselektronik und Sensorik einen hohen Bedarf an Spezialisten.

"Hier geht es nicht um Bits und Bytes, sondern tatsächlich um Elektronik für analoge Signale oder um Themen wie das Signal-zu-Rausch-Verhältnis und Störfestigkeit", erläutert Schanz. "Da in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren viele Elektrotechnik-Ingenieure sich auf die boomende Digitaltechnik spezialisiert haben, ist die analoge Elektronik etwas zu kurz gekommen." Entsprechend gut sind die Chancen von Bewerbern, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben.

Bedarf an Elektrotechnik-Ingenieuren ist steigend

Angesichts dieser technologischen Megatrends, die alle Industrie- und Schwellenländer erreicht haben, gehen viele Unternehmen davon aus, dass ihr Bedarf an Elektrotechnik-Ingenieuren weiter wachsen wird. So auch die deutsche Elektroindustrie: Der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) erklärte Anfang Juni 2011, dass die Branche auch im kommenden Jahr weiter steigende Umsätze erwartet, einige Unternehmen sogar um mehr als zehn Prozent.

Es gibt schlicht zu wenige

Der Anteil der Elektrotechnik-Ingenieure liegt in dieser Branche naturgemäß seit Jahren bei über 60 Prozent aller dort beschäftigten Ingenieure. Und laut der im Dezember 2010 veröffentlichten Ingenieurumfrage des ZVEI wollen viele Unternehmen bis 2012 noch mehr Elektrotechnik-Ingenieure einstellen als im vergangenen Jahr bereits geschehen. "Es gibt schlicht zu wenige", so das Fazit von Sonja Dulitz, Referentin in der Abteilung Forschung, Bildung, Fertigungstechnik des ZVEI. "Und die Situation wird sich zwischen 2015 und 2020 weiter verschärfen, wenn von den beschäftigten Elektrotechnik-Ingenieuren viele altersbedingt in den Ruhestand gehen."

Initiativbewerber haben hohe Erfolgschancen

Michael Schanz vom VDE stellt jedoch klar, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt heute trotzdem noch nicht so ist, dass die Unternehmen jeden nehmen: "Der Bewerber muss in punkto Qualifikation und persönlichem Auftreten passen." Allerdings gebe es in vielen Unternehmen eben offene Stellen, so dass man mit Initiativbewerbungen große Chancen habe.

Bessere Marktbedingungen für ältere Arbeitnehmer


Und auch für ältere Arbeitnehmer haben sich die Perspektiven verbessert. "Konnten Personalabteilungen es sich vor einem Jahrzehnt noch leisten, einen Elektrotechnik-Ingenieur jenseits der 50 grundsätzlich nicht zum Vorstellungsgespräch einzuladen, zählt heute Qualifikation und Persönlichkeit", sagt Schanz. Das spiegle sich auch in der Arbeitslosenstatistik wider, die bei Elektrotechnik-Ingenieuren inzwischen recht gleichmäßig über die Altersgruppen verteilt sei.

Große Unternehmen bevorzugen jüngere Kandidaten

Aber: "Wenn ein großes Unternehmen die Wahl hat zwei 27-jährige Ingenieure für fast die gleichen Personalkosten einzustellen wie einen einzigen 60-Jährigen, fällt die Entscheidung zugunsten der jungen", sagt Schanz, "Die Lernkurve, die die jungen Ingenieure zwangsläufig durchschreiten müssen, kostet zwar Geld, aber in einem großen Unternehmen lässt sich das eher kompensieren." Entscheider in kleinen Unternehmen mögen da ganz anders denken, weil sie Fehler oder Schwächen der Mitarbeiter aufgrund der dünneren Besetzung nicht so einfach kompensieren können.

(Michael Vogel, September 2011 / Bild: Artmann Witte)