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Betriebliche Altersversorgung: von der Nebenleistung zum Imagefaktor

Betriebliche Altersversorgung: von der Nebenleistung zum Imagefaktor

rente, altersvorsorge, bav, betriebsrenteDas steigende Interesse der Arbeitnehmer an einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) veranlasst viele Arbeitgeber, neue Versorgungssysteme zu etablieren oder bestehende anzupassen. Die bAV wird immer mehr Teil eines strategischen Managements, vor allem in Großunternehmen. Die größte Akzeptanz und nachhaltigste Wirkung erzielen Modelle, bei denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinschaftlich an der Finanzierung beteiligen. Das Zauberwort heißt „matching contribution“.

 

Dr. Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer Longial GmbH, Düsseldorf

Arbeitgeber können die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aktiv gestalten und das nicht nur in Bezug auf den Durchführungsweg, sondern auch bei der Höhe der Beteiligung bzw. des Zuschusses zur bAV. Dabei zeigt die finanzielle Beteiligung des Arbeitgebers an der bAV dem Arbeitnehmer die Wertigkeit dieses Versorgungsinstrumentes. Nachweislich erhöht sich dadurch auch die Beteiligung der Arbeitnehmer und somit die Durchdringungsquote der bAV.

Wie funktioniert matching contribution?

Bei „matching contribution“-Modellen, die auch als Mischfinanzierung bezeichnet werden, wird in einem Beitragsplan übersichtlich und gut verständlich festgelegt, wer von beiden wie viel zur bAV beiträgt. Der Arbeitgeber gestaltet ein Versorgungssystem und führt beispielsweise einen Grund- und Zusatzbaustein ein. Der Grundbaustein ist eine reine Arbeitgeberleistung. Der Zusatzbaustein wird als „matching contribution“ gestaltet. Das heißt, ist der Arbeitnehmer bereit, einen Eigenbeitrag zu leisten, dann erhöht der Arbeitgeber seine Leistung durch einen weiteren Zuschuss.
 

Praxisbeispiel:
Der Arbeitgeber gewährt einen bAV-Beitrag von zwei Prozent pro Jahr an seine Arbeitnehmer. Bei einem Gehalt von 3.500 Euro im Monat bedeutet das einen Monatsbeitrag von 70 Euro, jährlich 840 Euro. Wenn der Arbeitnehmer bereit ist, selbst einen Beitrag zu leisten – zum Beispiel einen Prozent seines Gehaltes – stockt der Arbeitgeber seinen Beitrag noch einmal um die Hälfte des Arbeitnehmeranteils auf, also hier um 0,5 Prozent. Im Ergebnis bezahlt der Arbeitgeber 2,5 Prozent, das entspricht umgerechnet 87,50 Euro monatlich. Für den Arbeitnehmer fallen hingegen 35 Euro monatlich an. Zusammen fließen 122,50 EUR monatlich oder 1.470 EUR jährlich in die bAV-Kasse. Vorteile für den Arbeitgeber: Ein Plus an Image, bessere Wettbewerbsbedingungen und Kostenersparnis.

Arbeitgeberbeteiligungsmodelle sind beliebter als Modelle zur Entgeltumwandlung

In der Praxis zeigt sich, dass Versorgungslösungen mit einer Arbeitgeberbeteiligung von Mitarbeitern stärker genutzt werden als Modelle der reinen Entgeltumwandlung. Gleichzeitig erreichen Arbeitgeber dadurch einen Imagegewinn und eine höhere Wertschätzung und Loyalität beim Arbeitnehmer. Denn ein „sozial engagierter“ Arbeitnehmer, der seine Fürsorgepflicht wahrnimmt, ist heute vielen mehr wert als ein höheres Gehalt. Neben dem Imagegewinn und den damit verbundenen Effekten im Personalmarketing sprechen aber auch handfeste wirtschaftliche Vorteile für die bAV.

Durch das „matching contribution“-Modell können Arbeitgeber Lohnnebenkosten einsparen. Anstelle einer Gehaltserhöhung kann eine bAV angeboten werden. Dabei spart der Arbeitgeber Lohnnebenkosten, da die Beiträge zur bAV nicht mit Sozialversicherungsabgaben belegt sind. Außerdem kann der Arbeitgeber die Beiträge als Betriebsausgaben geltend machen. Ebenso können vermögenswirksame Leistungen in eine bAV eingezahlt werden.

Sensibilisierung der Arbeitnehmer für die eigene Vorsorge immer wichtiger

Da die gesetzliche Rente in Zukunft nur noch eine Grundversorgung im Alter ermöglicht, haben viele Arbeitnehmer erkannt, dass sie die Verantwortung für ihre Altersversorgung selbst in die Hand nehmen müssen, um der Altersarmut effektiv begegnen zu können. Aber nur wenn auch die Arbeitgeber ihre soziale Verantwortung und Fürsorgepflicht ernst nehmen, kann eine positive Veränderung in der Wahrnehmung der bAV herbeigeführt werden.

Dies gelingt vor allem durch eine verbindliche und überzeugende Kommunikation, am besten durch individuelle Einzelberatungen, aber auch durch Rundschreiben, Betriebsversammlungen und einer jährlichen bAV-Information über die erworbene Betriebsrente.

Auch das Thema Sicherheit spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Bedingt durch die kritische gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Niedrigzinsphase, sorgen sich Arbeitnehmer verstärkt um ihre bAV. Eine ständige Beobachtung der Kosten und des Risikos bei der Gestaltung der Versorgungspläne sowie deren regelmäßige Überprüfung und Anpassung seitens des Arbeitgebers sind also unerlässlich. Eine bAV ist somit eine vertrauensbildende und bindende Maßnahme, die neben den klassischen Personalinstrumenten wie Entlohnung, Personalpolitik, Führungsstil und Arbeitsbedingungen immer mehr an Bedeutung gewinnt. (Foto: Fotolia.com)

 

Die Longial GmbH ist ein unabhängiges Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen für betriebliche Altersversorgung (bAV). Von der Beratung bei Neueinrichtung oder Umstrukturierung der bAV über betriebswirtschaftliche Bewertungen bis hin zum kompletten Informationsmanagement und der Erstellung und Umsetzung von Finanzierungskonzepten.