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Zeitarbeit gegen Fachkräftemangel einsetzen

Zeitarbeit gegen Fachkräftemangel einsetzen


Geschenke im AuslandDie Zeitarbeitsbranche denkt um: Wer angesichts des leergefegten Fachkräftemarkts erfolgreich im Geschäft bleiben will, muss Zeitarbeiter weiterbilden. Am besten in Kooperation mit Kunden.

 

 

Atomausstieg fordert Fachkräfte für Erneuerbare Energien

Im Markt der Erneuerbaren Energien herrscht akuter Personalnotstand. Nach dem Atomausstieg suchen vor allem Windkraftfirmen händeringend Fachkräfte. "Weil acht Atomkraftwerke abgeschaltet wurden", erläutert Manfred Wallenschus, Geschäftsführer der Bremer Edwin Academy, "müssen konservativ gerechnet 2500 bis 3000 Windanlagen an Land und auf offenem Meer gebaut werden, um den Energiebedarf zu decken." Allein in Niedersachsen und Bremen sind rund 400 Firmen am Bau von Rotoren und Windparkanlagen beteiligt.

Neue Markt, neue Anforderungsprofile

Auf diesen Boom sind die allermeisten Betriebe aber nicht vorbereitet. "Ständig entwickeln wir neue Anforderungsprofile", sagt Matthias Brandt, Vorstand der Windtechnik AG. Dazu zählt auch die Offshore-Qualifikation: Gesucht sind Fachkräfte aus technischen Berufen, die Wind und Wetter trotzen und zum Beispiel auf der Montageplattform Bard 1 90 Kilometer nordwestlich von Borkum den ersten kommerziellen Windpark in den Boden der Nordsee stampfen. Künftig sollen dort 80 Windräder Strom für 400.000 Haushalte produzieren.

Zeitarbeitsfirmen konzipieren Weiterbildungsprogramme

Windenergie boomt, die Auftragsbücher sind voll, Arbeit gibt es in der Branche genug. "Vor drei Jahren hatte noch niemand diesen Personalbedarf auf dem Schirm", so Brandt. "Jetzt brauchen wir dringend Leute." In diese Lücke stoßen nun gezielt Zeitarbeitsfirmen vor. Randstad etwa, einer der führenden Personaldienstleister, hat 2009 in Kooperation mit der Edwin Academy eine Weiterbildung zum Servicemonteur für Windkraftanlagen konzipiert.

Teilnehmer müssen eine technische Ausbildung sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung vorweisen können. Der Kurs dauert sechs Monate und schließt mit einer IHK-Prüfung ab. Randstad übernimmt Absolventen in ein festes Angestelltenverhältnis und vermittelt sie an Firmen der Windkraftbranche weiter. Zu den Abnehmern gehört auch die Bremer Windtechnik, die selbst Anteile an der Edwin Academy hält und unmittelbar in die Konzeption von neuen Weiterbildungsinitiativen involviert ist.

Häufig: Festanstellung nach einem Jahr Zeitarbeit

Laut Vorstand Brandt werden die Zeitarbeiter im Anlagenservice oder der Instandsetzung von Rotorblättern eingesetzt. Auch im Sicherheitsbereich werden sie gebraucht, etwa wenn der Aufzug klemmt oder Leitern repariert werden müssen. "Die schießen immer nach", freut sich Brandt über das Vermittlungsangebot von Zeitarbeitsfirmen. "Wer sich bewährt, den übernehmen wir nach einem Jahr in eine Festanstellung."

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Der Vorstoß der Zeitarbeit in Richtung Qualifikation kommt nicht von ungefähr. Grundsätzlich sind Unternehmen gefordert, die Personalentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Wenn Entwicklungszyklen wie etwa in der Windkraftbranche jedoch immer kürzer werden und die Planbarkeit abnimmt, "müssen Firmen möglichst frühzeitig in Dialog mit Dienstleistern treten", sagt Hartmut Lüerßen, Partner des Marktforschers Lünendonk in Kaufbeuren. Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst, hat womöglich das Nachsehen. "Je später man einsteigt bei der Suche nach Zeitarbeitern, desto schwieriger fällt es, Positionen zu besetzen."

Zeitarbeitsfirmen schulen gezielt Fachkräfte

Umgekehrt wird Weiterbildung auch immer wichtiger für Zeitarbeitsfirmen, so Lüerßen. "Weitergebildetes Personal erhöht die Chance auf Vermittlung." Auf diesen Trend setzen viele Branchenfirmen. Neben Randstad investiert auch DIS in Qualifikationsmaßnahmen, etwa im Luftverkehr. Am Flughafen Hannover kooperiert die Zeitarbeitsfirma mit dem Triebwerkshersteller MTU, der zur Instandhaltung und Reparatur von Motoren qualifizierte Mechaniker benötigt. Viele werden in eigens von DIS und MTU entwickelten Lehrgängen inklusive IHK-Prüfung qualifiziert. Andere Zeitarbeitsfirmen wie Amadeus Fire schulen kaufmännische Fachkräfte in Finanzthemen weiter oder investieren massiv in die Ausbildung wie die in Hannover ansässige Tina Voss GmbH mit ihrer Tochterfirma Die Ausbildungspiloten.

Weiterbildung erfolgt nah am Kundenbedarf

Diese Entwicklung werde sich unter dem Druck des Fachkräftemangels weiter fortsetzen, ist Lüerßen überzeugt: "Der Bedarf an Weiterbildung ist dort besonders groß, wo sie sehr nah beim Zeitarbeitskunden realisiert wird. Deshalb wird die Rolle der Zeitarbeit als Organisator von Weiterbildung weiter steigen." Wie das funktioniert, zeigt Randstad auch im Maschinenbau, einer ebenfalls vom akuten Fachkräftemangel gebeutelten Branche. Hier kooperiert Randstad eng mit dem Werkzeugmaschinenhersteller Deckel Maho Gildemeister, kurz DMG.

Konkret geht es um Zerspaner, heiß begehrte Fachkräfte, die das computergesteuerte Drehen, Schleifen und Fräsen beherrschen, und zwar an von DMG hergestellten Maschinen. Je nach Vorkenntnissen dauert die Qualifizierung, die an den Standorten der DMG Trainings-Akademien in Bielefeld, Leonberg, Pfronten und Geretsried angeboten wird und mit einer DMG-Zertifizierung abschließt, zwischen zwei Wochen und sechs Monaten. Passgenau und gemäß dem neuesten Stand der Technik werden die Mitarbeiter an den Maschinen und Steuerungen geschult, die der DMG-Kunde im Einsatz hat.

Zufriedene Kunden fördern Trend zur Weiterbildung

Das kommt gut an. Birte Rusch, Geschäftsführerin der in Schloss Holte-Stukenbrock bei Detmold ansässigen Firma JR Rusch Maschinenteile und DMG-Kundin, findet die Weiterbildungsinitiative "unheimlich wichtig".

Bewerber, die Randstad nach erfolgter Qualifikation vorschlug, beurteilt Rusch als "sehr gut". Für sie steht die Zeitarbeitsbranche vor einer Zäsur: Wolle ein Verleiher langfristig erfolgreich sein, müsse die Aus- und Weiterbildung einen großen Anteil einnehmen. "Zeitarbeitsunternehmen müssen von ihrer Denkweise, sich als Verteilstelle für Arbeitskräfte zu sehen, abrücken."

(Winfried Gertz, November 2011/ Bild: olly)


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